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Rat und Stadtbezirksräte

Vorlage - 4507/00  

Betreff: Nachbarschaftshilfen in Braunschweig -
Änderung der Finanzierung und des Konzeptes
Status:öffentlichVorlage-Art:Beschlussvorlage
Federführend:0500 Sozialreferat   
Beratungsfolge:
Verwaltungsausschuss
07.11.2000    Verwaltungsausschuss      
Rat der Stadt Braunschweig
14.11.2000 
Rat (offen)  (4507/00)  

Sachverhalt

Stadt Braunschweig

1

 

 

Stadt Braunschweig

 

TOP

 

 

 

Der Oberstadtdirektor

Drucksache

Datum

Sozialamt

4507/00

16. Okt. 00

50.2 23 06

 

 

 

 

Ergänzungsvorlage zur Vorlage Drucksache 4442/00

 

Beratungsfolge

 

Sitzung

 

Beschluss

 

 

Tag

Ö

N

ange-nom-men

abge-lehnt

geän-dert

pas-siert

Verwaltungsausschuss

7. Nov. 2000

X

 

 

 

 

Rat

14. Nov. 2000

X

 

 

 

 

 

Beteiligte Ämter/Referate/

Institute

Beteiligung des Rech­nungsprüfungsamtes

Anhörungsrecht

des Stadtbezirksrats

Vorlage erfolgt aufgrund Vor­schlag/Anreg.d.StBzR

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ja

X

Nein

 

 

Ja

X

Nein

 

 

Ja

X

Nein

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Überschrift, Beschlussvorschlag

 

 

 

Nachbarschaftshilfen in Braunschweig -

Änderung der Finanzierung und des Konzeptes

 

 

 

1. Der auf drei Jahre bis Ende 2001 befristete Modellversuch wird vorzeitig zum 31. Dezember 2000

    beendet.

 

2. Die Projektförderung für die Personalkosten der Koordination der Nachbarschaftshilfe wird

    ab 1. Januar 2001 auf 87 % festgesetzt.

 

3. Die Zielgruppe der Betreuten (bisher nur hilfebedürftige Seniorinnen und Senioren) wird ausgeweitet

    auf jüngere Menschen mit Benachteiligungen, Demenz- und MS-Kranke, alleinerziehende

    Mütter/Väter und Pflegebedürftige, soweit keine vorrangigen Leistungserbringer/Kostenträger

    zuständig sind.

 

4. Auf Grundlage des neuen Mustervertrages (Anlage 2) schließt die Verwaltung mit den Trägern der

    Nachbarschaftshilfe ab 1. Januar 2001 neue Vereinbarungen ab.

 

5. Die Ratsbeschlüsse vom 29. September 1998 - Drucksachen 1132/98 und 1223/98 - werden

    insoweit geändert, behalten aber im Übrigen Gültigkeit.

 

 

 

 

 

                                                                                                                                                                        ...


 

Der Sozialausschuss hat in seiner Sitzung am 12. Oktober 2000 der Vorlage (Drucksache 4442/00) zugestimmt (7/0/0).

 

Punkt 3 wurde wie folgt einvernehmlich ergänzt bzw. geändert:

 

„3. Die Zielgruppe der Betreuten (bisher nur hilfebedürftige Seniorinnen und Senioren) wird

     ausgeweitet auf jüngere Menschen mit Benachteiligungen, Demenz- und MS-Kranke,

     alleinerziehende Mütter/Väter und Pflegebedürftige, soweit keine vorrangigen Lei-

     stungserbringer/Kostenträger zuständig sind.“

 

Da die Nachbarschaftshilfe nicht Aufgaben vorrangiger Leistungsanbieter (z. B. Sozial­stationen/Pflegedienste usw.), die über vorrangige Kostenträger (z. B. Krankenkassen, Pflegekassen usw.) zu regeln sind, übernehmen darf, war die Klarstellung in Punkt 3 der Beschlussvorlage geboten.

 

Das Konzept (Anlage 1, Seite 1 letzter Absatz) wurde entsprechend angepasst.

 

I. V.

gez.

Dr. Gröttrup


                                                                                                                                                          Anlage 1

 

Konzept Nachbarschaftshilfen in Braunschweig

 

Grundsätze

 

Die Nachbarschaftshilfe zielt darauf ab, stadtteilbezogene Hilfsangebote aufzubauen. Sie arbeitet gemeinwesenorientiert im Sinne von Netzwerkarbeit, niedrigschwellig und präventiv.

 

Ein Schwerpunkt liegt dabei in der Unterstützung im hauswirtschaftlichen Bereich. Dazu werden Laienhelfer/Laienhelferinnen im Stadtteil geworben, die in den Haushalten gegen eine Aufwandsentschädigung tätig werden.

 

Mit diesem Angebot soll älteren und jüngeren kranken und behinderten Menschen gemäß dem Auftrag „ambulant vor stationär“ der Verbleib in der eigenen Häuslichkeit ermöglicht werden.

 

Die Erhaltung selbständiger Lebensführung ist von großer Bedeutung. Alltagsprobleme  gerade auch im hauswirtschaftlichen Bereich - können zu Einsamkeit und Isolation führen. Dem Eintreten von Pflegebedürftigkeit und in den schlimmsten Fällen von Verwahrlosung soll entgegengewirkt werden. Im sozialen Hilfsnetz für ältere Menschen ist Nachbarschafts­hilfe ein wesentlicher Baustein.

 

Die Unterstützung durch die Nachbarschaftshilfe orientiert sich an den individuellen Wünschen und Bedürfnissen der Hilfesuchenden und der Helferinnen bzw. Helfern. Von besonderer Bedeutung ist ein vertrauensvoller Umgang zwischen Helferinnen bzw. Helfern und den betreuten Menschen, der die Entwicklung einer persönlichen Beziehung ermöglicht.

 

Gerade bei älteren Menschen setzt die Nachbarschaftshilfe an einem frühen Punkt an. Gemeinsam mit den Helferinnen und Helfern können die alltäglichen Probleme bewältigt werden, bevor sie zu unüberwindlichen Schwierigkeiten anwachsen und Anlass für Über­legungen bezüglich einer Heimunterbringung sein können.

 

Nachbarschaftshilfe beinhaltet auch einen präventiven Aspekt. Regelmäßige Kontakte ermöglichen es, schneller einen zusätzlichen Bedarf an weiteren ambulanten Diensten abzu­sehen und dementsprechend schneller auf die jeweilige Situation zu reagieren.

 

Dem Kommunikationsbedürfnis kann mit Nachbarschaftshilfe entsprochen werden. Zwischen Helfer/Helferin kann sich eine persönliche Beziehung ergeben, von der beide Seiten profi­tieren können.

 

Zielgruppe

 

Die Zielgruppe des Projektes Nachbarschaftshilfe sind  in erster Linie Seniorinnen und Senioren. Daneben können auch jüngere Menschen mit Benachteiligungen, Demenz- und MS-Kranke und alleinerziehende Mütter/Väter und Pflegebedürftige Hilfe erhalten, soweit keine vorrangigen Leistungserbringer/Kostenträger zuständig sind. Hilfebedürftigkeit im Sinne der Nachbarschaftshilfe muss vorliegen.
Aufgaben der Koordinatorinnen und Koordinatoren:

 

Zu den Aufgaben der Koordination zählt die Wahrnehmung von Öffentlichkeitsarbeit. Das Angebot Nachbarschaftshilfe soll sowohl im Stadtteil als auch im gesamten Stadtgebiet bekannt gemacht werden.

 

Die Koordinatorinnen und Koordinatoren arbeiten mit anderen Ämtern der Stadt, Institutionen und Verbänden zusammen. Dabei soll den Besonderheiten des jeweiligen Stadtteils Rechnung getragen und vom Arbeitsansatz her gemeinwesenorientiert gearbeitet werden. Die Koordinatorinnen und Koordinatoren leisten Netzwerkarbeit und können stadtteil­bezogene Angebote initiieren.

 

  • Klientenbezogene Aufgaben:

    In der Regel wird der Hilfebedarf durch Hausbesuche abgeklärt und eine Helferin oder ein Helfer persönlich vorgestellt. Die Klientinnen und Klienten werden durch die Koordi­natorinnen und Koordinatoren begleitend betreut. Es erfolgt jeweils eine individuelle Beratung und Information. Ggf. werden weitere Dienste und Aktivitäten vermittelt. Nach Bedarf erfolgt die Integration in soziale Gruppenarbeit.

 

  • Helferbezogene Aufgaben:

    Helferinnen und Helfer werden im Stadtteil angeworben. Der Helfereinsatz wird unter der Berücksichtigung der individuellen Bedürfnisse und Fähigkeiten der Helferinnen und Helfer koordiniert und fachlich begleitet. Dies erfolgt in Einzel- und Gruppengesprächen, hierbei wird Motivationsarbeit geleistet, und die Helferinnen und Helfer werden bei persönlichen Problemen unterstützt. Über die Koordinatorinnen und Koordinatoren erfolgt die Fortbildung im Rahmen der Nachbarschaftshilfetätigkeit. Regelmäßige Helfertreffen werden durchgeführt.

 

 

  • Angehörigenbezogene Aufgaben:

    Im Rahmen der Nachbarschaftshilfe soll eine Unterstützung der Angehörigen und/oder anderer Bezugspersonen erfolgen. Sie werden individuell beraten und informiert. Die Koordinatorinnen und Koordinatoren leisten Konfliktberatung und motivieren diese Personengruppe, Hilfe anzunehmen. Nachbarschaftliche Bezüge werden unterstützt bzw. aktiviert.

 

 

Angebote im Rahmen der Nachbarschaftshilfe

 

Neben den Aufgaben, die durch die Koordinatorinnen und Koordinatoren wahrgenommen werden, können durch den Einsatz von Helferinnen und Helfern u. a. folgende Hilfen ange­boten werden:

 

  • Hilfe zur Mobilität
  • Hilfe im Haushalt
  • Soziale Kontakte
  • Begleitung zum Arzt etc.
  • Begleitung bei Behördengängen
  • Hilfe bei der Tagesstrukturierung
  • Einmalige/Befristete Hilfeleistungen


Die Unterstützung durch die Nachbarschaftshilfe ist auf Dauer angelegt, kann im Einzelfall aber auch einmalige und befristete Hilfeleistungen umfassen.
 

 

Personalausstattung/Dienstverhältnis:

 

Die Projekte werden von Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeitern geleitet, die

zunächst im Rahmen der Arbeitsbeschaffungsmaßnahme beschäftigt werden können.   

 

Im Sinne der §§ 2 und 10 BSHG sollen Träger für die Maßnahme gefunden werden, bei denen die hauptamtlichen Kräfte angestellt werden.

 

Ein Dienstverhältnis zwischen den Trägern der Maßnahme und den jeweiligen Helferinnen und Helfern besteht jedoch nicht.

 

 

Projektbegleitung:

 

Die Begleitung der inhaltlichen Arbeit sowie der verwaltungstechnischen Abläufe erfolgt durch das Sozialamt, Seniorenbüro.

 

Ein regelmäßiger Erfahrungsaustausch zwischen den Koordinatorinnen und Koordinatoren, zu dem bei Bedarf das Seniorenbüro eingeladen wird, wird durchgeführt.