Rat und Stadtbezirksräte
Beschlussvorlage - 18-07478
Grunddaten
- Betreff:
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Aufstellung einer Gedenktafel am ehemaligen Sammellager Sandanger
- Status:
- öffentlich (Vorlage freigegeben)
- Vorlageart:
- Beschlussvorlage
- Federführend:
- DEZERNAT IV - Kultur- und Wissenschaftsdezernat
- Beteiligt:
- 41 Fachbereich Kultur und Wissenschaft; 10 Fachbereich Zentrale Dienste
- Verantwortlich:
- Dr. Hesse
Beratungsfolge
| Status | Datum | Gremium | Beschluss | NA |
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●
Erledigt
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Stadtbezirksrat im Stadtbezirk 322 Veltenhof-Rühme
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Entscheidung
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20.02.2018
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Sachverhalt
Sachverhalt:
Gemäß § 93 Abs. 1 Nr. 5 NKomVG i. V. m. § 16 Abs. 1 Nr. 8 der Hauptsatzung der Stadt Braunschweig entscheidet der Stadtbezirksrat über die Pflege des Ortsbildes und über die Aufstellung von Denkmälern, Kunstwerken u. ä. sowie deren Standortbestimmung und Gestaltung, sofern deren Bedeutung nicht wesentlich über die Ortschaft oder über den Stadtbezirk hinausgeht.
Der Stadtbezirksrat 322 Veltenhof-Rühme hatte in seiner Sitzung am 25. Oktober 2017 die Initiative des Wahlpflichtkurses Geschichte der 10. Klassen der Nibelungen-Realschule zur Aufstellung einer Informationstafel zu dem ehemaligen Sammellager am Sandanger begrüßt und zugestimmt, um angemessen an die Deportation der Braunschweiger Sinti im Jahr 1943 von diesem Sammellager aus zu erinnern.
Die Verwaltung hat in Anlehnung an die im Stadtgebiet bereits zur Kennzeichnung bedeutender Orte verwendeten „BLIK-Tafeln“ eine Systematik zur Ausweisung von Gedenkorten entwickelt. Diese wurde dem Ausschuss für Kultur und Wissenschaft in seiner Sitzung am 26. April 2010 vorgestellt (Mitteilung Nr. 10716/10). Die aufzustellende Informationstafel zur Ortskennzeichnung des Sammellagers Sandanger soll entsprechend der o. a. Systematik 40 x 40 cm groß sein und den folgenden Text enthalten:
Sammellager Veltenhof
Auf dem Gelände zwischen Hafenbahn und der „Kippe“, die bei der Anlage des Hafens aufgeschüttet worden war, befand sich seit Mitte 1938 ein „Sammellager“. Hier wurden auf Vorschlag des Braunschweiger Oberbürgermeisters Dr. Wilhelm Hesse und auf Anordnung des nationalsozialistischen Ministerpräsidenten Dietrich Klagges Braunschweiger Sinti von unterschiedlichen Wohnplätzen zusammengeführt. Für die Verwaltung war der Gemeindebürgermeister von Veltenhof zuständig. Schon bald lebten 244 Sinti in 44 Wohnwagen auf dem Platz. Alle wurden von der Kriminalpolizei erkennungsdienstlich erfasst. Sie gingen zur Arbeit in die Stadt oder halfen auf umliegenden Bauernhöfen. An der Volksschule Veltenhof gab es ab September 1938 eine separate „Zigeunerklasse“. Die Bewohnerzahl des Sammellagers stieg in den folgenden Jahren noch.
Am Morgen des 3. März 1943 wurde das Lager von Gestapo, Kriminal- und Schutzpolizei umstellt. Auf Befehl des Reichsführers-SS waren alle „zigeunerischen Personen“ in ein Konzentrationslager zu bringen. Die Bewohner des Sammellagers wurden auf einem Braunschweiger Bahnhof in einen Zug verladen. Ziel des Transportes war das Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau. Die Wohnwagen der Deportierten wurden in den Folgetagen verbrannt.
Nur ein kleiner Teil der Sinti aus Veltenhof überlebte die Konzentrationslager.
Die optische Gestaltung der Tafel ist der Anlage zu entnehmen.
Aufstellungsort soll die Grünfläche links parallel zum Fußweg an der Straße Sandanger mit Blick auf den Gleiskörper und das dort anschließende Areal des ehemaligen Sammellagers sein. Die Auswahl des Standortvorschlags erfolgte in Abstimmung mit dem Ortsheimatpfleger, dem Projektinitiator und nach verwaltungsinterner Abstimmung.
Eigentümerin des Aufstellungsortes der Tafel ist die Stadt Braunschweig.
Für die Gestaltung, Herstellung und Aufstellung der Tafel entstehen Kosten i. H. v. rund 2.000 €. Die Finanzierung erfolgt ausnahmsweise und einmalig zu Lasten des Budgets Erinnerungskultur im Fachbereich Kultur.
Die Aufstellung der Tafel soll – vorbehaltlich der Beschlussfassung durch den Stadtbezirksrat – am 3. März 2018 erfolgen.
Anlagen
| Nr. | Name | Original | Status | Größe | |
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1
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(wie Dokument)
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244,1 kB
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