Rat und Stadtbezirksräte

ALLRIS - Vorlage

Mitteilung - 17-04002

Reduzieren

Beratungsfolge

Reduzieren

Sachverhalt

Sachverhalt:

Mit Ratsbeschluss vom 21. Februar 2017 erfolgte der Auftrag an die Verwaltung, ein Konzept zur Errichtung einer dauerhaften Form der Erinnerung an die Euthanasieopfer im Dritten Reich zu erarbeiten und es den Gremien zu gegebener Zeit zur Beschlussfassung vorzulegen.

 

Zum aktuellen Stand in der Thematik wird Folgendes mitgeteilt:

Allein zwischen 1940 und 1941 wurden mehr als 70.000 Menschen mit Behinderungen unter Einsatz von Gas getötet. Auch Menschen aus Braunschweig wurden Opfer der Tötungsaktionen „T4“.

Die Thematik „Erinnerung an Euthanasieopfer“ wird seit einigen Jahren insbesondere von zwei Initiativen bearbeitet: einerseits von der „Initiative Denkmal Grauer Bus in Braunschweig“, andererseits von dem Verein Gedenkstätte für Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft, Braunschweiger Friedhöfe e.V.

 

Initiative Grauer Bus:
Die „Initiative Denkmal Grauer Bus in Braunschweig“ hat im Jahr 2015 im Rahmen eines großangelegten Projektes das mobile Denkmal „Grauer Bus“ für die Zeit vom 21. Mai bis zum 23. September auf dem Schlossplatz aufstellen lassen. Die Präsentation des Kunst- und Denkmal-Objektes wurde flankiert von einer Informations-Ausstellung, Recherchen zur Opfersituation und der Aufarbeitung vorhandener Materialsammlungen inkl. der Gespräche mit Nachfahren von Opfern.

Die im Rahmen des Projektes recherchierten und schriftlich dokumentierten Ergebnisse (Gästebücher, Gesprächsprotokolle, Korrespondenzen etc.) werden voraussichtlich noch in diesem Jahr dem Offenen Archiv in der Gedenkstätte Schillstraße zugeführt werden. Überdies ist die Anbringung mind. einer Texttafel an der Tafelwand der Gedenkstätte vorgesehen. Die im Rahmen der Präsentation 2015 gezeigte Ausstellung wurde zwischenzeitlich ergänzt und wird derzeit als Wanderausstellung von Schulen in Braunschweig und der Region stark nachgefragt. Auch die Recherchen zu Euthanasieopfern aus Braunschweig werden von der Initiative fortgesetzt.

 

Verein Gedenkstätte:
Der Verein Gedenkstätte für Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft, Braunschweiger Friedhöfe e.V. hat im Rahmen seiner Tätigkeit u. a. auch Euthanasieopfer recherchiert, die auf dem „Hauptfriedhof“ beigesetzt worden sind. Die recherchierbaren Namen von Opfern sind in den sog. Totenbüchern dokumentiert, die in der Friedenskapelle einzusehen sind.

Basierend auf der Arbeit einer Schülerinitiative entstand die Idee zur Errichtung eines Mahnmals zur Erinnerung an Euthanasieopfer. Derzeit liegt ein aktueller Antrag der Vorsitzenden des Vereins als Privatperson zur Förderung der Einrichtung eines Erinnerungsortes vor (Kulturelle Projekte unter 5.000 €, lfd. Nr. 5). Die Verwaltung hat entschieden, das Projekt in der beantragten Höhe zu fördern. Auf dem Areal des Stadtfriedhofes, auf dem, heute nicht mehr erkennbar, Urnen von Euthanasieopfern beigesetzt worden sind, sieht das Projekt die Aufstellung einer Glasstele mit den Namen aller bekannten Opfer und einer ergänzenden Erläuterungstafel vor. Flankierend ist ein Schülerprojekt vorgesehen.

 

Beide o. g. Projektansätze mit ihren fortlaufenden Entwicklungen sind in die Entwicklung eines Konzeptes der Verwaltung zur Errichtung einer dauerhaften Form der Erinnerung an die Euthanasieopfer zwingend einzubeziehen und als integrale Bestandteile zu verstehen. Mit beiden Initiativen und Projektverantwortlichen steht die Verwaltung daher im engen Austausch und unterstützt die laufenden Vorhaben im Rahmen ihrer Möglichkeiten auch organisatorisch und beratend.

Beide Projektansätze haben Impulse in unterschiedlichen Institutionen und bei interessierten Einzelpersonen bewirkt, die weitere Projekte und Maßnahmen wie wissenschaftliche Recherchen und Publikationen zu einzelnen in das „T4-Projekt“ involvierten Einrichtungen erwarten lassen. Derzeit bestehen daher Überlegungen, diese unterschiedlichen neuen Interessentenkreise im Sinne eines Runden Tisches zusammenzuführen und mit ihnen über mögliche weitere Formate einer nachhaltigen Erinnerungsarbeit zum Thema „Euthanasieopfer“ den Austausch zu suchen. Dies insbesondere vor dem Hintergrund, dass bei Realisierung des Projektes des „Verein Gedenkstätte für Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft, Braunschweiger Friedhöfe e.V.“ ein konkreter Ort zum Gedenken an die Opfer an authentischer Stelle vorhanden sein wird.

Es ist beabsichtigt, die Entwicklung beider Projekte – Grauer Bus und Gedenkort auf dem Friedhof – im Rahmen der Präsentation „Erinnerungskultur“ auf den Internetseiten der Stadt Braunschweig im Laufe der nächsten Monate ausführlich darzustellen.

 

Zum Fortgang der Konzeptbearbeitung durch die Verwaltung wird bei Vorliegen neuer Ergebnisse berichtet.
 

 

Loading...

Erläuterungen und Hinweise