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Rat und Stadtbezirksräte

Vorlage - 20-12958  

Betreff: Kreatives Potenzial der HBK für Braunschweig erhalten
Status:öffentlichVorlage-Art:Mitteilung
Federführend:41 Fachbereich Kultur und Wissenschaft   
Beratungsfolge:
Ausschuss für Kultur und Wissenschaft zur Kenntnis
06.03.2020 
Sitzung des Ausschusses für Kultur und Wissenschaft zur Kenntnis genommen   

Sachverhalt
Anlage/n
Anlagen:
Auswertungstabellen Atelierförderung

Sachverhalt:

 

Im März 2019 wurde im AfKW durch die SPD-Fraktion die Anfrage an die Verwaltung gerichtet (Drs.-Nr. 19-10098), aus welchen Gründen zahlreiche Absolventen der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig (HBK) nach Beendigung ihres Studiums die Region verlassen und welche Maßnahmen ergriffen werden müssten, um dieses kreative Potential in Braunschweig oder der Region zu halten. Die Verwaltung kündigte mit Drs.-Nr. 19-10098 an, in Abstimmung mit der HBK eine entsprechende Evaluierung bei den Studierenden resp. den Absolventen der HBK durchzuführen. Als aktueller Sachstand wird Folgendes mitgeteilt:

 

Befragungen von Studierenden der HBK Braunschweig:

 

In Abstimmung mit der HBK und dem städtischen Referat für Stadtentwicklung und Statistik wurde ein Fragebogen entwickelt, der die Situation der Studierenden, insbesondere vor dem Hintergrund der Ateliersituation in Braunschweig evaluiert. Die anonyme Befragung wurde im vierten Quartal 2019 bei allen Studierenden der Freien Kunst der HBK Braunschweig durchgeführt. Dazu wurden die Fragebögen im Rahmen von Lehrveranstaltungen durch die Professorinnen und Professoren selbst verteilt und wieder eingesammelt. Die deskriptive Auswertung hat das Kulturinstitut übernommen.

 

Die Auswertung der Evaluierung wird hiermit dem AfKW vorgestellt. Insgesamt liegen 242 auswertbare Fragebögen vor. Die grafisch aufbereiteten Ergebnisse sind ergänzend in der Anlage dargestellt:

 

Frage 1: Arbeiten Sie derzeit in einem Atelier außerhalb der HBK?

Die überwiegende Mehrheit der befragten Studierenden (91%) nutzt derzeit keine Atelierflächen außerhalb der HBK. Explizit genannte Gründe bestehen darin, dass sich die Studierenden Ateliers nicht leisten können (56%) bzw. es auf dem Markt keine Atelierflächen gibt (15%).

 

Frage 2: Suchen Sie derzeit parallel zu Ihrem Studium ein Atelier in Braunschweig und wenn ja, welche Ateliersituation wäre für Sie am geeignetsten?

Bei den Befragten handelt es sich um Studierende, denen die vorhandenen Ressourcen der HBK, auch Ateliers, zur Verfügung stehen. Insofern erscheint plausibel, dass die Mehrzahl der Studierenden (68%) derzeit keinen entsprechenden Atelierbedarf äußert. Immerhin jeder dritte Befragte (29%) ist dennoch auf der Suche nach einem Atelier zur Miete/Kauf.

 

Frage 3: Sind Sie daran interessiert, nach Ihrem Studium ein Atelier in Braunschweig zu nutzen, wenn ja, welche Ateliersituation wäre für Sie am geeignetsten?

Der überwiegende Teil der befragten Kunststudierenden (60%) ist daran interessiert, nach dem Studium ein Atelier in Braunschweig zu nutzen. Im Detail wird der Ateliernutzung durch Miete der deutliche Vorzug gegenüber der Ateliernutzung durch Kauf gegeben.

 

Frage 4: Käme für Sie ein Gemeinschaftsatelier in Frage, wenn ja mit wie vielen Künstlern/innen könnten Sie sich vorstellen, zusammen zu arbeiten?

Gemeinschaftsateliers sind für mehr als 87% der befragten Studierenden eine vorstellbare Option.  

 

Frage 5: In welchem Stadtteil Braunschweigs würden Sie ein Atelier präferieren?

Bei der räumlichen Präferenz von Atelierräumlichkeiten sprechen sich 68% der Befragten für das Westliche Ringgebiet aus, was vermutlich auf die Nähe zur HBK und die bevorzugte Wohnlage zurückzuführen ist. Es folgt die Innenstadt mit 46% sowie das Östliche Ringgebiet mit 34% der Befragten. Die weiteren Stadtteile verzeichnen eine schwache Nachfrage.

 

Frage 6: Welchen monatlichen Mietpreis wären Sie bereit, max. für ein Atelier zu zahlen?

Die überwiegende Anzahl der befragten Studierenden (60%) wäre bereit, für ein entsprechendes Atelier einen monatlichen Mietpreis bis zu 100 € zu bezahlen. 31% wären sogar bereit, einen Preis zwischen 100 - 300 € monatlich zu zahlen. Die Bereitschaft, einen noch höheren Mietpreis für Ateliers zu bezahlen, ist lediglich gering ausgeprägt.

 

Frage 7: Für welchen Zeitraum würden Sie ein Atelier nutzen wollen?

Bezüglich der Zeitspanne, für welche Ateliers genutzt werden sollen, sprechen sich die Befragten überwiegend für längere Zeiträume aus. Konkret präferieren 52% der Befragten eine Ateliernutzung länger als ein Jahr. Immerhin jeder dritte der Befragten (29%) spricht sich für einen Nutzungszeitraum von 6 bis 12 Monaten aus.

 

Frage 8: Würden Sie in Braunschweig bleiben/nach Braunschweig ziehen, wenn Sie hier ein passendes Atelier finden würden?

Mehr als 75% der Befragten würden auf jeden Fall bzw. vielleicht in Braunschweig bleiben, wenn Sie hier ein passendes Atelier finden würden. Für jeden Dritten (32%) wäre ein passendes Atelier ein wesentlicher Grund, um nach dem Abschluss des Studiums in Braunschweig zu bleiben.

 

Frage 9: Wie schätzen Sie die Situation im Hinblick auf das Angebot bezahlbarer Atelierräume in Braunschweig ein?

Die überwiegende Mehrheit der befragten Studierenden (74%) bewertet die derzeitige Situation in Hinblick auf das Angebot bezahlbarer Ateliers negativ. Über 40% schätzen die Situation sogar als schlecht bis sehr schlecht ein. Nur ca. 16% beurteilen die Ateliersituation in Braunschweig als sehr gut bis eher gut.

 

Frage 10: Wie wichtig sind Ihnen die Standortkriterien in Bezug auf die Atelierauswahl?

Hinsichtlich der Standortkriterien in Bezug auf die Atelierauswahl besitzen zwei Faktoren eine herausragende Bedeutung. Konkret wird die Anbindung des Atelierstandorts an den ÖPNV als besonders wichtig beurteilt, 67% der Befragten haben dieses Kriterium mit einer Note 1 oder 2 beurteilt, wobei die Skala von Note 1 = sehr wichtig bis zur Note 6 = sehr unwichtig reicht. Daneben wird auch die Nähe zum Wohnort als wichtiges Standortkriterium beurteilt, 55% der Befragten haben dieses Kriterium mit einer Note 1 oder 2 bewertet.

 

Frage 11: Welchen Platzbedarf haben Sie für Ihre künstlerische Arbeit?

Hinsichtlich des Platzbedarfs bewertet die Mehrzahl der Befragten (53%) einen überwiegend kleinen Lagerraum (weniger als 20 ) als ausreichend, wohingegen für Arbeitsplätze und Werkstätten eher mittlere Größen (20 – 50 m²) bevorzugt werden.

 

Frage 12: In welchem künstlerischen Bereich arbeiten Sie?

Die künstlerischen Bereiche, in welchen die befragten Studierenden arbeiten, sind breit gefächert. Die größte Gruppe bildet der Bereich Malerei/Zeichnung (64%), gefolgt von Bildhauerei/Skulptur und Installation/Objektkunst (jeweils ca. 50%). Zahlreiche Befragte arbeiten gleichzeitig in mehreren Disziplinen.

 

Frage 13: Wo wohnen Sie?

Die deutliche Mehrheit der Befragten (40%) wohnt im Westlichen Ringgebiet und somit im räumlichen Umfeld der HBK. In der Innenstadt leben 12% der Befragten, der Anteil in den weiteren Stadtteilen ist deutlich geringer.

 

Frage 14: Welches Studium absolvieren Sie zurzeit?

Nahezu alle Befragten (89%) durchlaufen derzeit ihren Bachelor bzw. ihr Diplom. Lediglich ein geringer Anteil (5%) erwirbt aktuell seinen Master oder Meisterschüler.

 

Fazit:

Die Erhebung hat konkrete Erkenntnisse zur Situation der Studierenden der Freien Künste an der HBK hinsichtlich der Ateliersituation und zum Atelierbedarf für junge Künstlerinnen und Künstler in Braunschweig erbracht. Deutlich wird, dass es einen klar definierbaren Bedarf an Atelierflächen für junge Künstlerinnen und Künstler in Braunschweig gibt. Aufgrund der Befragungsergebnisse ist ebenfalls davon auszugehen, dass ein entsprechendes Angebot an Atelierflächen dazu beitragen könnte, die Abwanderung junger Künstlerinnen und Künstler nach Abschluss des Studiums an der HBK zu reduzieren.   

 

Auf Grundlage der empirisch fundierten Bestandsaufnahme werden nunmehr weiterführende Überlegungen zu konkret zu planenden Maßnahmen erfolgen, vielversprechend erscheint grundsätzlich die Konzeption eines Atelierförderprogramms.

Aufgrund der Erfordernisse des gegenwärtigen Prozesses zur Haushaltsoptimierung stehen zusätzliche Haushaltsmittel für die finanzielle Hinterlegung eines Atelierförderprogramms jedoch derzeit nicht zur Verfügung.  

Um dennoch zeitnah mit einem ersten Angebotsbaustein für junge Künstlerinnen und Künstler zu starten, hat die Initiative Schrill e.V. das Projekt „KuRZ – Kulturraumzentrale für die Stadt Braunschweig“ entwickelt, das bereits in diesem Jahr starten wird.  

 


Anlage/n:


Auswertungstabellen Atelierförderung
 

 

Anlagen:  
  Nr. Name    
Anlage 1 1 Auswertungstabellen Atelierförderung (430 KB)