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Rat und Stadtbezirksräte

Vorlage - 16-03000  

Betreff: Energiesparen in städtischen Liegenschaften
Status:öffentlichVorlage-Art:Beschlussvorlage
Federführend:65 Fachbereich Hochbau und Gebäudemanagement   
Beratungsfolge:
Bauausschuss Vorberatung
18.10.2016 
Sitzung des Bauausschusses geändert beschlossen   
Verwaltungsausschuss Vorberatung
25.10.2016    Sitzung des Verwaltungsausschusses      
Rat der Stadt Braunschweig Entscheidung
01.11.2016 
Sitzung des Rates der Stadt Braunschweig geändert beschlossen   

Sachverhalt
Beschlussvorschlag
Anlage/n
Anlagen:
Ergebnisauszug Energiegutachten

Sachverhalt:

 

Unter dem Tagesordnungspunkt „Energiesparen in städtischen Liegenschaften“ wurde die Verwaltung durch den Rat auf der Grundlage einer Empfehlung des Bauausschusses vom 24.04.2012 am 08.05.2012 beauftragt,

 

dem Rat über seine Ausschüsse eine Vorlage zuzuleiten, aus der das jeweilige Energieeinsparpotential aller städtischen Liegenschaften mit einer Hauptnutzfläche von mehr als 1.000 m2 hervorgeht. Darzustellen ist jeweils die in Erwägung zu ziehende bauliche Maßnahme mit der sich daraus ergebenden Energieeinsparung in kWh/Jahr sowie die durch die Maßnahme entstehenden Kosten und die jährlichen Kosteneinsparungen nach heutigen Energiepreisen.

 

Für den Fall, dass diese Informationen für die einzelnen Gebäude bei der Verwaltung nicht vorliegen, sind diese zeitnah innerhalb der nächsten vier bis fünf Jahre zu ermitteln, ggf. durch eine entsprechende Auftragsvergabe.

 

Da die geforderten Informationen für die einzelnen Gebäude nicht vorliegen, wurden für die Beauftragung von entsprechenden Energiegutachten seit 2013 Haushaltsmittel bereitgestellt.

 

In der Bewirtschaftung der Kernverwaltung befinden sich etwa 115 städtische Liegenschaften mit einer Hauptnutzfläche von mehr als 1.000 m². Unter Berücksichtigung durchgeführter Sanierungsmaßnahmen, wie im Rahmen des Konjunkturprogramms II und des PPP-Projektes, sowie zurückgestellter Liegenschaften, bei denen Veräußerungen oder Ersatzbauten geplant sind, verbleiben 80 Liegenschaften, für die zwischenzeitlich               48 Energiegutachten (60 %) erstellt worden sind. In der beigefügten Anlage sind am Beispiel von 5 Liegenschaften die gewünschten baulichen Maßnahmen mit den sich daraus ergebenden Energieeinsparungen in kWh/Jahr sowie den durch diese Maßnahmen entstehenden Kosten dargestellt. Für die Erstellung der Energiegutachten sind bislang Kosten in Höhe von rund 132.000 € entstanden. Für die Untersuchung der restlichen          32 Liegenschaften werden geschätzt noch rund 96.000 € benötigt.

 

Die Festlegung der Reihenfolge der zu begutachtenden Liegenschaften erfolgte bislang auf der Grundlage von ohnehin geplanten Sanierungsmaßnahmen sowie in Abhängigkeit von der Höhe der Heizkennzahlen, die aus der vorhandenen Energiemanagementsoftware ermittelt wurden. Hierbei wurden die Heizkennzahlen der jeweiligen städtischen Liegenschaften den sogenannten AGES-Kennwerten gegenübergestellt, die durch die Gesellschaft für Energieplanung und Systemanalyse im Rahmen einer bundesweiten statistischen Erhebung vergleichbarer Gebäude ermittelt wurden. Mit dem jetzigen Stand der Abarbeitung wurde für fast alle Liegenschaften, deren Heizkennzahl schlechter als der AGES-Referenzwert ist, ein Gutachten erstellt.

 

Die als Anlage beigefügten exemplarischen Auszüge der Energiegutachten von                    5 Sanierungsmaßnahmen zeigen, dass die energetischen Amortisationszeiten ganz-heitlicher Sanierungen zwischen 18 und 27 Jahren liegen.

 

Je nach Ausgangslage des Baubestandes variieren die Sanierungskosten sehr stark. Hohe Investitionskosten verursachen in der Regel Maßnahmen an der thermischen Hülle, während technische Maßnahmen im Allgemeinen eher günstiger sind und sich schneller amortisieren.

 

Bezogen auf die jeweiligen Gesamtgrundflächen der betrachteten Gebäude ergeben sich Sanierungskosten in Höhe von 130 bis knapp 390 €/m². Über alles werden Gesamtkosten für die Sanierung der 5 Liegenschaften in Höhe von etwa 2,4 Mio. € benötigt, die sich innerhalb von etwa 23 Jahren energetisch amortisieren.

 

Die vorliegenden Erfahrungen haben gezeigt, dass die Ergebnisse der Energiegutachten im Wesentlichen nicht umgesetzt werden können bzw. konnten. Gründe hierfür sind:

 

- Die für die Sanierung und den Neubau von Gebäuden maßgebliche Energieeinsparverordnung (EnEV) ist einem stetigen Wandel, d. h. einer stetigen Verschärfung unterworfen. Die Novellierungen der EnEV in den Jahren 2007, 2009, 2014 und zuletzt 2016 (nur für Neubauten) erfordern, dass die Energiegutachten zeitnah erstellt werden, weil sonst die erstellten Gutachten bei ihrer Umsetzung bereits überholt sind und nicht die jeweils aktuellste EnEV berücksichtigen.

 

- Die geschätzten Kosten für die Durchführung der Energiesparmaßnahmen laut Energiegutachten erweisen sich in der Praxis häufig als nicht auskömmlich. Zum Beispiel führt der Austausch von hochgedämmten Fenstern zu Feuchtigkeitsproblemen und Schimmelbildungen in den Räumen, die durch zusätzliche Maßnahmen, wie Dämmung bzw. Einbau von lüftungstechnischen Einrichtungen kompensiert werden müssen. Diese Kosten wurden in den Gutachten jedoch nicht berücksichtigt.

 

- Bei dem bestehenden Sanierungsstau können zunächst vorrangig nur die betriebs- und sicherheitsrelevanten Aspekte bearbeitet werden, wie Brandschutz, Trinkwasserhygiene, Schadstoffe, Schallschutz, Beleuchtung, Heizung und Elektroversorgung, Dichtheit des Baukörpers etc. Bis auf die gesetzlich vorgeschriebenen Energiestandards können somit in der Regel die energetischen Vorschläge der Energiegutachten nicht umgesetzt werden.

 

Aus den oben genannten Gründen wurden im Jahr 2015 keine Energiegutachten zur Ermittlung des jeweiligen Energieeinsparpotentials aller städtischen Liegenschaften mehr in Auftrag gegeben. Vor diesem Hintergrund, dass die Energiegutachten sehr schnell „veraltet“ sind bzw. bei jeder Sanierungsmaßnahme aktuell eine energetische Bewertung und eine planungsbegleitende Energieberatung unter Berücksichtigung der EnEV und des Erneuerbare-Energien-Wärmegesetzes (EEWärmeG) zu erfolgen hat, sollten keine weiteren Haushaltsmittel in die Erstellung von Energiegutachten investiert werden und folglich der Ratsauftrag zur Erstellung von Energiegutachten vom 08.05.2012 aufgehoben werden.

 

Stattdessen sollten bei ohnehin anstehenden Sanierungsmaßnahmen im Rahmen einer zusammenhängenden Sanierungsplanung Energiegutachten und Energieberatungen mit dem Ziel beauftragt werden, die Möglichkeit der Umsetzung von sinnvollen und sich zeitnah amortisierenden Energiesparmaßnahmen zu prüfen.
 

 


Beschluss:

 

„Der Vorschlag der Verwaltung zur Aufhebung der Erstellung von Energiegutachten gemäß Ratsbeschluss vom 08.05.2012 wird angenommen.“
 

 


Anlage/n:

Ergebnisauszug Energiegutachten


 

 

Anlagen:  
  Nr. Name    
Anlage 1 1 Ergebnisauszug Energiegutachten (16 KB)    
Stammbaum:
16-03000   Energiesparen in städtischen Liegenschaften   65 Fachbereich Hochbau und Gebäudemanagement   Beschlussvorlage
16-03000-01   Energiesparen in städtischen Liegenschaften   65 Fachbereich Hochbau und Gebäudemanagement   Beschlussvorlage