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Rat und Stadtbezirksräte

Vorlage - 16-01505  

Betreff: Flüchtlingsunterkünfte für 100 Personen (Typ A)
Objekt- und Kostenfeststellungsbeschluss
Status:öffentlichVorlage-Art:Beschlussvorlage
Federführend:65 Fachbereich Hochbau und Gebäudemanagement   
Beratungsfolge:
Ausschuss für Soziales und Gesundheit Vorberatung
08.02.2016 
Sitzung des Ausschusses für Soziales und Gesundheit ungeändert beschlossen   
Bauausschuss Entscheidung
09.02.2016 
Sitzung des Bauausschusses ungeändert beschlossen   

Sachverhalt
Beschlussvorschlag
Anlage/n
Anlagen:
160204_Wohnbausteine_Braunschweiger_Modell_Lagepläne
20160203_Flüchtlinge_öffentlicherErschlie_Anlage1
20160203_Flüchtlinge_öffentlicherErschlie_Anlage2
20160202_Flüchtlinge_Glogau_Anlage1
20160202_Flüchtlinge_Glogau_Anlage2
20160202_Flüchtlinge_ImGrMoore_Anlage1
20160202_Flüchtlinge_ImGrMoore_Anlage2
20160202_Flüchtlinge_AlteFrankfurter_Anlage1
20160202_Flüchtlinge_AlteFrankfurter_Anlage2
Wohnmodule_26.01

Sachverhalt:

 

1. Beschlusskompetenz

Die Beschlusskompetenz des Bauausschusses ergibt sich aus § 6 Nr. 2 lit.a der Hauptsatzung der Stadt Braunschweig in Verbindung mit § 76 Abs. 2 Satz 1 NkomVG.

 

2. Begründung und Beschreibung des Investitionsvorhabens

Der Rat der Stadt Braunschweig hat in seiner Sitzung am 21. Dezember 2015 dem dezentralen Standortkonzept zugestimmt (Vorlage 15-01259-02). An den Standorten sollen jeweils zweigeschossige Wohnkuben für ca. 100, 80 bzw. 50 Flüchtlinge entstehen.

 

Die ersten Wohnkuben für jeweils max. 100 Personen (Modultyp A) sollen an den drei Standorten Bienrode/Im Großen Moore, Melverode/Glogaustraße und Gartenstadt/Elzweg bzw. Alte Frankfurter Straße schnellstmöglich errichtet und das Vergabeverfahren umgehend initiiert werden.

 

Die Verwaltung hat in Anlehnung an das so genannte Bremer Modell ein Raumprogramm in modularer Bauweise für jeweils zwei, vier und sechs Personen entwickelt. Diese Wohnmodule (1, 2 und 3) sollen auf den einzelnen Grundstücken abhängig vom Grundstückszuschnitt planerisch sinnvoll zusammengeführt werden. Jeweils in Abhängigkeit von der sozialen Infrastruktur im Umfeld des Standortes werden Gemeinschaftsräume eingeplant.

 

3. Wohnkubus und Raumprogramm

 

3.1 Wohnkubus

Der Wohnkubus berücksichtigt in seiner baukörperlichen Anordnung in Hofform die erforderliche Privatsphäre der zukünftigen Bewohner einerseits und den Wunsch nach Offenheit, Transparenz und sozialer Kontrolle, sowie dem Austausch mit der Wohnbevölkerung in der Nachbarschaft andererseits.

 

3.2 Raumprogramm

Nach dem aktuellen Stand der Planung stehen in den einzelnen Wohnmodulen jedem Flüchtling ca. 10 m² Nutzfläche (Wohnfläche) zur Verfügung. Hinzu kommen die baulich integrierten Gemeinschaftsflächen von ca. 170 m². Diese sind, ebenso wie die Betreuungs- Technik- und Funktionsflächen, im Erdgeschoss angeordnet. Die einzelnen Wohnmodule (1,2 und 3) haben jeweils eigene räumlich kompakte Sanitärzellen sowie eine Kochzeile. Die Wohnmodule werden mit einfachen, robusten Materialien wie Linoleumböden und gestrichenen Wand- und Deckenflächen ausgestattet; Bad und Küche erhalten eine Grundausstattung.

 

4. Erläuterungen zur Planung und Konstruktion

Die Wohnmodule orientieren sich um einen gemeinsamen atriumförmigen Innenhof, der über den Hauptzugang erschlossen wird. Die Flächen im Obergeschoss werden über einen umlaufenden überdachten Laubengang erschlossen. Konstruktiv werden die einzelnen Module zur Optimierung der Tragkonstruktion und der Versorgungsleitungen typengleich zweigeschossig aufeinandergestellt. Die äußere durchlaufende Fassadenhülle verbindet als vorgehängte hinterlüftete Holz-Lattenfassade die beiden Geschosse gestalterisch zu einer Einheit. Die einfache Bauweise, die Reduktion auf wenige Materialien, die Minimierung von Erschließungsflächen (mittiger Sanitätskern in den Wohnmodulen) und die Möglichkeit der seriellen Vorfertigung stellen die Grundlage für eine Erstellung der Wohn-Einheiten unter sehr engen Kosten- und Terminvorgaben dar. Geländer und Treppen im Atriumhof werden als verzinkte Stahlkonstruktionen ausgebildet. Der im Atriumhof umlaufende Laubengang ist - bis auf die Bereiche Haupteingang und Treppenanschlüsse - stützenfrei und mit einer umlaufenden Überdachung konzipiert. Die Fugen zwischen den Wohnmodulen ergeben sich aus den Vorgaben des Brandschutzkonzeptes und den maximalen Fluchtweglängen. Dabei wird zwischen den Breiten des Eingangsbereichs deutlich größer als die übrigen Fugen differenziert.
 

4.1 Außenanlagen

Um an den jeweiligen Standorten die versiegelten Flächen und die Eingriffe in den Bestand möglichst gering zu halten, wird die Zuwegung über einen geschwungenen Erschließungsweg in „freier Form“ vorgehalten. PKW-Einstellplätze für Personal (max. 3) sowie die Müllcontainer werden auf einer separaten befestigten Erschließungsinsel untergebracht. Es sind 30 Fahrradstellplätze nahe dem fußläufigen Erschließungsweg vorgesehen, die ggf. bei Bedarf ergänzt und in die Außenanlage harmonisch integriert werden können. Der Innenhof der pavillonartigen Wohnanlage soll als natürliche Wiesen- und Aktionsfläche erhalten bleiben.
 

4.2 Brandschutzkonzept

Gemäß Brandschutz werden die Wohnkuben als „Sonderbau“ der Gebäudeklasse 3 eingestuft. Da die Wohnkuben stets die äußeren Abmessungen von 40 m x 40 m unterschreiten, sind keine inneren Brandwände erforderlich. Die Gebäude bilden jeweils einen abgeschlossenen Brandabschnitt aus. Zur Optimierung der Erschließung und der Fluchtwege befinden sich die Laubengänge und die Treppenerschließungen im Freien.

 

5. Maßnahmen für Menschen mit Behinderungen

Es ist geplant, den Zugang zum Erdgeschoss weitestgehend barrierefrei zu gestalten.

 

6. Techniken für Regenerative Energien

Die Gebäude sind aufgrund ihrer nachhaltigen Bauweise und langfristigen Nutzung nach dem Standard der ENEV 2016 ausgelegt.

 

7. Kosten

In der Beschlussfassung für den Rat am 21. Dezember 2015 wurde von einer Annahme von ca. 25.000 €/pro Flüchtlingsplatz ausgegangen. Für eine belastbare Kostenschätzung ist jedoch eine detaillierte Prüfung erforderlich. Diese ist zwischenzeitlich erfolgt und berücksichtigt u.a. auch die Ergebnisse folgender Maßnahmen und Überlegungen:

 

-          Plausibiliätsprüfung der Kosten beim „Bremer Modell“

-          Austausch mit anderen Städten zu Bauweise und Kosten

-          Entwicklung eines spezifischen Braunschweiger Modells in Abstimmung mit der Sozialverwaltung (u. a. Vorhalten von Gemeinschaftsflächen in den Unterkünften als nutzerspezifischen Betreuungsansatz)

-          detaillierte Untersuchung der einzelnen Standorte

-          Anhaltswerte BKI 2015 für Wohnheime/Internat, einfacher Standard mit niedrigstem Planungs- und Kostenkennwert

 

Standortbezogen können sich darüber hinaus Unwägbarkeiten ergeben, die u. a. mit der Herrichtung und Erschließung der Grundstücke, dem Verlauf des Vergabeverfahrens sowie des generellen weiteren Verlaufs des Gesamtprojekts zusammenhängen. Die Kosten pro Flüchtlingsplatz können deshalb auch standortbezogen variieren und sind nur bedingt vorhersehbar.

 

Für die drei Standorte ergeben sich danach folgende Kosten:

 

1. Kosten für die Errichtung (KG 200-700, ohne KG 540)

Melverode, Glogaustr. 2.950.200 €

Bienrode, Im Großen Moore2.878.100 €

Gartenstadt, Alte Frankfurter Str. 2.873.300 €

Zwischensumme8.701.600 €

 

Die Konkretisierung der Planung hat darüber hinaus nicht vorhersehbare Kosten für die Ertüchtigung der Baugrundstücke ergeben:

 

2. Kosten für die Herrichtung der Grundstücke (KG 540)

Melverode, Glogaustr.   180.000 €

Bienrode, Im Großen Moore   208.000 €

Gartenstadt, Alte Frankfurter Str.    215.200 €

Zwischensumme   603.200 €

 

Gesamtkosten9.304.800 €

 

Damit liegen die Kosten je Platz für die Wohnmodule im Rahmen von BKI, aber auch im Vergleich zu anderen Städten (Hannover).

 

Aufgrund erhöhter Nachfragen am Markt ist im Moment mit Marktschwankungen von ca. 25 % zu rechnen. Ein Zuschlag für diese Marktschwankungen und eine 5 % Risikovorsorge für Unvorhergesehenes sind nicht einkalkuliert.

 

Im Sinne einer Nachhaltigkeit sind bereits jetzt Kosten für Auflagen nach dem Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz (EEWärmeG) und Brandschutzanforderungen für eine allgemeine spätere Wohnnutzung berücksichtigt.

 

Bei einer Unterbringung von 3 x 100 Personen ergeben sich Kosten von rd. 31 T € je Flüchtlingsplatz (ohne Kosten der öffentlichen Erschließung). Sofern die Baumaßnahme mit diesen Kosten umgesetzt werden kann, ergeben sich bei einer derzeit angenommenen Nutzungsdauer von 25 - 30 Jahren Unterbringungskosten von ca. 1.000 bis 1.240 € pro Flüchtling und Jahr.

 

 

Öffentliche Erschließung (Hausanschlussleitungen, Verkehrsflächen)

Bei den Standorten Bienrode, Gartenstadt und Melverode ergeben sich höhere Kosten, die zum einen aus der erforderlichen Länge der Anschlussleitung und zum anderen aus der Verlegung von vorhandenen Leitungen/Kabeln resultieren. Die Kosten für die öffentliche Erschließung der Grundstücke erfolgt deshalb separat in einer Höhe von 190.900 €.

 

8. Finanzierung

Die Finanzierung stellt sich wie folgt dar:

 

Im Haushaltsentwurf der Stadt sind derzeit für die Erstellung von Plätzen für 1.000 Flüchtlinge insgesamt nach einer groben Schätzung aus Dezember 2015 25 Mio. € vorgesehen, deren Ansätze im Rahmen der Planung weiter zu konkretisieren sind. Damit sich der Beginn der Baumaßnahmen nicht durch das späte Inkrafttreten des Haushaltsplans 2016 verzögert, hat der Rat am 21. Dezember 2015 eine außerplanmäßige Mittelbereitstellung im Umfang von 9,25 Mio. € für das Haushaltsjahr 2015 sowie eine außerplanmäßige Verpflichtungsermächtigung in Höhe von 14.335.000 € beschlossen. Die außerplanmäßigen Haushaltsmittel in Höhe von 9,25 Mio. € werden auf den Finanzrahmen von 25 Mio. € angerechnet.

Die Maßnahmen der öffentlichen Erschließung, die vom Fachbereich Tiefbau und Verkehr umzusetzen sind, werden ebenfalls durch die eingeplanten Haushaltsmittel für Flüchtlingsunterkünfte finanziert.

 

9. Bauzeit

Nach Beschlussfassung wird umgehend das Vergabeverfahren in die Wege geleitet. Erst das Ergebnis dieses Verfahrens wird belastbare Aussagen zum Zeitpunkt der Fertigstellung der ersten Wohnkuben zulassen. Es bleibt abzuwarten, inwieweit der Markt über ausreichende Kapazitäten verfügt, um die einzelnen Projekte entsprechend zeitnah umsetzen zu können.

 

 

 


Beschluss:

 

„Dem o.a. Investitionsvorhaben wird gemäß den vorliegenden Plänen zugestimmt. Die Kosten für die Errichtung von drei Wohnkuben an drei Standorten werden auf Grundlage der Kostenberechnung vom 02.02.2016 auf insgesamt 9.304.800 € einschließlich der Eigenleistung des Fachbereichs Hochbau und Gebäudemanagement festgestellt.“
 

 


Anlagen:

Lagepläne mit Wohnkuben, Kostenschätzungen für die Standorte Melverode Glogaustr., Bienrode Im Großen Moore, Gartenstadt Alte Frankfurter Str., Modelltyp A mit Wohnmodulen 1, 2 und 3 (für zwei, vier bzw. sechs Personen)

 

Anlagen:  
  Nr. Name    
Anlage 1 1 160204_Wohnbausteine_Braunschweiger_Modell_Lagepläne (4631 KB)    
Anlage 4 2 20160203_Flüchtlinge_öffentlicherErschlie_Anlage1 (7 KB)    
Anlage 5 3 20160203_Flüchtlinge_öffentlicherErschlie_Anlage2 (6 KB)    
Anlage 8 4 20160202_Flüchtlinge_Glogau_Anlage1 (6 KB)    
Anlage 9 5 20160202_Flüchtlinge_Glogau_Anlage2 (7 KB)    
Anlage 11 6 20160202_Flüchtlinge_ImGrMoore_Anlage1 (6 KB)    
Anlage 10 7 20160202_Flüchtlinge_ImGrMoore_Anlage2 (7 KB)    
Anlage 6 8 20160202_Flüchtlinge_AlteFrankfurter_Anlage1 (6 KB)    
Anlage 7 9 20160202_Flüchtlinge_AlteFrankfurter_Anlage2 (7 KB)    
Anlage 12 10 Wohnmodule_26.01 (234 KB)