Rat und Stadtbezirksräte

ALLRIS - Auszug

29.04.2025 - 3.2 Rückblick auf die Arbeit im Jahr 2024 und aktue...

Beschluss:
zur Kenntnis genommen
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Wortprotokoll

Frau Prof. Dr. Hesse (Dez. IV) stellt Frau Dr. Barrenscheen-Loster, Geschäftsführerin und Leiterin der Gedenkstätte KZ-Außenlager Braunschweig Schillstraße, und Frau Dr. Heinen-Kljajic, Erste Vorstandsvorsitzende des Arbeitskreises (AK) Andere Geschichte e.V., vor. Mit der mündlichen Mitteilung werde der jährlichen Berichtspflicht durch den Beirat und die Verwaltung gemäß Ratsbeschluss DS Nr. 18-08215 entsprochen.

 

Frau Dr. Heinen-Kljajic und Frau Dr. Barrenscheen-Loster präsentieren im Wechsel; die Präsentation ist dem Protokoll angehängt.

Frau Dr. Heinen-Kljajic erinnert an die Übertragung der Trägerschaft für die Gedenkstätte Schillstraße von der Stadt Braunschweig an den AK Andere Geschichte e.V. Sie dankt der Stadt Braunschweig und persönlich Kulturdezernentin Frau Prof. Dr. Hesse für die Unterstützung, ohne die es beispielsweise nicht das Offene Archiv gebe.

Frau Dr. Barrenscheen-Loster blickt auf die Arbeit der Gedenkstätte im Jahr 2024 zurück. Dank der städtischen Kontinuitätsförderung habe man zwei dauerhafte, volle Stellen für wissenschaftliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter schaffen, einen Platz für ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) anbieten und temporär eine wissenschaftliche Mitarbeiterin für audiovisuelle Medien anstellen können. Meilensteine der Gedenkstättenarbeit seien in der Vermittlungsarbeit, durch Ausstellungen, Vorträge, erfolgreich akquirierte Drittmittelförderungen, in Form eines neuen Corporate Designs und mit der Konstituierung eines Fachbeirates erreicht worden. Angebote für Schulklassen stellten einen neuen Fokus dar und der Zuspruch wachse stetig. Die Vermittlungsformate änderten sich entsprechend. Inzwischen sei es auch möglich, Schulklassen sehr kurzfristig Angebote zu unterbreiten. Ein weiteres Format stellten Wanderausstellungen dar. Für Vorträge, die klassische Veranstaltungsangebote darstellten, habe man in 2024 auch jüngere Forscherinnen und Forscher als Referentinnen und Referenten gewinnen können.

Frau Dr. Barrenscheen-Loster stellt den Beirat der Gedenkstätte Schillstraße und seine Mitglieder vor. Der Beirat arbeite an der Weiterentwicklung der Gedenkstättenarbeit und tage i.d.R. einmal im Jahr, wobei es aufgrund der Konstituierung im Jahr 2024 zwei Sitzungen gegeben habe. Derzeit sei der Beirat mit der Vorbereitung eines Forschungsantrages befasst, der sich auf die Erforschung der Braunschweiger Kriegsgesellschaft in den Jahren von 1939 bis 1945 beziehe. Im Herbst 2025 sei die nächste Beiratssitzung geplant. Sie fährt fort, man versuche, Gedenkstättenarbeit neu zu denken, so z.B. im Rahmen der geplanten audiovisuellen Ausstellung „Fragmente des Faschismus“, für die die Beteiligung der Stadtgesellschaft geplant sei. Man versuche sich hier in neuen Zugängen der Geschichtsvermittlung, einer Einbindung der Bürgerinnen und Bürger in Vermittlungsarbeit und einer nachhaltigen und ressourcenschonenden Konzipierung.

Frau Dr. Heinen-Kljajic betont die technische, methodische und inhaltliche Neuaufstellung der Gedenkstätte und gibt einen Ausblick auf das Jahr 2025. Die städtische Kontinuitätsförderung sei im Rahmen des Doppelhaushaltes 2025/2026 um 39.300 EUR für das Jahr 2025 bzw. um 43.900 EUR für das Jahr 2026 aufgestockt worden. Sie dankt dem Rat der Stadt für diese Unterstützung. Die zusätzlichen Mittel dienten u.a. der personellen Unterstützung in der Vermittlungsarbeit. Im Mai 2025 finde das Doppeljubiläum (25 Jahre Gedenkstätte Schillstraße, 40 Jahre AK Andere Geschichte e.V.) statt. Weiter seien bereits Forschungsanträge für das o.g. zweijährige Online-Forschungsprojekt „Braunschweiger Kriegsgesellschaft 1939-1945“ bei der Stiftung niedersächsische Gedenkstätten und der Stiftung Niedersachsen gestellt worden; aktuell werde ein weiterer Antrag bei der Deutschen Bank Stiftung vorbereitet. Das Projekt fokussiere sich auf die Rolle der Volksgemeinschaft.

In 2025 sei mit einer Weiterentwicklung der Vermittlungsarbeit zu rechnen, so in Kooperation mit dem Studienseminar bzw. der Technischen Universität (TU) Braunschweig, und im Rahmen des immersiven Vermittlungsformates „Erzähl mir von morgen“ in Zusammenarbeit mit xweiss (Theaterpädagogik), gefördert durch die Landesvereinigung Kulturelle Jugendbildung (LKJ) Niedersachsen e.V. und das Niedersächsische Kultusministerium.

Man stelle sich die Frage, was und wie vermittelt werden solle. Eine traditionelle Vermittlung stehe der Aktivierung der Rezipientinnen und Rezipienten gegenüber. Ziel sei es, bei den Adressatinnen und Adressaten zur Reflexion des eigenen Handelns anzuregen. Eine Herausforderung stelle die postmigrantische Gesellschaft dar, in der viele Menschen nicht den gleichen Hintergrund deutscher Geschichte teilten.

 

Ausschussvorsitzender Böttcher dankt für die Präsentation und weist erneut auf die ausliegenden Flyer zu den Veranstaltungen zum Doppeljubiläum hin.

 

Ratsfrau Dr. Flake fragt, inwiefern angedacht sei, den begrenzten Raum der Gedenkstätte Schillstraße zu erweitern. Sie fragt weiter, inwiefern vor dem Hintergrund des gesellschaftlichen Wandels, beispielsweise der Jugend, eine Veränderung der Methoden der Gedenkstättenarbeit angedacht sind.

Frau Dr. Heinen-Kljajic betont in Antwort auf die zweite Frage, es sei wichtig, die Menschen vor ihrem Bildungshintergrund und vor dem Hintergrund ihrer Biografie abzuholen. „Erinnerungskultur“ sei als Begriff überholt. Ziel der Gedenkstätte Schillstraße sei es, eine solide Wissensbasis zur NS-Zeit zu schaffen, den Ort der Gedenkstätte als Tatort zu begreifen und an die Opfer zu erinnern. Es seien Formate in Kooperation und Rückkopplung mit anderen Akteuren und eine Vernetzung mit der Stadtgesellschaft geplant.

Sie antwortet auf die erste Frage, der Ausbau der Gedenkstätte Schillstraße könne derzeit nicht eigens finanziert werden. Man habe bereits die Stiftung niedersächsische Gedenkstätten kontaktiert; es bestehe eine informelle Zusage der Stiftung unter Haushaltsvorbehalt, sich perspektivisch mit investiven Mitteln an dem Ausbau der Gedenkstätte Schillstraße zu beteiligen. Bisher habe die Gedenkstätte Schillstraße jedoch noch keinen offiziellen Förderantrag dafür stellen können, da zunächst der Antrag für das Projekt „Braunschweiger Kriegsgesellschaft 1939-1945“ gestellt worden sei. Der Beginn dieses Projektes sei für Januar 2026 geplant. Erst später stelle sich die Frage, wo ein Neubau errichtet werden könne. Zu beachten seien dann der Denkmalschutz und der Umstand, dass sich die Gedenkstätte Schillstraße in einem Park befinde. Weiter müssten mindestens die Hälfte der notwendigen finanziellen Mittel aus anderen Quellen beschafft werden. Eine erste Überlegung bestehe darin, das gegenüberliegende, ehemalige Wehrmachtsgebäude, also ein Gebäude mit NS-Bezug, zu nutzen. Man nehme gerne Vorschläge zu möglichen Orten an.

 

Ratsherr Flake dankt den Referentinnen. Er erinnert an die Sitzung des AfKW im Mai 2018, in der beschlossen worden sei, die Trägerschaft für die Gedenkstätte Schillstraße von der Stadt Braunschweig auf den AK Andere Geschichte e.V. zu übertragen; inzwischen sei ein Beirat für die Gedenkstätte Schillstraße gegründet worden. Ausgangspunkt für diese Entwicklungen sei gewesen, dass die Stadt Braunschweig an ihre finanziellen Grenzen gestoßen sei. Inzwischen könne die Gedenkstätte Schillstraße andere Finanzierungsmittel erschließen und dadurch auch neue Räumlichkeiten planen. Auch die fachliche Expertise sei verstärkt worden. Die Auswertungen seit 2018 bewerte er positiv; die vom Rat der Stadt intendierten Ziele seien erreicht worden.

 

Es liegen keine weiteren Wortbeiträge vor.

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Die Mitteilung wird zur Kenntnis genommen.

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