Rat und Stadtbezirksräte
Mitteilung - 18-08604
Grunddaten
- Betreff:
-
Strategischer Rahmen für die Förderung des Innovationsstandortes Braunschweig: Verortung aktueller Maßnahmen des Wirtschaftsdezernates in einem Drei-Säulen-Konzept des Wissens- und Technologietransfers
- Status:
- öffentlich (Vorlage freigegeben)
- Vorlageart:
- Mitteilung
- Federführend:
- 0800 Stabsstelle Wirtschaftsdezernat
- Verantwortlich:
- Leppa
Beratungsfolge
| Status | Datum | Gremium | Beschluss | NA |
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●
Erledigt
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Wirtschaftsausschuss
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zur Kenntnis
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24.08.2018
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Sachverhalt
Sachverhalt:
Mit der vorliegenden Mitteilung informiert die Verwaltung über den strategischen Rahmen zur Förderung des Innovationsstandortes Braunschweig und ordnet damit die aufgeführten Projekte und perspektivischen Vorhaben ein. Die Mitteilung dient weiterhin als thematische Grundlage für die Beschlussvorlagen zur Förderung des Innovationsstandortes, aktuell der zur Kooperation zwischen Haus der Wissenschaft GmbH und TRAFO Hub GmbH.
Einleitung
Das Aufgabenfeld „Förderung des Innovationsstandortes“ gliedert sich in der Arbeit des Wirtschaftsdezernates und der Wirtschaftsförderung in die wesentlichen Bausteine Gründerförderung, Wissens- und Technologietransfer sowie Innovationsförderung, Digitalisierungsthemen und Zusammenarbeit in Clustern und Netzwerken. Diese Bausteine sind eng miteinander verzahnt und deshalb zusammenhängend zu betrachten.
Die ausgeprägten Kompetenzen des Standortes in Wissenschaft und Forschung bieten die große, wenigen Standorten in Europa gegebene Chance, Innovationen in Wertschöpfung und Arbeitsplätze zu übersetzen. Braunschweigs Pluspunkte sind die Innovationskraft der Hochschulen und Forschungseinrichtungen, die gute Infrastruktur, das breite Netzwerk unterstützender Institutionen und das regionale Mobilitätscluster. Zentrale Aufgabe von Politik und Verwaltung ist es, die klugen Köpfe und Innovationen in Stadt und Region zu halten, um die wirtschaftlichen Effekte auch hier zu nutzen. Insofern muss sich Braunschweig mit teils deutlich größeren Städten und den dortigen Einrichtungen messen. Aktuell verdienen in diesem Zusammenhang insbesondere Initiativen zur Digitalisierung und zur Gründerförderung besondere Aufmerksamkeit.
Im Integrierten Stadtentwicklungskonzept wurde daher ein eigenes Rahmenprojekt aufgenommen, welches die Förderung des Innovationsstandortes adressiert und folgende wesentliche Ziele verfolgt:
Zum einen soll die Zusammenarbeit sowie der Wissens- und Technologietransfer zwischen Wissenschaft und Wirtschaft sowie auch mit der Gesellschaft in Braunschweig ausgebaut und weiter gestärkt werden. Aus diesen Faktoren gilt es ein funktionierendes Ökosystem und hervorragendes Gründerklima in der Stadt und der Region zu entwickeln, das eine hohe Anziehungskraft auf tragfähige, insbesondere technologieaffine Start-ups ausübt. Die Akteure der unterschiedlichen Disziplinen (Wirtschaft, Wissenschaft, Zivilgesellschaft, Kreative etc.) sollen sich gezielt vernetzen, um das positive Klima für Forschung und Wissenschaft in der Stadtgesellschaft aufrecht zu erhalten und auszubauen. Darüber hinaus findet die Thematik auch im Arbeitsfeld 7 „Kultur, freie Szene und Wissenschaft“ weitreichende Berücksichtigung.
Der Wissens- und Technologietransfer kann dabei als wesentliches Instrument zur Erreichung all dieser Ziele verstanden werden, denn er beschreibt vereinfacht formuliert den Prozess, wie Wissen und Innovationen (z. B. aus der Wissenschaft und Forschung) in Wertschöpfung und Arbeitsplätze übersetzt werden. Durch die hieraus generierte Stärkung der Innovationskraft und – mit Blick auf Unternehmensgründungen – der Diversifizierung des Wirtschaftsstandortes wird der Innovationsstandort gefördert und maßgeblich profiliert.
Drei-Säulen-Konzept
- Säule: Bündelung und neue Wege der bisherigen Initiativen zum Wissens- und Technologietransfer
Die Braunschweig Zukunft GmbH ist seit vielen Jahren in Kooperation mit der TU Braunschweig darum bemüht, über gemeinsame Projekte wie das Technologieforum aktiv den Wissens- und Technologietransfer zu fördern. Seit dem letzten Jahr wurde dieses Bestreben durch zwei neue Projekte erweitert.
Zum einen wird durch den Einsatz eines Innovationsscouts im Rahmen des Projektes Regionales Innovationsscouting die Verknüpfung zwischen Technischer Universität, Forschungseinrichtungen und KMUs intensiviert. Neben Fördermittelberatungen für Innovationsprozesse sollen Kooperationen initiiert werden, um Problemstellungen der Wirtschaft, insbesondere KMUs, unter Ausnutzung vorhandener Potenziale an der Technischen Universität und anderen Forschungseinrichtungen in der Region zu lösen.
Zum anderen arbeiten beide Einrichtungen derzeit an einer Konzeption, um diesen Ort als Anlaufstelle für Gründer und Technologietransfer weiterzuentwickeln. Ziel ist es, durch Erweiterung des Technologieparks etablierte Initiativen und Akteure bzw. deren Maßnahmen zu den Themen Gründerförderung, Entrepreneurship sowie Wissens- und Technologietransfer räumlich an einem Ort zu konzentrieren. Durch diese Bündelung soll eine neue zentrale An-lauf- und Beratungsstelle mit regionalem Anspruch entstehen, die die Sichtbarkeit der Ange-bote erhöht und die Vernetzung der Akteure fördert, um neue Adressaten zu erreichen und wirkungsvoller zu agieren. Durch den Quartierscharakter, die Nähe zu den verschiedenen Campusbereichen mit Instituten und Einrichtungen der Technischen Universität sowie zum Technologiepark wird zusätzlich der gewachsene kreative Stadtraum / Creative Space in diesem Bereich der Stadt weiter ausgebaut.
- Säule: Wissens- und Technologietransfer durch Unternehmensgründungen
Wissens- und Technologietransfer kann aber nicht nur durch Kooperationsprojekte zwischen KMUs, Start-ups mit Hochschulen und Forschungseinrichtungen erfolgen, sondern auch unmittelbar über Unternehmensgründungen. Junge Unternehmer benötigen dabei meist Hilfestellung, um aus einer Geschäftsidee ein erfolgreiches Unternehmen zu errichten. Im Zuge der seit vielen Jahren erfolgreich aktiv und intensiv betriebenen Gründerförderung durch die Braunschweig Zukunft GmbH und ihrer Partner aus dem Gründernetzwerk verstärkte sich in den letzten Jahren jedoch das Bewusstsein, dass neue Ansätze der Gründerförderung entwickelt werden müssen. Ziel war es daher, junge Unternehmer in weiteren kritischen Phasen der Unternehmensentwicklung und fachlich umfassender im Verlauf ihrer Wertschöpfungskette, also wie beschrieben von der Ideenentwicklung bis hin zum etablierten Unternehmen, zu begleiten. Hierfür wurden von der Braunschweig Zukunft GmbH die beiden Projekte Start-Up-Zentrum Mobilität und Innovation (MO.IN) und Inkubator für Wachstum und Innovation (W.IN) ins Leben gerufen.
Im vom Land Niedersachsen und der Stadt Braunschwieg mit jeweils rund 173.000 Euro über zwei Jahre finanzierten MO.IN, welches im Technologiepark (Einbindung ins Gründerquartier) untergebracht ist, werden in enger Zusammenarbeit mit dem Lehrstuhl für Entrepreneurship von Technischer Universität und Ostfalia Hochschule pro Jahr ca. sechs technologieorientierte Gründungen mit dem Schwerpunkt Mobilität und Innovation umfassend betreut. Die Beratungs- und Coaching-Leistungen setzen hierbei in der Early-Stage der Gründungsphase (Pre-Seed (Orientierungsphase), Seed (Planungsphase), Start-up (Gründungsphase)) an.
Das Konzept des W.IN wurde in enger Abstimmung mit Unternehmern aus Braunschweig und der Region erstellt. Der Fokus liegt hierbei auf der Wachstumsphase der Start-ups, was einen wesentlichen Unterschied zum MO.IN darstellt. Im Leistungsumfang sind hierbei z. B. enthalten: Beratungs- und Mentoring-Angebote, Kontaktvermittlung zu Investoren und der Zugang zum Netzwerk aus Unternehmern, die als Sparrings- und strategische Partner sowie als Mentoren agieren. Der W.IN zahlt direkt auf die Zielsetzung der Vernetzung zwischen städtischer Gesellschaft, öffentlichen Einrichtungen/Institutionen und Unternehmen ein und ist damit ein zentraler Baustein für das Gründer-Ökosystem und ein starkes Zeichen für die positive Kultur am Standort Braunschweig.
Darüber hinaus wurde mit dem Technologiezentrum Innovationsflügel am Forschungsflughafen ein weiterer wichtiger Impuls zur Standortförderung gesetzt. Der Innovationsflügel wurde auf rd. 350 m² im 2. OG in das Lilienthalhaus integriert. Die Forschungsflughafen Braunschweig GmbH berät und unterstützt das Projekt und die Mieter des Innovationsflügels. Diese profitieren vom Campuscharakter des Gebietes am Forschungsflughafen, werden in das Netzwerk aus Unternehmen und Institutionen eingebunden und kommen mit potenziellen Partnern in Kontakt. Weiterhin sind im Innovationsflügel Informationsveranstaltungen und Workshops auch in Zusammenarbeit mit der Gründungsberatung der Braunschweig Zukunft GmbH geplant. Mit dem Vorhaben wird das Ziel verfolgt, das Mobilitätscluster am Forschungsflughafen künftig innovativen kleinen oder jungen Unternehmen bzw. Projektpartnern, die im Bereich der Luft-, Raumfahrt und der Verkehrstechnik tätig sind, leichter zugänglich zu machen, ihnen somit bessere Entwicklungsmöglichkeiten zu bieten und den Flächenengpass am Flughafen zu kompensieren.
Alle neuen Projekte sind zunächst zeitlich befristet und werden nur bei Erfolg fortgesetzt. Absehbar sind Synergien in der weiteren Entwicklung durch eine Integration des MO.IN und des W.IN.
- Säule: Wissens- und Technologietransfer in Creative Spaces
Creative Spaces wie Fablabs, Co-Working-Spaces oder Digital Hubs sind Keimzellen der digitalen Entwicklung und Innovationskraft eines Standortes und nicht zuletzt durch den Förderwettbewerb des Bundes vor einigen Jahren inzwischen in vielen deutschen Großstädten, insbesondere solchen mit starken, anwendungsorientierten Universitäten, Realität. Als dritte Säule spielen diese Creative Spaces daher eine auch für Braunschweig und die Region eine zentrale Rolle. Bei der Realisierung solcher Orte setzen Wirtschaftsdezernat und Braunschweig Zukunft GmbH auf die Begleitung und Unterstützung privater Akteure bzw. Initiativen durch Beratungsleistungen und finanzielle Förderung.
Ein erster Creative Space, der erfolgreich etabliert werden konnte, ist das Protohaus im Gründerquartier. Er ist eine offene High-Tech-Werkstatt zum transdisziplinären Arbeiten und Austausch, der Fokus liegt hier auf dem Angebot unterschiedlichster Maschinen und entsprechenden Schulungen und Projekten. Der Transformationhub (TRAFO) in der Wichmannhalle stellt die jüngste Initiative dar. Ziel ist hier die Schaffung eines Digital Hubs, also eines Raum-angebotes zum intensiven Austausch und Kooperationen zwischen Köpfen und Unternehmen der Digitalwirtschaft, Kreativen und anderen „old-economy“-Unternehmen. Das Projekt wird in der Beschlussvorlage „Förderung einer Kooperation zwischen der Haus der Wissenschaft GmbH und der TRAFO Hub GmbH in der Wichmannhalle“ (DS 18- 08605) detailliert vorgestellt und erläutert.
Um das existierende Braunschweiger Ökosystem der kreativen Orte zu untersuchen, wird in Kooperation mit der Metropolregion GmbH im Rahmen des Projektes Campus Metropolregion zur Förderung der Kultur- und Kreativwirtschaft eine Studie in Auftrag gegeben, die kreative Orte in Braunschweig detailliert untersucht. Hierbei werden u. a. folgende zwei Ziele verfolgt: Erstens die Erfassung der individuellen Bedarfe der handelnden Akteure, um gezielt Maßnahmen zu deren Unterstützung zu entwickeln. Und zweitens sollen Auswirkungen kreativer Orte auf die Stadtentwicklung (Nachbarschaft, Quartier, Gesamtstadt) untersucht und identifiziert werden, um die diesbezüglichen Potenziale besser nutzen zu können.
Fazit
Das beschriebene Drei-Säulen-Konzept des Wissens- und Technologietransfers wird als strategischer Handlungsrahmen für die Förderung des Innovationsstandortes gesehen, stetig verfeinert und ausgestaltet. Der bisher verfolgte Ansatz, neben stadteigenen Projekten und Maßnahmen auch in diesem Bereich verstärkt auf Kooperationen mit öffentlichen Einrichtungen, Unternehmen und Privatpersonen zu setzen, erweist sich als äußerst erfolgreich und trägt in Summe nachhaltig zur Entwicklung und vor allem Profilierung des Wirtschaftsstandortes bei.
Der TRAFO in der Wichmannhalle – als aktuellste Maßnahme des Wirtschaftsdezernates – nimmt hierbei künftig eine zentrale Rolle ein, denn er wird als erster Digital Hub der Stadt eine zusätzliche Basis für die Vernetzung wichtiger Akteure darstellen und damit eine neue Plattform für die Entwicklung innovativer Konzepte und Projektideen bieten. Die in der nachgelagerten Beschlussvorlage hierfür vorgesehene Förderung einer Kooperation zwischen dem Haus der Wissenschaft und der TRAFO Hub GmbH ist daher von besonderer Bedeutung.
