EN

Rat und Stadtbezirksräte

Vorlage - 18-08592  

Betreff: CoLiving Campus - Sachstand und weiteres Vorgehen
Status:öffentlichVorlage-Art:Mitteilung
Federführend:DEZERNAT IV - Kultur- und Wissenschaftsdezernat   
Beratungsfolge:
Ausschuss für Kultur und Wissenschaft zur Kenntnis
10.08.2018 
Sitzung des Ausschusses für Kultur und Wissenschaft zur Kenntnis genommen   
Stadtbezirksrat im Stadtbezirk 331 Nordstadt zur Kenntnis
13.09.2018 
Sitzung des Stadtbezirksrates im Stadtbezirk 331 zur Kenntnis genommen   
Planungs- und Umweltausschuss zur Kenntnis
19.09.2018 
Sitzung des Planungs- und Umweltausschusses zur Kenntnis genommen   

Sachverhalt
Anlage/n

Sachverhalt:

 

1. Bisheriger Sachstand und konzeptionelle Überlegungen:

Die Stadt Braunschweig bestrebt, den Wissenschaftsstandort Braunschweig nachhaltig zu stärken. Dies wird besonders sichtbar in mehreren konzertierten Aktivitäten: 2004 erfolgte die Bewerbung um den Titel als Kulturhauptstadt 2010 mit dem „Turm der Wissenschaft“ als einem wesentlichen Bestandteil. 2007 erlangte die Stadt Braunschweig den vom Deutschen Stifterverband ausgelobten Titel „Stadt der Wissenschaft 2007“, in dessen Folge schließlich das „Haus der Wissenschaft“ gegründet wurde. Aktuell soll das Schlüsselprojekt „Reallab: Die Stadt als Labor“ einen wesentlichen Bestandteil des Integrierten Stadtentwicklungskonzepts bilden.

 

TU und Campus Nord

Die TU Braunschweig mit ihren über 20.000 Studierenden ist ein wichtiger Akteur der Stadtentwicklung, der mit seinen vier innerstädtischen Campus-Standorten über viel Entwicklungspotenzial verfügt. Das Stadtbild hat sich durch die von der TU initiierten Forschungsbauten in den letzten 15 Jahren nachhaltig verändert. Der so genannte „Campus Nord“ ist ebenfalls seitens der TU in die Betrachtung gezogen worden; hier sind diverse Möglichkeiten zur Nachverdichtung ausgemacht worden. Gleichzeitig besteht eine hohe Nachfrage nach bezahlbarem Wohn- und Arbeitsraum für Studierende sowie nach Räumlichkeiten für universitätsnahe (Forschungs-)Einrichtungen.

 

Die Stadt Braunschweig und die Technische Universität Braunschweig (TU BS) haben in ersten bilateralen Gesprächen eine gemeinsame Vision für einen offenen Wissenschaftscampus, der Forschung und Bildung öffentlich zugänglich macht, nachhaltigen, ökologischen und experimentellen Wohnraum schafft und eine innovative Arbeits- und Denkkultur fördert, formuliert: den „CoLiving Campus“. Die Zusammenarbeit der Stadt und der TU im Rahmen des Projektes „CoLiving Campus“ soll reale Zielsetzungen der Stadtentwicklung mit aktuellen Forschungsfragen der TU mit dem Schwerpunkt “Stadt der Zukunft” verbinden. Der „CoLiving Campus“ ist ein experimenteller, kreativer Ansatz, der darauf ausgerichtet ist, innovative und praxisorientierte Lösungen für ein urbanes Quartier zum Wohnen und Arbeiten, Forschen und Lernen für Studierende und weitere Bevölkerungsgruppen zu entwickeln. Der Standort Campus Nord eignet sich aus Sicht der Verwaltung und der TU BS gleichermaßen, um an diesem Ort ein Reallabor mit Modellcharakter zu etablieren. Das Projekt hat als R.15 „CoLiving Campus“ Eingang in das ISEK-Verfahren gefunden.

 

Reallabore

In sogenannten Reallaboren werden WissenschaftlerInnen unter realen Umweltbedingungen in Veränderungsprozesse einbezogen, darüber hinaus sind auch PraktikerInnen aus Kommunen, Sozial- und Umweltverbänden oder Unternehmen an Forschungsprozessen beteiligt.

 

Das Konzept des „CoLiving Campus“ könnte aufgrund seiner ganzheitlichen Ausrichtung die Bereiche Wohnen und Arbeiten, Bildung und Forschung, Kultur und Versorgung sowie Ökologie und Nachhaltigkeit in einem gemischten urbanen Quartier vereinen und Studierende sowie die Öffentlichkeit zum Mitwirken einladen, um so eine Verzahnung von Bürgerinnen und Bürgern, Wissenschaftlern wie Studierenden herbeizuführen. Der „CoLiving Campus“ ist dabei als ganzheitlicher und nachhaltiger Prozess der Weiterentwicklung des Wissenschaftsstandortes Braunschweig zu verstehen, der die städtebauliche Entwicklung der TU-Standorte mit dem städtischen partizipativen Entwicklungsformat „Denk Deine Stadt“ verzahnt und in Einklang bringt, der das „Haus der Wissenschaft“ weiterdenkt und Wissenschaft im besten Sinne erlebbar macht.

 

Durch die Ansiedlung der Fakultät 6, Fakultät für Geschichts- und Erziehungswissenschaften an der TU, am Campus Nord, sind besondere Synergieeffekte zu erwarten, insbesondere durch den Masterstudiengang „Kultur der technisch-wissenschaftlichen Welt“. Wie zielführend die Zusammenarbeit der Fakultät 6 mit anderen wissenschaftlichen Einrichtungen der Region sein kann, zeigt die jüngst gezeigte Präsentation des Stücks „Particle Play“, welches gemeinsam mit Studierenden der HBK entwickelt und aufgeführt wurde.

 

2. Weiteres Vorgehen:

2.1 Wettbewerb Johannes-Göderitz-Preis

Die Johannes-Göderitz-Stiftung vergibt alljährlich Preise zur Förderung studentischer und wissenschaftlicher Arbeiten im Bereich Städtebau. In diesem Jahr sind Studierende der TU Braunschweig und weiterer Hochschulen dazu eingeladen, Ideen für den neuen CoLiving Campus am heutigen Campus Nord der TU Braunschweig zu entwickeln und diese vorzustellen. Das Auftaktsymposium fand am 18. April im „Protohaus“ statt, im Herbst 2018 sollen die Ergebnisse präsentiert werden, die Jury-Sitzung findet frühestens am 2. November statt. Ziel des Wettbewerbs ist es, auf Grundlage der Entwürfe Ideen zu entwickeln, wie der Campus Nord städtebaulich weiterentwickelt werden könnte.

 

Der Johannes-Göderitz-Preis wird seit 1983 vergeben. Bereits mehrfach hat sich der Ideenwettbewerb mit Braunschweig befasst, so z.B. 2014 mit dem Quartier am Hauptbahnhof, 2009 mit dem Areal um die Nordtangente, 2005 mit dem Westbahnhof sowie 2000 mit dem Quartier Wendenmasch. Eine Umsetzung der erarbeiteten Vorschläge hat es bisher nicht gegeben, vielmehr hat der studentische Wettbewerb Ideen und Denkanstöße hervorgebracht, die öffentlich diskutiert wurden. Die Ergebnisse des Johannes-Göderitz-Preises sollen eine Diskussionsgrundlage bilden und stellen keine abschließende Rahmenplanung dar.

 

Die Aufgabe an die Studierenden bestand darin, die bestehende Sportanlage in das Konzept weitgehend zu integrieren. Allerdings sind zwei städtische Gymnasien (Ricarda-Huch-Schule sowie Neue Oberschule) zur Durchführung des Schulsports auf die Nutzung dieser Sportanlage angewiesen. Es ist jedoch nicht auszuschließen, dass unter den Entwürfen der Studierenden ggf. auch solche sind, die die Sportanlage zur Nutzung für andere Zwecke überplanen. Die Verwaltung wird jedoch die Verwirklichung solcher Pläne nicht akzeptieren, sofern die Durchführung des Schulsports der betroffenen Gymnasien nicht ortsnah anderweitig gewährleistet werden kann. Kultur-, Sport- und Schulverwaltung beabsichtigen zeitnah entsprechende Gespräche mit der TU zu führen.

 

2.2 Beteiligung der Bürger

Angesichts neuer und vielfältiger Herausforderungen in den Städten richtet sich die Aufmerksamkeit seit einigen Jahren verstärkt auf zivilgesellschaftliche Akteure und Initiativen – so auch im ISEK-Verfahren praktiziert – die sich vernetzen und in unterschiedlichen Feldern der Stadtentwicklung durch ihre Projekte einen Mehrwert für das Gemeinwesen schaffen.

Mitwirkungsmöglichkeiten können das stadtteilweite Infrastrukturangebot dabei sinnvoll ergänzen und abrunden.

Das Projekt „CoLiving Campus” kann hier als ein innovatives und neuartiges Modell dienen, um gemeinwohlorientierte Bauland-, Quartier- und Immobilienentwicklung zu betreiben und die Stadtstrukturen durch innovative und nachhaltige Gestaltung zu stärken und so städtebauliche, soziale und auch nachhaltige Akzente zu setzen.

 

Die Zusammenarbeit von Stadt und TU soll einen kreativen Prozess initiieren, der auf der Grundlage der Neukonzeption des Quartiers den Campus Nord als ein zielgerichtetes Experimentierfeld behandelt. Mittels der Methode des Reallabors soll ein lebenswertes Quartier mit der Stadt, der TU, den lokalen Akteuren und den zukünftigen BewohnerInnen entwickelt werden. Gemeinsam sollen innovative Ansätze zur Entwicklung eines urbanen Quartiers eruiert und wissenschaftlich begleitet, reflektiert und ausgewertet werden. Das begehbare Wissenschaftsquartier soll lokale Energien nutzen, städtische Projekte weiterdenken und diese mit aktuellen Fragen der Wissenschaft an der TU Braunschweig sowie der in der Stadt Braunschweig ansässigen Forschungsinstitutionen und ihren Schwerpunkten verbinden.

 

Die Verwaltung strebt an, den Planungs- und Entwicklungsprozess für einen zukünftigen „CoLiving Campus“ partizipatorisch zu begleiten. Das ISEK hat dabei vorbildhaften Charakter, doch ohne diese Dimensionen zu erreichen. Analog dazu wird ein zielgruppenspezifischer und begleitender Beteiligungsprozess initiiert. In Formaten, wie Interviews und Workshops, sollen alle relevanten Akteursgruppen und Initiativen angesprochen und in die Planungen einbezogen werden. Ziel ist es, eine kooperative Quartiersentwicklung zu ermöglichen, welche ein dichtes Netz konkreter Mitwirkungsmöglichkeiten für interessierte Bürgerinnen und Bürger entstehen lässt. Dabei sind insbesondere die Interessen der Bewohner der Bauwagensiedlung einzubeziehen.

 

Nach Abschluss und Ergebnispräsentation des Beteiligungsprozesses sollte das Projekt „CoLiving Campus“ als operatives Projekt nach einer Ratsentscheidung aus dem ISEK herausgelöst und umgesetzt werden.

 

2.3 Finanzierung und Ausschreibung

Für die Durchführung des partizipativen Prozesses ist aus Sicht der Verwaltung die Beauftragung einer externen Agentur zur Kommunikationsbegleitung erforderlich. Hierfür muss vorab eine Ausschreibung durchgeführt werden. Haushaltsmittel müssen nicht zusätzlich eingestellt werden; sie stehen über den Wissenschaftsansatz im Dezernat für Kultur und Wissenschaft zur Verfügung. Nach ersten Erkenntnissen müssen ca. 25.000 € kalkuliert werden, um Workshops und Interviews durchzuführen sowie die sich hieraus ergebenden Ergebnisse zur weiteren Bearbeitung niederzulegen.

Die Verwaltung plant überdies, zum Stellenplan 2019 eine für drei Jahre befristete wissenschaftliche Koordinierungsstelle für die Entwicklung eines Reallabors im Rahmen des Projekts „Denk deine Stadt“ anzumelden.

 

3. Vorgesehener Zeitplan

Die Verwaltung wird in einem ersten Schritt die unter 2.3 genannte Ausschreibung für eine externe Kommunikationsagentur vorbereiten und durchführen, um den Prozess für das Projekt „CoLiving Campus“ weiterzuentwickeln. Die Beauftragung einer geeigneten Agentur wird derzeit für Anfang 2019 angestrebt. Hieran anschließend verfolgt die Verwaltung das Ziel, den erwähnten Partizipationsprozess zu starten und im Rahmen dessen entsprechende Bauleitplanungen durchzuführen. Die Ergebnisse dieses Prozesses sollen dann den Ratsgremien präsentiert und, mit einem Entscheidungsvorschlag der Verwaltung versehen, zur Entscheidung vorgelegt werden. 

 

 


Anlage/n:keine