Rat und Stadtbezirksräte

ALLRIS - Vorlage

Beschlussvorlage - 16-03313

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Beratungsfolge

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Beschlussvorschlag

Beschluss:


Dem von der Verwaltung vorgelegten Konzept zur Umsetzung des Projektes „Vom Herzogtum zum Freistaat – Braunschweigs Weg in die Demokratie (1916-1923)“ wird zugestimmt.
 

 

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Sachverhalt

Sachverhalt:


Hintergrund

Am 10.12.2013 hatte der Verwaltungsausschuss der Stadt Braunschweig einen Antrag der SPD-Fraktion für die Entwicklung eines Historischen Projektes beschlossen, das sich der Geschichte von Stadt und Land Braunschweig zwischen dem Ersten Weltkrieg und dem Ende der Weimarer Republik widmen sollte (Drs.-Nr. 2907/13). Daraufhin wurde unter Beratung durch ein Expertengremium ein Konzeptpapier unter dem Titel „Vom Herzogtum zum Freistaat“ erarbeitet, das vom Ausschuss für Kultur und Wissenschaft in seiner Sitzung am 06.03.2015 zustimmend zur Kenntnis genommen wurde (Drs.-Nr. 17456/15). Die Verwaltung hatte daraufhin Gespräche mit potentiellen Partnern für die Durchführung des historischen Projektes geführt und den zu erwartenden Kostenrahmen ermittelt.

Kostenaufstellung und positive Gesprächsergebnisse wurden dem Ausschuss für Kultur und Wissenschaft im November 2015 mitgeteilt und zustimmend zur Kenntnis genommen (Drs.-Nr. 15-01251). Im ersten Halbjahr 2016 wurden die inhaltlichen und finanziellen Planungen konkretisiert. Der Ausschuss für Kultur und Wissenschaft wurde darüber am 14.04.2016 unterrichtet (Drs.-Nr. 16-01783).

 

Vor dem Hintergrund der aktuellen Haushaltssituation ist der Kostenrahmen für das Gesamtprojekt angepasst und auf den Betrag von insgesamt 250.000 € reduziert worden. Dabei wurde jedoch insbesondere darauf geachtet, die Durchführung der beiden inhaltlichen Hauptbestandteile – Ausstellung und Tagung – in ihrem geplanten Umfang sicherzustellen. Für das Jahr 2017 werden von den genannten 250.000 € bereits 35.000 Euro zur inhaltlichen Vorbereitung der Ausstellung im Städtischen Museum benötigt.

 

 

Städtisches Museum Braunschweig

Das Städtische Museum wird sich im Rahmen der Ausstellung „Vom Herzogtum zum Freistaat – Braunschweigs Weg in die Demokratie (1916 – 1923)“ an dem gleichnamigen Projekt beteiligen.

 

Der Erste Weltkrieg wird als „Urkatastrophe bezeichnet, in der das Gesellschaftsbild Europas zerstört wurde und es nach 1918 nicht gelang, den Frieden im Inneren und Äußeren wiederherzustellen. Die Ausstellung gibt eine historische Betrachtung der Geschichte von Stadt und Land Braunschweig  zwischen 1916 und 1923 unter den Vorzeichen des Deutschen Reichs. Nach dem Sieg über das Kaiserreich Frankreich in der Schlacht von Sedan wurde das Deutsche Kaiserreich am 18. Januar 1871 im Spiegelsaal von Versailles proklamiert. Es war eine „Einheit von oben“.

 

Die Frage der Volksvertretung und des Verfassungsstaates fanden bei der Reichsgründung wenig Beachtung und blieben bis zur Gründung der Weimarer Republik ein innenpolitisches Problem. Mit dem Beschluss der Sozialistengesetze 1878 forderte der monarchische Obrigkeitsstaat die Politisierung und Organisation der Arbeiterschaft heraus und ließ die Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD) schließlich zur stärksten Partei im Reichstag werden. Einer der ersten sozialdemokratischen Abgeordneten war Wilhelm Bracke. Braunschweig wurde zu einer Hochburg der Sozialdemokraten.

 

Im Ersten Weltkrieg erlaubte die gute Organisation der Arbeiter in den Betrieben eine schnelle Planung und Durchführung von Protesten. So kam es in Braunschweig bereits 1916 zu ersten Streiks. Nach der Abspaltung der Kriegsgegner in der SPD erfolgte 1917 in Gotha die Gründung der Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (USPD). In Braunschweig schlossen sich die Sozialdemokraten mehrheitlich der neuen Partei an. Zu ihnen gehörte August Merges, der am 8. November 1918 die Abdankung von Herzog Ernst August mitbewirkte und am 10. November Präsident der „Sozialistischen Republik Braunschweig“ wurde. Es bestand die Hoffnung auf einen demokratischen Neubeginn. Die politischen Umwälzungen dauerten in Braunschweig bis 1922 als mit der Gründung des Freistaats Braunschweig vorläufig eine stabile demokratische Position gefunden werden konnte.

 

Frankreich hatte 1919 bei der Pariser Friedenskonferenz eine eigene Revanche als im Spiegelsaal von Versailles von Vertretern des Deutschen Reichs der Friedensvertrag unterzeichnet werden musste. Darin wurde Deutschland die alleinige Kriegsschuld zugewiesen. Das spätere Scheitern der Weimarer Republik wird mit den  politischen Bestimmungen, Gebietsabtretungen und  Reparationsforderungen des Vertrags verbunden. Neben der sogenannten „Dolchstoßlegende“ gehörte der „Unfrieden von Paris“  bald auch zum politischen Repertoire des Adolf Hitler.

 

In einer Präsentation im Altstadtrathaus erinnert das Museum anhand Braunschweiger Biografien aus allen Gesellschaftsschichten an diese einschneidenden Jahre. Gezeigt werden persönliche Zeugnisse der Überlieferung aus Familienarchiven und den Museen der Stadt. Tagebücher, Feldpostbriefe und andere persönliche Schriftzeugnisse geben Auskunft über das Denken der Zeit. Es erlaubt einen höchst persönlichen, regional beleuchteten Blick.  In den Tagen der Novemberrevolution schreibt ein Braunschweiger: „Man muss abwarten, wie es wird.“

 

Kosten: 100.000 Euro

 

 

Wissenschaftliche Tagung und Vortragsreihe „Vom Herzogtum zum Freistaat – Braunschweigs Weg in die Demokratie (1916 – 1923)“

Die Ausstellungen werden als Angebot zur Vertiefung durch eine wissenschaftliche Tagung und eine Vortragsreihe ergänzt. Dabei werden sowohl die allgemeinen historischen Zusammenhänge als auch die Spezifika der Braunschweigischen Landesgeschichte eingehend diskutiert. Bei der Konzeption dieser Veranstaltungen wird auf eine möglichst breit angelegte Herangehensweise geachtet, die eine multiperspektivische Betrachtung erlaubt. Außerdem ist geplant, eine vergleichende Betrachtung zur Entwicklung in den anderen Ländern der Weimarer Republik vorzusehen, um das spezifisch Braunschweigische herausarbeiten zu können. Potentielle Partner sind neben den städtischen Kultureinrichtungen (Stadtarchiv, Stadtbibliothek, Städtisches Museum und Kulturinstitut) in erster Linie das Historische Seminar der Technischen Universität Braunschweig, das Institut für Braunschweigische Regionalgeschichte an der TU Braunschweig, das Niedersächsische Landesarchiv – Standort Wolfenbüttel, die Braunschweigische Wissenschaftliche Gesellschaft, der Braunschweigische Geschichtsverein sowie der Arbeitskreis Andere Geschichte. Die Ergebnisse von Tagung und Vortragsreihe werden im Anschluss publiziert.

 

Kosten: 40.000 Euro

 

 

Kulturelles Begleitprogramm: Projekte Freier Träger

Das kulturelle Begleitprogramm setzt, ganz im Interesse einer multiperspektivischen Herangehensweise an das Thema, den Schwerpunkt auf die kulturell sinnliche Annäherung an die Thematik. Unterschiedliche Institutionen und Akteure vornehmlich aus Braunschweig, bei Bedarf aber auch darüber hinaus, werden eingeladen, sich mit Beiträgen möglichst vielfältiger künstlerischer Ausdrucksformen und Kunstrichtungen an dem Kulturprojekt im Jahr 2018 zu beteiligen und so ein umfassendes und facettenreiches Gesamtbild des behandelten Zeitraums zu zeichnen.

Die Kulturschaffenden in der Stadt Braunschweig werden zum Jahresbeginn 2017 gebeten werden, geeignete Projektvorschläge zu entwickeln.

 

Kosten: 40.000 Euro

 

 

Kulturelles Begleitprogramm: Kulturverwaltung

Die Kulturverwaltung wird in Zusammenarbeit mit Kooperationspartnern (Buchhandlungen, C1 Cinema, Universum Filmtheater u. a.) eine Lesungsreihe sowie eine Filmreihe entwickeln, die auf die Ausstellungen Bezug nehmen, aber auch den Blick auf die historischen Ereignisse in anderen Staaten und das Ende des Ersten Weltkrieges richten. In der Filmreihe sind u. a. vorstellbar „Der Untertan“, filmische Auseinandersetzung mit der russischen Revolution 1917 etc.. Innerhalb der Lesungsreihe sind u. a. zu bedenken: Alfred Döblin „November 1918 – Eine deutsche Revolution“ sowie Erich Maria Remarque „Der Weg zurück“.

Weitere Vermittlungsprojekte sollen das Thema in die breite Öffentlichkeit tragen, aber auch einzelne Zielgruppen wie Schüler und Jugendliche an die Thematik heranführen.

Das Gesamtprogramm wird durch eine Eröffnungs- und eine Abschlussveranstaltung gerahmt.

Kosten: 40.000 Euro

 

Zusätzlich ist ein Ansatz von 30.000 Euro erforderlich für die zentrale Kommunikation inkl. , Bewerbung aller Projekte über Flyer, Plakate, Großflächen, Internet, touristische Vermarktung etc.
 

Darüber hinaus teilt die Verwaltung mit, dass das Schlossmuseum als eigenständiges Projekt von Oktober 2018 bis Frühjahr 2019 eine Ausstellung und Veranstaltungen über die Abdankung des Braunschweiger Herzogs präsentieren wird, die im November 1918 im Schloss stattfand. Die Tatsache, dass es sich dabei um die erste Abdankung eines deutschen Monarchen nach dem Ende des Ersten Weltkriegs handelte macht das Thema besonders öffentlichkeitswirksam.

 

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