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Rat und Stadtbezirksräte

Vorlage - 3279/00  

Betreff: Senkung der Fernmeldegebühren durch Wechsel des Netzbetreibers
Status:öffentlichVorlage-Art:Mitteilung
Federführend:65 Fachbereich Hochbau und Gebäudemanagement   
Beratungsfolge:
Finanzausschuss
07.09.2000 
Finanzausschuss ungeändert beschlossen  (3279/00)  

Sachverhalt

Stadt Braunschweig

1

 

 

Stadt Braunschweig

 

TOP

 

 

 

Der Oberstadtdirektor

Drucksache

Datum

Hochbauamt

3279/00

11. August 2000

65.3.3

 

 

 

Beteiligte Ämter/Referate/Institute

Mitteilung

 

Beratungsfolge

Sitzung

 

Tag

Ö

N

Finanzausschuss

7. Sept. 2000

 

X

 

 

 

 

 

 

Überschrift, Sachverhalt

 

 

Senkung der Fernmeldegebühren durch Wechsel des Netzbetreibers

 

 

Der Finanzausschuss beauftragte die Verwaltung in der Sitzung am 27. Januar 2000 zur Untersuchung der Möglichkeit des Wechsels des Netzbetreibers.

 

Zur Ermittlung der Wirtschaftlichkeit alternativer Netzbetreiber hat die Verwaltung daraufhin eine Untersuchung durchgeführt, bei der folgende Entscheidungskriterien berücksichtigt worden sind:

 

                            1.  Vertragspartner

                            2.  Leistungsfähigkeit der Netzbetreiber

                            3.  Verfügbarkeit und Betriebssicherheit der technischen Anlagen

                            4.  Rechnungslegung durch den Anbieter

                            5.  Rechnungsbearbeitung durch die Stadtverwaltung

                            6.  Kosten für Anschlüsse und Verbindungen

 

 

1.   Vertragspartner

 

Zur Zeit bieten ca. 65 Telekommunikationsunternehmen ihre Vermittlungsdienste an.

Dabei muss unterschieden werden zwischen Netzbetreibern mit eigener Infrastruktur und eigenen technischen Einrichtungen und Netzbetreibern, die lediglich Tarifeinheiten kaufen und wieder verkaufen, sogenannte Reseller.

Nach Ansicht führender Marktanalytiker wird auch im Telekommunikationsbereich eine Konzentration eintreten.

Die Anzahl der am Markt verbleibenden Anbieter wird sich deutlich reduzieren, wobei die Unternehmen mit eigener Infrastruktur die größten Überlebenschancen haben werden.

Vor einer vertraglichen Bindung ist daher genau zu prüfen, ob das Unternehmen Zukunftsaussichten hat.

 

. . .

 

 

 

 

 

 

 

2.   Leistungsfähigkeit der Netzbetreiber

 

Die Leistungsfähigkeit zeigt sich u. a. bei der Störungsbeseitigung, Erreichbarkeit und Erbringung von Zusatzleistungen, wie z. B. der Bereitstellung von Gebühreninformationen.

 

Die Leistungsfähigkeit bei der Störungsbeseitigung und Erreichbarkeit bei den alternativen Netzbetreibern ist auf Grund fehlender Erfahrung in der Verwaltung nicht zu beurteilen.

Aussagen in der Fachliteratur jedoch bescheinigen den alternativen Netzbetreibern erheblichen Nachholbedarf gegenüber der Deutschen Telekom AG.

Zusätzliche Anforderungen der Stadt Braunschweig an die Netzbetreiber wie die Bereitstellung von Gebührenimpulsen sind unerlässlich, um eine Gebührenzuordnung der Dienstgespräche zu Kostenstellen sowie eine Privatgesprächsabrechnung zu gewährleisten.

Bisher liegen praktische Erfahrungen in der Verwaltung über diese notwendige Funktionalität nur bei der Deutschen Telekom AG vor.

Auch hier bescheinigt die Fachliteratur den alternativen Netzbetreibern einen Nachholbedarf.

 

 

3.   Verfügbarkeit und Betriebssicherheit der technischen Anlagen

 

Die Verfügbarkeit und Betriebssicherheit ist ein Maß für die Qualität der angebotenen Leistung und muss daher vom Anbieter vertraglich zugesichert werden.

Die Verfügbarkeit und Betriebssicherheit bei den alternativen Netzbetreibern hat bei Weitem noch nicht den Stand der Deutschen Telekom AG erreicht.

Neben der Ausfallsicherheit, die einen sehr hohen Stellenwert hat, spielt die Verfügbarkeit der Verbindungen eine große finanzielle Rolle, da jedes vom Anbieter abgewiesene Gespräch über die Deutsche Telekom zu wesentlich höheren Preisen abgewickelt werden muss.

 

 

4.   Rechnungslegung durch den Anbieter

 

Zur Reduzierung des Rechnungsbearbeitungsaufwandes und zur einwandfreien Zuordnung der Rechnungsbeträge zu Kostenstellen ist eine individuelle Rechnungsgestaltung notwendig, die eindeutige Zuordnungskriterien sowie Unterscheidung von fixen und variablen Kosten ermöglicht.

 

 

5.   Rechnungsbearbeitung durch die Stadtverwaltung

 

Die Übermittlung der Rechnungen muss durch E-Mail erfolgen, um die bereits in Betrieb befindliche softwaremäßige Nachbearbeitung durch die Verwaltung weiterhin zu gewährleisten.

Die Übermittlung der Rechnungen erfolgt zur Zeit durch E-Mail mit einer softwaremäßigen Nachbearbeitung.

Bei ca. 400 Rechnungen pro Monat ist eine manuelle Zuordnung, Prüfung und Anweisung nur mit erheblichem Personaleinsatz möglich.

Insofern wäre es erforderlich, dass alternative Netzbetreiber, die Rechnungen auf elektronischem Wege in entsprechender Form übermitteln.

 

 

. . .

 

 

 

6.   Kosten für Anschlüsse und Verbindungen

 

Die Firma Siemens ICN wurde Anfang des Jahres durch die Stadt Braunschweig beauftragt, die am Markt befindlichen Netzanbieter hinsichtlich der Kosten im Telefondienst zu untersuchen.

Als Basis für die Kostenanalyse dienten die durch das Hochbauamt erfassten Verbindungen des Monats Mai 2000 (ca. 115.000 Verbindungen).

Die daraus resultierenden Verbindungsdaten wurden durch das Hochbauamt aufbereitet und Siemens ICN mit folgenden Informationen übergeben:

 

  • Datum des Gesprächs
  • Uhrzeit des Beginns des Gesprächs
  • Dauer des Gesprächs
  • Angerufene Zielrufnummer
  • Anzahl der Tarifeinheiten

 

Anfang Juli dieses Jahres wurde Amt 65 das Gutachten übergeben. Die Kosten belaufen sich auf 9.200,00 DM.

Das Gutachten umfasst 129 Seiten, auf denen 65 Netzbetreiber mit insgesamt 216 Tarifen untersucht worden sind.

Das Ergebnis des Gutachtens wird nachfolgend dargestellt.

 

 

6.1 Umfang und Aufteilung der Verbindungen

 

Die 115.000 Verbindungen teilen sich laut nachfolgendem Diagramm 1 auf die verschiedenen Tarifbereiche auf, wobei im Bereich `Sonstige` die Tarifbereiche Welt, Europa und andere zusammengefasst sind.

 

 


                            Diagramm 1

 

Das Diagramm zeigt deutlich den Schwerpunkt mit 65 % im Bereich Cityverbindungen ohne „0“.

 

                                                                                                                                                          . . .

 

 

 

 

6.2 Kosten der Verbindungen

 

Zur Ermittlung des Einsparpotentials wurden von der Siemens ICN sämtliche verfügbaren Tarife aller Netzbetreiber mit den Verbindungsdaten des Monats Mai 2000 durchgerechnet, ohne Berücksichtigung der Leistungsfähigkeit, Funktionalität und Handhabbarkeit.

Die 15 preisgünstigsten Anbieter sind in nachfolgender Tabelle dargestellt.

 

 

Tabelle 1

 

Anbieter

Anschaltung

Einsparung/Monat

Viag Interkom

Direkt

17.156 DM

ColtVoiceLine

Direkt

15.680 DM

Star Telecom

Direkt

15.438 DM

Deutsche Telekom AG

Direkt

12.160 DM

Tele2

Preselektion

11.402 DM

Microcall

Preselektion

9.248 DM

3U Telekommunikation

Preselektion/Call by Call

8.503 DM

TelDaFax

Preselection

8.401 DM

Super 24

Call by Call

8.376 DM

Mobilcom

Preselection

8.286 DM

TiscaliNet

Call by Call

8.104 DM

Telecom

Call by Call

7.930 DM

MCI

Preselection

7.851 DM

First business

Preselection

7.811 DM

Talkline

Preselection

7.573 DM

GTS ESPRIT

Preselection

7.485 DM

 

Hinweis: Erläuterungen zur Anschaltung siehe Anlage

 

 

Die mögliche Einsparung durch die Anbieter Viag Interkom, ColtVoiceLine, und Star Telecom ist rein theoretisch, da diese Netzbetreiber im Bereich Braunschweig keine Direktanschaltung anbieten.

Laut Auskunft dieser Netzbetreiber ist auch kein Netzaufbau in absehbarer Zeit im Bereich Braunschweig geplant.

Alle anderen Anbieter liegen preislich bereits über dem mit der Deutschen Telekom AG geschlossenen Rahmenvertrag.

 

Unberücksichtigt bei der vorgenannten Kostengegenüberstellung sind die Anforderungen nach Punkt 1 bis 5.

Diese Anforderungen minimieren zum einen den städtischen Personalaufwand zur Rechnungsbearbeitung, Kostenkontrolle und Kostenzuordnung und stellen zum anderen die Betriebsfähigkeit der Telekommunikationseinrichtungen sicher.

 

 

. . .

 

 

 

 

 

 

 

 

Legt man den bestehenden Rahmenvertrag Dial + Benefit bzw. Business-Call 700 zugrunde (Achse 0,00 DM), zeigt das nachfolgende Diagramm die Mehrkosten bzw. theoretischen Einsparungen bei den einzelnen Netzbetreibern.

 


 

 

 

 

Ergebnis

 

Die Deutsche Telekom AG ist über den Rahmenvertrag `Dial & Benefit` bzw. `Business-Call 700` für die Stadt Braunschweig der günstigste Anbieter sowohl in preislicher als auch in technischer und kaufmännischer Hinsicht.

 

Der bestehende Rahmenvertrag sollte daher fortgeführt werden.

 

 

. . .

 

 

 

 

 

 

 

 

Ausblick

 

Die Auswertung zeigt, dass nur Anbieter mit einer Direktanschaltung eine preisliche und technische Alternative darstellen.

 

Zum Jahreswechsel 2001 beabsichtigt Mannesmann Arcor die Bereitstellung einer Direktanschaltung im Bereich Braunschweig.

Die Verwaltung klärt zurzeit die technischen und preislichen Möglichkeiten eines Wechsels zu Mannesmann Arcor und wird zu gegebener Zeit über den Stand berichten.

 

 

I. V.

 

gez. Jaenicke

 

 

Jaenicke

 

Anlage

 

 

 


1

 

Anlage

 

Direktanschaltung:

 

Bei der Direktanschaltung erfolgt der Zugang zum Netz des Netzbetreibers direkt an der stadtinternen TK-Anlage (Kunde). Dabei liefert der Netzbetreiber einen eigenen physikalischen Anschluss gegebenenfalls neben den der Deutschen Telekom AG und/oder anderen Netzbetreibern an die TK-Anlagen.

Die Nutzung solcher Anschlüsse bedingt, je nach Netzbetreiber, erhebliche Investitionen in Hard- und Software der bestehenden TK-Anlagen, um die Implementation des „Least Cost Routing“ zu ermöglichen, indem über die Ortznetzkennzahl der Zielrufnummer automatisiert bestimmt wird, über welches Netz die gewünschte Verbindung am billigsten hergestellt werden kann.

 

 

Anschaltung über Call by Call:

 

Die manuelle Wahl des Netzbetreibers zur Ausscheidung aus dem Ortsnetzbereich (Citybereich) der Deutschen Telekom AG in das Netz des Netzbetreibers wird durch die Eingabe einer Netzbetreiberkennzahl als Vorwahl vor der eigentlichen Zielrufnummer durchgeführt und kann von jedem Anschluss aus genutzt werden.

Der entscheidende Nachteil bei dieser technischen Möglichkeit ist jedoch, dass keine automatisierte Gebühreninformation von dem ausgewählten Netzbetreiber erfolgt, so dass weder feststellbar ist, wer das Gespräch geführt hat, noch wie hoch die Kosten der Einzelgespräche sind. Die Abrechnung der geführten Gespräche über den jeweils ausgewählten Netzbetreiber erfolgt lediglich als Gesamtsumme der geführten Gespräche über die Fernmelderechnung der Deutschen Telekom AG.

Auf Grund der automatisierten Gesprächsdatenerfassung bei der Stadt Braunschweig zur Gewährleistung eines wirtschaftlichen Einsatzes des Telefons ist dieses Verfahren für die angestrebte Kostentransparenz bzw. der Zuordnung zu Kostenstellen und der ordnungsgemäßen Abrechnung privater Gespräche folglich nicht nutzbar und wird durch Sperrung der Netzbetreiberkennzahlen im Telefonanlagensystem der Stadt Braunschweig verhindert.

Darüber hinaus wäre es fraglich, ob dieses Verfahren der manuellen Wahl des Netzbetreibers für die Bediensteten der Stadtverwaltung im täglichen Geschäftsverkehr praktikabel und damit wirtschaftlich ist, da für das jeweilige Gespräch in Abhängigkeit vom Zeitpunkt und Dauer des Einzelgespräches sowie der Entfernung zum Zielort über Preislistenvergleiche der günstigste Netzbetreiber ausgewählt werden müsste.

 

 

Anschaltung über Preselection:

 

Bei der automatisierten Wahl des Netzbetreibers wird ein Router (Netzkoppelelement) zwischen der jeweiligen stadtinternen TK-Anlage und dem Leitungsabschluss der Deutschen Telekom AG installiert, indem softwaremäßig hinterlegt ist, bei welcher Zielrufnummer eine Ausscheidung aus dem Ortsnetzbereich (Citybereich) der Deutschen Telekom AG in das Netz des Netzbetreibers erfolgt. Nicht hinterlegte Zielrufnummern verbleiben im Netzbereich der Deutschen Telekom AG.

Zurzeit werden auch bei diesem Verfahren keine automatisierten Gebühreninformationen des Netzbetreibers übertragen, wobei eine Realisierung der Gebühreninformation durch die Netzbetreiber angestrebt wird. Ein weiterer Nachteil dieses Verfahrens ist die Geschwindigkeit des Verbindungsaufbaus.