EN

Rat und Stadtbezirksräte

Vorlage - 18-07744-01  

Betreff: Multiresistente Keime in Gewässern
Status:öffentlichVorlage-Art:Stellungnahme
  Bezüglich:
18-07744
Federführend:50 Fachbereich Soziales und Gesundheit   
Beratungsfolge:
Ausschuss für Soziales und Gesundheit zur Kenntnis
04.04.2018 
Sitzung des Ausschusses für Soziales und Gesundheit zur Kenntnis genommen   

Sachverhalt
Anlage/n

Sachverhalt:

 

Zur Anfrage der CDU-Fraktion vom 21.03.2018 [18-07744] wird wie folgt Stellung genommen:

 

Zu Frage 1:

 

Im Allgemeinen:

Antibiotika-resistente Erreger stellen im Gesundheitswesen ein besonderes Problem dar. Das Land beobachtet die internationalen Diskussionen über die Zunahme von multiresistenten Erregern (MRE) seit vielen Jahren, dazu wurde auch ein interministerieller Arbeitskreis gegründet, dessen Arbeit jetzt in der Arbeitsgruppe „One-Health“ fortgesetzt wird. In dieser sind die relevanten Ministerien, Hochschulen und Landesbehörden vertreten, dort werden Themen wie Abwässer und Gülle als Eintragsphase sowie z. B. Badegewässer als Übertragungsorte besprochen und dort können auch Untersuchungsergebnisse bewertet werden, wenn diese dort vorgelegt werden. Das Land und seine Behörden widmen sich seit längerem dem Thema MRE, z. B. durch eine Studie des Niedersächsischen Landesgesundheitsamtes (NLGA) und des Niedersächsischen Landesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES) im Rahmen eines laufenden EU-Projektes, bei der die Verbreitung der Colestin-Resistenz bei Mensch und Tier näher untersucht werden soll. Über multiresistente Erreger im Boden und in Gewässern wird über fast 10 Jahre in der Wissenschaft berichtet. So insbesondere auch darüber, dass viele Resistenzgene einen natürlichen Ursprung haben – wie auch viele Antibiotika. Somit sind diese Gene auch in Umweltproben nachzuweisen. Es gibt keine keimfreie Umwelt und auch durch Wildtiere wie Vögel können jederzeit in jedem Fluss und an jeder Badestelle Fäkalkeime eingetragen werden. Die Wasserqualität der niedersächsischen Badegewässer wird gemäß den Vorgaben der EU regelmäßig untersucht. Es wird daher empfohlen, nur amtlich überwachte EU-Badegewässer zum regelmäßigen Baden zu nutzen. Menschen mit bekannten Hauterkrankungen und offenen Wunden haben ein erhöhtes Infektionsrisiko und sollten daher grundsätzlich den Kontakt mit Erde und Badegewässern vermeiden. Derzeit wird weder national noch auf EU-Ebene eine routinemäßige Untersuchung von überwachten EU-Badegewässern auf multiresistente Keime durchgeführt. Diese werden indes fortlaufend von den Gesundheitsämtern zur Verhinderung des Eintrages fäkaler Verunreinigungen überwacht.

 

Es gilt, den ungezielten Einsatz von Antibiotika bei Mensch und Tier durch weitere intensive Information von Ärzten und Tierärzten sowie der Bevölkerung zu vermeiden. Außerdem muss der Eintrag von Antibiotika in die Umwelt verhindert werden.

 

Im Speziellen für Braunschweig:

Das Gesundheitsamt Braunschweig ist die für die Überwachung der Einhaltung der Trinkwasserverordnung (TrinkwV) zuständige Behörde. Das bedeutet nicht, dass alle Beprobungen vom Gesundheitsamt selbst durchgeführt werden, sondern hier gibt es in der TrinkwV festgelegte Betreiberpflichten. Laut TrinkwV müssen die Betreiber von Trinkwasseranlagen Grenzwertüberschreitungen an das Gesundheitsamt melden. Das Gesundheitsamt wird dann beratend und im Rahmen seiner Überwachungspflicht tätig.

 

In sensiblen Bereichen wie Krankenhäusern, Altenpflegeheimen, Kindergärten ziehen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Gesundheitsamtes selbst Trinkwasserproben. Auf multi-resistente Keime wird Trinkwasser aber nicht untersucht, weil diese Parameter in der Trinkwasserverordnung nicht enthalten sind.

 

Das Trinkwasser in Braunschweig stammt zum großen Teil aus den Talsperren des Harzes. Das Wasser der Talsperren wird vor Weiterleitung in die Trinkwasserleitungen so gründlich aufbereitet, dass in 100 ml Wasser weder Escherichia coli noch Enterokokken nachweisbar sein dürfen. Direkte Zuflüsse aus Kläranlagenabflüssen in eine der Talsperren im Harz sind nicht vorhanden. Diese werden lediglich durch Oberflächenwasser, also Flüsse, Bäche und anfallendes Regenwasser gespeist.

 

In Braunschweig wird zu einem geringen Teil noch Trinkwasser im Wasserwerk Bienrode hergestellt und mit Harzwasser vermischt, bevor es in das städtische Netz eingespeist wird. Hierbei geht es um Grundwasser, das aus bis zu 80 Meter tiefen Brunnen gefördert wird. Ebenfalls werden Stadtteile über den Wasserverband Weddel-Lehre versorgt, der teilweise Harzwasser und teilweise Trinkwasser aus Tiefbrunnen anliefert. Bei der Trinkwassergewinnung aus Tiefbrunnen ist eine Kontamination mit multiresistenten Keimen nahezu ausgeschlossen. Zusätzlich befindet sich hinter der Förderung des Wassers natürlich jeweils eine Aufbereitungsstufe, die eine weitere Absicherung bedeutet.

 

Sowohl das Kennel-Bad (EU-Badegewässer) als auch der Heidbergsee (kein EU-Badegewässer) werden regelmäßig durch das Gesundheitsamt Braunschweig beprobt. Keimbelastungen oberhalb der Grenzwerte der gültigen EU-Richtlinie für solche Gewässer hat es in den letzten Jahren nicht gegeben. Da es sich um offene Gewässer handelt, kommt es natürlich zu Fäkalieneintrag durch Fische, Vögel, Hunde und badende Menschen. Da es in den letzten Jahren bei Beprobungen keine Grenzwertüberschreitungen zu Escherichia coli und Enterokokken gegeben hat, sind vorhandene multiresistente Keime in großer Verdünnung enthalten. Eine gesundheitliche Gefährdung ist hier für die Bevölkerung nicht anzunehmen. Menschen mit intaktem Immunsystem können evtl. aufgenommene Keime gut bekämpfen und eliminieren.

 

Zu Frage 2:

 

Keine, da hierzu keine Beprobungen durchgeführt werden (siehe unter Antwort zu 1). Diese Parameter sind in der TrinkwV nicht enthalten.

 

Zu Frage 3:

 

Maßnahmen sind weder geplant noch werden sie umgesetzt, wie ausgeführt. Kennelbad und Heidbergsee sind stehende Gewässer, ohne Einleitungsstellen von Oberflächenwasser oder Kläranlagen. Sie speisen sich aus Grundwasser. Insofern ist eine hohe Belastung mit multiresistenten gramnegativen Bakterien (MRGN) nicht anzunehmen. Die Überprüfungen erfolgen entsprechend der geltenden EU-Richtlinie. Es wird auf die Keimzahl zu Escherichia coli und Enterokokken beprobt, nicht auf multiresistente Keime.
 

 


Anlage/n:

keine
 

 

Stammbaum:
18-07744   Multiresistente Keime in Gewässern   0100 Referat Steuerungsdienst   Anfrage (öffentlich)
18-07744-01   Multiresistente Keime in Gewässern   50 Fachbereich Soziales und Gesundheit   Stellungnahme