Rat und Stadtbezirksräte

ALLRIS - Vorlage

Stellungnahme - 16-01929-01

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Sachverhalt

Sachverhalt:

Zur Anfrage der Fraktion der Piratenpartei im Rat der Stadt vom 01.04.2016 (16-01929) wird wie folgt Stellung genommen:

 

Auf die ursprüngliche Anfrage der Fraktion der Piratenpartei vom 27.04.2015 über den Verbleib von zur Sammlung des Städtischen Museums Braunschweig gehörenden Bronze-Statuetten der „Braunschweiger Originale“ Harfen-Agnes, Deutscher Herrmann, Rechen-August und Teeonkel, teilte das Museum am 18. Juni 2015 mit, dass vier Statuetten im Museum nicht auffindbar seien.

 

Die damals, unmittelbar nach Eingang der Frage der Fraktion der Piratenpartei begonnene Durchsicht der Objektdatei verzeichnete für das Jahr 1993 die Inventarisierung von sieben im Depot aufgefundenen Statuetten des Künstlers Hans Bethmann (1873 – 1946):

 

-          Harfen-Agnes [Adolphine Schosnowski, 1866-1939], Bronze, Höhe 22 cm

 

-          Deutscher Herrmann [Julius Skasa, seit 1875 in Braunschweig nachweisbar, gest. 1927], Bronze, Höhe 21,5 cm

 

-          Rechen August [August Tischer, 1882 – 1928], Bronze, Höhe 25 cm

 

-          Tee-Onkel [Alfred Kühner, 1872 – 1945], Bronze, Höhe 21,5 cm

 

-          Statuette eines gebeugt Gehenden [Maler August Stockmann?, 1828 - 1906], Gips, Höhe 23,5 cm

 

-          Statuette eines Mannes mit Korb vor dem Bauch [wohl Waldmeister Degering], Gips, Höhe 24 cm

 

-          Statuette eines sich umblickenden Mannes mit geballter Faust [wohl Waldmeister Degering], Gips, Höhe 19 cm

 

Während sich die Statuetten aus Gips an ihrem Standort im Depot befanden, ließen sich die vier bronzenen Statuetten nicht auffinden. Das dortige Fehlen der vier Statuetten wurde erst durch die Recherche bekannt.

 

In der Kartei war als Standort „Altstadtrathaus“ benannt, weil die Statuetten am 9. Februar 1992 für die Ausstellung „Geschichte der Stadt Braunschweig“ für das Altstadtrathaus angefragt wurden. Die Inventur der im Altstadtrathaus ausgestellten Werke von 2010 wies die Statuetten jedoch nicht aus.

 

Nach Beantwortung der Anfrage im letzten Jahr wurde nach dem Verbleib der Statuetten weiterhin kontinuierlich geforscht.

 

Die Muserie, in der die Statuetten zuletzt ausgestellt waren, wurde in den Jahren 1999 und 2000 umgebaut, dafür wurden die Statuetten für den Umbau aus der Ausstellung genommen und in ein Depot verbracht.

 

Die Recherche konzentrierte sich aufgrund der Zuordnung der bildhauerischen Arbeiten von Bethmann zunächst auf die Bereiche Kunstgewerbe, Großskulpturen und insbesondere Skulpturen in den Depots im Haupthaus. Neben der Suche in den Depots wurden parallel Verkaufsangebote im Kunsthandel, im Internet und bei Auktionen beobachtet, weil nicht ausgeschlossen werden konnte, dass die Statuetten möglicherweise nicht mehr im Haus waren.

 

Nach Durchsicht aller für das einschlägige Sammlungsgebiet genutzten Magazine im Haupthaus wurde auch in der Sammlung nach 1945 gesucht, die aus Mangel an Depotfläche seit Jahren verpackt im Außendepot in der Petzvalstraße lagert, zumal durch die Sanierung der Depoträume im Haus am Löwenwall/ Dachgeschoss 2015 große Teile der Sammlung verpackt und ausgelagert waren.

 

Die in der Petzvalstraße gelagerten 40 Kisten wurden Stück für Stück und Objekt für Objekt ausgepackt. In einer der letzten Kisten befanden sich die gesuchten Bronzestatuetten, perfekt verpackt in einem Karton. Die originale Ausstellungsbeschriftung aus dem Altstadtrathaus lag bei.

 

Für die Zukunft wird versucht sicherzustellen, dass derartige Unauffindbarkeiten von Museumsbeständen ausgeschlossen ist. Hierzu wird seit dem Jahr 2016 die Datenbank „kuniweb“ eingesetzt. Sie wird künftig die wissenschaftliche Erfassung, die Verwaltung und das Magazinieren der Objekte erleichtern und die Recherche nach dem Standort der Objekte obsolet werden lassen.

 

Das heißt, für jedes Objekt, welches in das Museum kommt oder es verlässt, oder auch, wie in diesem Fall, temporär eingelagert wird, muss eine Objektdatei angelegt werden. Zu den Grunddaten zählen Angaben wie Künstler, Titel, Datierung, Größe, Signatur und Standort. Falls vorhanden, werden auch Zugangsdaten wie Lieferdatum, Rechnungsnummer, Adresse oder Versicherungswert eingetragen, sodass auch buchhalterische Angaben über Ankäufe, Schenkungen u.a. sofort einsehbar sind. In eigenen Eingabefeldern können Daten für die Restaurierung und den Leihverkehr eingeschrieben werden. „kuniweb“ ist eine Online-Datenbank und erlaubt wie in der modernen Lagerhaltung üblich, den Zugriff auf die Dateien von vielen Standorten aus. Seit Anfang 2016 tragen die Mitarbeiter im Magazin die Verlagerung eines Objektes sofort in die Objektdatei ein. Jeder Eintrag wird vom System mit Datum protokolliert und erlaubt so einen wesentlich verbesserten Überblick über das Depot und den Objektstandort.

Wäre dieses IT-System bereits bei der Einlagerung der Statuetten in Betrieb gewesen, wäre vor Ort eine präzise Hinterlegung des Objektstandortes möglich und neben der aktuellen Verortung auch die handelnden Personen nachvollziehbar gewesen.
 

 

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