Rat und Stadtbezirksräte

ALLRIS - Vorlage

Stellungnahme - 15-00427-01

Reduzieren

Beratungsfolge

Reduzieren

Sachverhalt

Sachverhalt:


Braunschweig kann bereits heute einen sehr guten Modal Split, also die Verteilung des Transportaufkommens auf die verschiedenen Verkehrsmittel, aufweisen. Aber da jeder gute Wert noch weiter verbessert werden kann, gibt es derzeit zahlreiche Anstrengungen, um beispielsweise den Fahrradverkehr in der Stadt weiter zu stärken.

Während in früheren Jahren das Fahrrad fast ausschließlich in der Freizeit und für kleinere Besorgungen genutzt wurde, ist es heute - auch bei der breiten Masse der Bevölkerung - ein vollwertiges Verkehrsmittel. So ist es oftmals für den Weg zur Arbeit oder zu Veranstaltungen in der Stadt erste Wahl. Mit dem Wert des Fahrrades steigt in der Regel beim Besitzer auch die Bereitschaft, für die sichere Unterbringung einen kleinen finanziellen Beitrag zu leisten. Denn wer möchte sein hochwertiges Rad schon gerne an einer schlecht einzusehenden, dunklen Ecke an einen Anlehnbügel schließen?

Eine gute Antwort auf diese Frage scheinen einige Firmen gefunden zu haben, die nun sogenannte Fahrradparkhäuser mit Platz für über 100 Fahrräder bauen. Wenn diese ansprechend gestaltet sind, können sie nicht nur städtebaulich einen Gewinn darstellen sondern auch eine gute Möglichkeit sein, um sein Rad vor Vandalismus, Diebstahl und Wetterkapriolen zu schützen.

Vor diesem Hintergrund fragen wir die Verwaltung:

1. Welche Standorte sind aus Sicht der Verwaltung für den Bau eines Fahrradparkhauses geeignet, kann beispielsweise am Hauptbahnhof eine Kooperation mit der Deutschen Bahn AG eingegangen werden?

2. Ist es nach Ansicht der Verwaltung möglich, dass beispielsweise die Stadthalle Braunschweig Betriebsgesellschaft mbH bei der geplanten Umgestaltung des Umfeldes der Stadthalle oder an der Volkswagenhalle ein Fahrradparkhaus errichtet?

3. Wie kann die Refinanzierung der Bau- und Betriebskosten eines Fahrradparkhauses aussehen?

Stellungnahme der Verwaltung:

 

Die meisten Fahrradparkhäuser befinden sich an Bahnhöfen. Fahrradstationen mit Bewachung und Serviceangebot gehören mittlerweile in mehr als 100 deutschen Städten zur Grundausstattung des Bahnhofs.

 

In Braunschweig gibt es mit der von der AWO betriebenen Radstation am Hauptbahnhof ein Fahrradparkhaus, das gut angenommen wird. Die Fahrradstation bietet neben der bewachten Abstellmöglichkeit für bis zu 471 Fahrräder Serviceangebote wie Pannenservice, Inspektion, Reinigung und eine Fahrradvermietung.

 

Die Fahrradstation am Hauptbahnhof ist zu rund 80% ausgelastet. Obwohl dort regelmäßig noch freie Abstellplätze verfügbar sind, werden im Umfeld des Hauptbahnhofs in großer Zahl Fahrräder wild und teilweise behindernd abgestellt. Das Thema ist allgemein bekannt.

 

Diese Situation macht deutlich, dass Fahrradparkhäuser allein das Fahrradparken nicht lösen können. Fahrräder werden vielfach unmittelbar am Ziel oder direkt am Weg dorthin abgestellt. Umwege und Aufwand für das Einstellen in ein Fahrradparkhaus, teilweise sicherlich auch die Kosten für das Einstellen, nehmen offensichtlich viele Radfahrende nicht auf sich. Selbst am Münsteraner Hauptbahnhof – dort gibt es mit 3.300 Plätzen die größte Fahrradstation Deutschlands – stehen weiterhin Massen von Fahrrädern an jeder erdenklichen Stelle.

 

Die Stadt Braunschweig verfolgt daher vorrangig ein anderes Konzept. Hochwertige Fahrradständer mit guter Anschließmöglichkeit werden dezentral im Stadtgebiet installiert. Die Standorte ergeben sich durch tatsächlich abgestellte Fahrräder, durch Hinweise aus Bevölkerung und Politik und durch eigene planerischen Überlegungen.

 

In der Innenstadt wurden an vielen größeren Standorten rund um die Fußgängerzone Fahrradabstellanlagen eingerichtet. Damit wird erreicht, dass die Fußgängerzone weitgehend von abgestellten Fahrrädern freigehalten wird. Die Abstellmöglichkeiten am Rand der Fußgängerzone werden nach Bedarf erweitert.

 

 

Zu 1.: Am Hauptbahnhof wird die Gesamtsituation derzeit erneut überprüft. Ziel ist die Schaffung weiterer dezentraler hochwertiger Abstellanlagen. Einige sollen nach Möglichkeit überdacht werden. Konkrete Überlegungen gibt es im Bereich des Südausgangs des Hauptbahnhofs. Die Planungen werden eng mit der Deutsche Bahn AG abgestimmmt.
 

Standorte für ein Fahrradparkhaus abseits des Hauptbahnhofs werden von der Verwaltung nicht geprüft, da dort ein wirtschaftlicher Betrieb ebenfalls nicht zu erwarten ist.
 

Kleinere Parkhauslösungen gibt es aber durchaus. So betreibt die Firma Fahrrad Hahne das Fahrradparkhaus im Welfenhof. Fahrräder können im Laden abgegeben werden. Von einem Mitarbeiter wird das Fahrrad dann im Parkhaus abgestellt.

 

Zu 2.: Grundsätzlich wäre es möglich, im Umfeld der Stadthalle oder an der Volkswagenhalle ein separtes Fahrradparkhaus einzurichten. Hier gelten aber im Wesentlichen die gleichen Einschätzungen zur Wirtschaftlichkeit. Eine nennenswerte Auslastung wäre dort nur während Veranstaltungen zu erwarten. An der Stadthalle stehen derzeit im unteren Parkdeck bereits 73 überdachte Fahrradhalterungen zur Verfügung. Im Rahmen der angedachten Umbaumaßnahmen an der Stadthalle (Hotel und Parkhaus) ist die Erhaltung der Fahrradstellplätze wie bisher vorgesehen.

 

Die Volkswagen-Halle verfügt im nördlichen Bereich über 350 Fahrradstellplätze.

 

Die Stadthalle Braunschweig Betriebsgesellschaft mbH schätzt die vorhandenen Fahrradabstellmöglichkeiten an der Stadthalle und an der Volkswagen-Halle als ausreichend ein.

 

Zu 3.: Je nach Größe und Betriebsmodell ist mit Baukosten von weit über 1 Mio. € für 500 Fahrräder zu rechnen. Für den Bau von Fahrradabstellanlagen am Hauptbahnhof ist eine Förderung aus Landesmitteln grundsätzlich möglich. Dies wird im Rahmen der aktuellen Überprüfungen mit berücksichtigt. Der Betrieb eines Fahrradparkhauses ist nach derzeitigem Kenntnisstand nicht förderfähig. Vorrangig verfolgt die Verwaltung daher weiterhin das Konzept dezentraler hochwertiger Abstellanlagen außerhalb von Parkhäusern.


 

 

Loading...

Erläuterungen und Hinweise