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Vorlage - 18-08837-01  

Betreff: Wie weiter mit der Fischerbrücke in Leiferde?
Status:öffentlichVorlage-Art:Stellungnahme
Aktenzeichen:66.34Bezüglich:
18-08837
Federführend:66 Fachbereich Tiefbau und Verkehr   
Beratungsfolge:
Rat der Stadt Braunschweig zur Kenntnis
04.09.2018 
Sitzung des Rates der Stadt Braunschweig zur Kenntnis genommen   

Sachverhalt
Anlage/n

Sachverhalt:

Zur Anfrage der Fraktion Bündnis90 – DIE GRÜNEN nimmt die Verwaltung wie folgt Stellung:

Die Okerbrücke Leiferde befindet sich aktuell in der Planung. Ziel der Planung ist unverändert eine nutzergerechte und anwohnerfreundliche Lösung, die zugleich wirtschaftlich ist und den städtischen Haushalt möglichst gering belastet. Nach wie vor werden verschiedene Brückenlagen und Trassen auf Umweltverträglichkeit, Hochwasserabfluss, Verkehr, Wirtschaftlichkeit und Realisierung untersucht und bewertet. Dies ist Voraussetzung für das Planfeststellungsverfahren. Die Ergebnisse werden dem Stadtbezirksrat und dem Planungs- und Umweltausschuss vorgestellt.

Die in der Ratsanfrage benannten vom Ingenieurbüro Miebach für die Interessengemeinschaft "Umweltverträgliche Okerbrücke" erstellten Planungen wurden der Verwaltung vom Stadtbezirksrat Stöckheim-Leiferde zur Verfügung gestellt. Ergänzend hat die Verwaltung mit dem Büro gesprochen. Bei Durchsicht der Unterlagen wird schnell deutlich, dass die gestalterisch ansprechende und sensibel zurückhaltende Planung nicht auf einer tiefgreifenden Grundlagenermittlung der örtlichen Verhältnisse aufbaut. Dies ist für eine Brückenplanung aber zwingend erforderlich. Der Hochwasserabfluss ist dabei einer der wesentlichsten Faktoren für die Genehmigungsfähigkeit der Trasse mit der neuen Brücke. Wie wichtig eine detaillierte und korrekte Hochwasserberechnung für die Planung einer Brücke ist, haben Luftbilder vom Hochwasser 2017 an der neu gebauten Berkenbuschbrücke gezeigt. Das Hochwasser und der Hochwasserabfluss haben sich exakt so wie berechnet eingestellt. Es kam zu keinen Hochwasserschäden im Umfeld und im Zulauf der Brücke. Dem Ingenieurbüro Miebach waren dagegen für seine Planung der Okerbrücke Leiferde vom Auftraggeber keine Unterlagen und Berechnungsmöglichkeiten zum Hochwasser zur Verfügung gestellt worden. Die Betrachtung des Hochwasserthemas beschränkt sich daher auf eine subjektive Einschätzung auf Basis der Bestandssituation und allgemein zugänglicher Hochwasserkarten im Internet. Ein wesentliches Ziel jeder Brückenplanung im Hochwasserbereich ist es, den Hochwasserabfluss nicht zu verschlechtern, damit die überfluteten Bereiche im Umfeld und auch in den Ortschaften sich nicht weiter ausdehnen als vor dem Bau der neuen Brücke. Dies muss durch umfangreiche Berechnungen einer sehr konkreten Planung mit genauen Höhenangaben nachgewiesen werden. Einen solchen Nachweis zum Hochwasserabfluss hat das Büro nicht erbracht. Im Vergleich zu den städtischen Planungen ist aber auch ohne Berechnungen erkennbar, dass die Brücke des Büros Miebach einen höheren Brückenüberbau hat. Dies bedeutet, dass die Brücke insgesamt höher würde, was längere Straßenrampen zur Folge hätte, die wiederum den Hochwasserabfluss behindern. Würde man die Brücke stattdessen tiefer legen, wäre der Durchfluss unter der Brücke stärker eingeschränkt, was ebenfalls den Hochwasserabfluss insgesamt behindert. Dies gilt in gleicher Weise für die Länge des Überbaus. Wenn die Brücke zu kurz wird, verteilt sich bei Hochwasser entsprechend mehr Wasser auf die umliegenden Überflutungsflächen.

Aus Sicht der Verwaltung kann die zwingend zu gewährleistende Begrenzung der Überflutungsflächen nach den aktuellen umfassenden Untersuchungen bei den städtischen Brückenvarianten durchaus gewährleistet werden. Reserven, die darüber hinaus eine so kurze Brücke mit relativ hohem Überbau, wie vom Büro Miebach vorgeschlagen, noch ermöglichen würden, bestehen dabei aber nicht.

Auch für die Trassenplanung und die Gründung der Brücke lagen dem Büro Miebach keine Grundlagen vor. Somit nimmt das Büro weder Bezug auf die vorhandenen Höhenverhältnisse, noch auf ein Baugrundgutachten. Die vom Büro vorgesehene sehr niedrig kalkulierte Flachgründung scheidet wegen der vorhandenen Bodenverhältnisse aus. Hier ist eine Tiefgründung auf Pfählen wie an der Berkenbuschbrücke erforderlich.

Auch wenn die Brückenplanung des Ingenieurbüros Miebach schon aus Hochwassergesichtspunkten für die weiteren Überlegungen ausscheidet, muss hervorgehoben werden, dass das im Holzbrückenbau durchaus renommierte Büro Miebach keinen umfassenden Planungsauftrag für einen Brückenentwurf hatte und somit nur auf sehr begrenzter Grundlage erste Überlegungen im Sinne eines Vorentwurfs erarbeiten und vorlegen konnte.

 

Zu Frage 1.:

Der Beschluss des Stadtbezirksrats 211 wird beachtet. Die Unterlagen werden noch weitergehend geprüft. Das detaillierte Ergebnis der Prüfung wird dem Stadtbezirksrat und dem Planungs- und Umweltausschuss mitgeteilt. Auf die weitere städtische Planung hat der Beschluss nach derzeitigem Stand keinen Einfluss.

Zu Frage 2.:

Die Planungen werden fortgeführt, um eine möglichst gute Brückenlösung für die Okerbrücke Leiferde zu erzielen.

Zu Frage 3.:

Eine nutzergerechte und anwohnerfreundliche Variante unter möglichst weitgehendem Erhalt der Natur in der Okeraue war und ist Ziel der städtischen Planung. Eine veränderte Kostenlage, wie es in der Fragestellung formuliert ist, besteht aber nicht. Die Verwaltung wird zum Ende diesen Jahres eine in Lage und Spannweite optimierte neue Brückenplanung vorlegen, die zur Zeit im Bezug auf die Förderfähigkeit mit dem Zuwendungsgeber abgestimmt wird.

 

Wollte man tatsächlich den Bau einer Brücke aus den zur Verfügung stehenden Eigenmitteln und ohne Fördermittel anstreben, was ausdrücklich nicht das Ziel der Verwaltung ist, wäre das nur durch den Bau einer reinen Fuß- und Radwegbrücke ohne Kraftfahrzeugverkehr möglich. Da bei einer Fuß- und Radwegbrücke die Überbauhöhe deutlich geringer ist und die Anrampungen steiler ausgeführt werden können, ist in diesem Fall der Nachweis, dass die überfluteten Bereiche im Umfeld und auch in den Ortschaften sich nicht weiter ausdehnen als vor dem Bau der neuen Brücke, unproblematisch.

 


Anlage/n: keine