Rat und Stadtbezirksräte
10.06.2025 - 3.1 Forschungsschwerpunkte des Julius Kühn-Institut...
Grunddaten
- TOP:
- Ö 3.1
- Datum:
- Di., 10.06.2025
- Status:
- gemischt (Sitzung abgeschlossen)
- Uhrzeit:
- 15:00
- Anlass:
- Sitzung
- Beschluss:
- zur Kenntnis genommen
Wortprotokoll
Frau Prof. Dr. Hesse (Dez. IV) stellt Herrn Prof. Dr. Hallmann, Leiter des Fachinstitutes für Epidemiologie und Pathogendiagnostik in Braunschweig am Julius-Kühn-Institut (JKI) - Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen in Braunschweig, und seinen beruflichen und wissenschaftlichen Werdegang vor. Herr Prof. Dr. Hallmann werde dem Ausschuss das Institut heute stellvertretend für den JKI-Präsidenten, Herrn Prof. Dr. Ordon, vorstellen. Sie dankt Herrn Prof. Dr. Hallmann für seine Teilnahme an der Ausschusssitzung.
Herr Prof. Dr. Hallmann bedankt sich für die Einladung und präsentiert; die Präsentation ist dem Protokoll angehängt.
Das Institut sei eine selbstständige Bundesoberbehörde und Bundesforschungsinstitut im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH). Ziel des Institutes sei u.a. die Erforschung des bestmöglichen Ertrages durch Kulturpflanzen oder auch der Biodiversität, insbesondere vor dem Hintergrund des Klimawandels. Das JKI, mit Hauptsitz in Quedlinburg und dem größten Standort in Braunschweig, gliedere sich in drei Fachbereiche und 18 Fachinstitute. Die Arbeit teile sich auf in Forschung, die Bewertung dieser Forschung sowie die politische bzw. Regierungsberatung auf nationaler wie internationaler Ebene (u.a. der Bundesregierung und der EU) im Rahmen von Strategien und Aktionsplänen, z.B. bezogen auf den Klimawandel und die Reduktion von Pflanzenschutzmitteln. Das JKI sei international aktiv und stark vernetzt.
Das Institut sei das nationale Referenzlabor mit einer Sammlung und Diagnostik von Pflanzenschaderregern und beinhalte zudem eine „Bienenprüfstelle“. Man beschäftige sich mit der Geno- und Phänotypisierung von Wildsorten und erforsche die für Kulturpflanzen günstigen Eigenschaften. Ein konkretes Forschungsergebnis sei die erfolgreiche Züchtung einer gegen Pilzkrankheiten besonders widerstandsfähigen Weinrebsorte, bei der zwischen 70 und 80 Prozent an Pflanzenschutzmitteln eingespart werden könnten. Das JKI habe den punktgenauen Schutz von Kulturpflanzen zum Ziel. Es betrachte die Agrarökosysteme in ihrer Gänze.
Man sei froh über die ausgeprägte Forschungsregion Braunschweig und die Zusammenarbeit mit Einrichtungen wie dem Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung, dem Leibniz-Institut DSMZ-Deutsche Sammlung von Mikroorganismen und Zellkulturen sowie der Technischen Universität (TU) Braunschweig. Mit der Stadt Braunschweig kooperiere das JKI im Rahmen einer Untersuchung, wie sich die Bahngleisgestaltung auf die Vielfalt und Häufigkeit von Wildbienen auswirke sowie seit 2019 im Projekt „Bienenstadt Braunschweig“, das im gesamten Stadtgebiet Maßnahmen zur Förderung und zum Schutz von Wildbienen umsetze. Im Projekt „CliMax“ mit verschiedenen Kooperationspartnern inkl. der Stadt Braunschweig würden die Speicherung von Kohlenstoffdioxid sowie der Wasserhaushalt von Stadtbäumen untersucht. Zusammen mit der Lebenshilfe Braunschweig habe das JKI im Rahmen des Projektes „Open Cultures“ eine grüne Oase geschaffen, die eine hohe Biodiversität aufweise. In dem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Projekt „RePhoR - P-Net“, u.a. in Kooperation mit den Stadtwerken Braunschweig, beschäftige sich das JKI damit, wie Phosphat aus dem Klärsystem gewonnen und als Dünger eingespeist werden könne.
Herr Prof. Dr. Hallmann bedankt sich für die Einladung in den Ausschuss und die Kooperation in den verschiedenen Projekten und weist darauf hin, dass sich das JKI im November 2025 im Wissenschaftsschaufenster der Stadt Braunschweig präsentieren werde.
Ratsfrau Schütze fragt, warum Braunschweig als größter Standort des JKI nicht den Hauptstandort des JKI darstelle, sondern Quedlinburg, und wie sich der Braunschweiger Standort von den anderen unterscheide.
Herr Prof. Dr. Hallmann antwortet, aus den vier Forschungsressorts des BMLEH sei bereits das Johann Heinrich von Thünen-Institut mit Hauptstandort in Braunschweig und damit in Niedersachsen verortet. Deshalb habe man für das JKI den Hauptsitz in einem anderen Bundesland, hier Sachsen-Anhalt, auswählen müssen, obwohl das JKI in Braunschweig die meisten Personen beschäftige und ein Drittel der JKI-Fachinstitute sowie die größte Verwaltungseinheit vorweise. Die Forschung der JKI-Standorte richte sich nach ihrer Eignung für die jeweils zu untersuchenden Kulturpflanzen.
Ratsherr Stühmeier fragt, welche Möglichkeiten Herr Prof. Dr. Hallmann zu einer weiteren Kooperation des JKI mit der Stadt Braunschweig bzw. zu einer stärkeren Vernetzung in der Wissenschaftsstadt Braunschweig sehe.
Herr Prof. Dr. Hallmann antwortet, man sei für Forschungsfragen offen und versuche, diese nachzuverfolgen. Entwickele sich daraus mehr, müsse das JKI Finanzierungsquellen für solche neuen Forschungsansätze suchen. Mögliche Finanzierungsquellen seien das Land Niedersachsen, die Stadt Braunschweig, die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) oder das BMLEH. Ein für die Stadtgesellschaft interessantes Thema sei z.B. das „urbane Grün“.
Ratsfrau Glogowski-Merten bedankt sich für den Vortrag. Insbesondere die Kooperation zwischen JKI und der Stadt Braunschweig in Bezug auf Wildbienen gefalle ihr gut. Sie fragt, inwiefern das JKI mit Schulen kooperiere.
Herr Prof. Dr. Hallmann antwortet, das JKI bewerbe die Kooperation mit Schulen bereits. Am JKI könnten durch Schulen Termine gebucht werden, z.B. für Praxisprojekte für Biologie-Leistungskurse; das JKI werde aber selten durch Schulen angefragt. Man sei offen für Vorschläge, wie man die „Wissenschaft zum Anfassen“ besser bewerben könne.
Ausschussvorsitzender Böttcher bedankt sich bei Herrn Prof. Dr. Hallmann für den Vortrag.
Es liegen keine weiteren Wortbeiträge vor.
Anlagen
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1
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(wie Dokument)
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7,9 MB
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