Rat und Stadtbezirksräte
Beschlussvorlage - 18-09075-01
Grunddaten
- Betreff:
-
Orientierungsbeleuchtung Finnenbahn
- Status:
- öffentlich (Vorlage freigegeben)
- Vorlageart:
- Beschlussvorlage
- Federführend:
- 67 Fachbereich Stadtgrün und Sport
- Verantwortlich:
- Geiger
Beratungsfolge
| Status | Datum | Gremium | Beschluss | NA |
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●
Erledigt
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Grünflächenausschuss
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Entscheidung
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12.03.2019
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Sachverhalt
Sachverhalt:
Nach Zurückstellung der Beschlussvorlage 18-09075 wurde die Fachverwaltung mit dem Änderungsantrag 18-09747 beauftragt, die Nutzung der Finnenbahn zu evaluieren und auf dieser Grundlage die Nachhaltigkeit der Investition darzustellen. Außerdem sollte geprüft werden, ob die Beleuchtung auch auf einem kostengünstigeren Weg hergestellt werden kann.
Wirtschaftlichkeitsbetrachtung unter Berücksichtigung des historischen Umfelds sowie sozialer und naturschutzfachlicher Kriterien.
Es wurden verschiedene, auch kostengünstigere alternative Beleuchtungsanlagen geprüft, von denen sich aber aufgrund der Beleuchtungsart, der Größe der Lichtkegel, der Gesamthöhe der Leuchtkörper und zu berücksichtigender gestalterischer Aspekte keine Alternative herauskristallisiert hat. Die Gründe hierfür werden im Folgenden kurz erläutert.
Der Prinz-Albrecht-Park wurde Ende des 19. Jahrhunderts durch den Braunschweigischen Herzoglichen Promenadeninspektor Friedrich Kreiß nach den Plänen des Gartendirektors Fintelmann entworfen und 1905 fertiggestellt. Die zur Beleuchtung der Finnenbahn in diesem Teil des Prinzenparks vorgesehene Anlage steht somit im spannungsvollen Kontrast zu der historischen Parkanlage. Beleuchtungsanlagen, die sich nicht entsprechend harmonisch in diesen als Kulturdenkmal ausgewiesenen Park integrieren, sind aus gartenkünstlerischen und denkmalpflegerischen Gesichtspunkten nicht in Betracht zu ziehen.
Ein weiteres zu berücksichtigendes Kriterium ist die Wirkung des von der Beleuchtungsanlage ausgehenden Lichts auf die im Landschaftsschutzgebiet „BS 3 Prinz-Albrecht- Park“ vorhandene Fauna und hier insbesondere auf die nachtaktiven Insektenarten. Aus naturschutzfachlicher Sicht galt es entsprechend ein Modell mit entsprechendem Farbspektrum und verträglicher Wärmestrahlung zu finden, durch das die negativen Auswirkungen minimiert werden. Auch ein zu großer Lichtkegel mit einer weiträumigeren Ausleuchtung und insgesamt mehr und hellerem Licht galt daher bei der Auswahl des bestmöglichen Modells als Ausschlusskriterium.
Unter anderem auch aus diesen Gründen war eine Beleuchtung, die ggf. das subjektive Sicherheitsempfinden bei Menschen im Prinz-Albrecht-Park durch eine weiträumige Beleuchtung erhöht, keine planerische Zielstellung für die Orientierungsbeleuchtung. Die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Braunschweig beurteilt diesbezüglich die geplante Beleuchtungsanlage wie folgt:
Die geplante Orientierungsbeleuchtung der Finnenbahn dient der „Laufsicherheit“, damit man beim Laufen nicht vom Weg abkommt und auf der Finnenbahn liegenden Ästen oder kleineren Hindernissen ausweichen kann.
Sollte die Orientierungsbeleuchtung mit der Zielsetzung umgesetzt werden, die Sicherheit für Frauen zu erhöhen, werden Frauen eine helle Ausleuchtung erwarten. Das ist mit der geplanten Beleuchtung aber nicht vorgesehen, da hier die Laufsicherheit im Vordergrund steht.
Nach Aussage der Polizei ist die Wahrscheinlichkeit von Überfällen im Park statistisch und damit objektiv sehr gering, so dass eine Ausleuchtung oder eine sehr helle Ausleuchtung objektiv nicht nötig wäre. Aber es ist das subjektive Sicherheitsempfinden der Läuferinnen, das darüber entscheidet ob sie diese Strecke im Dunklen nutzen werden. Nach Einschätzung der Gleichstellungsbeauftragten reicht die geplante Beleuchtung nicht aus, um Frauen ein subjektives Gefühl der Sicherheit zu geben. In der Regel meiden die meisten Frauen (und auch zahlreiche Männer) im Dunklen einsame Strecken (auch wenn sie beleuchtet sind) oder sie laufen in Gruppen, um sich sicherer zu fühlen.
Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass die zur Orientierungsbeleuchtung vorgeschlagene, sich gestalterisch zurücknehmende, schlichte und funktionale Beleuchtungsanlage sich im Zusammenspiel mit der architektonischen Wegeführung des Rundweges und der Finnenbahn als zusätzliches Ensemble in den Bestand integriert. Die Anlage erfüllt gartendenkmalpflegerisch, naturschutzfachlich und sportfachlich alle notwendigen Kriterien und hat sich unter Berücksichtigung dieser Gesichtspunkte als das wirtschaftlichste bzw. kostengünstigste Modell erwiesen. Zusätzlich ist es relativ vandalismusresistent und durch die modernen LED-Leuchtkörper energieeffizient.
Ein Vergleich mit anderen Kommunen zeigt, dass die Kosten für die Leuchten in Braunschweig mit rund 1.100 € brutto sich im absolut untersten Preissegment befinden. Keine befragte Kommune konnte geringere Kosten bei den Ausschreibungsergebnissen erzielen. (siehe hierzu Kapitel 3.2 Kosten auf Seite 11 der Anlage 3: Ergebnisse der Befragung anderer Kommunen hinsichtlich der Erfahrungen mit beleuchteten Laufstrecken).
Ergebnisse der Zählung und der Nutzerbefragung an der Finnenlaufbahn bzw. der Luafstrecke im Prinz-Albrecht-Park
Zur Erfassung des Umfangs der freizeitsportlichen Nutzung der Finnenbahn und der unmittelbar benachbarten Asphaltlaufstrecke wurde im Zeitraum zwischen dem 14. Februar und dem 24. Februar 2019 an insgesamt sieben Tagen die Anzahl der Nutzer erfasst. Die Erfassung erfolgte zwischen 08.00 und 18.00 Uhr bzw. zwischen 09.00 und 19.00 Uhr, wobei aufgrund der eintretenden Dunkelheit ab 18.00 Uhr sich nur noch sehr wenige Menschen in der Parkanlage befanden und auch die sportliche Nutzung des asphaltierten Rundwegs / der Finnenbahn in hohem Maße nachließ.
Die Zählung erfolgte tageweise an jeweils zwei verschiedenen Standorten, um sicherzustellen, dass die Erfassung über alle Parkeingänge gleichmäßig erfolgte. Doppelzähllungen an einem Tag wurden weitestgehend ausgeschlossen. Aufgrund der höchsten Frequentierung wurde der Standort 1 nordwestlich an der Ebertallee an sieben Tagen durchgehend besetzt, während die Standorte 2, 3 und 4 abwechselnd besetzt waren.
Insgesamt konnte dabei festgestellt werden, dass sowohl die Finnenbahn als auch der anliegende asphaltierte Rundweg aus Sicht der Verwaltung sehr gut frequentiert wird. Insgesamt wurden am durchgängig besetzten Standort 1 1.258 Freizeitsportler erfasst.
Darüber hinaus wurden den Läufern zwei Fragen bezüglich ihres freizeitsportlichen Verhaltens bei Dunkelheit gestellt. Die erste Frage sollte eruieren, ob die Befragten auch in der dunklen Jahreszeit freizeitsportlich aktiv sind und wo diese Betätigung ausgeübt wird. Die zweite Frage wurde dahingehend gestellt, ob die Befragten bei Errichtung der geplanten Orientierungsbeleuchtung den Rundkurs auch in der Dunkelheit nutzen würden.
Ein Teil der angesprochenen Sportlerinnen und Sportlern wollte sich allerdings nicht in der Ausübung der sportlichen Betätigung unterbrechen lassen und ließ keine Bereitschaft erkennen, die Fragen vollumfänglich zu beantworten.
Aus den gegebenen Antworten geht aber eindeutig hervor, dass rund 90 % und damit eine große Mehrheit der Befragten, auch in der Dunkelheit läuferisch aktiv ist. Auf die Frage, ob bei einer vorhandenen Orientierungsbeleuchtung auch der Rundkurs im Prinz-Albrecht-Park genutzt werden würde, sprach sich am Standort 1 mit rund 80 % und an den Standorten 2,3,4 mit rund 75 % eine große Mehrheit mit ja bzw. eher ja dafür aus.
Zwei weitere Fragen wurden zum Sicherheitsempfinden gestellt.
Mit 78 % und 73 % gab die überwiegende Mehrheit der Befragten dazu an, dass sie sich bei einer Orientierungsbeleuchtung sichererer fühlen würde. Dies gilt gleichermaßen für die Verkehrssicherheit als auch das subjektive Sicherheitsempfinden.
Die konkreten Ergebnisse der Zählung und der Befragung sind als Anlagen 1 und 2 dieser Vorlage beigefügt.
Deutschlandweite Befragung von Kommunen mit vergleichbaren beleuchteten freizeitsportlichen Laufstrecken.
Um die Erfahrungen verschiedener Kommunen zu vergleichbaren beleuchteten Laufstrecken zur freizeitsportlichen Nutzung zu ermitteln, wurde ein renommiertes, bundesweit tätiges Büro mit der Evaluierung beauftragt. Die Antworten der Kommunen werden auszugsweise in der folgenden Tabelle zitiert:
Stadt | Kosten-Nutzen-Relation |
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Norderstedt | Ja, definitiv bauen. Der Nutzwert der Anlage ist enorm. Es ist ein höchst attraktiver Ort für Sport entstanden. |
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Moers | Die Bahn wird sehr gut angenommen und wertet die gesamte Sportanlage extrem auf. Die Stadt ist sehr zufrieden mit der Entscheidung die Bahn zu beleuchten. |
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Schorndorf | Die Bahn ist toll und ein Gewinn für die Stadt. Kosten-Nutzen-Relation wird sehr gut bewertet. |
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Bremen | Großer Imagegewinn für den Park durch die Bahn. Sie wird sehr positiv wahrgenommen und wird, unabhängig von den Kosten, weiterhin Parkbestand bleiben. |
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Remscheid | Schwierig zu beurteilen, da es eine Frage der Sportförderung ist und mit der Beleuchtung vor allem der nichtorganisierte Sport gefördert wird. Die Anlage wird definitiv sehr gut genutzt und ist eine sehr positive Ergänzung zum städtischen Sportangebot, die das Leben in der Stadt Remscheid attraktiver und lebenswerter macht. Deshalb ist sie für die Stadt ein Imagegewinn, sowohl für den Tourismus als auch das Leben in der Stadt. |
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Paderborn | Die Laufstrecke, inklusive Beleuchtung, ist absolut erforderlich und würde ich genauso wieder machen. Ob sich eine Beleuchtung lohnt, ist davon abhängig, wie hoch der Druck aus der Öffentlichkeit ist und wie stark das Interesse für Laufsport/ Spazieren gehen ist und welche und wie viele Gruppen es gibt, die die Anlage nutzen. Wenn sie stark genutzt wird, lohnt sich eine Beleuchtung auf jeden Fall |
Der vollständige Bericht sowie die Ergebnisse der durchgeführten Befragung sind als Anlage 3 dieser Vorlage beigefügt.
Fazit
Aufgrund der Ergebnisse der Befragung zur Laufstrecke und der Ergebnisse der Zählungen im Prinz-Albrecht-Park, aber auch im Vergleich zu den ermittelten Werten anderer Kommunen, lässt sich festhalten, dass die Anlage bereits heute sehr gut angenommen wird. Im Gegensatz zu den übermittelten Nutzerdaten der abgefragten Kommunen wurden in Braunschweig ausschließlich die freizeitsportlichen Nutzer, also Läufer und (Nordic) Walker gezählt. Naherholungssuchende wie Spaziergänger etc. wurden nicht erfasst, wodurch sich im Vergleich zu den anderen Kommunen ein noch positiveres Bild hinsichtlich der Frequentierung ergibt.
Durch die Ergebnisse der durchgeführten Evaluierung wird der planerische Ansatz der Verwaltung bestärkt, dass sich die Errichtung einer Orientierungsbeleuchtung entlang der Finnenbahn als Gewinn für sehr viele Menschen erweisen würde, die auch abends oder bei dunkler Jahreszeit noch in naturnaher Umgebung auf dem asphaltierten Rundweg oder der Finnenbahn freizeitsportlich aktiv sein möchten. Darüber hinaus würden selbstverständlich auch Spaziergänger / Radfahrer und andere Parknutzer von der Orientierungsbeleuchtung profitieren.
Darüber hinaus werden durch die Ergebnisse der aktuellen Evaluierungen die Ergebnisse der im Jahr 2012 durchgeführten konzeptionellen Sportentwicklungsplanung in der Stadt Braunschweig bestätigt. In der zu diesem Zweck durchgeführten Befragung von insgesamt 14.013 Bürgerinnen und Bürgern Braunschweigs, von denen 3.191 den ausgefüllten Fragebogen zurücksendeten, hatte sich als Motiv für Sport und einer bewegungsaktiven Erholung mit großem Abstand herauskristallisiert, dass die sportlichen Aktivitäten in erster Linie von Gesundheits-, Fitness-, Spaß - und Entspannungsaspekten geprägt sind.
Als Orte der Ausübung von sportlichen Aktivitäten wurden mit großer Mehrheit die Braunschweiger Parkanlagen / Wälder / Wege noch vor Straßen, Fitness Studios oder Turn- und Sporthallen genannt. Allerdings äußerten sich nur 35 % der Befragten zufrieden mit dem Zustand der vorhandenen Laufsportwege.
Dem Ausbau sowie der Beschilderung und Beleuchtung von Laufwegen wurde insgesamt die siebthöchste Priorität bei fehlenden Sport- und Bewegungsräumen zugewiesen.
Auf Grundlage der Ergebnisse dieser prospektiven Evaluierung wurde im Rahmen der Beschlussfassung des Masterplans Sport 2030 im Arbeitsprogramm 2016 bis 2018 die „Erarbeitung und Umsetzung eines Konzeptes für eine beleuchtete Finnenbahn mit gelenkschonenden Rindenmulchbelag (Finnenbahn) im Prinz-Albrecht-Park vom Rat der Stadt Braunschweig einstimmig beschlossen und durch den Stadtbezirksrat Östliches Ringgebiet die Anlage der Finnenbahn und der Beleuchtung bereits bestätigt.
Die Verwaltung geht davon aus, dass mit dieser Ergänzungsvorlage die im Änderungsantrag genannten Arbeitsaufträge vollumfänglich abgearbeitet wurden. Die Ergebnisse der Nutzerbefragung vor Ort belegen, dass die freizeitsportliche Anlage auch im Winter gut frequentiert wird und die überwiegende Mehrheit der Nutzer eine Beleuchtung als Gewinn für die Anlage und für den Freizeitsport in Braunschweig sieht.
Die Befragungen zu Erfahrungen anderer Kommunen zu vergleichbaren beleuchteten Laufstrecken belegen, dass diese Anlagen durchweg als Erfolgsprojekte eingeschätzt werden.
Anlagen
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155,7 kB
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2
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(wie Dokument)
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728,9 kB
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3
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(wie Dokument)
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2,2 MB
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