Rat und Stadtbezirksräte
Stellungnahme - 17-04449-01
Grunddaten
- Betreff:
-
Kultursensible Pflege
- Status:
- öffentlich (Vorlage freigegeben)
- Vorlageart:
- Stellungnahme
- Federführend:
- 50 Fachbereich Soziales und Gesundheit
- Verantwortlich:
- Dr. Hanke
Beratungsfolge
| Status | Datum | Gremium | Beschluss | NA |
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●
Erledigt
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Ausschuss für Integrationsfragen
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zur Kenntnis
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10.05.2017
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Sachverhalt
Sachverhalt:
Zur Anfrage der CDU-Fraktion im Rat der Stadt vom 27. April 2017 wird wie folgt Stellung genommen.
Zu 1:
Es gibt keine belastbaren Zahlen über die Pflegebedürftigen mit Migrationshintergrund in Braunschweig.
Zu 2:
Sowohl im ambulanten als auch stationären Bereich werden Menschen mit Migrationshintergrund versorgt. In welchem Umfang die kultursensible Pflege in den jeweiligen Einrichtungen praktiziert wird, ist derzeit nicht bekannt.
Es wurde durch die Interkulturelle Servicestelle in Abstimmung mit der AG „Migration-Kultursensible Pflege“ der Pflegekonferenz zur Bedarfsermittlung ein Fragebogen mit dem Titel „Welche Form der Pflege und Gesundheitsversorgung brauchen Menschen mit Migrationshintergrund?“ entwickelt.
Die Durchführung geschieht mit Hilfe der Gesundheitslotsen im Auftrag der Servicestelle. Start der Erhebung war im März 2017. Die Auswertung der Daten beginnt im Anschluss; voraussichtlich im Herbst 2017.
Zu 3: Das Klinikum hat wie folgt geantwortet:
Das Klinikum Braunschweig hat das Thema „kultursensible Pflege“ bereits in die Ausbildung integriert. So wird im Rahmen der Pflegeausbildung großer Wert auf den vertieften Einblick in kulturelle Besonderheiten gelegt.
Bereits im Rahmen des Einführungsblockes im Bereich Körperpflege und Nahrungsaufnahme spielen unterschiedliche kulturelle Anforderungen eine große Rolle. Das Klinikum kann hier aus den unterschiedlichsten Quellen schöpfen, da die Auszubildenden aus allen Teilen der Welt stammen.
In einem Theorieblock geht es gezielt um den unterschiedlichen Umgang mit Krankheit, Tod und Sterben sowie kulturelle Bestattungsriten. In einem weiteren Theorieblock steht dann eine intensivere Auseinandersetzung mit Flucht, Angst, Armut und Reichtum an. Die Theorie wird mit praktischen Tätigkeiten ergänzt und vertieft. So stehen z.B. Besuche der LAB und des interkulturellen Gartens auf dem Lehrplan. Außerdem erfolgt zum wiederholten Mal ein gemeinsam gestaltetes internationales Frühstück.
Die vorurteilsfreie Berücksichtigung der verschiedensten Anforderungen aufgrund von Herkunft, Religion und Überzeugung zieht sich als wichtiger Anteil einer professionellen pflegerischen Grundhaltung durch die gesamte Ausbildung.
Krankheit und Tod wird in muslimisch geprägten Gesellschaften anders erlebt. Dementsprechend hat das Klinikum Braunschweig seine Seelsorge um einen muslimischen Besuchsdienst erweitert.
Dabei geht es bei den Besuchen am Krankenbett keineswegs nur um Religion. Für muslimische Patienten ist z.B. das Alleinsein im Krankenhaus oft besonders schwer, da sie aus einer Kultur kommen, in der die ganze Familie sich um den Kranken kümmert. Ein Muslim, der vertraut ist mit den Bedürfnissen der eigenen Kultur und Religion, kann für diese Patienten eine große Unterstützung sein. Auch ein Gespräch in der Muttersprache kann für die Patienten sehr hilfreich sein.
Auch finden die Besonderheiten der unterschiedlichen Abschiedskulturen im Klinikum Berücksichtigung. Für Angehörige muslimischen Glaubens besteht schon lange die Möglichkeit der rituellen Waschung ihrer Verstorbenen.
