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Rat und Stadtbezirksräte

Vorlage - 6249/03  

Betreff: Gerontopsychiatrische Beratungsstelle ambet e. V.
Status:öffentlichVorlage-Art:Mitteilung
Federführend:50 Fachbereich Soziales und Gesundheit   
Beratungsfolge:
Ausschuss für Soziales und Gesundheit
09.10.2003 
Ausschuss für Soziales und Gesundheit (offen)  (6249/03)  

Sachverhalt

5

 

 

Stadt Braunschweig

 

TOP

 

 

 

Der Oberbürgermeister

Drucksache

Datum

FB Soziales und Gesundheit

6249/03

17. Sept. 03

50.53 23 08

 

 

 

Beteiligte FB /Referate /Abteilungen

Mitteilung

 

Beratungsfolge

Sitzung

 

Tag

Ö

N

Sozialausschuss

9. Okt. 03

X

 

 

 

 

 

 

Überschrift, Sachverhalt

 

 

 

Gerontopsychiatrische Beratungsstelle ambet e. V.

 

 

 

 

  1. Allgemeines

 

1987 hat der Verein ambet mit der Beratung pflegender Angehöriger begonnen.

 

Der Beratungsbedarf ist seitdem – nicht zuletzt vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung und der Tatsache, dass immer noch rund 80 % aller Pflege- und Betreuungs­leistungen im familiären Umkreis geleistet werden, deutlich gestiegen. Ein spezifischer Bedarf zeigt sich in der Beratung Demenzkranker und ihrer Angehörigen.

 

In Abstimmung mit der Stadt Braunschweig wurde die Beratungsarbeit im Rahmen eines Bundesmodellprojektes in der Zeit von Oktober 1999 bis September 2002 neu konzipiert. Diese Arbeit läuft sehr erfolgreich und findet eine hohe Akzeptanz bei Angehörigen, Pflege­kräften und den Diensten der Sozial- und Gesundheitsversorgung in Braunschweig.

 

Von der Beratungsstelle wurden z. B. in 2002 ca. 600 Einzelpersonen und Institutionen in Braunschweig und in der Region beraten.

 

Im Zuge des Modellversuchs wurden dezidierte Absprachen mit dem Fachbereich Soziales und Gesundheit und dem Städtischen Klinikum zu den Aufgaben und Abgrenzungen getroffen. Der Sozialpsychiatrische Verbund ordnet der Beratungsstelle einen hohen Stellenwert in der Versorgung in Braunschweig zu und spricht sich für eine dauerhafte Weiterführung aus. Von der Fachverwaltung wird die Gerontopsychiatrische Beratungsstelle ausdrücklich unterstützt und der Fortbestand als unabdingbar angesehen.

 

  1. Finanzierung

 

Nach Auslaufen des Bundesmodellversuches beantragte ambet e.V. für das Jahr 2003 eine Zuwendung in Höhe von 117.914 €. Seitens der Stadt Braunschweig wird für das Jahr 2003 eine Zuwendung in Höhe von 88.800 € gewährt.

...


Für das Haushaltsjahr 2004 wurden insgesamt 111.000 €  von ambet e.V. beantragt. Davon können voraussichtlich 38.800 € finanziert werden. Der Fehlbedarf in Höhe von 72.200 €  kann nicht finanziert werden.

 

Im Zuge der Finanzierungsgespräche für 2003 und für die Zukunft wurden die umliegenden Gebietskörperschaften angeschrieben sich an der Finanzierung zu beteiligen, da die Beratungsstelle eine über den Bereich der Stadt Braunschweig hinausgehende erhebliche überregionale Bedeutung hat. Hierauf sind eher vorsichtige bis ablehnende Antworten der Kommunen und Landkreise im Umfeld eingegangen.

 

Stadt Salzgitter

 

Vereinbarung ab 01.09.2003 über Beratungsangebot einmal im Monat sowohl in SZ-Lebenstedt als auch in SZ-Bad mit jeweils mindestens 3 Stunden pro Termin.

 

Je Monat wurde eine Aufwandsentschädigung von mtl. 331,00 € pauschal vereinbart (einschl. Fahrt- und sonstiger Kosten).

 

Landkreis Peine

 

Mit Beschluss des Ausschusses für Frauen, Arbeit und Soziales in der Sitzung vom 28. Oktober 2002 wurde eine Beteiligung an der Finanzierung vorerst abgelehnt.

 

Im Rahmen einer grundsätzlichen Diskussion und systematischen Prüfung der Förderung von sozialen Einrichtungen wird jedoch für die Zukunft, auch im Rahmen der Regionalisierungs­debatte, die Frage der finanziellen Förderung von Beratungsangeboten sozialer Einrichtungen außerhalb des Kreisgebietes neu geprüft. Zur Vorbereitung dazu wurden Sozialpolitische Leit­linien erarbeitet, die jedoch erst in der letzten Sitzung des Kreistages im Juni 2003 abschließend beraten und verabschiedet worden sind. Mit einer entsprechenden Entscheidung in dieser Sache ist daher voraussichtlich nicht vor Ende 2003/Anfang 2004 zu rechnen.

 

Zwischenzeitlich ist ambet e.V. mit dem Paritätischen Peine eine Kooperation eingegangen. In dessen Räumen wird 14tägig ein Beratungsangebot vorgehalten.

 

Landkreis Gifhorn

 

Mit Schreiben vom 2. Mai 2003 mitgeteilt, dass der Ausschuss für Soziales eine finanzielle Beteiligung abgelehnt hat, u. a. mit dem Hinweis auf die schwierige Haushaltslage und der damit verbundenen Kürzung der Zuschüsse an örtliche Träger für bestehende Beratungsangebote.

 

Landkreis Wolfenbüttel

 

Mit Schreiben vom 30.09.2003 mitgeteilt, dass aufgrund der angespannten Haushaltslage des Landkreises über die bestehenden freiwilligen Leistungen hinaus keine Mittel zur Verfügung gestellt werden können.

 

Landkreis Helmstedt

 

Das Angebot von ambet e.V. wird von dort möglicherweise als eine wünschenswerte Ergänzung angesehen, jedoch für die Versorgung der Bevölkerung des Landkreises als nicht notwendig erachtet, da die Beratungsangebote im gerontopsychiatrischen Bereich als ausreichend erachtet werden.

 

...


Ein spezifisches Angebot, dem eine überregionale Bedeutung zukäme, wird der Beratungsstelle in Braunschweig nicht beigemessen.

 

Wolfsburg

 

Mit Schreiben vom 9. Oktober 2002 teilt die Stadt Wolfsburg mit:

 

Aktuell stehen Verhandlungen zwischen dem Niedersächsischen Landeskrankenhaus Königs­lutter und der Stadt Wolfsburg über die Realisierung einer gerontopsychiatrischen Ambulanz in Wolfsburg vor dem Abschluss. Auch niedergelassene Fachärzte sind eingebunden. Als zuweisende, koordinierende, beratende und behandelnde Einrichtung soll sie mittelfristig über die unmittelbare Patientenversorgung hinaus durch regelmäßige Beratung unmittelbar auf die Qualität psychiatrischer Pflege Einfluss nehmen.

 

Zwischenzeitlich wurden nochmals Gespräche mit der Stadt Wolfsburg geführt. Hieraus ergibt sich jetzt eine Kooperation in Form von Beratungsleistungen oder Beteiligung an Kursen.

 

Über das Angebot in der Stadt Salzgitter und die Kooperationen in Peine und Wolfsburg lassen sich – vorbehaltlich dauerhafter Regelungen – ggf mittelfristig ca. 8.000 bis 10.000 € als Ertrag realisieren. Für 2004 wird mit einer Einnahme von ca. 5.000 € gerechnet.

 

Weiterhin wurde von Seiten ambet e.V. geklärt, ob a ) Bundesmodellmittel verlängert werden können, b) EU-Mittel zu Verfügung stehen und c) eine Förderung durch das Land Nieder­sachsen möglich ist.

 

a) Eine Verlängerung des Modellversuches kommt nach Auskunft des Bundes­ministeriums für Gesundheit nicht in Frage.

 

b)Seitens der EU gibt es nach Prüfung durch die Bezirksregierung Braunschweig derzeit keine Förderrichtlinien in diesem Bereich.

 

c)Vom Land Niedersachen ist im Jahr 2002 ein Bescheid ergangen, dass diese Aufgabe in kommunaler Verantwortung steht und eine Landesförderung nicht möglich ist.

 

  1. Einnahmeentwicklung

 

Für die Leistungen der Gerontopsychiatrischen Beratungsstelle wurden schon länger und insbesondere nach Auslaufen der Modellphase differenzierte Entgelte erhoben.

 

  • Beratung

 

Telefonische Beratung: kostenlos

 

Persönliche Einzel- oder

Familienberatung bzw. Hausbesuche: 15 €, Folgeberatungen 10 €, Hausbesuche 20 €

 

Neurologische Sprechstunde: 15 €

 

...


  • Gruppenangebote für Angehörige

 

Informationskurs

(8 Treffen a´ 2 Std. wöchentl.):1000 €  pro Kurs mit 15 Teilnehmern (Honorar bezahlt die Pflegekasse für zwei Kurse pro Jahr)

 

Gesprächskreis:60 € (10 Treffen a´ 1,5 Std., 14-tägig)

 

Schulungskurse,:Pro Einheit 1,5 Std. 10 € (können aus Kapazi­tätsgründen zur Zeit nicht durchgeführt werden)

 

  • Gruppenangebote für Erkrankte

 

2 BetreuungsgruppenJe Treffen 10 € für Selbstzahler, sonst Abrechnung

(14-tägig, 2 Std.):über Verhinderungspflege

 

Fördergruppe für jüngere ErkrankteJe Treffen 15 €, incl. Frühstück

(wöchentl. 2,5 Std.):

 

  • Fortbildungen, Vorträge, Fachberatung

 

Fortbildungen für Pflegekräfte400 € (in Braunschweig)

(Tagesseminar):

 

Vortragshonorar:100 € (bei Laien- oder Selbsthilfegruppen nach Absprache)

 

Fachberatung für Einzelpersonen:15 € pro Stunde

 

 

Im Zuschussantrag 2003 wurden von ambet e. V. 13.000 € und für 2004 14.000 € als Erträge aus den vorgenannten Leistungen veranschlagt, dazu kommen für 2004 die ca. 5.000 € aus Beratungsleistungen in Salzgitter, Peine und Wolfsburg. Kostendeckende Beratungssätze sind nicht möglich und würden den gewünschten Effekt – Stützung der familiären Hilfsbereit­schaft – unterlaufen.

 

  1. Folgen der Reduzierung der Förderung

 

Seit 2003 (nach Ablauf der Modellphase in 2002 und damit verbundener höherer Förderung) arbeitet das Beratungsteam bei weiterhin steigenden Fallzahlen mit einer halben Stelle weniger.

 

Auswirkung daraus ist bereits ein Rückgang der persönlichen Beratungsgespräche im ersten Halbjahr 2003 um 55, von 183 im ersten Halbjahr 2002 auf 128 in 2003, also rund 30 %. Es wird mit Wartelisten gearbeitet.

 

Kann die Förderung der Stadt Braunschweig für 2004 nicht in der beantragten Höhe gewährt werden, ist eine weitere Stellenkürzung unabweisbar.

 

...


Das Team der Beratungsstelle hat auf Grund der in 2003 vorgenommenen Haushalts­rzungen mehr Vorträge und Fortbildungen durchgeführt, die zwar zur Verbesserung der Erlöse beigetragen haben, jedoch zu Lasten der Kapazitäten für Beratungstätigkeiten und die Erreichbarkeit für die Angehörigen, die lange Wartezeiten für ein Beratungsgespräch in Kauf nehmen müssen.

 

Um Familien mit demenzkranken Angehörigen eine sinnvolle Unterstützung zur Stabili­sierung der Betreuungssituation zu geben, nehmen gerade diese persönlichen Gespräche einen äußerst wichtigen Stellenwert ein. Gelingt es die häusliche Betreuung zu stabilisieren, werden nicht nur die Lebensqualität des Erkrankten und der Angehörigen verbessert, sondern auch Heimaufenthalte verhindert oder zumindest verzögert.

 

Insgesamt ist vor dem hier beschriebenen Bedarf sicher davon auszugehen, dass ins­besondere pflegende Angehörige in Braunschweig deutlich weniger Unterstützung und Beratung erhalten, mit der Folge schneller Heimunterbringungen, was wiederum die Kosten­träger belastet.

 

Bei gleicher Zuwendungshöhe wie 2003 (88.800 €) ist als Konsequenz eine Reduzierung der Beratungsstelle um eine weitere halbe Stelle erforderlich.

 

Sollte der Fehlbedarf über die vorhandenen 38.800 € nicht finanziert werden können, ist der Träger gezwungen, das Angebot einzustellen.

 

I. V.

gez.

Dr. Gröttrup