Rat und Stadtbezirksräte
Beschlussvorlage - 17-04221
Grunddaten
- Betreff:
-
Projekt "Stille Reserve"
- Status:
- öffentlich (Vorlage freigegeben)
- Vorlageart:
- Beschlussvorlage
- Federführend:
- DEZERNAT VI - Wirtschaftsdezernat
- Verantwortlich:
- Leppa
Beratungsfolge
| Status | Datum | Gremium | Beschluss | NA |
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●
Erledigt
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Wirtschaftsausschuss
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Entscheidung
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07.04.2017
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Beschlussvorschlag
Beschluss:
Die Stadt Braunschweig beteiligt sich über die Projektlaufzeit von 2 Jahren (01.07.2017 – 30.06.2019) mit einem Betrag von 15.000 € an dem Projekt „Stille Reserve“ der Allianz für die Region GmbH – vorbehaltlich einer gesicherten Gesamtfinanzierung bzw. der verbindlich zugesagten Förderung der weiteren (kommunalen) Partner.
Sachverhalt
Sachverhalt:
Durch die demografische Entwicklung wird sich die Erwerbspersonenzahl in der Zukunft mindern und zugleich die Nachfrage nach qualifiziertem Personal weiter steigen. Engpässe bei der Besetzung von Stellen sind die Folge und möglicherweise werden dadurch entstehende Wettbewerbsnachteile und Verluste für die Unternehmen in Niedersachsen damit einhergehen. Schon heute ist in einigen Branchen und Regionen dieser Prozess erkennbar.
Umso wichtiger ist es sämtliche Potentiale einer Region zu nutzen und die verborgenen Möglichkeiten bzgl. Fachkräftesicherung und -gewinnung zu erschließen, um weiterhin innovative und wettbewerbsfähige Unternehmen und Institutionen zu gewährleisten. Eines dieser Potentiale, das es zu erschließen gilt, ist die sogenannte „stille Reserve“. Diese „Stille Reserve“ umfasst bezogen auf die Erwerbstätigen (15-74jährige) in gesamt Deutschland etwa 2,62 % und bezogen auf die Nichterwerbspersonen 5,22 %. Dies entspricht ca. eine Million Menschen (Mikrozensus des Statistischen Bundesamtes) und ist ein nicht zu verachtendes Potential für den Arbeitsmarkt.
Die Zielgruppe „Stille Reserve“ deckt eine große Bandbreite gesellschaftlicher Milieus und Lebensentwürfe ab. Sie ist deshalb „still“, weil sie sich aus unterschiedlichen Gründen „nicht auffindbar“ macht. Der Arbeitsmarkt muss sich für sie als so attraktiv darstellen, dass sie dort ihren Platz finden will.
Betrachtet man die Bevölkerung im erwerbstätigen Alter in der Region zwischen 15-64 Jahren sind davon 370.408 männlich und 357.159 weiblich (Mikrozensus 2013). Die Erwerbstätigenquote im erwerbsfähigen Alter liegt bei den Männern in der Region bei 86,2 % und bei den Frauen bei 73,8 %. Die Nichterwerbspersonen in der Region umfassen dabei insgesamt 146.969 (im Alter von 15-64 Jahren). Legt man diese regionsspezifischen Zahlen zu Grunde und geht in der Berechnung zur „Stillen Reserve“ wie im Mikrozensus vor (Definitionen), so kann man z. B. bei den weiblichen Nichterwerbspersonen (93.576) für die Region von einer geschätzten „Stillen Reserve“ von rd. 4.210 bzw. einer geschätzten „Stillen Reserve i. w. S.“ (Stille Reserve und sonstige Nichterwerbspersonen mit generellem Arbeitswunsch, z. B. Alleinerziehende) von rd. 9.850 Personen sprechen.
Die übergeordneten Ziele des vorliegenden Projektes sind die Aktivierung der „Stillen Reserve“ und Alleinerziehender sowie die Schaffung definierter Übergabepunkte an Qualifizierungs- und Weiterbildungsprojekte und –maßnahmen sowie an Unternehmen. Das Projekt will die Identifikation, Differenzierung und adäquate Ansprache der Zielgruppe „Stille Reserve“ nach unterschiedlichen Kriterien, z. B. Motivation, Mobilität, Qualifikationsniveau und Lebensstilorientierung in den Fokus nehmen. Insbesondere die regionalen Besonderheiten innerhalb des Landkreises oder Stadt sollen dabei Beachtung finden.
Die Zielgruppen sind insbesondere Frauen in und nach der Familienphase – und Alleinerziehende im ALG II-Bezug. Beide Zielgruppen werden aufgrund vergleichbarer Problemlagen gleichermaßen angesprochen, zumal bei dieser Zielgruppe „Stille Reserve“ die Zuständigkeit - Arbeitsagentur oder Jobcenter - unbestimmt ist. Männer sind in beiden Zielgruppen nur in geringem Maß vertreten, deshalb liegt der Schwerpunkt in der Ansprache und Vermittlung von Frauen. Männer werden nicht ausgeschlossen und insgesamt wird der Genderaspekt, z. B. in der Berücksichtigung milieuspezifischer Familienorientierungen oder unterschiedlicher Unternehmenskulturen, grundsätzlich einbezogen. Genauso soll das Projekt auch die Unternehmen aus der Region Südostniedersachsen für die Thematik sensibilisieren, für Maßnahmen interessieren und in die Projektarbeit einbinden.
Besonderer Wert wurde in der Projektplanung auf die Wahl möglicher Partner für das Projekt gelegt. Diese sollten innerhalb einer Region gut vernetzt sein und/oder sich bereits mit dem Thema beschäftigt haben. Die Ländliche Erwachsenenbildung e.V., die Arbeitsagenturen Braunschweig-Goslar und Helmstedt-Wolfsburg sowie die Stadt Braunschweig, die Stadt Wolfsburg, der Landkreis Peine, der Landkreis Wolfenbüttel und die Koordinierungsstellen Frau und Wirtschaft in Braunschweig und Wolfsburg haben ihre Partnerschaft im Projekt zugesagt bzw. in Aussicht gestellt.
Der erste Baustein in der Projektdurchführung wird die Datenerhebung zur Feststellung der Ausgangslage sein. Hier gilt es insbesondere die regionalen und lokalen Besonderheiten herauszuarbeiten und die Zusammensetzung (z. B. Anteil Frauen und Männer, Lebenssituation etc.) der „Stillen Reserve“ zu eruieren.
Der zweite Baustein ist die Ansprache der Zielgruppe und der Unternehmen sowie der möglichen Netzwerkpartner, um die Bedarfsermittlung zu konkretisieren.
Der dritte Baustein ist die Konzeptentwicklung. Es wird ein kreatives Werbekonzept erstellt unter der Fragestellung: wie können möglichst viele innerhalb der Zielgruppe von den Chancen einer Berufsrückkehr erfahren? Aus den Erkenntnissen der Bedarfsanalyse der Unternehmen werden Qualifizierungs-/Weiterbildungs-/Coachingkonzepte erstellt.
Der vierte Baustein wird die Durchführungsphase sein. Mit einer Werbekampagne werden die Zielgruppe und die Unternehmen erreicht. Für die Zielgruppe werden Beratungen und Coachings angeboten. Als Ergänzung zu den Coachings werden Bewerbungstrainings, Unternehmensbesuche oder fachliche Aufbauseminare angeboten/bzw. vermittelt. Es findet ein gezieltes Matching zwischen den Frauen und den beteiligten Unternehmen statt.
Der fünfte Baustein wird die Evaluation sein. Anzahl, Art und Ergebnis der Kontakte zu Netzwerkpartnern, zur Zielgruppe der Frauen (und Männer) und zur Zielgruppe der Unternehmen werden fortlaufend dokumentiert und mit den Recherchen und konzeptionellen Überlegungen insbesondere in der ersten Phase des Projektes abgeglichen. Dies soll zur Verbesserung und Nachhaltigkeit der Strukturen für eine Fortsetzung des Projektes beitragen. Erfahrungen sollen gesichert werden und mögliche Innovationen bestärkt werden. Dies betrifft vor allem Veranstaltungsformate, Werbematerialien, Handlungs- bzw. Gesprächsleitfäden und Weiterbildungskonzepte.
In Bezug auf die Zielgruppen der Frauen und der Unternehmen ist es Ziel des Projektes, je Gebietskörperschaft 30 Personen in Arbeit oder Qualifizierung zu vermitteln und 10 Unter-nehmen für die systematische betriebliche Integration der Zielgruppe zu öffnen.
Für die Projektlaufzeit von zwei Jahren fallen insgesamt Personalkosten in Höhe von 373.800 € an. Die darauf entfallende Sachkostenpauschale von 35% beträgt 130.830 €. Das Projektvolumen beträgt damit insgesamt 504.630 €.
Finanzierungsplan
| Finanzierungsbeiträge | Summen |
50 % Fachkräftebündnis | 252.315 € |
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20% Land Niedersachsen | 100.926 € |
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Summe Fördermittel |
| 353. 241 € |
Arbeitsagentur BS_GS | 60.000 € |
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Allianz für die Region GmbH | 31.400 € |
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Landkreis Peine | 15.000 € |
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Landkreis Wolfenbüttel | 15.000 € |
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Stadt Braunschweig | 15.000 € |
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Stadt Wolfsburg | 15.000 € |
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Summe Kofinanzierung |
| 151.400 € |
Die Stadt Braunschweig beabsichtigt - wie die anderen o. g. Kommunen - sich an der Gesamtfinanzierung des Projektes in Höhe von 15.000 € für den Projektzeitraum Juli 2017 bis Juni 2019 zu beteiligen.
Die Finanzierung des Projektes soll aus dem Ansatz „Kofinanzierung von Projekten der Wirtschaftsförderung und der Fachkräfteentwicklung“ der Stabsstelle Wirtschaftsdezernat geleistet werden.
