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ALLRIS - Vorlage

Mitteilung - 16-02245

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Sachverhalt

Sachverhalt:


Hintergrund des Vorhabens

 

Seit 2008 erfasst die Braunschweig Stadtmarketing GmbH (BSM), unterstützt durch den Arbeitsausschuss Innenstadt Braunschweig e. V. (AAI), die Frequenzen an sechs, seit 2010 an acht Punkten der Innenstadt. Die Messung wird seither jährlich Mitte Oktober an drei Tagen (Donnerstag, Freitag, Samstag) von 09:00 bis 20:00 Uhr an den gleichen Standorten (Langer Hof, Damm, Sack, Schuhstraße, Hutfiltern, Schlossplatz Portikus, Schlossplatz Ringerbrunnen, Ausgang Schloss-Arkaden Richtung Magniviertel) durchgeführt. Ziel war es zunächst, nach Ansiedlung der Schloss-Arkaden die Vitalität der Haupteinkaufsstraßen der Innenstadt, gemessen an der Besucherfrequenz, zu beobachten, um bei Bedarf auf etwaig entstehende Frequenzverschiebungen reagieren zu können. Auch sollte eine validere Grundlage geschaffen werden, als die gelegentliche, wenige Stunden umfassende Frequenzzählungen von Maklerunternehmen liefern. Aktuell ist die Frequenzmessung aber auch ein wichtiges Instrument, um Auswirkungen des Online-Handels auf die Innenstadtfrequenzen zu erfassen. Hier sind in den letzten Monaten bedauerlicherweise durch Branchenverbände die Frequenzen im Einzelhandel mit den Frequenzen in den Innenstädten gleichgesetzt worden.

Die pauschale Schlussfolgerung, die Frequenzen in den deutschen Innenstädten seien generell rückläufig, kann für Braunschweig nach den erfassten Zahlen nur als fehlerhaft bezeichnet werden. Nach acht Jahren kann zusammenfassend festgestellt werden, dass sich die Frequenzen in den erfassten Einkaufslagen an den Haupteinkaufstagen von Donnerstag bis Samstag stabil entwickelt haben und nennenswerte Verschiebungen oder strukturelle Frequenzverluste in Summe nicht zu erkennen sind.

 

Die Potenziale der Dateninterpretation einer manuellen, dreitägigen Zählung im Jahr sind begrenzt. Mittlerweile gibt es jedoch aufgrund der fortschreitenden technischen Möglichkeiten unterschiedliche Methoden, Passantenströme dauerhaft und präzise zu erfassen. Diese Techniken bieten zudem eine nahezu echtzeitbasierte Auswertungsmöglichkeit der Daten und sind dabei dennoch datenschutzrechtlich unbedenklich.

 

Mit Blick auf die Digitalisierung und Technisierung unserer Lebenswelt sowie die Vorteile einer digitalen Zählung, soll die manuelle Erfassung der Passantenströme in der Braunschweiger Innenstadt künftig durch eine technisch innovativere Lösung ersetzt werden.

Die Braunschweig Stadtmarketing GmbH tritt hierbei als Projektträger auf, unterstützt durch den Arbeitsausschuss Innenstadt Braunschweig e. V. und die Werbegemeinschaft Schloss-Arkaden. Ausführender Dienstleister ist die Firma LASE Peco GmbH, die auf entsprechende Erfahrungswerte im Rahmen ähnlicher Projekte (u. a. Frequenzmessung Osnabrück und Wesel) zurückgreifen kann.


 

Vorteile

 

Die Vorteile, im Vergleich zur manuellen Zählung, liegen bei der Ausdehnung des Erhebungszeitraumes (von drei auf 365 Tage), in der Messgenauigkeit (manuell: ~70%, digital: ~ 99%) und in der gewonnenen Datenmenge, die aufgrund Ihres Umgangs und der technischen Rahmenbedingungen bessere Auswertungs- und Anwendungsmöglichkeiten bietet.

 

Die o.g. Vorteile der Lasermessung stellen sich auch im direkten Kosten-/Nutzenvergleich positiv heraus. So liegen die Kosten der lasergesteuerten Messmethode im Vergleich zur manuellen Zählung auf etwas höherem Niveau (10.600,00 Euro p.a. zu 8.500,00 Euro p.a. exkl. Personalkosten), liefern dafür aber umfangreichere und genauere Ergebnisse.

 

Ziele

 

Das Ziel der Umstellung ist der Ausbau der bestehenden Datengrundlage, welche im Rahmen der Längsschnittstudie erhoben wurde, um deren Nutzungsmöglichkeit deutlich zu erweitern. Die gewonnenen Daten stellen aufgrund ihrer Breite und Tiefe ein wesentlich ergiebigeres Kontroll- und Vergleichsinstrument für die Innenstadtentwicklung dar und können zu unterschiedlichen Betrachtungszwecken herangezogen werden:

 

-Vergleich von Wochentagen mit Wochenenden

-Vergleich von Wochentagen oder Wochenenden mit und ohne Innenstadtveran-staltungen

-Vergleiche unter Berücksichtigung von Wettereinflüssen

-Detaillierter Vergleich von Tagesverläufen mit und ohne Innenstadtveranstaltungen

-Bewertung der Magnetwirkung von Veranstaltungen und / oder Innenstadtmaßnahmen durch den Vergleich mit Tagen oder Aktion

-Auch können die quantitativen Daten durch die Verknüpfung mit anderen Erhebungen, wie zum Beispiel der qualitativen Besucherbefragung der BSM, verknüpft werden, um eine verlässliche Grundlage zur Bewertung der Innenstadt zu schaffen. Dies war bisher aufgrund unterschiedlicher Erhebungszeiträume nicht möglich.

 

Smart-City-Ansatz

 

Diese und weitere Anwendungsbeispiele lassen sich in den Smart-City-Ansatz einordnen.

Die intelligente Stadt der Zukunft, genannt Smart-City, zeichnet sich insbesondere durch die Verschmelzung von Versorgungsnetzen (Energie, Kommunikation, Mobilität, Transport, usw.) in einer intelligenten und hochgradig vernetzen Infrastruktur aus. Die lasergesteuerte Frequenzmessung kann, speziell für den Bereich der Innenstadt-Fußgängerzone, zur Schaffung einer Datengrundlage dienen, die auf vielfältige Weise interdisziplinär genutzt werden kann:

 

-Verbesserung von Servicemaßnahmen in der Innenstadt (bspw. Anpassung der
Anzahl an Mülleimern und deren Leerungsintervalle an das Besucheraufkommen)

-Nutzung der Messdaten zur Anpassung der Angebote in den Bereichen ÖPNV oder Parkplatzangebote

-Nutzungen der Daten, bspw. im Rahmen eines Big Data / Open Data Projektes

 

Die lasergesteuerte Frequenzmessung berücksichtigt vollumfänglich die Aspekte Datenschutz und Privatsphäre, d.h. es werden keine personenbezogenen Daten erfasst oder gespeichert.

 

Als Anschubfinanzierung soll eine Förderung in geringem Umfang (4.500,00 €) aus den Projektmitteln des Smart-City-Budgets der Stadt Braunschweig beantragt werden. Diese Förderung soll für die anfallenden einmaligen Installationskosten (siehe Punkt 4) sowie für Beratungskosten genutzt werden.


 

Datenauswertung

 

Die bestehende Möglichkeit, die von den Laserscannern erhobenen Daten jederzeit über ein Online-Portal abzurufen, ermöglicht eine hochgradig flexible und selbst gestaltbare Auswertung. Bisher hat die BSM einmal im Jahr die Daten der manuellen Messung dem AAI und der Öffentlichkeit auszugsweise vorgestellt. Künftig wird es aber möglich sein, anlassbezogen – zum Beispiel unmittelbar nach einem verkaufsoffenen Sonntag – Daten auszuwerten und zu vergleichen. Dies ermöglicht einen großen Handlungsspielraum.


Zunächst ist eine Auswertung je Quartal geplant, wobei hier auch die verkaufsoffenen Sonntage Berücksichtigung finden werden. Darüber hinaus können Daten und Diagramme je nach Bedarf ausgelesen werden, sodass die Frequenzen flexibel in jeglicher Pressearbeit aufgegriffen werden können.

Erweiterungsmöglichkeiten

 

Im Rahmen der Projektentwicklung wurden bereits Erweiterungsmöglichkeiten thematisiert, welche bei entsprechender personeller, finanzieller bzw. technischer Umsetzbarkeit eine Erfassung der Frequenzen in weiteren wichtigen Hauptlauflagen in der Kerninnenstadt sowie in angrenzenden Bereichen, zum Beispiel Magniviertel oder Altstadt, berücksichtigt. Hierbei handelt es sich jedoch um Ausbaustufen, welche derzeit noch nicht im Fokus stehen.

 

Finanzierung

 

Für den angesetzten Leasingzeitraum von fünf Jahren ergibt sich folgender Mittelbedarf mit entsprechender Ergebnisprognose. Hierbei wurde keine Erweiterung des Citymonitorings um weitere Messpunkte berücksichtigt, da diese erst bei einer entsprechenden Refinanzierung umsetzbar sind. Zudem sind in der Kalkulation keine Personalkosten (BSM) erfasst.

 

 

Jahr 1

Jahr 2

Jahr 3

Jahr 4

Jahr 5

Installationskosten

3.900,00 €

0,00 €

0,00 €

0,00 €

0,00 €

Rechts- und Beratungskosten

2.000,00 €

500,00 €

500,00 €

500,00 €

500,00 €

Leasingkosten

6.600,00 €

6.600,00 €

6.600,00 €

6.600,00 €

6.600,00 €

Betriebskosten

665,00 €

665,00 €

665,00 €

665,00 €

665,00 €

Wartung / Unvorhergesehenes

2.835,00 €

2.835,00 €

2.835,00 €

2.835,00 €

2.835,00 €

Gesamtkosten

16.000,00 €

10.600,00 €

10.600,00 €

10.600,00 €

10.600,00 €

 

 

 

 

 

 

BSM (exkl. Personalkosten)

3.000,00 €

3.000,00 €

3.000,00 €

3.000,00 €

3.000,00 €

Mittel Dritte

8.500,00 €

7.600,00 €

7.600,00 €

7.600,00 €

7.600,00 €

Smart-City

4.500,00 €

0,00 €

0,00 €

0,00 €

0,00 €

Gesamteinnahmen

16.000,00 €

10.600,00 €

10.600,00 €

10.600,00 €

10.600,00 €

Überschuss/Defizit

0,00 €

0,00 €

0,00 €

0,00 €

0,00 €

Der Posten Wartung / Unvorhergesehenes wird für mögliche Zusatzkosten, z. B. standortbezogen (z. B. Wartungsarbeiten, Gerätedeinstallation/-reinstallation), datenbezogen (z. B. zusätzliche manuelle Messung) o.ä. eingeplant.

 

In den Folgejahren erzielte Überschüsse, zum Beispiel durch den etwaigen Verkauf von Messdaten an Dritte, oder die Nichtinanspruchnahme der Mittel aus „Unvorhergesehenes“ sollen zur Installation zusätzlicher Messpunkte, oder zur Reduzierung der seitens BSM/AAI bereitgestellten Mittel verwendet werden.

 


 

Status quo

 

Nach aktuellem Stand können die Standorte Hutfiltern und Schuhstraße realisiert werden. Mit einer positiven Rückmeldung für den Standort Sack wird in den nächsten Tagen gerechnet. Verhandlungen mit verschiedenen Immobilieneigentümern für den Standort Langer Hof werden geführt. Offen ist im Moment noch der Bereich Damm, da hier bisher keine interessierten Eigentümer von Immobilien gefunden werden konnten.


Aufgrund der baulichen Struktur des Schlossplatzes bzw. der anliegenden Gebäude ist eine Erfassung durch Lasermessgeräte aktuell zu aufwendig – alternative Erhebungsmöglichkeiten sollen deshalb geprüft werden (WLAN-Tracking).

Der Messstart mit den ersten zwei bzw. drei Scannern soll schnellstmöglich erfolgen. Nach heutiger Einschätzung ist eine Inbetriebnahme im Herbst diesen Jahres realistisch. Diese hängt jedoch maßgeblich von der Reaktionszeit der Partner (Immobilieneigentümern) ab.
 

 

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