Rat und Stadtbezirksräte
29.04.2025 - 3.1 Forschungsschwerpunkte des Leibniz-Institutes f...
Grunddaten
- TOP:
- Ö 3.1
- Datum:
- Di., 29.04.2025
- Status:
- gemischt (Sitzung abgeschlossen)
- Uhrzeit:
- 15:00
- Anlass:
- Sitzung
- Beschluss:
- zur Kenntnis genommen
Wortprotokoll
Frau Prof. Dr. Hesse (Dez. IV) stellt Herrn Prof. Dr. Fuchs, Leiter des Leibniz-Institutes für Bildungsmedien - Georg-Eckert-Institut (GEI), vor und erinnert einleitend an die jüngste Geschichte des GEI sowie die Unterstützung des neuen GEI-Campus durch die Stadt Braunschweig im Jahr 2022.
Herr Prof. Dr. Fuchs präsentiert; die Präsentation ist dem Protokoll angehängt.
Er beschreibt die Gründung des GEI nach dem Zweiten Weltkrieg durch seinen Namensgeber, die weitere Geschichte sowie die Ziele und Schwerpunkte des Institutes. Ein Ziel sei der Beitrag zur Völkerverständigung durch die vergleichende, internationale Schulbuchforschung. Mitunter würden die Lehrinhalte, ihre Genese und die Entscheiderinnen und Entscheider über die Lehrinhalte erforscht. Die Forschungsthemen würden in Bezug zu aktuellen, kontroversen gesellschaftlichen Themen in Bezug gesetzt; so werde erforscht, inwiefern der Umgang mit gesellschaftlichen Debatten in Lehrinhalte übersetzt werden könne. Es werde die Frage gestellt, welches Wissen, welche Gesellschaftsbilder und welche Kompetenzen vermittelt würden und inwiefern gesellschaftliche Veränderungen sich auf die Lehrinhalte auswirkten. Weiter werde die Rolle von digitalen Medien in Schulen untersucht; hier sehe man sich vor der Herausforderung, dass sich die digitalen Bildungsmedien wesentlich vom konventionellen Schulbuch unterschieden.
Herr Prof. Dr. Fuchs beschreibt die Forschungsstruktur des GEI, darunter die digital abrufbare GEI-Sammlung als Forschungsbibliothek, die in dieser Form international einzigartig sei. Das GEI trage durch Materialien, Weiter- und Fortbildungen sowie das Digital Lab zur Bildungspraxis selbst bei und unterstütze Bildungsmedienverlage mit Empfehlungen und Workshops. Die Forschungsinhalte des GEI würden beispielsweise durch bilaterale Schulbuchkommissionen und das multilaterale „European Forum for Reconciliation and Cooperation in History and Social Sciences Education“ in die Bildungspolitik transferiert. Das GEI sei mit den Schulen, der Wissenschaft und der Bürgerschaft verknüpft. Der Stadt Braunschweig und persönlich Kulturdezernentin Frau Prof. Dr. Hesse beispielsweise sei die Gründung des GEI-Campus zu verdanken.
Abschließend lädt Herr Prof. Dr. Fuchs zum Besuch der diesjährigen Jubiläumstage des GEI in der Villa von Bülow ein.
Ausschussvorsitzender Böttcher dankt für die Präsentation. Er fragt, welche direkten digitalen Angebote das GEI für Schülerinnen und Schüler vorhalte.
Herr Prof. Dr. Fuchs antwortet, Schülerinnen und Schüler stellten zwar nicht die primäre Zielgruppe des GEI dar, es gebe aber Tage der Offenen Tür und das Angebot des Digital Lab, in dem sich Schülerinnen und Schüler per Virtual Reality in Geschichtsepochen versetzen könnten, sowie die Plattform „Zwischentöne“, auf der neben Lehrerinnen und Lehrern auch Schülerinnen und Schüler Texte und andere Quellen zu verschiedenen, gesellschaftlich aktuellen Themen abrufen könnten.
Ratsfrau Ihbe fragt, ob weitere bilaterale Schulbuchkommissionen geplant seien.
Herr Prof. Dr. Fuchs erwidert, dies sei nicht der Fall, da dieses Konzept nicht mehr den Ressourcen und Zwecken des GEI entspreche. Ein internationaler Austausch finde inzwischen eher multilateral, so in Form des „European Forum for Reconciliation and Cooperation in History and Social Sciences Education“, aber auch über Europa hinaus, statt. Ziel sei es, gemeinsame Lehrinhalte zu schaffen und vermehrt über digitale Wege den multilateralen Austausch zu verstärken. Es sei politisch gesehen problematisch, dass sich viele Länder nicht über ihre jeweilige Geschichte verständigten. Es mangele nach wie vor häufig an einer Aussöhnung zwischen verschiedenen Ländern, was die Schulbücher wiederum abbildeten.
Herr Dr. Eckhardt (Bürgermitglied) kommentiert, der Einsatz digitaler Schulmedien setze die entsprechende technische Infrastruktur voraus und bittet um eine Einschätzung zu Verbesserungsmöglichkeiten in Braunschweiger Schulen.
Herr Prof. Dr. Fuchs stimmt ihm zu. Neben der Infrastruktur und den Technologien seien ein erfolgreicher Umgang mit digitalen Bildungsmedien, eine entsprechende Ausbildung der Lehrkräfte sowie die Lehrinhalte selbst entscheidende Faktoren. Eine pauschale Antwort zum erfolgreichen Einsatz digitaler Bildungsmedien gebe es nicht. Das GEI forsche beispielsweise derzeit zur Anwendung von ChatGTP in Schulen, zu internationalen Entwicklungen im Vergleich und zu den Herausforderungen und Potenzialen in der Anwendung digitaler Bildungsmedien. Schulbücher würden noch lange Anwendung finden und Schulen blieben noch eine ganze Weile hybrid. Eine Digitalisierung von Schulen ginge nicht automatisch mit einer Verbesserung einher.
Es liegen keine weiteren Wortbeiträge vor.
Anlagen
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1
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(wie Dokument)
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6,2 MB
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