Rat und Stadtbezirksräte
Mitteilung - 17-05262
Grunddaten
- Betreff:
-
Mögliche Gesundheitsgefährdung durch die Nutzung von Kunstrasenspielfeldern - Mündliche Anfrage
- Status:
- öffentlich (Vorlage freigegeben)
- Vorlageart:
- Mitteilung
- Federführend:
- DEZERNAT VII - Finanzen, Stadtgrün und Sportdezernat
- Beteiligt:
- 67 Fachbereich Stadtgrün und Sport
- Verantwortlich:
- Geiger
Beratungsfolge
| Status | Datum | Gremium | Beschluss | NA |
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●
Erledigt
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Sportausschuss
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zur Kenntnis
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31.08.2017
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Sachverhalt
Sachverhalt:
In der Sitzung des Sportausschusses am 9. März 2017 wurde angefragt, inwiefern sogenannte polyzyklische Kohlenwasserstoffe in verwendeten Granulate auch in Braunschweig ein Gesundheitsrisiko sein könnten. Die Verwaltung nimmt hierzu, nachdem die Granulate von 5 Kunststoffrasenspielfeldern durch ein Fachlabor untersucht worden sind, wie folgt Stellung:
Ergebnisse der Untersuchung
Die vor Ort entnommenen Materialproben (Gummigranulat) von 5 Kunstrasenplätzen mit sogenannten Recyklaten als Füllstoffen wurden bei der akkreditierten Gesellschaft für Umweltanalytik Eurofins auf ihren PAK-Gehalt untersucht. Als Ergebnis ist festzuhalten, dass bei allen betreffenden Plätzen die Grenzwerte der europäischen Chemikalienverordnung REACH deutlich unterschritten werden.
Verwendung von SBR-Material für Kunstrasengranulat
Für teilverfüllte oder hochverfüllte Kunstrasen, wird als Granulat alternativ Sand oder Gummi bzw. in zwei Schichten Sand und Gummi verwendet. Das Granulat wird zwischen die 25 bis 40 mm hohen Fasern des Kunstrasens verfüllt. Für das Gummigranulat haben sich hierbei verschiedene Materialien bewährt.
Die kostengünstigste Variante ist SBR-Recyklat. SBR (Styrol-Butadien-Kautschuk, engl. Styrene Butadiene Rubber) ist ein Synthesekautschuk, der für die Herstellung von Reifen verwendet wird. Ein Recyclat ist generell ein Produkt eines Recyclingprozesses. Für Kunstrasen verwendete SBR-Recyklate bestehen zu fast 100 % aus wiederverwerteten Autoreifen.
Verwendung im Sportplatzbau findet recyceltes Gummigranulat mit farblicher Ummantelung sowie ohne Farbhülle. Die Farb-Beschichtung wird durch die hohen mechanischen Belastungen in einem Kunstrasenplatz über die Zeit abgerieben. Das Granulat mit Farbhülle, ein sogenanntes PUR-umhülltes SBR (PUR = Polyurethane), verliert also mit der Zeit seine Farbe. In Braunschweig sind fünf Kunstrasenfelder mit SBR-Recyklat verfüllt. Recyceltes Gummigranulat mit farblicher Ummantelung wurde in der Sportanlage Rautheim, der Sportanlage der Freien Turnerschaft Braunschweig und der Sportanlage Völkenrode verwendet, SBR-Recyklate ohne Farbhülle auf der Sportanlage Rote Wiese und der Sportanlage Ölper.
In SBR-Recyklaten sind in der Vergangenheit PAKs nachgewiesen worden. Eine Alternative zum SBR-Recyklat sind sogenannte Ethylen-Propylen-Dien-Kautschuke (EPDM). Diese Synthesekautschuke sind deutlich teurer als SBR-Recyklate.
PAKs (Polycyklische Aromatische Kohlenwasserstoffe)
PAKs sind zum Beispiel im Ruß von Dieselmotorabgasen enthalten. Daneben ist Tabakrauch eine wesentliche Quelle für PAKs. Über bestimmte Öle aus der Erdölverarbeitung, die zum Weichmachen Gummi und Kunststoffen beigemischt werden, können PAKs in Verbraucherprodukte gelangen. Aber auch Nahrungsmittel wie geräucherte und gegrillte Speisen können PAKS enthalten. Das Einatmen, die Aufnahme durch den Mund oder die Haut kann zu Gesundheitsschäden führen.
Laut Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) gelten PAK als krebserzeugend, weisen jedoch unterschiedliche kanzerogene Wirkungsstärken auf. Das heißt, dass von verschiedenen PAKs unterschiedlich hohe Mengen benötigt werden, um dieselbe toxikologische Wirkung auszulösen.
Grenzwerte in der europäischen Chemikalienverordnung REACH
Um die menschliche Gesundheit vor den Gefahren vor PAK zu schützen, legte die EU Grenzwerte fest. Die elastischen Füllstoffe aus Recyclat für Kunststoffrasenbeläge unterliegen der REACH-Verordnung, wobei für PAKs in SBR-Recyklat der Beschränkungseintrag Nr. 28-30 des Anhanges XVII gilt. REACH steht für “Registration, Evaluation, Authorisation and Restriction of Chemicals”. Diese Europäische Chemikalienverordnung beschränkt die Herstellung, das Inverkehrbringen und die Verwendung bestimmter gefährlicher Stoffe, Gemische und Erzeugnisse.
Für die krebserregenden PAKs
- Benzo[e]pyren (BeP),
- Chrysen (CHR)
- Benzo[a]anthracen (BaA)
- Benzo[j]fluoranthen (BjFA)
- Benzo[b]fluoranthen (BbFA) und
- Benzo[k]fluoranthen (BkFA)
liegen die Grenzwerte bei 1000 mg/kg, für
- Benzo(a)pyren (BaP) und
- Dibenz[a,h]anthracene (DBAhA) bei 100 mg/kg.
Freiwillige Produktanforderungen
Neben den gesetzlichen Regelungen gibt es freiwillige Produktanforderungen. Die RAL Gütegemeinschaft Kunststoffbeläge in Sportfreianlagen e.V. hat ab 01.03.2017 die Erfassung und Begrenzung der in der REACH Verordnung genannten 8 PAK für die Produzenten von elastischen Füllstoffen aus Recyclat eingeführt. Als Grenzwert sind für den Summenparameter der 8 PAK 20 mg/kg TS festgelegt. Neben den gesetzlichen Grenzwerten werden auf den SBR-Recyklat verfüllten Kunstrasenplätzen in Braunschweig auch diese freiwillige deutlich strengere Produktanforderung eingehalten.
Laborergebnisse
| Anforderung REACH | Sportanlage Rautheim | Freien Turnerschaft Braunschweig | Sportanlage Völkenrode | Sportanlage Rote Wiese | Sportanlage Ölper |
Benzo(a)anthracen | 1000 mg/kg | 0,4 mg/kg | 0,3 mg/kg | 0,2 mg/kg | 0,3 mg/kg | 1,8 mg/kg |
Chrysen | 1000 mg/kg | 0,9 mg/kg | 0,7 mg/kg | 0,4 mg/kg | 0,5 mg/kg | 2,5 mg/kg |
Benzo(b)fluoranthen | 1000 mg/kg | 0,4 mg/kg | 0,6 mg/kg | 0,3 mg/kg | 0,4 mg/kg | 2,3 mg/kg |
Benzo(k)fluoranthen | 1000 mg/kg | < 0,2 mg/kg | 0,2 mg/kg | < 0,2 mg/kg | < 0,2 mg/kg | 0,8 mg/kg |
Benzo(j)fluoranthen | 1000 mg/kg | 0,2 mg/kg | 0,3 mg/kg | < 0,2 mg/kg | < 0,2 mg/kg | 1,4 mg/kg |
Benzo(a)pyren | 100 mg/kg | 0,8 mg/kg | 1,1 mg/kg | 0,9 mg/kg | 0,9 mg/kg | 3,0 mg/kg |
Benzo(e)pyren | 1000 mg/kg | 2,2 mg/kg | 2,4 mg/kg | 1,6 mg/kg | 1,7 mg/kg | 5,0 mg/kg |
Dibenzo(a,h)antracen | 100 mg/kg | < 0,2 mg/kg | 0,2 mg/kg | < 0,2 mg/kg | < 0,2 mg/kg | 0,8 mg/kg |
Summe 8 gemäß REACH | 6.200 mg/kg | 4,9 mg/kg | 5,8 mg/kg | 3,4 mg/kg | 3,8 mg/kg | 17,6 mg/kg |
