Rat und Stadtbezirksräte
20.01.2022 - 5 Fußgängerbrücke Spargelstraße jetzt Luftschiffe...
Grunddaten
- TOP:
- Ö 5
- Datum:
- Do., 20.01.2022
- Status:
- öffentlich (Niederschrift genehmigt)
- Uhrzeit:
- 19:00
- Anlass:
- Sitzung
- Beschluss:
- zur Kenntnis genommen
Wortprotokoll
Frau Bezirksbürgermeisterin Borggrefe begrüßt zu diesem Tagesordnungspunkt die Herren Fechtel und Gutzeit vom Braunschweiger Forum sowie Herrn Piterek vom Fachbereich Tiefbau und Verkehr sowie Herrn Lehrmann vom Referat Stadtgrün-Planung und Bau.
Frau Eck und Herr Kramer nehmen ab 19:12 Uhr an der Sitzung des Stadtbezirksrates teil.
Herr Fechtel berichtet über den geschichtlichen Werdegang der Brücke, den Bau des Ringgleises und erinnert an den Masterplan Ringgleis mit seinen thematischen Abschnitten. Ein Teil des Plans sei der Erhalt der Brücke Spargelstraße. Damit solle die Eisenbahngeschichte dauerhaft erlebbar gemacht werden.
Im September 2019 hätte es Vorschläge des Forums zum Ausbau des Ringgleises gegeben. Ab 2020 liegt ein Fachgutachten zum Zustand der Brücke vor, einschließlich unterschiedlichster Betrachtungen im Umgang damit. Sämtliche Varianten sind dabei mit Kostenerwartungen hinterlegt worden, die bis auf den Abriss bei allen Varianten im deutlich sechsstelligen Bereich liegen würden. Bereits vor einem halben Jahr sei das Thema im alten Stadtbezirksrat Nordstadt intensiv diskutiert worden. Ergebnis dieser Sitzung sei ein Prüfauftrag mit dem Wunsch auf eine erneute Beschlussfassung gewesen. Darin sollte eine Möglichkeit aufgezeigt werden, wie trotz allem Relikte der Brücke, auch nach Abriss, angemessen in Szene gesetzt werden könnten - möglichst in Verbindung mit einem Informationspunkt zu der alten Brücke. Gleichzeitig sollte geprüft werden, inwieweit Auszubildende bei einer potentiellen Sanierung der Brücke unterstützen könnten (zu Letzterem wollte ein Mitglied des SBR tätig werden, denn fachlich wurde das in Frage gestellt).
Herr Lehrmann bestätigt die dargestellte Vorgehensweise. Man sei sich in der Verwaltung einig gewesen, dass die durch das Gutachten offenkundig gewordenen Kosten den Erhalt der Brücke unrealistisch machen, zumal bei einer Sanierung wenig von den originalen Bauteilen übrigbleiben würden. Die zuletzt diskutierte alternative Idee sei deshalb gewesen, ein wie auch immer geartetes Relikt im neuen Nordpark zu integrieren.
Herr Piterek erläutert anschließend nochmals die Kostenvarianten mit bis zu maximal 1 Million € bei einem Erhalt des Bauwerks.
Herr Lehrmann berichtet über die neue, bereits vorabgestimmte Idee, die beiden Türme stehen zu lassen und abzusichern. Dies würde Kosten inkl. Abbau des Oberbaus von etwa 150.000 € verursachen. Für das In-Szene-Setzen von weiteren Brückenrelikten in Form eines Infopunktes allein wären etwa 70.000 € anzusetzen. Eine Illumination der beiden Türme durch eine Lasertechnik werde gerade diskutiert, müsse dann auch noch hinsichtlich etwaiger Beeinträchtigungen auf die Tierwelt überprüft und mit Kosten hinterlegt werden, die zurzeit noch nicht inkludiert seien.
Im Haushalt 2022 seien zunächst insgesamt 120.000 € vorgesehen.
Frau Palm mahnt, zukünftig müsse solch eine Baufälligkeit öffentlichen Eigentums verhindert werden. Die Idee, die beiden Türme stehen zu lassen, finde sie inzwischen gut.
Frau Kaphammel gibt zu bedenken, eine Komplettsanierung würde eine Überforderung der Steuerzahler bedeuten. Sie erklärt, die CDU-Fraktion begrüße den Kompromiss.
Herr Jonas erinnert, er sei ursprünglich für den Abriss der Brücke gewesen. Inzwischen habe sich die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen für den Kompromiss ausgesprochen, allerdings ohne eine Lichtillumination.
Herr Dietrich bittet um eine Aussage zu den Folgekosten einer Lichtillumination.
Herr Dr. Dr. Büchs fragt, was mit den abgebauten Teilen der Brücke geschehen solle. Man könne die Teile seiner Ansicht nach zwischenlagern und auf dem Bauhof mit Hilfe eines Projekts wiederaufarbeiten.
Eine Idee sei auch, die Brücke dort wieder aufzustellen, wo man mit Fördergeldern dafür rechnen könne, z.B. in der neuen Bahnstadt.
Herr Piterek erwidert, aufgrund notwendiger personeller Begleitung solch eines Projekts zur Wiederaufarbeitung entstünden erneut erhebliche Kosten.
Die Brücke in Gänze abzubauen, sei funktional aufgrund ihres maroden Zustands nicht mehr möglich.
Durch die Nieten sei ein Schweißen hinsichtlich der späteren Tragfähigkeit nicht sinnvoll.
Herr Dr. Piest bringt die Idee ein, dass eventuell der Lokverein in der Lage sei, die Brücke zu restaurieren.
Herr Piterek erinnert dazu an seinen Wortbeitrag zu der Begleitung eines Projekts.
Zum Vorschlag von Herrn Steinert, einen Nachbau in Auftrag zu geben, gibt Herr Lehrmann zu bedenken, dass es dann ein völlig neues Bauwerk wäre, das aus denkmalpflegerischer Sicht dann eigentlich nicht mehr zu begründen sei und die immensen Kosten dafür massiv in Frage stellen würden.
Herr Dietrich schlägt vor, nunmehr abzuwarten, was für Ideen zu den Relikten und dem zuletzt gemachten Vorschlag der Verwaltung noch ausgearbeitet werden. Mehrere Mitglieder des Stadtbezirksrates schließen sich dem an und wünschen keine weitere Grundsatzdiskussion mehr.
Abschließend bedankt sich Herr Fechtel für die Aufnahme des Punktes auf die Tagesordnung. Sinn sei gewesen, die Diskussion zur Zukunft der Brücke erneut anzustoßen.
Herr Fechtel gibt noch seine Idee mit in die Verwaltung: eventuell könne man den Überbau beim Leichtweißinstitut mit aufstellen (neben dem "Möller-Überbau").
Er betont das Braunschweiger Forum werde sich weiterhin für die Industriekultur einsetzen.
