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Vorlage - 17-06009-01  

Betreff: Antworten der Stadt Braunschweig auf derzeitige ökologische Grundprobleme
Status:öffentlichVorlage-Art:Stellungnahme
  Bezüglich:
17-06009
Federführend:61 Fachbereich Stadtplanung und Umweltschutz   
Beratungsfolge:
Rat der Stadt Braunschweig zur Kenntnis
19.12.2017 
Sitzung des Rates der Stadt Braunschweig zur Kenntnis genommen   

Sachverhalt
Anlage/n

Sachverhalt:

 

Zur Anfrage der BIBS-Fraktion vom 6.12.2017 (17-06009) wird wie folgt Stellung
genommen:

 

Die Stadtverwaltung teilt die in der Anfrage zum Ausdruck kommenden Sorgen um die Veränderungen der Artenvielfalt und der Bodenqualität. Sie hat im Rahmen ihrer Möglichkeiten allerdings nur begrenzt Einfluss auf die genannten bundes- und landespolitischen Entscheidungen. Im Folgenden wird daher auf die städtischen Aktivitäten abgestellt.

 

Vorangestellt weise ich auf den jüngst gestellten gemeinsamen Förderantrag „Biologische Vielfalt in Braunschweig“ der Bauverwaltung und des Fachbereichs 67 hin, hierin enthalten sind insbesondere Maßnahmen zum Artenschutz: Die Schaffung von Quartieren für Fledermäuse, Maßnahmen zum Schutz von Amphibien und Maßnahmen zur Vernetzung von Biotopen.

 

Dies vorangestellt beantworte ich die Fragen wie folgt:

 

Zu Frage 1:

 

Am Klimagipfel der Städte und Regionen bei der 23. Weltklimakonferenz am 12. November 2017 in Bonn haben rund 1000 geladene Delegierte (Bürgermeister, Gouverneure und Spitzenvertreter der lokalen und regionalen Ebene aus aller Welt) teilgenommen. Die Zahl der Einladungen war angesichts der weltweiten Ausrichtung der Veranstaltung notwen­digerweise begrenzt; bei der Stadt Braunschweig ist keine Einladung eingegangen.

 

Zu Frage 2:

 

Die Verwaltung ergreift bereits heute an vielen Stellen ihres Einflussbereiches geeignete Maßnahmen zum Schutz und zur Stärkung der Artenvielfalt:

 

Für viele städtische Flächen, die im Rahmen von Kompensationsmaßnahmen oder im Zusammenhang mit Renaturierungsprojekten verpachtet werden wie z. B. bei den Fließgewässerrenaturierungen der letzten Jahre an Wabe, Schunter und Sandbach - wurde besonderer Wert auf die landwirtschaftliche Extensivierung der Nutzflächen im Niede-rungsbereich gelegt. Ackerflächen wurden in Grünland umgewandelt und die Bewirtschaftung erfolgt extensiv, ohne Einsatz von chemischen Pflanzenschutzmitteln. Dies ist auch im Bereich des Fuhsekanals westlich von Broitzem sowie in der Weddeler Grabenniederung in Riddagshausen in größerem Umfang gelungen.

 

Bei der Umsetzung von Kompensationsmaßnahmen wird darauf geachtet, dass vor der Bepflanzung kein Einsatz von Glyphosat erfolgt (z. B. wurde dies bei den Aufforstungs­flächen für die Kompensation des Flughafenausbaus so vorgegeben).

 

Die Hamster-Umsiedlungsflächen in Lamme und Broitzem dienen mit ihrem differenzierten Bewirtschaftungskonzept nicht nur dieser Zielart, sondern bieten auch ein breites Nahrungs­angebot für Insekten und Vögel.

 

Alt- und Totholz sind Lebensraum einer Vielzahl unterschiedlicher Insektenarten. Die Ver­waltung hat in den vergangenen Jahren diverse Habitatbäume angekauft und führt dies weiterhin fort. Dadurch bleiben diese Bäume für die holzbesiedelnden Insektenarten bis zum natürlichen Zerfall in den Wäldern erhalten.

 

Stillgewässer beherbergen eine Vielzahl unterschiedlicher Insektengruppen, die aufgrund der natürlichen Nährstoffsituation auch eine hohe Biomasse an Insekten hervorbringen. Auf städtischen Flächen sind in geeigneten Bereichen zahlreiche Stillgewässer neu geschaffen worden, die nicht nur dem Amphibienschutz dienen, sondern auch zur Artenvielfalt der Insekten beitragen.

 

Die seit einigen Jahren in die Gestaltung der städtischen Grünflächen neu aufgenommenen Blühstreifen sind hier hervorzuheben.

 

Zu Frage 3:

 

Um die Nitratbelastung im Braunschweiger Grundwasser näher zu erfassen, hat die Stadt Braunschweig Anfang des Jahres 2016 insgesamt 30 Grundwassermessstellen im Stadt­gebiet auf Nitrat untersuchen lassen. Dabei wurden jeweils 10 Messstellen auf Acker­standorten, auf Grünflächen und in Siedlungsbereichen beprobt und analysiert. 6 von 10 Messstellen im Ackerbereich weisen Nitratbelastungen größer als 50 mg/l auf. Drei von diesen Messstellen zeigen Gehalte von mehr als 100 mg/l. Keine Messstelle in einer Grünfläche weist Nitratgehalte über 50 mg/l auf. Auch im Siedlungsbereich gibt es keine nennenswerte Nitratbelastung. Die Trinkwassergewinnung des Wasser­werks Bienroder Weg ist nicht von der Nitratproblematik betroffen.

 

Die Ursache für die Nitratbelastung liegt in der Düngung der Ackerflächen. Dabei spielen in Braunschweig organische Düngemittel auf den landwirtschaftlich genutzten Flächen keine Rolle. Das Potential für mögliche Einträge von Nitrat in das Grundwasser ist, soweit diese aus der landwirtschaftlichen Nutzung stammen, damit in erster Linie dem mineralischen Stickstoffdüngereinsatz zuzuordnen. Zur Belastung der Böden liegen der Verwaltung keine Daten vor.

 

Zuständig für Maßnahmen zur Reduzierung der Belastung ist die „Düngebehörde“ auf Basis der Düngeverordnung. Für den Vollzug der Dünge­verordnung sind in Niedersachsen die Landwirtschaftskammern zuständig. An einem ersten „Runden Tisch“ im Mai dieses Jahres hat ein Informationsaustausch zwischen dem Kreis­landwirt, der Landwirtschaftskammer, dem Landvolk, dem Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG), dem Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) und der Unteren Wasserbehörde stattgefunden, sodass der Landwirtschaftskammer die Situation in Braunschweig bekannt ist. Eine konkrete Ursachenermittlung soll durch die zuständige Landwirtschaftskammer erfolgen.

 


Anlage/n:

keine