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Rat und Stadtbezirksräte

Vorlage - 2036/99  

Betreff: Benchmarking in der Abwasserwirtschaft
Status:öffentlichVorlage-Art:Mitteilung
Federführend:66 Fachbereich Tiefbau und Verkehr   
Beratungsfolge:
Bauausschuss
08.09.1999 
Bauausschuss (offen)  (2036/99)  

Sachverhalt

Stadt Braunschweig

 

 

Stadt Braunschweig

 

TOP

 

 

 

Der Oberstadtdirektor

Drucksache

Datum

Stadtentwässerungsamt

2036/99

99-08-16

68.0

 

 

 

Beteiligte Ämter/Referate/Institute

Mitteilung

 

Beratungsfolge

Sitzung

 

Tag

Ö

N

Bauausschuß

08.09.1999

X

 

 

 

 

 

 

Überschrift, Sachverhalt

 

 

 

Benchmarking in der Abwasserwirtschaft

 

 

 

 

Das Stadtentwässerungsamt hat sich zusammen mit 17 weiteren Entsorgungsbetrieben (Berlin, Bremen, Chemnitz, Dresden, Düsseldorf, Emscher Genossenschaft, Essen, Hamburg, Hannover, Köln, Leipzig, München, Stuttgart, Wien, Wiesbaden, Wuppertal und Zürich) an einem Benchmarking-Projekt der Abwasserwirtschaft beteiligt (Vorlage Amt 68 vom 05. Okt. 1998, Drucksache 1278/98).

 

Zum Einstieg in diese in der Abwasserbeseitigung neue Vergleichsmethode wurden zunächst, unter Beteiligung der Unternehmensberatung Baumgartner und Partner GmbH (B & P), die Prozesse entwickelt, die das komplette Geschäftsgebaren eines Abwasserbetriebes abbilden. Das Prozessmodell „Durchführung der Abwasserbeseitigung“ ist als Anlage 1 beigefügt.

 

Aus den entwickelten 20 Prozessen wurden für das erste Projekt die Prozesse „Kanalnetz renovieren, erneuern, erweitern“ und „Material beschaffen, verwalten und entsorgen“ ausgewählt. Für diese beiden ausgewählten Prozesse werden bei der Stadtentwässerung jährlich mehr als 20 Mio DM ausgegeben.

 

Ziel dieses Benchmarking war, gemeinsam mit anderen Großstädten betriebswirtschaftliche Kennzahlen zu ermitteln, die vergleichbar und signifikant für Prozesskosten der beiden Prozesse sind (brancheninternes Benchmarking). Dieser unternehmensübergreifende Vergleich sollte über den sonst üblichen Gebührenvergleich und herkömmliche Kennzahlenbetrachtungen hinausgehen. Alle Beteiligten wollen sich nicht intern und lokal optimieren, sondern voneinander lernen und durch diesen Lerneffekt schneller besser werden. Ziel war daher zunächst die jeweils beste Prozessführung („Best Practices“) zu ermitteln und den relativen Abstand zu anderen Verfahrensweisen darzustellen.

 

 

 

 

 

 

 

 

Um die Komplexität der Prozesse handhaben zu können wurde von B & P der Hypothesenansatz als methodische Grundlage ausgewählt und zu jedem Prozess ca. 80 Hypothesen aufgestellt, mit deren Hilfe die Einflussfaktoren und Outputgrößen des Prozesses betrachtet wurden (Anlage 2). Eine Reduktion der Komplexität wurde durch die Betrachtung bestimmter Standardfälle erreicht (z. B.: Erfassung der Outputgröße „Baukosten“ pro Meter Standardkanal - DN 300 in 3 - 4 m Tiefe; Erfassung der Outputgröße „Konditionen“ für repräsentative Einkaufsartikel - z. B. Strom, Kanalklinker, Fahrzeuge, Schachtabdeckungen).

 

Die daraus entwickelten Fragebögen (jeweils ca. 70 Seiten) wurden bearbeitet und an B & P zurückgesandt. Nach der Plausibilisierung der Daten erfolgte die Datenanalyse und die Bericht-erstellung. Insgesamt wurde in dem Benchmarking-Projekt das nachstehende Mengengerüst be- und verarbeitet.

 

Anzahl Workshops:

40

Anzahl Interviews:

84

Anzahl direkt beteiligter Mitarbeiter:

ca. 250

Anzahl ausgewerteter Fragebogenseiten:

ca. 3.000

Anzahl ausgewerteter Datenpunkte:

ca. 100.000

Anzahl untersuchter Kanalbauprojekte:

270

Anzahl betrachteter materialwirtschaftlicher Abläufe:

125

Gesamtes Einkaufsvolumen:

760 Mio DM

Gesamte Kanallänge:

38.000 km

 

Generell zeigt das Benchmarking-Ergebnis ein erhebliches Verbesserungspotential in den Prozessen auf. Dies wird dadurch unterstrichen, dass bei den Ergebnismerkmalen erhebliche Bandbreiten festgestellt werden konnten.

 

Beispiele:              Durchschnittliche Kosten von Kanal-Erneuerungsprojekten:

 

                            „teure“ Unternehmen bauen derartige Kanäle zum Preis von               3.470,.-- DM/m,

                            der Mittelwert für derartige Kanäle beträgt                                                         2.180,-- DM/m,

                            „günstige“ Unternehmen bauen derartige Kanäle zum Preis von              1.330,-- DM/m,

 

                            Braunschweig: 1.380,94 DM/m.

 

                            Bauleistung (Meter pro Woche) bei Kanal-Erweiterungsprojekten:

 

                            „langsame“ Unternehmen bauen               11 m/Woche,

                            der Mittelwert beträgt                             21 m/Woche,

                            „schnelle“ Unternehmen bauen               31 m/Woche,

 

                            Braunschweig:  28,49 m/Woche.

 

                            Prozesskosten der Beschaffung:

 

                            Unternehmen mit hohen Prozesskosten                                                        2.399,-- DM

                            Durchschnittliche Prozesskosten                                                                      1.211,-- DM

                            Unternehmen mit niedrigen Prozesskosten                                                           294,-- DM

 

                            Braunschweig:  921,-- DM.

 

 

 

 

 

Für den Prozess „Kanalbau“ wurde eine deutliche Abhängigkeit der Effizienz von der Ablauf-organisation (Form der Projektabwicklung) herausgearbeitet; ferner ist die Existenz einer eindeutigen Kanalbaustrategie maßgeblich für eine erfolgreiche Prozessführung.

 

Für den Prozess „Material“ wurde ebenfalls eine sehr hohe Korrelation zwischen dem jeweiligen Organisationstyp und der Effizienz des Prozesses nachgewiesen. Insgesamt wurde bei allen Teilnehmern ein sehr hohes Verbesserungspotential ermittelt.

 

Das Fazit der Unternehmensberatung für die Stadtentwässerung Braunschwieg ist als Anlage 3 beigefügt.

 

Die beteiligten Abwasserentsorgungsbetriebe, die eine gemeinsame Diskussionsplattform aufrechterhalten, werden die gewonnenen Erkenntnisse zunächst auf der Basis der beiden untersuchten Prozesse diskutieren und weiterverfolgen, um so dem Ziel des Benchmarking,

„Lernen vom Besten“, nachzukommen. Dazu werden die Städte Essen und Berlin jeweils einen Workshop anbieten. Die Frage ob, wie und wann eine Untersuchung weiterer Prozesse in Angriff genommen wird, soll im Rahmen einer Diskussionsrunde der Geschäftsführer und Amtsleiter der beteiligten Entsorgungsbetriebe am 17. November in Braunschweig erörtert werden.

 

 

I. V.

 

 

gez.

 

Jaenicke

 

 

Anlagen