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Rat und Stadtbezirksräte

Vorlage - 17-04419  

Betreff: Inklusive Umgestaltung des Spielplatzes "An der Matthäuskirche"
Status:öffentlichVorlage-Art:Beschlussvorlage
Federführend:67 Fachbereich Stadtgrün und Sport   
Beratungsfolge:
Stadtbezirksrat im Stadtbezirk 120 Östliches Ringgebiet Entscheidung
26.04.2017 
Sitzung des Stadtbezirksrates im Stadtbezirk 120 Östliches Ringgebiet ungeändert beschlossen   

Sachverhalt
Beschlussvorschlag
Anlage/n
Anlagen:
Entwurf
Schnitte und Ansichten

Sachverhalt:

 

Hintergründe und Voraussetzungen für die Umsetzung des Projektes

 

Seit 2006 die UN-Behindertenrechtskonvention beschlossen wurde und sie 2009 in Deutschland in Kraft trat, wird sie schrittweise in kommunales Recht überführt. Barrierefreie Stadtgestaltung und inklusive Bildung sind dabei die Hauptthemen. Inklusion bedeutet „Einschluss“ und meint, dass alle diejenigen, die am Rand stehen, gleichberechtigt am Leben teilhaben können. Auch die Stadt Braunschweig, hier der Fachbereich Stadtgrün und Sport, wird zunehmend aufgefordert, die Forderungen nach Teilhabe umzusetzen.

 

Aus dem vom Land Niedersachsen neu aufgelegten Programm zur Förderung von Inklusionsprojekten auf kommunaler Ebene erhält die Stadt Braunschweig für zwei städtische Vorhaben jeweils die Höchstförderung in Höhe von 50.000 €, also insgesamt 100.000 €. Es handelt sich um Projekte des Fachbereichs Stadtgrün und Sport, für die im Herbst 2016 erfolgreich Förderanträge beim Land gestellt wurden.

 

Eines davon ist die inklusive Umgestaltung des Spielplatzes „An der Matthäuskirche“:

 

Derzeitiger Bestand

 

Der Spielplatz „An der Matthäuskirche“ - gelegen an der Herzogin-Elisabeth-Straße - ist mit einer Gesamtgröße von rund 5 800 m² ein großzügig angelegtes Areal für Spiel und Bewegung. Er ist mit seiner Lage im Östlichen Ringgebiet Braunschweigs verkehrsgünstig angebunden und hat eine direkte Verbindung zum Prinz-Albrecht-Park als öffentlicher, häufig frequentierter Park- und Freizeitanlage.

 

Teilbereiche des Spielplatzes haben bereits in der jüngsten Vergangenheit einige barrierefreie, integrative, also inklusive Spieleinrichtungen erhalten. Es wurden z. B. eine Nestschaukel und besonders ausgestattete Schaukelsitze mit barrierefreier Zugänglichkeit (Fallschutzplatten) im östlichen Spielplatzbereich eingebaut. Im nördlichsten Bereich wurden eine barrierefreie Seilbahn sowie ein Hangnetzelement aufgestellt.

 

Aufgrund der Spielplatzgröße können die geplanten Sanierungen mit inklusivem Schwerpunkt nur in Teilabschnitten durchgeführt werden.

 

Umsetzung des planerischen Konzeptes zur inklusiven Umgestaltung des Spielplatzes „An der Matthäuskirche“

 

Es ist vorgesehen, in einem 1. Bauabschnitt den südlichen Spielplatzbereich mit rund 1 800 zu sanieren und inklusiv neu zu gestalten. Eine abgängige große Spieleinrichtung soll entfernt und die vorhandenen abgängigen Fallschutzbereiche mit ihren Einfassungen aus hochkant eingebauten Holzschwellen abgebaut werden. Die sich derzeit im schlechten Zustand befindlichen Wege- und Platzflächen im Zugangsbereich zum neuen Spielplatzbereich werden barrierefrei neu hergerichtet.

 

Geplant ist ein Seilnetzparcours bestehend aus verschiedenen Raumnetzstrukturen: einer Raumzelle als Kapsel mit Boden und Deckel aus Sechseckmembranen, einem Seilwedel, einem Hochseil, einer Schachbrettbrücke, einer Seilwippe, einer Hängematte und verschiedenen Flächen- und Einstiegsnetzen. Dabei soll die sehr gut erhaltene und sehr gern bespielte breite Edelstahlrutsche des ansonsten abgängigen Spielgerätes in das neue Spielgerät integriert und damit nachhaltig weiter genutzt werden. Es wird besonders auf eine Vielzahl verschiedenartiger Aufstiege geachtet. Jedes Kind soll die Möglichkeit erhalten, die Geräte zu nutzen, aber nicht jedes Kind muss jede Stelle erreichen. Das Spielgerät ist so konzipiert, dass es Kinder mit unterschiedlichen motorischen Fähigkeiten zur Bewegung anregt und als Herausforderung wahrgenommen wird, immer wieder Neues zu erlernen und seine eigenen motorischen und koordinativen Fähigkeiten auszuprobieren und zu erweitern. Balancier- und Hangelstrecken ergänzen die Kletterangebote.

 

Das neue Spielgerät bietet unterschiedliche Schwierigkeitsstufen an. Jüngere Kinder können dort ihre motorischen Fähigkeiten in engmaschigeren Abschnitten einer Spieleeinheit erproben. Größere Kinder oder junge Erwachsene, welche noch gern klettern, (z. B. mit einer geistigen Behinderung), können sich in Abschnitten mit größeren Abständen zwischen den Seilen bewegen. Eine Hängematte im Spielbereich ermöglicht es auch Menschen mit einer gravierenden körperlichen Beeinträchtigung, am Geschehen teilzunehmen. Die Bewegungen der kletternden Kinder werden zu einer Liegefläche (Gummimembran) im Raumnetz übertragen und das Gefühl der Zugehörigkeit kann übermittelt werden. Ein weiterer Vorteil der Raumnetzgeräte liegt in der motorischen Herausforderung, die an z. B. hyperaktive Kinder weitergegeben wird. Gehörlose Kinder haben die Möglichkeit, über die verschiedenen Ebenen hinweg Blickkontakt zu anderen Kindern oder Bezugspersonen außerhalb des Gerätes aufrecht zu erhalten. Durch die Transparenz des Seilspielgerätes können sie statt der Lautsprache die Gebärdensprache nutzen, um sich bemerkbar zu machen. Ein integrierter Niedrigseilgarten kann für sehbehinderte Kinder ein neues Spielerlebnis bedeuten, indem sie ohne Angst nah am Boden oder in einem durch Netzmaschen gesicherten Raum klettern, sich ausprobieren können und größere Herausforderungen meistern. Mit der Benutzung des Spielgerätes sollen Kinder das Risiko ihres Spielens abschätzen lernen mit dem Ziel, selbständig zurechtzukommen und sich auch gegenseitig zu helfen.

 

Um möglicherweise auch gehbehinderte Kinder zu animieren, ihren Rollstuhl sofern möglich zu verlassen, ist zusätzlich ein einfach zu bespielendes Drehspielgerät mit niedriger Einstiegshöhe und die Sitzfläche umspannenden Netzmaschen vorgesehen.

Der Fallschutzbereich wird bündig zum angrenzenden Wegebelag mit hochwertigem und nachhaltigem Spielplatzbelag (aus „Oecocolor“) ausgestattet. Der Belag ist aufgrund seiner Beschaffenheit (trockenes, sauberes und unbehandeltes Holzschnitzelmaterial mit Zertifikat) und Struktur mit Rollstuhl und Rollator gut befahrbar und ermöglicht damit die allseitige Erreichbarkeit des Seilzirkus auch für gebehinderte Menschen.


 

Ermittelte Kosten zur Herstellung der beschriebenen Maßnahme:

 

Rückbau abgängiger Spielgeräte und

nicht barrierefreier Einfassungen rund brutto     8.300,00€

Lieferung und Einbau von inklusiven Spielgeräten rundbrutto   58.700,00

Herstellung barrierefreier/befahrbarer Fallschutzflächen rundbrutto   15.000,00€

Barrierefreier Ausbau von Wegen rundbrutto   20.000,00€

Planungskosten nach HOAI (Landschaftsarchitekt)brutto   23.000,00€

 

Herstellungskosten gesamt                         brutto 125.000,00€

 

 

Im Teilhaushalt 2017 des Fachbereiches Stadtgrün und Sport stehen Haushaltsmittel in Höhe von 125.000 €, von denen 50.000 € durch den Zuschuss des Landes Niedersachsen gegenfinanziert sind, zur Verfügung. Mit der baulichen Umsetzung des Projektes soll Mitte Juni begonnen werden. Die Fertigstellung ist für Mitte September 2017 geplant.

 

Die Abrechnung der Maßnahme gegenüber dem Zuwendungsgeber Land Niedersachsen muss bis Ende Oktober 2017 erfolgen.

 

 

 


Beschluss:

 

„Der inklusiven Teilumgestaltung des Spielplatzes ‚An der Matthäuskirche‘ (bezirkliche Einrichtung) wird zugestimmt.“
 

 


Anlage/n:

Entwurf

Schnitte und Ansichten

 

Anlagen:  
  Nr. Name    
Anlage 1 1 Entwurf (3255 KB)    
Anlage 2 2 Schnitte und Ansichten (1865 KB)