Rat und Stadtbezirksräte
Mitteilung - 17-04323
Grunddaten
- Betreff:
-
Erweiterte konzeptionelle Überlegungen zur Thematik "Euthanasie"
- Status:
- öffentlich (Vorlage freigegeben)
- Vorlageart:
- Mitteilung
- Federführend:
- DEZERNAT IV - Kultur- und Wissenschaftsdezernat
- Beteiligt:
- 41 Fachbereich Kultur und Wissenschaft
- Verantwortlich:
- Dr. Hesse
Beratungsfolge
| Status | Datum | Gremium | Beschluss | NA |
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●
Erledigt
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Ausschuss für Kultur und Wissenschaft
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zur Kenntnis
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19.05.2017
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Sachverhalt
Sachverhalt:
Mit Ratsbeschluss vom 21. Februar 2017 erfolgte der Auftrag an die Verwaltung, ein Konzept zur Errichtung einer dauerhaften Form der Erinnerung an die Euthanasieopfer im Dritten Reich zu erarbeiten und es den Gremien zu gegebener Zeit zur Beschlussfassung vorzulegen.
In der Sitzung des AfKW am 10. März 2017 wurde mit Mitteilung Nr. 17-04002 der aktuelle Stand zu den Abstimmungen mit den beiden Projektträgern „Initiative Denkmal Grauer Bus in Braunschweig“ und „Gedenkstätte Friedenskapelle Braunschweig e. V.“ vorgestellt, die das Thema Erinnerung an die Opfer des Euthanasie-Programms bearbeiten. Beide o. g. Projektansätze mit ihren fortlaufenden Planungen sind aus Sicht der Verwaltung in die Entwicklung eines Konzeptes der Verwaltung zur Errichtung einer dauerhaften Form der Erinnerung an die Euthanasie-Opfer zwingend einzubeziehen und als integrale Bestandteile zu verstehen. Mit beiden Initiativen und Projektverantwortlichen steht die Verwaltung weiterhin in einem engen Austausch und unterstützt die laufenden Vorhaben über die seinerzeit für das Denkmal „Grauer Bus“ erfolgte finanzielle Förderung hinaus auch organisatorisch und beratend.
Zu dem sich in der Erstellung befindlichen Konzept werden folgende erweiterte konzeptionelle Überlegungen vorgestellt:
Bereits geplante oder laufende Maßnahmen der externen Projektträger:
Einrichtung eines gestalteten Gedenkortes:
Integraler Bestandteil des städtischen Gedenkstättenkonzepts ist es, neue Forschungsprojekte in Bezug auf weitere Opfergruppen während der Zeit des Nationalsozialismus auf den Weg zu bringen. Als ein Teil dieser Opfergruppen sind auch die Euthanasieopfer benannt.
Mit der in diesem Jahr zu erwartenden Einweihung eines entsprechend des Konzeptes von Frau Regina Blume mit Unterstützung des Gedenkstätte Friedenskapelle Braunschweig e. V gestalteten Gedenkortes auf dem Stadtfriedhof Abt. 1 C wird ein konkreter Ort zur Erinnerung an die Opfer der Tötungsaktion in der Zeit des Nationalsozialismus an authentischer Stelle vorhanden sein. An der ausgewählten Stelle befinden sich unter der Grasdecke bislang unmarkierte Grabstellen von Euthanasieopfern. Im Sinne des städtischen Gedenkstättenkonzeptes eignet sich die gewählte Form einer Glasstele (ca. 1,80 x 0,60 m) mit den Namen der Opfer in Kombination mit einem Erläuterungstext auf einer zusätzlichen Gedenktafel der Erinnerung im Besonderen, da ein künstlerisches Mittel zur Wahrnehmung und aktiven Aneignung gewählt wird. Insofern sehen die derzeitigen konzeptionellen Überlegungen der Verwaltung kein weiteres Teilprojekt für einen künstlerisch gestalteten Ort der Visualisierung im Sinne des Gedenkstättenkonzeptes vor.
Dokumentation:
Im Rahmen der beiden genannten Projekte „Friedhofstele“ und „Grauer Bus“ sind bislang nicht bekannte Informationen zu Euthanasie-Opfern aus Braunschweig recherchiert und noch nicht ausgewertete Unterlagenbestände benannt worden. Teilweise sind resp. werden diese Informationen der Öffentlichkeit in unterschiedlichen Formen wie folgt zugänglich gemacht:
- In Gestalt der Nennung der Opfernamen in den bereits öffentlich in der Gedenkstätte Friedenskapelle an der Helmstedter Straße ausliegenden Totenbüchern.
- In Gestalt von Dokumentationskassetten, die dem Offenen Archiv in der Zentralen Gedenkstätte Schillstraße voraussichtlich in diesem Jahr zugeführt werden und in Gestalt von Wandtafeln, die ebenfalls in diesem Jahr noch angebracht werden sollen.
- In Gestalt der Wanderausstellung der Initiative „Denkmal Grauer Bus“ in Braunschweig.
Die beiden genannten Projektträger setzen ihre Recherchetätigkeit unabhängig von der Realisierung des Projektes „Denkmal Grauer Bus“ im Jahr 2015 und der Ausweisung eines Gedenkortes auf dem Friedhof in unterschiedlicher Form fort (Dokumentation von Gesprächen mit Angehörigen von Euthanasie-Opfern, Kontakte zu Gedenkorten wie Bernburg etc.).
Kommunales Konzept:
Bereits die Umsetzung des Projektes „Initiative Grauer Bus“ erfolgte im Jahr 2015 mit finanzieller und organisatorischer Unterstützung der Kultur- und Bauverwaltung. Die Zielsetzung des kommunalen Konzeptansatzes nimmt nun, ausgehend von den skizzierten, bereits vorhandenen Maßnahmen, folgende Aufgaben in den Fokus:
- Unterstützende Vermittlung der bereits vorhandenen Maßnahmen und Projekte der genannten Initiativen in eine breite interessierte Öffentlichkeit (inklusive der Projektförderung des lfd. Projekts „Stele“ (Anlage 1.1 zu Mitteilung Nr. 17-03868, lfd. Nr. 5) sowie Kostenübernahme für Kassetten und Wandtafeln des Projekts „Grauer Bus“);
- Initiierung eines Forums zur Erfassung und wissenschaftlichen Aufarbeitung vorhandener Quellenbestände zum Thema „Euthanasie-Programm während der Zeit des Nationalsozialismus in Braunschweig“.
Im Einzelnen:
Unterstützende Vermittlung:
Als ergänzender Beitrag des kommunalen Konzeptes ist vorgesehen, dem Thema „Gedenken an die Euthanasieopfer aus und in Braunschweig“ im Rahmen der städtischen Internetpräsentation in der Rubrik „Erinnerungskultur“ einen eigenen Darstellungsbereich einzurichten, vergleichbar den bestehenden Gedenkstätten und dem Projekt Stolpersteine. Neben einem entsprechenden redaktionellen Informationstext, der in Zusammenarbeit mit den genannten Initiativen und dem Arbeitskreis Andere Geschichte erarbeitet werden wird, soll eine Verlinkung mit den einschlägigen Präsentationen der Initiativen erfolgen. Dies soll sukzessive ergänzt werden durch Visualisierungen von Materialien, Downloads einschlägiger Textbeiträge etc.
Die Umsetzung erfolgt mit Mitteln des Fachbereiches 41 im Dezernat für Kultur und Wissenschaft.
Forum „Runder Tisch Euthanasie“:
Trotz vorhandener wissenschaftlicher Behandlung einzelner Aspekte oder Einrichtungen ist das Thema „Euthanasie und Euthanasie-Opfer aus und in Braunschweig“ bislang noch nicht abschließend wissenschaftlich erforscht worden. Dieser „offene Forschungsbereich“ soll durch ein Forschungsprojekt aufgegriffen und mittelfristig aufgearbeitet werden. Zudem soll insbesondere die Fragestellung nach zeigemäßen Vermittlungsformaten von unterschiedlichen Themen der Erinnerungsarbeit anhand dieses Beispiels behandelt werden.
Zur Vorbereitung dieses Projektes sollen Gespräche mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler resp. Forschungseinrichtungen, die bereits mit der Thematik befasst sind, den genannten Projektträgern „Gedenkstätte Friedenskapelle Braunschweig e. V.“ und „Grauer Bus“ sowie weiteren Institutionen (Braunschweigisches Landesmuseum, Historisches Seminar der Technischen Universität Braunschweig, Niedersächsisches Landesarchiv – Standort Wolfenbüttel, Braunschweigischer Geschichtsverein, Arbeitskreis Andere Geschichte, Stadtarchiv, Dr. Manfred Grieger – Lehrbeauftragter an der Georg-August Universität Göttingen) in einem Forum „Runder Tisch Euthanasie“ geführt werden mit dem Ziel, das Format der wissenschaftlichen Bearbeitung zu definieren und einen Projektzeitplan zu entwickeln.
Auf der Grundlage eines in diesem Forum entwickelten Gesamtkonzeptes wird auch der zu erwartende Kostenrahmen für die Umsetzung des Projektes ermittelt werden.
Es ist geplant, ein Konzept inkl. Definition von Maßnahmeschritten und Kostenrahmen zum Haushalt 2018 anzumelden.
