Rat und Stadtbezirksräte

ALLRIS - Vorlage

Mitteilung - 18-08464

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Sachverhalt

Sachverhalt:

 

Vorbemerkungen

 

Im Jahr 2017 hat der Fachbereich Stadtgrün und Sport aufgrund des schlechten Zustandes und großer Lücken der unter Denkmalschutz stehenden Baumallee auf dem Mittelstreifen der Jasperallee zwischen Ring und Staatstheater den fachlichen Dialog mit der Unteren und der Oberen Denkmalschutzbehörde gesucht. Bei einem gemeinsamen Ortstermin ist deutlich geworden, dass der aktuelle Zustand der Baumallee mit zum Teil in ihrer Vitalität deutlich eingeschränkten Baumindividuen und partiell größeren Lücken im Bestand, die den Alleecharakter gestalterisch konterkarieren, insbesondere hinsichtlich der städtebaulichen Bedeutung der Jasperallee kritisch zu betrachten ist. Die Verwaltung hat daraufhin Überlegungen angestellt, wie der sukzessive Verlust des Allleecharakters vermieden bzw. die Baumallee wiederhergestellt werden könnte.

 

Historischer Kontext

 

Die 1.100 m lange Jasperallee, die frühere Kaiser-Wilhelm-Straße, entstand ab 1890 und bildet eine der Hauptachsen des Östlichen Ringgebiets. Sie führt vom Staatstheater geradlinig ostwärts zum Stadtpark und bildet das gestalterische „Rückgrat“ des Stadtteiles.

Grundlage für den Bau der Anlage war der Ortsbauplan von Stadtbaurat Ludwig Winter aus dem Jahr 1889. Vorbild waren die Berliner Boulevards. Entlang der Allee entstanden repräsentative Wohnbauten im Stil des Historismus. Die Jasperallee einschließlich des begrünten Mittelstreifens steht seit knapp 30 Jahren unter Denkmalschutz.

 

Die Jasperallee besteht aus zwei getrennten Fahrspuren, die bis auf den Bereich im Stadtpark mit Längsparkstreifen versehen sind. In der Straßenmitte befindet sich auf ganzer Länge ein Grünstreifen, der nur durch Querstraßen unterbrochen wird. Im Westteil befindet sich in der Mitte des Grünstreifens eine gepflasterte Promenade, die nach Osten hin zum Trampelpfad wird. Der Raum in der Mitte ist (von West nach Ost) mit zwei Baumreihen aus Ahornen, Platanen und Eichen bepflanzt. Partiell grenzen niedrige Promenadengitter den Grünstreifen von der Straße ab.

 

Beschreibung des Bestandes

 

Der in dem im weiteren zu betrachtenden Abschnitt zwischen Ring und Staatstheater vorhandene Baumbestand, der überwiegend aus Silberahornen besteht, ist in seiner Vitalität sehr eingeschränkt.


 

Silberahorne sind nach dem aktuellen Erkenntnisstand der Ständigen Konferenz der Gartenamtsleiter beim Deutschen Städtetag wegen der Kurzlebig- und Windbrüchigkeit für die Straßenraumbegrünung nicht geeignet. Die Silberahorne bedürfen eines sehr hohen jährlichen baumpflegerischen Aufwandes, um einen verkehrssicheren Zustand zu gewährleisten.

 

Der Bestand ist lückenhaft, da von 114 Baumstandorten nur noch 87 mit Bäumen bestanden sind. Davon sind 57 Silberahorne und 30 Berg- und Spitzahorne. Die in den letzten Jahren durchführte Fällung von 27 Bäumen war erforderlich, weil die Bäume abgestorben oder in ihrer Vitalität so eingeschränkt waren, dass von ihnen erhebliche Verkehrsgefährdungen ausgingen.

 

Bei der Hälfte der noch verbliebenen Silberahorne sind umfangreiche Schädigungen zu diagnostizieren. Die Bäume, welche bis vor einigen Jahren fortlaufend in die entstandenen Lücken gepflanzt wurden, gedeihen nicht, weil sie in Konkurrenz mit dem Altbestand um Licht, Wurzelraum, Wasser und Nährstoffe stehen. Die Lückenergänzung mit Ahornen wurde darum vor einigen Jahren eingestellt.

 

Der ursprüngliche Alleecharakter geht durch die entstandenen Lücken, die verschiedenen Arten und Entwicklungszustände der Gehölze immer mehr verloren.

 

Nach aktuellem Recherchestand sind Linden als historischer Baumbestand belegt, diese prägten und prägen bis heute den gesamten wilhelminischen Ring.

 

Für die außerhalb des Rings weiterführenden Abschnitte der Jasperallee, in denen andere Arten von Alleebäumen gepflanzt wurden, besteht für die dortigen Bäume auf Grund ihrer Vitalität und des Gesamterscheinungsbildes kein Handlungsbedarf.

 

Variantenvorstellung für das zukünftige Gestaltungskonzept

 

Variante 1:

 

Eine Möglichkeit, die Allee auf der Jasperalle innerhalb des Rings neu zu bilden, ist die abschnittsweise Entfernung des vorhandenen, gemischten Bestandes innerhalb von drei Jahren. Die einzelnen Segmente auf dem Mittelstreifen der Jasperallee werden historischen Überlieferungen entsprechend mit einer noch auszuwählenden, mittelgroßen Lindenart mit regelmäßiger Krone bepflanzt. So würde eine Baumallee entstehen, die dem historischen Vorbild entspricht und dem städtebaulichem Gesamtensemble der Jasperallee gerecht wird.

 

Bei dieser Rekonstruktion wäre umfangreicher Bodenaustausch im gesamten Pflanzstreifen (zwischen Straße und Spazierweg) bis zu einer Tiefe von 2 m möglich. Das Substrat würde entsprechend des Standes der heutigen Technik gewählt. Folglich wären die Standortverhältnisse am Extremstandort Innenstadt/Straßenraum deutlich zu verbessern und die Bäume könnten sich gut entwickeln. Die Gehölze erhielten neuen durchwurzelbaren Raum mit besonderer Bedeutung für eine gesunde Kronenentwicklung.

 

Die Ökosystemdienstleistung in Bezug auf die Blattmasse würde in den nächsten Jahrzehnten stetig zunehmen. Weiterhin wäre eine Sanierung des befestigten Promenadenweges möglich, ohne die Wurzeln der vorhandenen Bäume zu schädigen.

 

Variante 2:

 

Die zweite Möglichkeit des Umgangs mit der raumbildenden Bepflanzung der Jasperallee bestünde im Nachpflanzen von Jungbäumen in die vorhandenen Lücken im Herbst 2018 oder Frühjahr 2019 und im Ersatz abgängiger Altbäume durch Linden oder Ahorne.


Diese Vorgehensweise würde in den nächsten Jahrzehnten zu einem erheblichen Pflegeaufwand führen, um die Verkehrssicherheit der weiterhin vorhandenen Silberahorne zu gewährleisten.

 

Die Ökosystemdienstleistung in Bezug auf die Blattmasse würde in den nächsten 20 Jahren durch die rückläufige Entwicklung des weiterhin zahlenmäßig dominierenden Altbaumbestandes stetig abnehmen.

 

Für die nachzupflanzenden Bäume wäre eine Standortverbesserung nur im Bereich der Baumgrube möglich. Umfangreichere Bodenarbeiten würden in den Wurzelraum der Bestandsbäume eingreifen und diese schädigen. Die Jungbäume wären entsprechend ihrer unterschiedlichen Entwicklungsstadien über einen langen Zeitraum zu wässern und zu pflegen. Unter den ungünstigen Standortbedingungen, die durch Konkurrenz mit den Altbäumen um Licht, Wasser, Wurzelraum und Nährstoffe entstehen würden, zu erwartende Beschädigungen der Jungbäume durch abbrechende Äste der Altbäume oder eventuell umstürzende Bäume würde es lange dauern, bis sich die Jungbäume zu vitalen Alleebäumen entwickelt hätten. Ein einheitliches Kronenbild und ein Alleecharakter könnten so in den nächsten Jahrzehnten nicht entstehen.

 

Der Baumbestand würde in seinem weiterhin ungeordneten, heterogenen Erscheinungsbild der anspruchsvollen Villenbebauung und der großen städtebaulichen Bedeutung der Jasperallee nicht gerecht.

 

Bisherige verwaltungsinterne Aktivitäten und geplante weitere Vorgehensweise

 

In mehreren verwaltungsinterne Besprechungen hat die Fachverwaltung sich intensiv mit den Vor- und Nachteilen der beiden vorstehend beschriebenen Planungsvarianten auseinandergesetzt. Eine Verwaltungsentscheidung zur Variante, welche den Gremien vorgeschlagen werden soll, ist jedoch bisher noch nicht getroffen worden.

 

Mit der Bürgerinitiative Baumschutz haben sich Vertreter des Fachbereiches Stadtgrün und Sport sowie der Unteren Denkmalschutzbehörde bereits im April 2018 zu einem zweieinhalbstündigen Gespräch getroffen, in dem Argumente hinsichtlich der beiden zur Diskussion stehenden Planungsvarianten ausgetauscht worden sind.

 

Mit der Kreisgruppe Braunschweig des BUND hat sich der Fachbereich Stadtgrün und Sport am 22. Mai 2018 fachlich über die denkbaren Planungsvarianten ausgetauscht.

 

Am 29. Mai 2018 haben Vertreter des Fachbereiches Stadtgrün und Sport und der Leiter des Referates Stadtbild und Denkmalpflege ein Gespräch mit Mitgliedern der im Stadtbezirksrat 120 vertretenen Fraktionen geführt. Auch in diesem, von allen Seiten sehr konstruktiv geführten Gespräch sind die bisherigen Planungsvarianten umfassend erörtert worden.

 

Während der Ratsferien wird die Verwaltung sodann auf Basis dieser fachlichen Vorarbeiten eine Beschlussvorlage entwerfen. Sie soll nach aktuellem Planungsstand in den Sitzungen des Stadtbezirksrates 120 am 13. September 2018 sowie des Grünflächenausschusses am 14. September 2018 inhaltlich vorberaten und aufgrund der gesamtstädtischen baukulturellen Bedeutung der Jasperalllee voraussichtlich dem Rat in seiner Sitzung am 6. November 2018 zur Entscheidung vorgelegt werden soll. Damit weicht die Verwaltung von ihrer ursprünglichen, in der Mitteilung an den Rat vom 20. Februar 2018 (DRS.: 18-07561) geäußerten Absicht, bis Mitte 2018 zu einer Entscheidung zu gelangen, ab. Diese Abweichung wird erforderlich, um im Vorfeld der Erarbeitung einer Beschlussvorlage ausreichenden zeitlichen Vorlauf für die Bildung einer umfassenden Verwaltungsmeinung zu haben und externen Akteuren sowie den politischen Gremien wie Bezirksrat und Grünflächenausschuss genug Zeit einzuräumen, sich auf Grundlage der fachlichen Vorüberlegungen der Verwaltung einen inhaltlichen Überblick über das Thema „Baumbestand auf der Jasperallee“ zu verschaffen.

 

Bei beiden denkbaren Planungsvarianten könnte jeweils im Spätherbst 2018 bzw. Frühjahr 2019 mit der Umsetzung begonnen bzw. bei der Variante „Lückenbepflanzung“ die Umsetzung abgeschlossen werden. Ausreichende Haushaltsmittel zur Umsetzung beider Varianten sind im Teilhaushalt des Fachbereiches Stadtgrün und Sport veranschlagt.

 

Weitergehende Erläuterungen anhand von Plänen erfolgen durch die Verwaltung während der Sitzung.
 

 

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