Rat und Stadtbezirksräte

ALLRIS - Vorlage

Anfrage (öffentlich) - 16-01884

Reduzieren

Beratungsfolge

Reduzieren

Sachverhalt

In den letzten Wochen sind an uns von verschiedener Seite Beschwerden wegen zahlreicher Baumfällungen an uns herangetragen worden, bei denen eine nachhaltige Schädigung des Baumes oder seiner Äste nicht erkennbar waren (z.B. Ebertallee, Thiedestraße,  Salzburger Straße, Juteweg, Kalenwall  u.v.a.m.)  

http://www.braunschweig-spiegel.de/index.php/politik/politik-umwelt/6414-baumfaellungen-salamitaktik-in-riddagshausen

 

http://www.stadtreporter.de/braunschweig/news/verschiedenes/baumfaellungen-an-der-salzburger-strasse-in-braunschweig

 

http://lehndorf-bs.de/?p=303

 

Die betroffenen Bäume hatten i.d.R. einen Stammdurchmesser von mehr als 100 cm.

Mit der Fällung solcher Bäume dieser Größe gehen nicht nur Klimaschutzleistungen verloren, sondern Bäume dieser Größe sind Zentren biologischer Vielfalt, indem sie mehreren hundert Insektenarten Lebensraum bieten.

Die Fällungen werden von der Stadt i.d.R. angekündigt und als Grund für die Fällungen werden oft Gefährdungstatbestände angegeben wie z.B. abbrechende Äste, fehlende Standsicherheit, Schäden an Gehwegen etc.

Dennoch wird vielfach von Bürgerinnen und Bürgern das tatsächliche Vorliegen der angegebenen Schäden und Gefährdungen angezweifelt und als vorgeschoben betrachtet.

Solche Einschätzungen werden genährt durch Erfahrungen von BürgerInnen, wenn sie mit den von der Stadt mit den Fällungen beauftragten Personen ins Gespräch kommen wollen und die Ursache der Fällungen erfahren wollen.

 

So berichtet der Besitzer eines Kleingartens am Juteweg (Namen und Kontaktinformation der Fraktion bekannt), an dem über 60 Jahre alte (nach Aussagen der Bürger gesunde) Pappeln  gefällt wurden,  von einem Gespräch mit dem städtischen Mitarbeiter (nähere Beschreibung möglich) sinngemäß: Auf seine Frage, warum diese Bäume gefällt würden, obwohl sie gerade an dieser Stelle durch ihre Größe dem Entstehen von Hochwässern entgegenwirken würden, sinngemäß etwa folgende Antworten

-          die Bäume können nicht jedes Jahr beschnitten werden, das würde zu viel kosten

-          für ihn seien Pappeln sowieso nur Unkraut

-          er (der Bürger) solle sich nicht einmischen, über die Fällung entscheide er (der städtische Mitarbeiter).

Nach Aussagen des Zeugen, ging  die Fällung allein auf die Beschwerde eines anderen Gartenbesitzers zurück, der befürchtet größere Äste könnten auf sein Grundstück fallen.

Wenn wir davon ausgehen, dass das Gespräch tatsächlich annähernd in dieser Form stattgefunden hat, nährt es natürlich in sensiblen Bevölkerungskreisen den Verdacht, dass Entscheidungen zu Baumfällungen insbesondere bei älteren Bäumen kein ernsthafter Abwägungsprozess vorausgeht, bei dem die Absicht auch ältere Bäume möglichst zu erhalten überwiegt, sondern der insgesamt arbeitstechnisch weniger aufwändigere Weg  einer Fällung bevorzugt gewählt wird.

1)      Welche Rolle spielt der Kostenfaktor und Zeitaufwand von Pflegemaßnahmen insbesondere bei älteren Bäumen (z.B.bei  einer aufwändigeren Kronenauslichtung) im Hinblick auf die Entscheidung für oder gegen das Fällen von Bäumen?

2)      Welche Möglichkeiten einer detaillierten Überprüfung der Gründe von vorgesehenen oder erfolgten Baumfällungen haben betroffene/interessierte BürgerInnen und/oder Mitglieder des Rates der Stadt Braunschweig sowohl im Vorfeld als auch im Nachgang einer Fällaktion (werden z.B. Krankheiten des Baumes durch Fachleute identifiziert und ihrem Umfang dokumentiert; werden bei älteren Bäumen in jedem Fall Zugtests durchgeführt und sind deren Ergebnisse Online verfügbar, welche automatisierten Maßnahmen einer „Qualitätskontrolle“ städtischer MitarbeiterInnen im Zusammenhang mit Entscheidungen für Baumfällungen gibt es bzw. sind denkbar)?

3)      Die Ankündigung von bevorstehenden Baumfällungen auf städtischen Webseiten oder in der Zeitung mit oft sehr allgemeinen und extrem kurz gefassten Begründungen sind unbefriedigend. Die mit den Baumfällungen beauftragten MitarbeiterInnen der Stadt offenbar nicht im Umgang mit besorgten BürgerInnen nicht geschult. Wie kann die Kommunikation mit dem Bürger im Zusammenhang mit Baumfällungen verbessert werden und die BürgerInnen vor Ort stärker in diese Entscheidungen mit einbezogen werden?

Gez.

Dr. Dr. habil. Wolfgang Büchs

Fraktionsvorsitzender
 

 

Loading...

Erläuterungen und Hinweise