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Rat und Stadtbezirksräte

Vorlage - 19-11798  

Betreff: Machbarkeitsstudie 6. Integrierte Gesamtschule - Vorstellung der Ergebnisse und Standortvorschlag
Status:öffentlichVorlage-Art:Beschlussvorlage
Federführend:61 Fachbereich Stadtplanung und Umweltschutz   
Beratungsfolge:
Stadtbezirksrat im Stadtbezirk 331 Nordstadt Anhörung
24.10.2019 
Sitzung des Stadtbezirksrates im Stadtbezirk 331 ungeändert beschlossen   
Planungs- und Umweltausschuss Vorberatung
30.10.2019 
Sitzung des Planungs- und Umweltausschusses ungeändert beschlossen   
Schulausschuss Vorberatung
01.11.2019 
Sitzung des Schulausschusses ungeändert beschlossen   
Verwaltungsausschuss Vorberatung
05.11.2019    Sitzung des Verwaltungsausschusses      
Rat der Stadt Braunschweig Entscheidung
12.11.2019 
Sitzung des Rates der Stadt Braunschweig ungeändert beschlossen   

Sachverhalt
Beschlussvorschlag
Anlage/n
Anlagen:
190927_Plakate Machbarkeitsstudie 6_IGS

Sachverhalt:

 

Ausgangslage

 

Seit dem letzten Jahr wird in der Stadtgesellschaft, in Rat und Verwaltung engagiert erörtert, wie in Braunschweig die 6. Integrierte Gesamtschule (IGS) realisiert werden kann. Die An­meldezahlen für die fünf städtischen IGS bzw. die Tatsache, dass die Stadt vielen Schülerin­nen und Schülern mangels Kapazitäten diese Schulform derzeit nicht ermöglichen kann, hat zur politischen Entscheidung des Rates vom 18.12.2018 geführt, konkrete Planungsschritte für die 6. IGS einzuleiten, insbesondere:
 

  • einen Standort vorzuschlagen
  • Schulmodell und Zügigkeit zu definieren und
  • ein Raumprogramm für die Schule vorzulegen.

 

Zweck dieser Vorlage ist, auf der Grundlage der Ergebnisse der Machbarkeitsstudie einen Standortvorschlag zur Entscheidung zu stellen. Bis Ende dieses Jahres wird die Verwaltung weitere Vorlagen zu den Themen Schulmodell und die Zügigkeit sowie zum Raumprogramm in die politischen Gremien einbringen.

 

Eine entscheidende schulfachliche Voraussetzung für eine erfolgreiche 6. IGS ist eine innen­stadtnahe Lage. Da in der Innenstadt nur wenige große, bebaubare Grundstücke in Frage kommen und neben einer IGS auch andere Nutzungswünsche in der Innenstadt zu berück­sichtigen sind, wurden in einer dezernatsübergreifenden verwaltungsinternen Projektgruppe die unterschiedlichen Nutzungsansprüche abgewogen, zwei Standortalternativen für eine 6. IGS erarbeitet und diese Bereiche, Großer Hof und Tunicagelände, einer ersten Prüfung unterzogen. Beide Grundstücke eignen sich grundsätzlich von der Lage in der Stadt. Zudem stehen die Flächen im Eigentum der Stadt, was eine wesentliche Realisierungsvorausset­zung darstellt.

 

Beide Standorte haben unterschiedliche Vor- und Nachteile. Mit Blick auf die Investitions­summe im zweistelligen Millionenbereich hat die Verwaltung ein im Schulwesen, Hoch- und Städtebau erfahrenes Architekturbüro beauftragt, eine Machbarkeitsstudie zu erarbeiten. Ziel dieser Studie ist eine solide Entscheidungsgrundlage für Verwaltung und Gremien.

 

Ergebnisse der Machbarkeitsstudie

 

Aufgabe

 

Aufgabe der Studie war, die beiden Standorte unter Berücksichtigung folgender Aspekte zu vergleichen:
 

  • Städtebauliche und hochbauliche Eignung (incl. Historische Ausgangslage, Freiraum, Verkehr und Umweltschutz)
  • schulfachliche Eignung
  • Unterbringung des ermittelten Raumprogrammes
  • Mögliche Erweiterungspotenziale
  • Nutzungs- und Zielkonflikte
  • Kosten für Grundstück, Herrichtung und Bau
  • Wirtschaftlichkeitsbetrachtung
  • Potenzial für alternative Nutzungen

 

Die Projektgruppe der Verwaltung hatte u. a. drei verschiedene mögliche Raumprogramme und das pädagogische Konzept „Jahrgangscluster“ vorgegeben. Die daraus resultierenden Bauvolumina bewegen sich ca. zwischen 15.800 und 17.150 m² Bruttogrundfläche, unter­scheiden sich also nicht maßgeblich. Das Büro hat für beide Standorte eine Volumenstudie in mehreren Alternativen erarbeitet und hierfür auch Schemagrundrisse mit Funktionszuwei­sungen entwickelt, um die grundsätzliche Machbarkeit nachzuweisen (s. Anlage).

 

Analyse und Entwurf Alternative Großer Hof

 

Der Bereich ist Teil des mittelalterlichen Stadtgefüges zwischen St. Andreas und St. Katharinen. Die Helene-Engelbrecht-Schule ist baulich abgängig und soll an anderer Stel­le neu gebaut werden. Das Gebäude der ehemaligen Kielhornschule, das teilweise gesperrt ist, wird ansonsten von der Helene-Engelbrecht-Schule genutzt. Im Zuge der Verlagerung der Schule an ihren neuen Standort können beide Schulgrundstücke aufgegeben werden incl. der Turnhalle der Kielhornschule, so dass sich zusammen mit dem Grundstück der ehemaligen Markthalle die Möglichkeit ergibt, ein größeres Bauprojekt zu realisieren.

 

Die Analyse ergab, dass als wichtige städtebaulichen Prämissen die Raumkanten aufzu­nehmen und die Sichtachsen zu den beiden Großkirchen im Umfeld zu erhalten sind. Zu berücksichtigen sind weiterhin die bestehenden Wegebeziehungen, die historischen Bezüge (z. B. der historische Verlauf des Burgmühlengra­bens) und die Höhenverhältnisse bzw. die Geschossigkeit der umliegenden Bebauung. Nach Möglichkeit sollte auch ein Teil der vorhandenen Pkw-Stellplätze erhalten werden. Unter Be­rücksichtigung dieser Prämissen bietet es sich entwurflich an, das Bauvolumen auf drei Bau­körper - zwei Schulbaukörper und die Dreifeldsporthalle – aufzuteilen. Die begrenzten räum­lichen Möglichkeiten am Standort erfordern, dass die nördlich an den Parkplatz „Großer Hof“ angrenzende öffentlichen Fläche zur Schaffung von notwendigen Schulhofflächen vorgese­hen werden. Weitere Schulhofteilflächen müssen auf Dachflächen realisiert werden. Bauliche Erweiterun­gen sind nur in begrenztem Umfang möglich.

 

 

Analyse und Entwurf Alternative Tunicagelände


Das Gelände liegt im Bereich der gründerzeitli­chen Stadterweiterung, angrenzend an den Wilhelminischen Ring. Das Grundstück wurde in der Gründerzeit im Wesentlichen als Gar­tenland genutzt, später ab den 60er Jahren erhielt das Gelände die heute noch vorhandene Nutzungsprägung (Sporthalle, Sportfreiflächen). Im Süden angebunden an die dichte grün­derzeitliche Bebauung, finden sich im Norden und Osten gewerblich genutzte Bereiche und Kleingärten.

 

Die Tunicahalle dient neben dem Schulsport derzeit vorwiegend als Sporthalle für die Sportarten Basketball und Volleyball jeweils auf Bundesligaebene. Die Halle ist baulich abgängig. 

 

Das Tunicagelände hat kaum städtebauliche Einschränkungen. Zu berücksichtigen sind die vorhandenen Höhenverhältnisse, die Geschossigkeit und die Maßstäblichkeit der umliegenden Bebauung. Die öffentliche Nord-Süd-Wegeverbindung, die das Grundstück an die Innenstadt im Süden und das Ringgleis im Norden anbindet, ist zwingend zu erhalten.

 

Die für den Schulbau nutzbare Fläche ist im Vergleich zum Bereich Großer Hof deutlich grö­ßer. Dadurch entsteht die Möglichkeit, unterschiedliche Bebauungskonzepte zu realisieren. Der Gutachter schlägt die Ausbildung von baulich separierten Lernhäusern von. Drei IGS-Lernhäuser sowie eine separate Grundschule gruppieren sich um ein Haupthaus in der Mitte als Herzstück des Gebäudeensembles. Im Haupthaus sollen Aula und Mensa vorgesehen werden. Als Sportaußenfläche können hier ein Basketballfeld und eine Weitsprunganlage räumlich untergebracht werden.

 

Ab dem Jahr 2027 besteht die Chance, das Tankstellengrundstück am Wendenring in das Schul­grundstück einzubeziehen und damit eine Adresse zum Wilhelminischen Ring zu bilden. Bau­liche Erweiterungen sind in deutlich größerem Umfang als im Bereich Großer Hof möglich.  

 

Kostenrahmen

 

Der Gutachter hat auf Grundlage statistischer Kostenkennwerte den groben Kostenrahmen ermittelt. Enthalten darin sind die Erschließung des Grundstückes, das Bauwerk, die Außenanlagen und die Ausstat­tung, nicht aber die Kosten für den Abriss der vorhandenen Gebäude, die äußere Erschlie­ßung des Grundstückes und weitere variantenspezifische Maßnahmen (z. B. Altlasten). Indiziert auf das Jahr 2025 werden sich die Gesamtkosten der Maßnahme auf ca. 70 Mio. € belaufen – zuzüglich Abriss- und Erschließungs­kosten.

 

Realisierungsvoraussetzungen und Zeitplan

 

Realisierungsvoraussetzung ist bei beiden Standorten der Abriss der Bestandsgebäude (Kielhornschule und Helene-Engelbrecht-Schule bzw. Tunicahalle). Bevor dies geschieht, muss für die dortigen Nut­zungen Ersatz geschaffen werden.

 

Der Gutachter schätzt, dass Objektprojektierung, Aufstellung eines Bebauungsplanes, hoch­bauliche Planung, Abriss der vorhandenen Gebäude und die Realisierung des ersten Bau­abschnittes (Aufnahme des Schulbetriebes) etwa 5-6 Jahre in Anspruch nehmen wird.

 

Bewertung und Vergleich

 

Der Gutachter kommt zur folgenden Bewertung, die auch die Verwaltung so mitträgt:

 

Lage/Verkehrliche Erreichbarkeit

 

Beide Standorte bieten aus der Lage im Stadtgebiet gute Voraussetzungen. Der Große Hof bietet jedoch durch seine Innenstadtlage und Einbindung Potenzial zur Etablierung einer neuen Integrierten Gesamtschule im urbanen Kontext.

 

Grundstück

 

Das Tunicagelände unterliegt deutlich weniger Einschränkungen und verfügt daher über eine größere Freiheit in Planung für Gebäude und Freiflächen. Es eignet sich perspektivisch besser für Erweiterungsmöglichkeiten. Der Standort Großer Hof ist dagegen von Beginn an sehr beengt, die Ausgestaltung des Schulhofes geht zu Lasten öffentlicher Freiräume im Quartier. Insgesamt ist der Standort Großer Hof mit dem geplanten Raumprogramm städtebaulich überfordert.

 

Städtebauliche Eignung

 

Der Große Hof bietet Potenzial für eine städtebauliche Aufwertung des Stadtquartiers durch einen Schulneubau, wenngleich dies auch mit anderen Nutzungen (z.B. Wohnen, Musikschule u.a.) mit einem geringeren Volumen besser möglich wäre.

 

Eine Aufwertung des Tunicageländes hat nicht die gleiche Wirkung im gesamtstädtischen Kontext, bietet aber für andere Nutzungen weniger Potenzial.

 

Schulfachliche Eignung

 

Das Tunicagelände eignet sich grundsätzlich besser für eine zukunftssichere Schulnutzung und Umsetzbarkeit des Raumprogramms im Hinblick auf sich verändernde pädagogische Anforderungen. Die Standortentscheidung für das Tunicagelände hat mittelbare Auswirkungen auf die stadtweite Schulentwicklungsplanung. Diese Zusammenhänge werden in einer separaten Vorlage des Dezernates V ausführlich erläutert.

 

Hochbauliche Eignung/Umsetzbarkeit

 

Beide Areale eignen sich grundsätzlich für eine Ausbildung der Baukörper. Das Tunicagelände hingegen bietet mehr Varianz in der Ausbildung der Baukörper. Beide Areale gewährleisten einen ähnlichen zeitlichen Bauablauf mit Bildungen von Bauabschnitten für das jahrgangsweise Wachstum der Schule. Hinsichtlich Grundstücksgröße und Zuschnitt ist auf dem Grundstück des Großen Hofs mit deutlich erhöhten Anforderungen an die Baustellenlogistik zu rechnen.

 

Wirtschaftlichkeit

 

Eine Umsetzung auf dem Großen Hof ist durch den erhöhten Anspruch an die Gebäudeplanung und den daraus ggf. resultierenden höheren baulichen Aufwand mit gesteigerten Investitions- und Unterhaltungskosten verbunden.

 

Fazit

 

Der Gutachter der Machbarkeitsstudie kommt zu folgender Bewertung:

 

  • Bei vier von sechs Bewertungskriterien – Grundstück, Schulfachliche Eignung, Hochbauliche Eignung und Wirtschaftlichkeit – erhält das Tunicagelände die bessere Bewertung.
  • Bei zwei Bewertungskriterien – Lage/Verkehrliche Anbindung, Städtebauliche Eignung – erhält der Große Hof die bessere Bewertung.

 

Der Gutachter der Machbarkeitsstudie kommt insgesamt zum Ergebnis, dass in der Gesamtbewertung die Sachargumente eindeutig für die Standortalternative Tunicagelände sprechen. Insbesondere kommt der Gutachter zum Ergebnis, dass bei der Standortalternative Großer Hof die Baumasse das Quartier überfordert.

 

 

Es wird daher vorgeschlagen, den Standort Tunicagelände für die 6. IGS weiterzuverfolgen.

 

Der Vorlage sind Auszüge aus der Machbarkeitsstudie als Anlage beigefügt.


 

 


Beschluss:


Die neue Integrierte Gesamtschule wird am Standort „Tunicagelände“ errichtet. Die Verwal­tung wird beauftragt, weitere Planungsschritte zur Realisierung des Projektes einzuleiten.
 

 


Anlage/n:

Auszug Machbarkeitsstudie
 

 

Anlagen:  
  Nr. Name    
Anlage 2 1 190927_Plakate Machbarkeitsstudie 6_IGS (6046 KB)