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Rat und Stadtbezirksräte

Vorlage - 10051/09  

Betreff:
Sachstand: Haus der Kulturen

Wiederholt befassten sich der Ausschuss für Integrationsfragen und die Stadtverwaltung mit dem Thema „Haus der Kulturen“ und den möglichen Angebotsschwerpunkten eines zentralen Ortes der Interkulturellen Begegnung in Braunschweig.

Auch in mehreren Arbeitsgruppen der Integrationsplanung wurde über ein Haus der Kulturen diskutiert. In dem vom Rat der Stadt Braunschweig beschlossenen Handlungskonzept wird vorgeschlagen, die Diskussion gemeinsam mit den internationale
Status:öffentlichVorlage-Art:Mitteilung
Federführend:0100 Referat Steuerungsdienst   
Beratungsfolge:
Ausschuss für Integrationsfragen
22.04.2009 
Ausschuss für Integrationsfragen (offen)  (10051/09)  

Sachverhalt

1

 

 

Stadt Braunschweig

 

TOP 7

 

 

 

Der Oberbürgermeister

Sozialreferat

Büro für Migrationsfragen

Drucksache

Datum

 

10051/09

7. April 09

 

 

 

 

Beteiligte FB /Referate /Abteilungen

Mitteilung

 

 

Beratungsfolge

Sitzung

 

Tag

Ö

N

Ausschuss für Integrationsfragen

22. April 09

X

 

 

 

 

 

 

Überschrift, Sachverhalt

 

Sachstand: Haus der Kulturen

 

Wiederholt befassten sich der Ausschuss für Integrationsfragen und die Stadtverwaltung mit dem Thema „Haus der Kulturen“ und den möglichen Angebotsschwerpunkten eines zentralen Ortes der Interkulturellen Begegnung in Braunschweig.

 

Auch in mehreren Arbeitsgruppen der Integrationsplanung wurde über ein Haus der Kulturen diskutiert. In dem vom Rat der Stadt Braunschweig beschlossenen Handlungskonzept wird vorgeschlagen, die Diskussion gemeinsam mit den internationalen Vereinen weiterzuführen.

 

Wie weit ein „Haus der Kulturen“ sinnvoll, notwendig und umsetzbar ist, soll nunmehr mit Hilfe eines moderierten Workshops und unter Einbeziehung von Migrantenvereinen, Interessierten und Mitgliedern des Ausschusses für Integrationsfragen geklärt werden.

 

Die Verwaltung lädt deshalb die zu Beteiligenden zu einer Auftaktveranstaltung „Entwicklung eines Konzeptes für ein Haus der Kulturen in Braunschweig“ am 24. April 2009, 16:00 bis 18:30 Uhr in das Kultur und Kommunikationszentrum Brunsviga ein.

Seitens der Verwaltung wird das Referat 0500 vertreten sein sowie das Kulturinstitut

Es ist geplant, dass der Auftaktveranstaltung noch mehrere Workshops jeweils freitags nachmittags folgen werden.

 

Auftaktveranstaltung24.04.09

erster workshop 08.05.09

zweiter workshop 29.05.09

dritter workshop 12.06.09

 

Der Arbeitsprozess wird von den Regionalberaterinnen der Landesarbeitsgemeinschaft Soziokultur, Frau Dr. Elke Flake und Frau Ingrid Wagemann moderiert und begleitet.

 

Ziel der Veranstaltungsreihe ist die Entwicklung eines möglichen Konzepts für ein Haus der Kulturen in Braunschweig, das möglichst von einem breiten Konsens der Beteiligten getragen wird bis Jahresmitte. Das Ergebnis soll dem Ausschuss für Integrationsfragen mitgeteilt werden.

 

 

 

In der Anlage gebe ich dem Ausschuss für Integrationsfragen die Ergebnisse der Informationsfahrt „Haus der Kulturen“ nach Berlin am 11. Dezember 2008 zur Kenntnis.

 

 

i.V.

 

gez.

Laczny

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

ANLAGE

 

Informationsfahrt „Haus der Kulturen“ in Berlin am 11. Dezember 2008

 

 

Die ganztägige Informationsfahrt zum Thema: „Haus der Kulturen“ führte am 11. Dezember 2008 16 Teilnehmer/-innen, darunter Mitglieder des Ausschusses für Integrationsfragen sowie der Verwaltung, nach Berlin.

Auf dem Programm stand die Besichtigung von folgenden drei Einrichtungen:

 

1)      Migrationsrat Berlin Brandenburg e.V.

2)      Interkulturelle Begegnungsstätte Bayouma-Haus der Arbeiterwohlfahrt in Friedrichshain-Kreuzberg

3)      Interkulturelles Haus Tempelhof-Schöneberg

 

 

Zu 1: Migrationsrat Berlin Brandenburg e.V.

 

Der Migrationsrat Berlin und Brandenburg wurde am 07.März 2004 als Dachverband gegründet.

 

Er zählt gegenwärtig 74 Mitgliedsvereine unterschiedlicher Nationen, Kulturen und Ausrichtungen und versteht sich als Interessenvertretung und politische Instanz für alle Minderheitengruppen ungeachtet ihrer Herkunft, Religion etc.

Ziel des Migrationsrates Berlin und Brandenburg ist es, als breite Lobby für die Interessen der Minderheitsgesellschaften in Berlin/Brandenburg einzutreten. Diesem Ziel liegt die Überzeugung zu Grunde, dass Interessenbündelung die politische Durchsetzungskraft steigert und so eine rechtliche, soziale und politische Gleichstellung von Migrantinnen und Migranten bzw. Menschen mit Migrationshintergrund möglich werden kann.

Arbeitsschwerpunkte des Migrationsrates Berlin und Brandenburg sind unter anderem: Zuwanderung, Integration, Einbürgerung, Asyl, Diskriminierung, Bildung und Arbeit, Medienpolitik und Öffentlichkeitsarbeit. Der Migrationsrat organisiert Veranstaltungen zu diesen Themenschwerpunkten und wird regelmäßig eingeladen, Podiumsteilnehmerinnen/ -nehmer, Workshopleiter/ -innen oder Gastrednerinnen/ -redner bei Veranstaltungen anderer Organisationen oder Institutionen zu stellen. Des Weiteren führt er selbst Diskussionsveranstaltungen und Seminare durch, wirkt bei der Beratung der Behörden über Einwanderungs-und Integrationspolitik mit, klärt die Öffentlichkeit über die Belange von Migrantinnen und Migranten auf und leistet Hilfestellung in rechtlichen und sozialen Fragen. Der Vorstand arbeitet ehrenamtlich, verfolgt keine ökonomischen Ziele und verfügt über einen jährlichen in Höhe von 37.000,00 Euro.

Einige Mitgliedsvereine stellen durch Wahl Vertreterinnen/Vertreter für den Landesbeirat für Integration und Migration, was eine aktive Mitwirkung an der Politikformulierung möglich macht. Außerdem arbeitet der Migrationsrat Berlin und Brandenburg eng mit dem Beauftragten für Migration und Integration des Berliner Senats zusammen.

2 Projekte des Migrationsrates Berlin-Brandenburg werden exemplarisch benannt:

▪ Die Berliner Härtefallkommission, die seit 2005 auf Grundlage der Verordnung über die Einrichtung einer Härtefallkommission nach § 23 a des Aufenthaltsgesetzes arbeitet.

▪ Berliner Netzwerk für Bleiberecht

 

Ziel des Netzwerkes ist es, die jungen und erwachsenen Flüchtlinge mit einer Duldung sowie denen, die nach der Bleiberechtsregelung eine Aufenthaltserlaubnis erhalten haben und diesen Status nur durch die Aufnahme einer Ausbildung oder Erwerbstätigkeit sichern können, bei der Suche nach einer Beschäftigung zu unterstützen. Dabei wird sehr eng mit den zuständigen Jobcentern und Arbeitsagenturen kooperiert.

 

Zu 2: Interkulturelle Begegnungsstätte Bayouma-Haus der Arbeiterwohlfahrt in Friedrichshain-Kreuzberg

Die interkulturelle Begegnungsstätte Bayouma-Haus, in der Trägerschaft der Arbeiterwohlfahrt Friedrichshain e.V. und gefördert durch die Agentur für Arbeit Berlin-Mitte, die Senatsverwaltung für Arbeit, Wirtschaft und Frauen, Sozialämter und durch das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg, besteht seit 1995 im Berliner Stadtteil Friedrichshain-Kreuzberg. Sie versteht sich als Anlaufstelle für die in Friedrichshain-Kreuzberg lebenden Migrantinnen und Migranten. Besucher des Bayouma-Hauses sind vor allem ehemalige Vertragsarbeitnehmerinnen/ -arbeitnehmer der DDR, Asylbewerberinnen und Asylbewerber aus Afrika und dem islamischen Sprachraum, Zuwanderer aus der Europäischen Union sowie Lateinamerika. In dem Haus sind mehrere Projekte integriert, die sich nicht nur in ihren Aktivitäten, sondern auch in ihren Zielgruppen unterscheiden. Die Angebote umfassen u.a.  Beratung und Betreuung zu sozialen, rechtlichen und gesundheitlichen Fragen, Begleitung, Übersetzung oder Vermittlung zu verschiedenen Behörden und Instanzen, Bildungsangebote für verschiedene Zielgruppen ( z.B. Deutschkurse, Integrationskurse für Frauen, Nähkurs), Initiierung und Begleitung von Selbsthilfegruppen), interkulturelle Abende. Die Besonderheit des Bayouma-Hauses besteht nicht nur in der Arbeit der unterschiedlichen Projekte unter einem Dach, sondern auch in der Zusammensetzung des Personals. Die Mitarbeiterinnen/Mitarbeiter kommen aus Lateinamerika, Asien, Afrika und Europa. Das Bayouma-Haus stellt aber auch über die Initiierung von Selbsthilfegruppen einen Rahmen für die Pflege eigener kultureller Identität dar. Zur Zeit treffen sich im Hause Selbsthilfegruppen und Vereine aus Vietnam, Peru, Kuba, Chile und Mosambik.

Das Zentrum wird nicht nur als Beratungsstelle wahrgenommen. Viele Besucherinnen und Besucher finden hier mit ihren Familienangehörigen, Freunden und Bekannten ein zweites Zuhause und auch einen neuen “Familien-Verband“, indem sie sich aktiv an Festen, Ausstellungen, Hochzeiten, Geburtstagen, sportlichen Aktivitäten und Länderabenden beteiligen können oder sie kommen ganz einfach zur Begegnung mit Landsleuten oder anderen Freunden.

 

Zu 3: Interkulturelles Haus Tempelhof-Schöneberg

 

Das Interkulturelle Haus Tempelhof-Schöneberg wurde Ende 1997 in der Geßlerstraße 11 eröffnet. Es ist Eigentum des Landes Berlin und gehört zum Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg, Abteilung Jugend, Familie, Sport und Quartiersmanagement. Es erhält durch das Bezirksamt eine jährliche Förderung, die die Personalkosten in Form einer festen Halbtagsstelle und Sachkosten (Miete etc.) umfasst, die von den Vereinen jährlich im Voraus beantragt werden. Alles andere wird mit 1 Euro Kräften und ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern abgedeckt.

Für ständiges interkulturelles Leben im Haus sorgen fünf Vereine mit eigenen Büros unter einem Dach:

▪ Assyrische Union Berlin e.V.

▪ Islamische Gemeinschaft Deutschsprachiger Muslime und Freunde des Islam e.V.

▪ Verein Koreanischer Krankenschwestern und -pfleger e.V.

▪ Base- und Softballverein Berlin-Brandenburg e.V.

▪ Café Interkulturell.

 

Weitere Räume werden nach Absprache gemeinsam genutzt und auch an andere vergeben. Eine Nutzungsgebühr wird nicht erhoben. Das Café Interkulturell und damit auch das Haus sind täglich geöffnet. Die Vereine kooperieren nicht eng mit einander, sie machen weitgehend ihre eigenen Dinge. Einmal im Jahr gibt es ein gemeinsames Fest mit einem Tag der offenen Tür.

Parallel zur Realisierung des Interkulturellen Hauses betrieb die damalige Ausländerbeauftragte des Bezirks die Vernetzung der Schöneberger Immigranteninitiativen und -projekte zu einer starken Gemeinschaft. Im Laufe der Zeit gab sich dieser Zusammenschluss den Namen „Schöneberger Arbeitsgemeinschaft der Immigranten- und Flüchtlingsprojekte (SAGIF)“. Zu diesem kreativen Potential gehört – trotz Fluktuation der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter – ein harter Kern von ca. 30 Initiativen. Auch für die SAGIF ist das Interkulturelle Haus zu einer Institution geworden. Sie hält hier unter der Federführung der Ausländerbeauftragten und des Vereins „Ausländer mit Uns“ ihre monatlichen Sitzungen ab, entwickelt Perspektiven und Handlungsstrategien zu immigrantenspezifischen Themenkomplexen für ihren Bezirk, plant und führt gemeinsame Aktionen ( z.B. interkulturelle Fortbildungsveranstaltungen, interkulturelle Literaturveranstaltungen, interreligiöse Veranstaltungen, die von jüdischen, christlichen und muslimischen Bildungsträgern gemeinsam gestaltet werden) durch. So ist die SAGIF – mit Unterstützung und in enger Kooperation mit dem Büro der Ausländerbeauftragten – zu einem Multiplikatorenpool für Institutionen geworden, z.B. für Schulen, Polizei, diverse Beratungsstellen und karitative Einrichtungen.

So werden zum Beispiel das alljährliche „Fest der Begegnungen“, das mittlerweise Tradition im Bezirk hat, seit Jahren von der „Tempelhof-Schöneberger Arbeitsgemeinschaft der Immigranten- und Flüchtlingsprojekte“ inhaltlich und konzeptionell in enger Kooperation mit der Ausländerbeauftragten getragen und umgesetzt, genauso wie der „Tag der offenen Tür“ in und um das interkulturelle Haus. Nicht zu vergessen sind die vielfältigen Angebote in Form von Kursen (z.B. diverse Sprachkurse, Computerkurse, Gesundheitskurse, Hausaufgabenhilfe). Neben der Arbeit kommt auch der gemütliche Teil unter Berücksichtigung des Integrationsaspektes im Interkulturellen Haus nicht zu kurz. Einmal im Monat treffen sich Menschen unterschiedlicher Nationalitäten zu einem gemeinsamen Abend unter dem Motto „Küche-Kultur-Kontakte“. An diesen Abenden richtet jeweils eine Nationalitätengruppe der SAGIF ein Essen aus in Verbindung mit Informationen über Land und Leute. Aus diesen Abenden gehen Freundschaften hervor; gemeinsam werden weite Reisen unternommen, wie z.B. nach Afrika, in die Türkei und nach Tschechien.

 

Das Internationale Haus mit seinen verschiedenen Nationaliätengruppen unter einem Dach bietet neben den gruppenspezifischen Angeboten auch Inhalte und Aktionen, die aufeinander abgestimmt und gemeinsam getragen werden. Wichtig für die Realisierung eines solchen Projektes ist die frühzeitige Vernetzung im Stadtteil. Ohne das starke ehrenamtliche Engagement der beteiligten Gruppen ist ein solches Projekt nicht machbar.