Rat und Stadtbezirksräte
05.11.2015 - 3 Bericht über den Sachstand zur Situation der un...
Grunddaten
- TOP:
- Ö 3
- Sitzung:
-
Sitzung des Jugendhilfeausschusses
- Gremium:
- Jugendhilfeausschuss
- Datum:
- Do., 05.11.2015
- Status:
- gemischt (Niederschrift genehmigt)
- Uhrzeit:
- 15:00
- Anlass:
- Sitzung
Wortprotokoll
Frau Dr. Flake gliedert die Berichterstattung wie folgt:
Frau Dr. Hanke, Herr Albinus und Frau Reinmüller geben Informationen zum allgemeinen Sachstand, Frau Werner (Psychologin des Fachbereichs Kinder, Jugend und Familie) berichtet über ihre Aufgaben als Psychologin im Einsatz bei den umF, Herr Lorenzen (Volkshochschule Braunschweig) gibt den Sachstand zu Bildungsmaßnahmen zur Sprache und Schule und Frau Bonkowski (Büro für Migrationsfragen) berichtet über das Patenprogramm.
Nach kurzer Einleitungdurch Frau Dr. Hanke stellt Herr Albinus nachfolgende Themenbereiche dar:
1. Gesetzgebungsverfahren
2. Herausforderungen
3. Ängste/Ziele
Zu 1: Seit dem 1.11.2015 gibt es ein Gesetz, das die Verteilung der Flüchtlinge regelt. Nach gegenwärtigem Stand befinden sich rund 42.100 umF in der Bundesrepublik Deutschland, ausgegangen sei man von 30.000 umF. Nach dem Königssteiner Schlüssel hat Niedersachsen rund 10 % (4.250) umF aufzunehmen und mit tatsächlichen 2.200 jungen Menschen bereits 50 % aufgenommen. Das bedeutet aber auch, dass auf Niedersachsen nochmal so viele umF kommen. Mit Stand 31.10.2015 hat Braunschweig 213 umF in Obhut genommen. Ab dem 1.11.2015 sind per Gesetz vorläufige Inobhutnahmen, um Klärungen z. B. des Gesundheitszustandes oder der familiären Situation herbeizuführen, möglich. Gesetzlich stehen sieben Werktage zur Klärung dieser besonderen Umstände zur Verfügung, spätestens danach soll die Meldung für das Verteilverfahren an das Land erfolgen.
Zu 2: Seit dem 1.11.2015 befinden sich acht junge Männer in vorläufiger Inobhutnahme.
Eine immer größer werdende Herausforderung sei die Altersfeststellung.
Statistische Erfassungen der Erstkontakte zeigen eine etwa doppelt so hohe Zahl wie die späteren Inobhutnahmen.
Zu 3: Die Angst der jungen Menschen umfasst im Wesentlichen den Gedanken in ihr Land zurückkehren zu müssen. Für das Personal besteht die Schwierigkeit adäquat auf diese Ängste einzugehen.
Frau Reinmüller berichtet, dass in den drei Standorten Kinder-Jugendschutzhaus Ölper, Jugendzentrum Neustadtmühle und Rotation 113 UmF in Obhut genommen wurden Die Intention ist, die Standort-Situation zumindest im JuZ Neustadtmühle und in der Rotation schnellst möglich aufzulösen, da die umF keinerlei Privatsphäre haben.
Auf Nachfrage von Frau Dr. Flake zur Dauerlösung von Inobhutnahme Liegenschaften, antwortet Frau Dr. Hanke, dass der derzeitige Ausbau der Liegenschaft Neue Knochenhauerstr. mit etwa 40 Plätzen und in der Liegenschaft Naumburgstr. 23 mit bis zu 100 Plätzen vorangetrieben werde.
Frau Reinmüller führt aus, dass angestrebt werde, weitergehende Hilfen möglichst über die Träger der Jugendhilfe zu klären. Problematisch sei adäquate Liegenschaften zu ertüchtigen. Das Gut Steinhof biete mit der alten Villa und vier leerstehenden Reihenhäusern eine Alternative.
Herr Winkler ergänzt die Ausführungen. Zur Liegenschaftssuche wurde u. a. ein öffentlicher Aufruf gestartet, der zur Zeit ständige Immobilienbesichtigungen und Überprüfungen der jugendhilflichen Voraussetzungen nach sich ziehe.
Frau Werner berichtet medial unterstützt über ihre Aufgaben als Psychologin bei den umF. Ihre Arbeit erfolgt direkt mit den Jugendlichen aber auch mit den Dolmetschern, den pädagogischen Mitarbeitenden und im sozialen Umfeld der umF. Darüber hinaus sei sie an konzeptionellen Weiterentwicklungen und Vernetzungen beteiligt.
Herr Lorenzen (VHS) führt zum Thema Bildungsmaßnahmen zur Sprache und Schule aus, dass die Sprache eine Schlüsselqualifikation darstelle. Die VHS arbeite seit Jahren nach dem europäischen Referenzrahmen. Danach seien Sprachkurse mit anderen Sprachkursen in Schulformen kompatibel. Zur Zeit bestehen drei Sprachlerngruppen mit etwa 75 umF, ab Dezember dann vier Gruppen mit etwa 100 umF. Der Motivationsgrad in den Gruppen ist hoch, teilweise sei die Fachhochschule möglich, allerdings ist auch Analphabetismus vorhanden. Derzeit erfolgt eine Vernetzung mit den Schulen und berufsbildenden Schulen. Ab dem 1. Tag gilt die Schulpflicht, die, solange die Sprachlernkurse andauern, bis höchst. drei Monate ausgesetzt ist. Das vom Land initiierte Sprach- und Integrationsprojekt „SprInt“ wird helfen, den Flüchtlingen einen Übergang in die Berufs- und Arbeitswelt zu ermöglichen.
Frau Bonkowski erläutert medial unterstützt das konkret entwickelte Projekt der „Bildungspaten“. Hierbei ist eine niederschwellige 1 : 1 Betreuung beabsichtigt, die eigene Kompetenzen sowie fundierte Ausbildungen erwarten lässt. Diesem Projekt stehen als Kooperationspartner u. a. städtische Fachstellen, Flüchtling- und Migrationsdienste, Einrichtungen der Jugendhilfe und Bildungsträger zur Seite. Die Paten erhalten durch mehrere Bausteine eine fundierte „Ausbildung“.
Auf Nachfrage von Frau Pantazis und Frau Ohnesorge führt Frau Bonkowski aus, dass Einladungen an die Vielzahl der Helfer der Freiwilligenagentur erfolgen werden und gemeinsam mit dem Kinderschutzbund Auswahlgespräche in Form der Profilierung erfolgen. Die zeitliche Bindung als Bildungspate beträgt ein Jahr. Das Curriculum der Fortbildungsreihe umfasst 90 Unterrichtseinheiten à 45 min und wird sukzessive im begleitenden Fortbildungsangebot umgesetzt.
Frau Dr. Flake beendet die Diskussion und stellt heraus, dass die Situation der umF eine Herausforderung und Chance für die Bevölkerung sei. Sie spricht ein großes Lob an alle Akteure.
