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Rat und Stadtbezirksräte

Vorlage - 4212/00  

Betreff: Sanierung Petrifriedhof
Status:öffentlichVorlage-Art:Beschlussvorlage
Federführend:67 Fachbereich Stadtgrün und Sport   
Beratungsfolge:
Grünflächen- und Landwirtschaftsausschuss
08.11.2000 
Grünflächen- und Landwirtschaftsausschuss ungeändert beschlossen  (4212/00)  
Umweltausschuss
09.11.2000 
Umweltausschuss ungeändert beschlossen  (4212/00)  
Bauausschuss
22.11.2000 
Bauausschuss ungeändert beschlossen  (4212/00)  

Sachverhalt

Stadt Braunschweig

1

 

 

Stadt Braunschweig

 

TOP

 

 

 

Der Oberstadtdirektor

Drucksache

Datum

Grünflächenamt

4212/00

14. Aug.2000

67-AL

 

 

 

 

Vorlage

 

Beratungsfolge

 

Sitzung

 

Beschluss

 

 

Tag

Ö

N

ange-nom-men

abge-lehnt

geän-dert

pas-siert

Stadtbezirksrat 320  Westliches Ringgebiet

Grünflächen- und Landwirtschaftsausschuss

Umweltausschuss

31. Okt. 2000

  8. Nov. 2000

  9. Nov. 2000

X

X

X

 

 

 

 

 

Bauausschuss

22. Nov. 2000

X

 

 

 

 

 

Beteiligte Ämter/Referate/

Institute

Beteiligung des Rechnungsprüfungsamtes

Anhörungsrecht

des Stadtbezirksrats

Vorlage erfolgt aufgrund Vorschlag/Anreg.d.StBzR

 

320

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

20, 63

 

 

Ja

X

Nein

 

X

Ja

Nein

 

 

Ja

X

Nein

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Überschrift, Beschlussvorschlag

 

 

 

Sanierung Petrifriedhof

 

 

"Dem Sanierungskonzept für den Petrifriedhof wird zugestimmt.

 

Die Kosten werden auf 400.000 DM festgestellt.

 

 

 

 


Der St.-Petri-Friedhof an der Goslarschen Straße im westlichen Ringgebiet gehört zu den ältesten noch vorhandenen Friedhofsanlagen im Stadtgebiet.

 

Seit 1638 ist die Fläche als Friedhof ausgewiesen. Der vor den Toren der Stadt angelegte Friedhof wurde 1856 vergrößert und bis zur Eröffnung des Hauptfriedhofes an der Helmstedter Straße 1887 als Begräbnisplatz für Erdbestattungen genutzt. Er enthält formal bemerkenswerte Grabdenkmale und Ruhestätten bedeutender Bürger wie Wilhelm Bracke, Gottfried-Friedrich Tunica, Konrad Koch, Johann Degener und Katharina Degener,

Salomon u. a. Der Petrifriedhof ist Baudenkmal und somit gemäß § 3 Nieders. Denkmalschutzgesetz geschützt.

 

Eigentümerin ist die Kirchengemeinde St. Petri, seit 1977 besteht ein Nutzungsvertrag zwi- schen der Kirchengemeinde und der Stadt Braunschweig. In dem Nutzungsvertrag heißt es u. a.: „Die St.-Petri-Gemeinde überläßt der Stadt Braunschweig dieses Grundstück ... zur öffentlichen Nutzung als Grün- und Parkanlage, der Charakter des Friedhofes soll dabei erhalten bleiben. Die Nutzung hat diesem Charakter Rechnung zu tragen.“.

 

Der Friedhof befindet sich aktuell in einem sehr schlechten Pflegezustand. Durch Vandalismus sind eine Vielzahl von Grabstätten und Denkmalen zerstört worden. Neben diesem Zustand weisen zahlreiche Steine witterungsbedingte Zerstörungen auf. Um zumindest

einen Teil der Denkmale zu sichern, wurden diese zunächst 1992 auf dem Betriebshof des Grünflächenamtes zwischengelagert. Um einer vollständigen Entwertung der historisch schützenswerten Substanz zu begegnen, wurde der Friedhof im Dezember 1998 abgeschlossen und ist seitdem nicht mehr für die Öffentlichkeit zugänglich. Weiterhin wurde im April 2000 als vorgezogene Sanierungsmaßnahme der die nördliche Seite begrenzende immer wieder zerstörte und überstiegene Maschendrahtzaun durch einen stabilen Gitterzaun ersetzt.

 

Zielsetzungen:

 

Um dem gemäß dem vom Verwaltungsausschuss der Stadt Braunschweig im Jahr 1989 beschlossenen Rahmenkonzept für die denkmalpflegerische Behandlung aufgelassener historischer Friedhöfe zu entsprechen und den Petrifriedhof als Denkmal zu erhalten, hat die Verwaltung ein mit der Denkmalpflege abgestimmtes Sanierungskonzept erarbeiten lassen. Mit der Erarbeitung wurde das Büro Roedenbeck + Roedenbeck, Braunschweig, beauftragt.

 

Ziel des Sanierungskonzeptes soll es sein, das Grundstück in seinem Charakter als Friedhof wieder herzustellen und dabei die noch erkennbaren Strukturen der Grabanlagen mindestens in Abschnitten wieder herzustellen, die noch vorhandenen Denkmäler, Denksteine und Einfassungen an ihrem ursprünglichen Ort zu erhalten bzw. wieder aufzustellen, um damit die Voraussetzungen für die Erhaltung der denkmalgeschützten Friedhofsanlage zu schaffen. Die Anlage soll in geeigneter Weise der Öffentlichkeit wieder zugänglich gemacht werden.

 

Konzept:

 

Die Denksteine werden an ihrem ursprünglichen Ort belassen bzw. dort wieder aufgestellt. In der Abt. B wird eine Auswahl der formal bedeutenden Grabsteine mit Einfassung und Bepflanzung wieder hergestellt. In den Abt. A und C werden nur die Einzelgräber, die noch

komplett Grabstein, Einfassung und Nummernstein haben, erhalten. Die übrigen Kissensteine und Nummernsteine werden an ihrem jeweiligen Standort in die Rasenflächen integriert, die ursprüngliche Reihenstruktur bleibt erkennbar.

 

                                                                                                                                                                        ...

 

 

In den Bereichen, in denen sich Kindergräber befinden, sind nur wenige Grabsteine, aber eine ganze Reihe von Nummernsteinen erhalten. Diese Flächen werden mit flach wachsenden Stauden bepflanzt, die Nummernsteine bleiben sichtbar.

 

Um die Erhaltung der bodendeckenden Bepflanzung zu ermöglichen, muss der Grad der vorhandenen Beschattung zurückgenommen werden. Dazu werden eine Reihe von Bäumen, insbesondere der Wildwuchs, der durch Aussaat der aufgewachsenen Eschen, Kastanien und Ahorne entstanden ist, entnommen.

 

Die unbelegte Fläche in der Abt. C wird sich gestalterisch von den übrigen Flächen als Rasenfläche mit Einzelbäumen lösen. Sie erhält einen geschwungenen Weg mit einem Aufenthaltsbereich.

 

Das Wegesystem des Friedhofes wird in seiner Struktur und in der wassergebundenen Bauweise erhalten.

 

Eine Auswahl erhaltenswerter Grabdenkmale überwiegend aus dem Grabfeld B, zum Teil mit Einfassungen, wird an Ort und Stelle belassen bzw. auf dem Betriebshof ausgelagerte Steine wieder aufgebaut. Die Denksteine werden auf Standfestigkeit überprüft, Nummernsteine und Kissensteine werden ohne Fundament in den Boden eingelassen. An den Grabsteinen werden die Maßnahmen durchgeführt, die einen weiteren Verfall aufhalten, wie verfugen von Rissen, die zur Steinzerstörung führen oder bei Sandstein partiell steinverfestigende Maßnahmen. Gereinigt werden die Denksteine, die durch Farben verschmutzt sind.

 

Nutzung:

 

Angesichts des erheblichen Defizits an Freiflächen im westlichen Ringgebiet soll der sanierte Friedhof auch künftig für Bürger zugänglich sein. Allerdings lässt sich dies nur dann mit den Interessen der Erhaltung des Friedhofes als denkmalgeschützte Anlage verwirklichen, wenn sie einer regelmäßigen Kontrolle unterliegt und die Besucher sich an die erforderliche Ordnung halten. Hunde sollen grundsätzlich keinen Zugang mehr zum Friedhof bekommen. Angestrebt wird, den Friedhof während der Nachtstunden abzuschließen. Darüber hinaus soll eine detaillierte Information über die historische Anlage die Akzeptanz und die Achtung für diese kulturhistorisch wertvolle Begräbnisstätte fördern.

 

Kosten:

 

Die Kosten für die Maßnahme Sanierung Petrifriedhof betragen 400.000 DM inkl. Mehrwertsteuer und Architektenhonorar.

 

                                                                                                                                                                        ...


Kostenzusammenstellung

 

Geländebearbeitung                                                                                      15.100 DM

Vegetationstechnische Bodenbearbeitung                                            24.685 DM

Pflanzen                                                                                                    61.800 DM

Rasen                                                                                                                  28.000 DM

Wege                                                                                                                  19.250 DM

Zaun                                                                                                                    3.400 DM

Treppen                                                                                                      1.750 DM

Einbauten                                                                                                    11.140 DM

Abbruchmaßnahmen                                                                                        4.200 DM

Steinmetzarbeiten                                                                                    140.000 DM

                                                                                                                309.325 DM

Bauleitung                                                                                                    35.000 DM

                                                                                                                344.325 DM

                                                                      + 16 % MWSt.                              55.092 DM

                                                                                                                399.417 DM

                                                                      zur Aufrundung                     583 DM

                                                                                                                400.000 DM

                                                                                                                =========

 

Finanzierung:

 

Die Ev.-luth. Propstei, Stadtkirchenverband Braunschweig, wird sich als Eigentümerin des Friedhofes mit 100.000 DM an der Sanierung des Petrifriedhofes beteiligen.

 

Die Richard Borek Stiftung wird im Rahmen der Vereinbarung zur Förderung von Grünprojekten und historischen Friedhöfen ebenfalls 100.000 DM der Sanierungskosten übernehmen, sodass die Stadt Braunschweig 200.000 DM zu tragen hat.

 

Die Finanzierung wird deshalb wie folgt aussehen:

 

2000 - Stadtkirchenverband:                            100.000 DM

           Richard Borek Stifung:                33.000 DM

           Stadt Braunschweig:                              67.000 DM

                                                                      200.000 DM

 

2001 - Richard Borek Stiftung:                67.000 DM

           Stadt Braunschweig:                            133.000 DM

                                                                      200.000 DM

 

Im Haushaltsjahr 2000 stehen im Rahmen der von der Richard Borek Stiftung zu fördernden Projekte noch nicht gebundene Mittel in Höhe von 100.000 DM unter der Haushaltsstelle 58000.955000-0210 zur Verfügung. Der Finanzierungsanteil des Stadtkirchenverbandes (100.000 DM) wird haushaltstechnisch gesondert abgewickelt.

 

Für das Haushaltsjahr 2001 ist gemäß Investitionsprogramm 1999 bis 2003/Entwurf Haushaltsplan 2001 eine Finanzierungsrate in der o. g. Höhe von 200.000 DM eingeplant.

 

Das ursprünglich für die Haushaltsjahre 2000 und 2001 vorgesehene Projekt „Sanierung

Inselwallpark“ soll auf einen späteren Zeitpunkt verschoben werden.

 

Die Arbeiten sollen im Herbst des Jahres 2000 beginnen und im Jahr 2001 abgeschlossen werden.

                                                                                                                                                                        ...

 

Um das Konzept hinsichtlich seiner Umsetzbarkeit, insbesondere auch im Hinblick auf die künftige Unterhaltung zu überprüfen, sind im Sommer 2000 kleinere Flächen entsprechend dem Sanierungskonzept als Probeflächen gestaltet worden.

 

I. V.

 

gez. Jaenicke

 

Jaenicke