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Rat und Stadtbezirksräte

Vorlage - 13181/13  

Betreff: Sachstandsbericht Altlasten
Status:öffentlichVorlage-Art:Mitteilung
Federführend:61 Fachbereich Stadtplanung und Umweltschutz   
Beratungsfolge:
Planungs- und Umweltausschuss
11.09.2013 
Planungs- und Umweltausschuss ungeändert beschlossen  (13181/13)  

Sachverhalt
Anlage/n
Anlagen:
2013 07 13 Anlage 1_Glossar

1

 

Stadt Braunschweig

 

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Der Oberbürgermeister

Drucksache

Datum

FB Stadtplanung und Umweltschutz

13181/13

23.08.2013

 

 

 

 

Beteiligte FB /Referate /Abteilungen

Mitteilung

 

Beratungsfolge

Sitzung

 

Tag

Ö

N

Planungs- und Umweltausschuss

11.09.2013

X

 

 

 

 

Überschrift, Sachverhalt

Sachstandsbericht Altlasten

 

 

 

In der Diskussion zu den Altlasten „Mittelweg“ und „Fabrikstraße“ im Planungs- und Umweltausschuss am 6. März 2013 war eine Information zur Gesamt-Altlastensituation in Braunschweig vom Planungs- und Umweltausschuss erbeten worden. Mit dem „Sachstandsbericht Altlasten soll diesem Wunsch entsprochen werden.

 

 

  1.  Einführung:

 

Braunschweig hat sich bereits Ende des 19. Jahrhunderts durch zahlreiche Industrie- und Gewerbebetriebe Geltung als Technologiestandort verschafft. Betriebe wie Voigtländer, Büssing, MAN, Rollei, die Wilke-, die Panther- und die Luther-Werke, die MIAG und die BMA sind dabei herausragende Beispiele dieser Epoche.

 

Diese lange Tradition hat jedoch - auch im Zusammenhang mit der massiven Zerstörung der Stadt im Zweiten Weltkrieg - Folgen im Untergrund hinterlassen. Heute als umweltgefährdend bekannte Stoffe wurden seinerzeit in großem Umfang verwendet. Die Gefahr, dass z. B. Lösemittel auch Beton durchdringen und jahrzehntelang das Grundwasser belasten können, wurde seinerzeit von niemandem erahnt. Möglichkeiten des analytischen Nachweises der Stoffe im Bereich ihrer ökologischen und gesundheitlichen Wirkungsschwellen gab es noch nicht.

 

Die Abfallentsorgung erfolgte seinerzeit möglichst ortsnah. Auf die Selbstreinigungskraft des Bodens und des Grundwassers wurde vertraut, spezielle Anlagen zur Sonderabfallbehandlung existierten nicht. Es wurden bevorzugt ausgebeutete Sand- und Tongruben mit Abfällen aus der industriell-gewerblichen Nutzung verfüllt. Als Halden wurden lediglich der „Kröppelberg“ am Madamenweg und der „Schlossberg“ zwischen der Kralenriede und Bienrode aufgeschüttet. In die gleichen Anlagen gelangten der sogenannte Hausbrand, andere Haushaltsabfälle und der Trümmerschutt des Zweiten Weltkriegs. Bei vielen dieser Flächen geriet die Nutzung als „Müllabladeplatz“ in Vergessenheit oder ihr wurde keine größere Bedeutung zugeschrieben. Von der Brachfläche bis hin zu einer Gartennutzung existieren heute als „Nachnutzung“ unterschiedliche Erscheinungsformen.

 


  1. Aufgaben und Bedeutung der Altlastenbearbeitung:

 

Bereits seit Ende der 80er Jahre sammelt und dokumentiert die Stadt Braunschweig systematisch Informationen im sogenannten „Altlastenverzeichnis“ der Stadt. Dieses Kataster besteht aus historischen Plänen und Datenbanken zu Altablagerungen, Altstandorten, altlastverdächtigen Flächen und Gutachten sowie aus einer Vielzahl von Einzelakten zum Thema Altlasten/Untergrundverunreinigung.

 

Gezielt wird die Boden- und Grundwasserbelastung bei bekannt gewordenen Schadensfällen und Altablagerungen sowie auch in den Bereichen, die einer städtebaulichen Entwicklung zugeführt werden sollen, erkundet. Bei Anhaltspunkten für das Vorhandensein von Bodenverunreinigungen/Altlasten muss sich die Gemeinde im Zuge ihrer Bauleitplanungen Klarheit über Art und Umfang verschaffen und ggf. eigene Untersuchungen beauftragen. Werden erhebliche Bodenbelastungen festgestellt, sind diese im Bebauungsplan zu kennzeichnen. Eine Gefährdung für den Menschen muss durch Sanierungsmaßnahmen oder durch andere Maßnahmen wie die Beschränkung bestimmter Nutzungen ausgeschlossen werden. Dieser Vorgabe kommt die Stadt Braunschweig uneingeschränkt nach.

 

Das Altlastenverzeichnis wird fortlaufend durch die Bodenuntersuchungen im Bereich der Bebauungspläne, aber auch durch systematische Untersuchungen von Betrieben verdächtiger Branchen fortgeschrieben. Langfristiges Ziel ist es, durch Bodenuntersuchungen präzise Aussagen treffen zu können, welche Flächen im Stadtgebiet belastet und welche unbelastet sind.

 

Bei der Sanierung von Altlasten kommen neben Bodenaushub auch die Entnahme und Reinigung des Grundwassers (hydraulische Sanierung), die Bodenluftabsaugung sowie biologische und chemische Verfahren zum Einsatz. Diese Verfahren werden im Einzelfall kombiniert. Zur Sanierung sind im Wesentlichen der Verursacher und der Eigentümer verpflichtet.

 

Trotzdem ist es regelmäßig nicht möglich, eine belastete Fläche wieder in ihren ursprünglichen Zustand zurückzuversetzen. Es verbleiben zumeist Restbelastungen, die mit den zur Verfügung stehenden Verfahren nicht beseitigt werden können oder deren Beseitigung aus Gründen der Verhältnismäßigkeit oder der Zumutbarkeit nicht von den Verantwortlichen verlangt werden kann. Das Ziel der Altlastenbearbeitung ist grundsätzlich auch erreicht, wenn von den Belastungen keine Gefahr mehr ausgeht. Wenn nach einer Sanierung das Grundwasser weiterhin belastet ist, schließt sich eine Grundwasserüberwachung an die Sanierungsmaßnahme an.

 

  1. Zahlen, Daten, Fakten zur Altlastenbearbeitung in Braunschweig

 

In Braunschweig sind ca. 2.400 Flächen stillgelegter Gewerbe- und Industrieanlagen (Altstandorte) bekannt. Hiervon sind 162 Standorte als Schadensfälle registriert. In 111 hiervon wurden bereits Sanierungsmaßnahmen durchgeführt. Hierzu weitere Fakten:

 


 

Die bis dato längste Sanierungsdauer:

 

 

 

Maschinenbaubetrieb Ackerstraße:

Bis heute 25 Jahre hydraulische Sanierung, über 6.000 kg CKW wurden aus dem Grundwasser entfernt

 

Die größte entfernte Schadstoffmenge:

 

 

Stibiox:

über 200.000 kg Antimon wurden aus dem Boden und den Gebäuden entfernt

 

Der größte sanierte Schwermetallschaden:

 

 

 

Ehemalige Galvanik, Wiesenweg:

über 13.000 kg Chrom VI wurden aus dem Boden entsorgt

 

Die größten Lösemittelschäden:

 

 

 

 

Ehemalige Chemiefabrik, Frankfurter Straße:

Bis zum Abschluss der Sanierung wurden 12.000 kg des Lösemittels Solvent-Naphtha aus Boden und Grundwasser ausgetragen

 

 

 

Ehemalige Chemische Reinigung, Konstantin-Uhde-Straße:

Bis heute wurden 12.000 kg Lösemittel (CKW) aus dem Grundwasser ausgetragen

 

Aufgrund der Anzahl der Schadensfälle war es notwendig, diese entsprechend ihrer Schwere in Prioritäten zur Bearbeitung einzuteilen: Die Altlasten mit hohem Gefährdungspotential bzw. bei denen aufgrund der noch nicht vollständigen Datenlage ein solches nicht ausgeschlossen werden kann (vorrangige Bearbeitung) und die Altlasten mit geringerem Gefährdungspotential (nachrangige Bearbeitung). Bei letzteren handelt es sich im Wesentlichen um Mineralöl-Schäden, typisch bei Nutzungen als Tankstelle, Tanklager und Reparaturwerkstatt. Aktuell werden 29 Fälle vorrangig bearbeitet.

 

Zu den Bodenbelastungen durch Altstandorte (von Gewerbe- und Industrieanlagen) kommen weitere Belastungen durch Altablagerungen (alte „Müllkippen“). Seit 1989 erfolgt in Braunschweig deren systematische Erfassung und Untersuchung; dabei diente das „Altlastenprogramm Niedersachsen - Altablagerungen“ als Richtschnur. 390 Altablagerungen wurden so erfasst. Für 151 Altablagerungen liegen umfangreiche Gefährdungsabschätzungen vor. Für die übrigen ist entweder bereits nach der historischen Erkundung oder nach orientierenden Untersuchungen/Sondierungen keine Gefährdung zu erkennen. Zurzeit sind 17 Altablagerungen in einer regelmäßigen Überwachung, d. h., dass hier das Grundwasser auf Verunreinigungen untersucht wird.

 

I. V.

 

gez.

 

Leuer

 

Anlage

Glossar

 


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