Rat und Stadtbezirksräte

ALLRIS - Auszug

19.11.2024 - 3.1 Vorstellung der Jury-Ergebnisse für eine Fritz-...

Beschluss:
zur Kenntnis genommen
Reduzieren

Wortprotokoll

Frau Prof. Dr. Hesse (Dez. IV) führt zur schriftlichen Mitteilung ein.

 

Herr Dr. Hilger (AbtL 41.1) präsentiert ergänzend zur schriftlichen Mitteilung; die Präsentation ist dem Protokoll angehängt.

Der neue Fritz-Bauer-Platz sei durch tiefbauliche Maßnahmen umgestaltet worden; die Fertigstellung des Platzes sei für das kommende Jahr geplant. Vor der Fassade des Gebäudes der ehemaligen Bezirksregierung Braunschweig befinde sich bereits eine Büste für Dr. Heinrich Jasper; hier solle eine weitere Büste für Fritz Bauer geschaffen werden. Die Visualisierung zeigt den geplanten Aufbau der Plastik. Der künstlerische Wettbewerb sei im Sommer diesen Jahres durch die Bewertung durch ein von der Stadt initiiertes Auswahlgremium abgeschlossen worden. In einer ersten Sitzung habe das Auswahlgremium eine Vorauswahl von Künstlerinnen und Künstlern und ihrer Entwürfe festgelegt; diese Künstlerinnen und Künstlern seien im Weiteren zum Wettbewerb eingeladen worden. Im Oktober diesen Jahres sei das um weitere Personen erweiterte Auswahlgremium erneut zusammengetreten und habe einen Siegerentwurf aus Entwürfen des Wettbewerbes ausgewählt; die einstimmige Wahl sei auf den Entwurf von Daniel Wolff gefallen. Ausgangspunkt für die Idee des Siegerentwurfes sei ein Granitblock aus dem Steinbruch des ehemaligen Konzentrationslagers (KZ) Flossenbürg. Der Steinblock werde aus Kunststoff nachgebildet. Das Kunstwerk sei von innen ausgehöhlt, auf der Vorderseite sei der von innen beleuchtete Schriftzug „Fritz Bauer" spiegelverkehrt im Bauhaus-Stil eingraviert. Das Kunstwerk erscheine bei Tag und bei Nacht unterschiedlich; Idee sei ein Dialog mit den umliegenden Lichtquellen.

Im Folgenden werde die Öffentlichkeit über den Siegerentwurf informiert und ein Vertrag mit dem Künstler über die Realisierung des Entwurfes geschlossen. Bis ins Frühjahr werde der Künstler den Entwurf realisieren. Die Fertigstellung und Übergabe der Plastik an die Öffentlichkeit sei für den 1. Juli 2025 geplant.

 

Frau Prof Dr. Hesse hebt die Besonderheiten der Bezüge des Siegerentwurfes von Daniel Wolff hervor. Das Kunstwerk repräsentiere und spiegele mitunter Aussagen von Theodor W. Adorno zu Möglichkeiten der Ungegenständlichkeit der Kunst vor dem Hintergrund der Gräuel der Nationalsozialisten und des Holocaust wider. Adorno und Bauer hätten sich gegenseitig sehr geschätzt, es gebe Belege für Bezüge zwischen den beiden. Daniel Wolff habe diese biografischen Elemente aufgenommen und spiegele sie in seinem Entwurf wider.

Bezüglich des Elementes der Tag- und Nachtnutzung müsse noch mit der Bauverwaltung geklärt werden, ob die benachbarte Straßenlaterne bei Nacht ausgeschaltet werden könne, um das beleuchtete Kunstwerk entsprechend der Idee des Künstlers im Dunkeln hervorzuheben. Mit der Fertigstellung sei erst im Juli 2025 zu rechnen, da der Fertigungsprozess viel Zeit in Anspruch nehme.

 

Ratsherr Böttcher bedankt sich für die Informationen der Verwaltung und befindet, die Wirkung des Kunstwerkes im Dunkeln sei etwas Besonderes.

 

Herr Dr. Eckhard (Bürgermitglied) bedankt sich für den Vortrag. Er fragt, aus welchem Material das Kunstwerk gefertigt werde, und ob eine Beständigkeit beispielsweise gegenüber UV-Strahlen und Witterung berücksichtigt werde.

Herr Dr. Hilger antwortet, das Kunstwerk werde laut Künstler aus Epoxidharz mit Kunststoffanteilen gefertigt. Die Verwaltung werde sich mit dem Künstler über eine geeignete Materialwahl austauschen. Der Künstler wisse, dass sein Kunstwerk von Dauer sein solle, und arbeite mit einer spezialisierten Gießerei zusammen.

 

Ratsfrau Schütze unterstützt den Gedanken, dass das Material des Kunstwerkes witterungsbeständig und von Dauer sein müsse. Sie pflichtet weiter Ratsherrn Böttcher bei, dass die Beleuchtung des Kunstwerkes von innen etwas Besonderes sei. Sie empfinde es als problematisch, dass die Straßenlaterne und ein Parkschild die Sichtbarkeit der Büste einschränken könnten. Sie fragt, ob eine Entfernung oder ein Versetzen der beiden Elemente möglich sei.

Frau Prof. Dr. Hesse sagt zu, ein Umsetzen des Parkschildes werde angeregt. Weiter werde rechtlich geprüft, ob die Straßenlaterne ausgeschaltet werden könne.

 

Ratsfrau Glokowski-Merten bedankt sich für die Vorstellung des gelungenen Entwurfes und fragt, ob der Standort des Objektes neu reflektiert werden könne. Ein Ausschalten der Laterne könne auch Irritationen bei Bürgerinnen und Bürgern auslösen. Sie bemerkt weiter, jedes Material müsse gepflegt werden.

Frau Prof. Dr. Hesse erwidert, es seien noch Fragen offen. Zu dem Kunstwerk gehöre später ein Kunstvermittlungskonzept, das auch die Interaktion erläutere.

 

Herr Prof. Dr. Biegel (Bürgermitglied) dankt den Vorrednerinnen und Vorrednern für ihre Beiträge und äußert sich als Jurymitglied. Im Kern stelle der Siegerentwurf ein Kunstwerk und ein Denkmal für Fritz Bauer dar, und weniger eine Büste. Der Monolith spiegele den Charakter und die Rolle von Fritz Bauer treffend wider. Es wäre in seiner Art das erste Kunstwerk in der Bundesrepublik, das in dieser Form an Fritz Bauer erinnere.

 

Ratsherr Flake pflichtet den Vorrednerinnen und Vorrednern bei, dass es sich um einen gelungenen Siegerentwurf handele. Bei der Bewertung der Entwürfe seien eine Expertise über Fritz Bauer und Kunstsachverstand bzw. eine gute Mischung von Akteuren der Stadtgesellschaft und aus Kunst und Kultur zusammengekommen. Auch am Tag werde das Kunstwerk mit seiner Ausdrucksweise auffallen und zum Dialog über Fritz Bauer einladen. Es sei eine Bereicherung für den neuen Fritz-Bauer-Platz, den öffentlichen Raum und die Passanten.

 

Herr Prof. Dr. Biegel ergänzt, das Kunstobjekt werde den neuen Fritz-Bauer-Platz immens aufwerten. Der Unterschied zur bereits bestehenden Heinrich-Jasper-Büste zeige auch den Wandel des Kunstverständnisses und der Erinnerungskultur in der Stadt Braunschweig seit den 1950ern auf. Die neue Plastik werte als Blickfang auch die alte Plastik auf. Beide Plastiken erinnerten an Verfechter der liberalen Demokratie und Widerständler gegen die Diktatur des Nationalsozialismus.

 

Ratsfrau Jaschinski-Gaus fragt, ob eine das Kunstwerk ergänzende Informationstafel geplant sei.

Frau Prof. Dr. Hesse erwidert, es werde nach Fertigstellung des Kunstwerkes entschieden, ob man durch eine Informationstafel oder einen QR-Code ergänze. Ergänzende Ausführungen zur Unterstützung des Verständnisses des Kunstwerkes seien angedacht. Die gute Resonanz zum derzeitigen Erinnerungswirken für Fritz Bauer in Braunschweig zeige sich auch darin, dass Privatpersonen aus dem Umfeld von Nachkommen Bauers der Verwaltung angeboten hätten, die Finanzierung zu unterstützen.

 

Ratsfrau Kaphammel fragt, ob die Statue der Justitia des Künstlers Bodo Kampmann am ehemaligen Fritz-Bauer-Platz bestehen bleibe.

Frau Prof. Dr. Hesse antwortet, es seien von städtischer Seite noch keine Absprachen mit dem Land Niedersachsen, das Eigentümer des Gebäudes sei, getroffen worden.

Herr Prof. Dr. Biegel erklärt, die Justitia von Kampmann werde nicht versetzt. Sie sei Objekt der Generalstaatsanwaltschaft im Sinne einer Justizbehörde und gehöre dauerhaft zum Gebäude des Landgerichtes Braunschweig. Sie müsse jedoch zukünftig erläutert werden, beispielsweise durch eine Informationstafel.

 

Es liegen keine weiteren Wortbeiträge vor.

Reduzieren

Die Mitteilung wird zur Kenntnis genommen.

Reduzieren

 

Reduzieren

Anlagen

Erläuterungen und Hinweise