Rat und Stadtbezirksräte

ALLRIS - Auszug

26.02.2026 - 3.3 Vorstellung der Jugend- und Drogenberatung Brau...

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Wortprotokoll

Herr Radamm und Herr Kregel stellen die in der Anlage beigefügte Präsentation zur Drogenberatungsstelle in Braunschweig vor.

 

Frau Mundlos bezieht sich auf den anstehenden Trägerwechsel und fragt zum Verständnis nach, warum sich der Zugriff auf überregionale Angebote ändern werde. Gleichzeitig erkundigt sie sich nach den bestehenden Brennpunkten in Braunschweig.

 

Herr Radamm gibt an, dass der Paritätische von Teilträgern Einzelberatungsstellen als einziges Angebot im Suchtbereich Steuern übernehmen könne. Dort seien mangelnde Expertise in der Führung der Fachstellen sowie in der Weiterentwicklung der Angebote aufgefallen. In der Suchthilfe herrsche dauerhaft eine bewegte Entwicklung, die schnellstmöglich wahrgenommen werden müsse. Eine Änderung der Personalstellen werde nicht beabsichtigt.

 

Herr Kregel ergänzt, dass Treffen an verschiedenen Schwerpunkten in Braunschweig stattfinden und sich die örtlichen Besonderheiten regelmäßig ändern würden. Durch das Café Relax bestünde eine gute Vernetzung zum Großteil des Klientel.

 

Herr Wendt fragt, wie sich die Altersstruktur beim Medikamentenmissbrauch darstelle.

 

Herr Kregel erklärt, dass der Medikamentenmissbrauch ab 14 Jahren zunehmend ansteige und über jegliche Altersgruppen verteilt sei. Bei den unter 25-Jährigen habe sich die Anzahl allerdings nahezu verdreifacht. Es bestünde eine hohe Dunkelziffer.

 

Herr Radamm fügt hinzu, dass das Thema Medikamentenabhängigkeit nur schwer greifbar sei.

 

Herr Baumgart wünscht sich eine regionale Definition, wie Braunschweig im Vergleich zu anderen Städten dastehe. Außerdem bittet er um eine Auskunft, welche Drogen Kinder und Jugendliche derzeit am Häufigsten zum Einstieg verwenden würden.

 

Herr Kregel beantwortet die zweite Frage damit, dass Drogen immer diverser und die ersten Erfahrungen oftmals über Alkohol gesammelt werden würden. Dies sei aber von der jeweiligen Peer-Group und der Präsenz in den sozialen Medien abhängig.

 

Herr Radamm ergänzt, dass vor allem Tik Tok das Thema Drogen verharmlose. Zur ersten Frage von Herrn Baumgart lässt sich sagen, dass Drogenkonsum überall stattfinde.

 

Frau Jaschinski-Gauß bittet um eine Erklärung, was sich hinter dem sogenannten „Naloxon-Spray“ verberge und welche Behandlungsmöglichkeiten für Online-Mediensüchte bestehen würden. Des Weiteren fragt Frau Jaschinski-Gauß, inwieweit Auswirkungen durch die Legalisierung von Cannabis in der Drogenberatungsstelle spürbar seien.

 

Herr Kregel erklärt, dass Naloxon-Spray ein Medikament zur Blockierung der Zugangswege zum Gehirn sei, welches über die Nase eingeführt werde. Das Spray finde Anwendung bei Menschen, die durch Opiate bewusstlos geworden seien. Das Thema Online-Mediensüchte werde seit 2017 intensiver bespielt und erstrecke sich auf Beratungsangebote für Betroffene, aber auch für Angehörige. Die Nachfrage sei hoch. Der jüngste Betroffene in Braunschweig sei gerade einmal acht Jahre alt gewesen und der älteste Betroffene bereits über 60 Jahre. Durch die Legalisierung von Cannabis habe Herr Kregel kaum Veränderungen erlebt, abgesehen von weniger gerichtlichen Zuweisungen im Jugendbereich. Das Thema sei jedoch häufig Inhalt in Beratungsgesprächen.

 

Frau Glogowski-Merten benennt das in den sozialen Medien präsente Thema Medienverbot, welches ab einem bestimmten Alter eingeführt werden solle und bittet diesbezüglich um eine Einschätzung.

 

Herr Kregel berichtet von einem vor Kurzem aktualisierten Diagnosekatalog, der eine bessere Einordnung der medienbezogenen Verhaltensweisen ermöglichen solle. Er stünde einem Medienverbot skeptisch gegenüber und erwarte eine stärkere Regulation seitens der Entwickler, damit gewisse Mechanismen unterbunden werden könnten. Suchtprävention und Aufklärungsarbeit würden zur Sensibilisierung des Themas beitragen, wobei rechtliche Vorgaben ebenfalls hilfreich sein können.

 

Herr Radamm verweist auf ein Positionspapier zum Thema Medienverbot, welches aktuell auf der Internetseite des Paritätischen zu finden sei.

 

Herr Winckler merkt an, dass ursprünglich eine 50/50 Finanzierung seitens des Landes und der Stadtverwaltung beschlossen worden sei. Während der Betrag der Stadtverwaltung dynamisiert werde, bleibe der Betrag des Landes unverändert. Eine Angleichung sei zwingend erforderlich.

 

Frau Kleinekathöfer erkundigt sich, welche Präventionsstrategien von der DROBS bevorzugt und welche tatsächlich Erfolge erzielen würden.

 

Herr Kregel bezeichnet den Schulbereich als wichtigen Kooperationspartner, um frühzeitig mit jungen Menschen in Kontakt treten zu können. Anstatt suchtspezifisch vorzugehen, versuche man bereits vorab die mentale und psychische Gesundheit von Jugendlichen zu stärken, bevor eine Abhängigkeit entstehe.

 

Herr Radamm legt den Fokus auf die Erhöhung der Reichweiten, da trotz zahlreicher Schulbesuche bei Weitem nicht alle Schüler erreicht werden würden. In einigen Landkreisen sei das bundesweite Programm „Verrückt – Na und?“ angebracht worden, welches gut für die Sensibilisierung bei jungen Menschen ankommen würde.

 

Herr Stühmeier nimmt Bezug auf ein im Vortrag erwähntes Pilotprojekt mit 16 Beteiligten und fragt nach weiteren Besonderheiten, die die Stadt Braunschweig in dem Bereich vorweisen könne. Gleichzeitig interessiert sich Herr Stühmeier für die Süchte, die am häufigsten in Braunschweig auftreten würden.

 

Herr Kregel benennt einen stetigen Wandel, hebt jedoch die Präsenz der Droge Crack im niedrigschwelligen Bereich hervor. Vor einigen Jahren hätten noch synthetische Drogen im Vordergrund gestanden, weshalb man sich nicht spezifisch auf eine bestimmte Substanz vorbereiten könne. Auf neue Phänomene müsse man auf der Aufklärungsseite schnellstmöglich reagieren können.

 

Herr Wendt möchte wissen, ob die DROBS Wünsche an die Politik habe, was präventiv in Braunschweig optimiert werden könne.

 

Herr Kregel hebt hervor, dass genügend Personal vorhanden sein müsse, um alle Bedarfe decken zu können. Für Schulen sei entscheidend, dass von Seiten der Politik eine Erwartungshaltung geschaffen werde, die Themen Prävention und mentale Gesundheit stärker in den Blick zu nehmen und ein Bewusstsein dafür zu schaffen, dass die DROBS als Kooperationspartner jederzeit bereit stünde, um Angebote zu initiieren. Zusammengefasst müsse folglich flächendeckender gehandelt werden, auch in Bereichen wie der Jugendhilfe.

 

Frau von Knobelsdorff interessiert sich für die Häufung von Drogenabhängigkeit bei über 60-Jährigen.

 

Herr Kregel berichtet von Vorläufen, die teilweise über mehrere Jahrzehnte andauern würden. Der Anstieg sei allerdings nicht so hoch wie im Jugendbereich.

 

Herr Radamm ergänzt, dass die genannte Altersgruppe vermutlich eine hohe Dunkelziffer aufweise und durch die zunehmende Einsamkeit im Alter auch die Suchtanfälligkeit steige.

 

Frau Ihbe möchte wissen, inwieweit die DROBS eine stärkere Zusammenarbeit zwischen Schulen, der Jugendhilfe und weiteren Akteuren initiieren und wie die Politik dabei unterstützend tätig sein könne. 

 

Herr Kregel erklärt, dass ein Austausch mit den genannten Akteuren und auch mit dem Arbeitskreis Suchtprävention sowie dem Braunschweiger Präventionsrat bereits bestehen würde. Die DROBS werde bei Bedarf auf die Politik zugehen.

 

Herr Radamm berichtet abschließend, dass Schnittstellenthemen in den kommenden Jahren anders besetzt werden müssten und dies die größte Herausforderung darstellen werde. Das System müsse optimiert werden.

 

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