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Rat und Stadtbezirksräte

Vorlage - 6262/03  

Betreff: Braunschweiger Sozialstationen
Status:öffentlichVorlage-Art:Mitteilung
Federführend:50 Fachbereich Soziales und Gesundheit   
Beratungsfolge:
Ausschuss für Soziales und Gesundheit
09.10.2003 
Ausschuss für Soziales und Gesundheit (offen)  (6262/03)  

Sachverhalt

3

 

 

Stadt Braunschweig

 

TOP

 

 

 

Der Oberbürgermeister

Drucksache

Datum

FB Soziales und Gesundheit

6262/03

22. Sept. 03

50.15

 

 

 

Beteiligte FB /Referate /Abteilungen

Mitteilung

 

Beratungsfolge

Sitzung

 

Tag

Ö

N

Sozialausschuss

9. Okt. 03

X

 

 

 

 

 

 

Überschrift, Sachverhalt

 

 

 

Braunschweiger Sozialstationen

 

 

 

 

 

  1. Tätigkeitsbericht

 

Die letzten Mitteilungen zu diesem Thema erfolgten in den Sitzungen des Sozialausschusses am 23. November 2000 und 18. Oktober 2001.

 

Im Hinblick auf den aktuellen Sachstand ist für das Jahr 2002 ein Bericht der Braun­schweiger Sozialstationen beigefügt sowie deren statistische Erhebungen für das Jahr 2002.

 

Im Vergleich zu dem früheren Bericht für die Jahre 1997 bis 1999 ist wieder ein Anstieg der Klienten zu verzeichnen. Der weibliche Anteil überwiegt nach wie vor. Insbesondere die 80 bis 89-jährigen bedürfen der Beratung und Hilfe (202 Personen von insgesamt 542). Danach folgt die Altersgruppe der 70 bis 79-jährigen mit 160 Personen.

 

Wie bereits auch in der Vergangenheit festzustellen war, lässt sich Erfolg und Notwendigkeit der Sozialarbeit in den Sozialstationen nicht nur in zahlenmäßigen Nachweisen ausdrücken. Sozialarbeit ist stark auf den Einzelfall ausgerichtet. Der gesamte Arbeitsaufwand für den Einzelnen lässt sich allerdings nicht mit statistischen Angaben belegen.  

 

Auffallend ist, dass viele Klienten nicht informiert sind über mögliche Hilfsangebote, sei es im häuslichen Bereich oder beispielsweise auch in finanzieller Hinsicht. Es wird auch deutlich, dass es immer mehr Menschen gibt, die ihre Angelegenheiten selbst nicht mehr regeln können und aus diesem Grund eine Betreuung eingerichtet werden muss.

 

...


Sozialarbeit in Sozialstationen ist angesagt, wenn die Beratungstätigkeit im Seniorenbüro erschöpft ist oder die Nachbarschaftshilfe allein nicht ausreicht. Insofern besteht hier eine klare Abgrenzung zu den Aufgaben des Seniorenbüros und der Nachbarschaftshilfen. Im Rahmen der Beratung wird auf die Sozialarbeit in Sozialstationen zurückgegriffen und kooperiert. Vielfach stellt das Seniorenbüro die erste Anlaufstelle dar. Nachdem jeweils im Einzelfall die Situation abgeklärt wurde, wird an die entsprechenden Stellen verwiesen und auf Wunsch auch der Kontakt hergestellt. Das Seniorenbüro übernimmt eher eine steuernde Funktion. Es kann vorkommen, dass ein gemeinsamer Hausbesuch erfolgt, um das weitere Vorgehen reibungslos zu gestalten. Längerfristige psychosoziale Betreuungen über das Seniorenbüro sind zum einem nicht leistbar und widersprächen zum anderen dem Gedanken der Nachrangigkeit.

 

Auch hinsichtlich der Tätigkeiten der Nachbarschaftshilfen lässt sich eine klare Trennung vornehmen. Während die Nachbarschaftshilfen präventiv und weit im Vorfeld von Pflege tätig sind, werden die Sozialarbeiterinnen der Sozialstationen gerade auch bei pflegebedürftigen Personen tätig. Professionelle Hilfe ist dann angesagt, die letztendlich nur durch die Sozial­stationen erbracht werden kann. Nachbarschaftshilfen sind nicht mehr zuständig, wenn Pflegebedürftigkeit eintritt. Umgekehrt verweisen die Sozialarbeiterinnen der Sozialstationen auch an die Nachbarschaftshilfen, wenn sich herauskristallisiert, dass niedrigschwellige Angebote durchaus ausreichend sind. Eine Kooperation zwischen Seniorenbüro, Nach­barschaftshilfen und Sozialstationen stellen eine reibungslose Versorgung sicher.

 

Letztendlich ist Sozialarbeit in Sozialstationen weiterhin erforderlich, da die Stadt eigene Sozialarbeiter/innen für diese Aufgaben im vorpflegerischen Bereich nicht vorhält. Auf Grund der deutlichen Zunahme der älteren Bevölkerung in den nächsten Jahren und der damit verbundenen Notwendigkeit, Beratung und Hilfestellung anbieten zu können, ist die Arbeit der Sozialstationen ein wichtiger Beitrag zur Sicherstellung eines umfassenden Pflege­angebotes. Vor dem Hintergrund, dass das Verbleiben in der häuslichen Umgebung Vorrang vor der stationären Versorgung hat und zukünftig noch stärker versucht werden muss, das Eintreten von Pflegebedürftigkeit zu verhindern ist es richtig, die vorpflegerische Arbeit zu stärken. Eine Alternative bei Wegfall der sozialarbeiterischen Kompetenz in den Sozial­stationen ist nicht vorhanden. Das heißt, wenn es Sozialarbeit in Sozialstationen nicht geben würde, wäre die Versorgung der hilfebedürftigen Personen nicht mehr wie bisher sicher­gestellt.

 

  1. Finanzierung

 

Die Finanzierung der Sozialarbeit in den Braunschweiger Sozialstationen ist gem. § 17 Niedersächsisches Pflegegesetz (NPflegeG) mit Ablauf des Jahres 2001 ausgelaufen, da die Finanzierung nach dieser Vorschrift in Verbindung mit Richtlinien für die Gewährung von Zuwendungen für die Förderung vorpflegerischer Maßnahmen für maximal 5 Jahre befristet war. Für diesen Zeitraum erfolgte die Finanzierung zu gleichen Teilen seitens des Landes und seitens der Stadt (Komplementärfinanzierung).

 

Seit 2002 erhalten die Sozialstationen zwar noch Mittel vom Land, allerdings ausschließlich gem. § 16 NPflegeG für ähnliche Aufgaben. Diese Mittel sind bereits im Jahre 2003 gekürzt und werden im Jahre 2004 erneut gekürzt.

 

Seitens der Stadt erfolgt seit 2002 in Anerkennung der o. g. wichtigen Funktion der Sozial­stationen eine Finanzierung als freiwillige Leistung. Für die Sozialstationen Ambet, Caritas und DRK werden jeweils 80 v. H. einer halben Sozialarbeiterstelle finanziert, für die Sozial­station Diakonie werden 80 v. H. einer ganzen Sozialarbeiterstelle finanziert.

 

...


Im Haushalt  2002 und 2003 waren bzw. sind jeweils 90.500,00 € veranschlagt. Trotz der Haushaltskonsolidierungsrunde, die bereits im Jahre 2001/2002 stattgefunden hatte, konnten die zuvor genannten Ansätze für 2002 und 2003 auf Grund rechtlicher Verpflichtungen noch garantiert werden. Die Kürzung der freiwilligen Zuschüsse in Höhe von 20 v. H. ist nun im Jahr 2004 zu realisieren. Für das Jahr 2004 stehen demzufolge voraussichtlich nur noch insgesamt 72.400,00 € zur Verfügung (90.500,00 € abzüglich 20 v. H. 18.100,00 € = 72.400,00 €). Das bedeutet, dass die Sozialstationen auch seitens der Stadt im Jahr 2004 mit Kürzungen rechnen müssen. Dies wurde den Zuwendungsempfängern bereits mitgeteilt. Es bleibt somit abzuwarten, ob diese finanziellen Kürzungen auch zu personellen Kürzungen führen werden und damit zu Einschränkungen des Angebotes der Sozialstationen.

 

I. V.

gez.

Dr. Gröttrup