EN

Rat und Stadtbezirksräte

Vorlage - 20-12884  

Betreff: Ehemaliges Haus der Adresse Meinhardshof 3
Status:öffentlichVorlage-Art:Anfrage (öffentlich)
Federführend:0100 Referat Steuerungsdienst   
Beratungsfolge:
Ausschuss für Kultur und Wissenschaft zur Beantwortung
06.03.2020 
Sitzung des Ausschusses für Kultur und Wissenschaft zur Kenntnis genommen   

Sachverhalt
Anlage/n
Anlagen:
800px-Braunschweig_Andreaskirche_Meinhardshof_VFP_C_Uhde__1892_

Sachverhalt:

Bei dem großen Bombenangriff am 14. Oktober 1944 auf Braunschweig wurden etliche der alten Fachwerkhäuser der Braunschweiger Innenstadt zerstört. Eines dieser Häuser war das Haus Meinhardshof 3, (Assekuranznummer 2750), 1531 erbaut.[1] Während der Zeit des Nationalsozialismus und des Holocausts, bestimmten die Nationalsozialisten in Braunschweig, wie auch in zahllosen anderen Orten, spezielle Häuser zu so genannten Judenhäusern, wo Mitbürger jüdischen Glaubens bis zu ihrer Deportation zwangsweise ihren Wohnsitz nehmen mussten. Das vierstöckige Fachwerkhaus Meinhardshof 3 war eines davon.[2] Im Erdgeschoss befand sich Kurz- und Textilwarengeschäft der jüdischen Familie Kohn [3]bis alle Bewohner des Hauses im Frühjahr 1943 in das KZ Theresienstadt deportiert wurden.4]

Die Verwaltung hatte sich in der Mitteilung 19-11318 vom 13. August 2019 im Zusammenhang mit der Umgestaltung der Welfenhof-Passage wie folgt geäußert: "[...] Hierfür kommt insbesondere die Straße Meinhardshof im Westen in Betracht, die aber derzeit noch keine Aufenthaltsqualität aufweist und ganz überwiegend ein monofunktionaler Verkehrsraum für den Pkw-Verkehr darstellt. Auf Grundlage einer Auswertung der Verkehrsmengenkarte und einer zusätzlichen Erhebung an Tagen mit einem hohen Verkehrsaufkommen in diesem Bereich (verkaufsoffener Sonntag) haben sich die hier vorhandenen Verkehrsflächen als deutlich überdimensioniert erwiesen und bieten daher entsprechendes Gestaltungspotential.[...]"   

Vor diesem historischen Hintergrund und der eventuellen zukünftigen Umgestaltung bittet die AfD-Fraktion um Beantwortung folgender Fragen:

1. Welche Pläne zur Umgestaltung hat die Verwaltung mit diesem bedeutenden, historischen Hintergrund für Meinhardshof?

2. Sind die historischen Bezüge zum Haus Meinhardshof 3 der Verwaltung bekannt und wurden diese bei den Gesprächen und Überlegungen im Zusammenhang mit der Umgestaltung des Welfenhofes miteinbezogen? Wenn ja, welche Überlegungen sind dies? 

3. Wie steht die Verwaltung zu der Idee ein Denkmal zu errichten oder z.B. einen Wiederaufbau des Hauses Meinhardshof 3 - wie es seinerzeit mit der Alten Waage getan wurde - mit kulturellen Möglichkeiten zum Gedenken an die deportierten Braunschweiger Juden und an den Holocaust durchzuführen, um ein Zeichen gegen Antisemitismus zu setzen und Braunschweig optisch und kulturell weiter aufzuwerten? 
 

 


Anlagen:

Quellenangaben:

[1]  Sabine Wehking: DI 56, Stadt Braunschweig II, A1, Nr. 3† auf inschriften.net

[2] ↑ Bert Bilzer, Richard Moderhack (Hrsg.): Brunsvicensia Judaica. Gedenkbuch für die jüdischen Mitbürger der Stadt Braunschweig 1933–1945. In: Braunschweiger Werkstücke. Band 35, Braunschweig 1966, S. 183.

[3] ↑ B. Bilzer, R. Moderhack (Hrsg.): Brunsvicensia Judaica. Gedenkbuch für die jüdischen Mitbürger der Stadt Braunschweig 1933–1945. S. 183.

[4] ↑ B. Bilzer, R. Moderhack (Hrsg.): Brunsvicensia Judaica. Gedenkbuch für die jüdischen Mitbürger der Stadt Braunschweig 1933–1945. S. 161.
 

 

Anlagen:  
  Nr. Name    
Anlage 1 1 800px-Braunschweig_Andreaskirche_Meinhardshof_VFP_C_Uhde__1892_ (278 KB)    
Stammbaum:
20-12884   Ehemaliges Haus der Adresse Meinhardshof 3   0100 Referat Steuerungsdienst   Anfrage (öffentlich)
20-12884-01   Ehemaliges Haus der Adresse Meinhardshof 3   41 Fachbereich Kultur und Wissenschaft   Stellungnahme