Rat und Stadtbezirksräte
Mitteilung - 19-10298
Grunddaten
- Betreff:
-
Sachstandsbericht zur Umsetzung der Baumpflanzungen Förderprojekt Klimaschutz, Beseitigung von Sturmschäden
- Status:
- öffentlich (Vorlage freigegeben)
- Vorlageart:
- Mitteilung
- Federführend:
- 67 Fachbereich Stadtgrün und Sport
- Verantwortlich:
- Geiger
Beratungsfolge
| Status | Datum | Gremium | Beschluss | NA |
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●
Erledigt
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Grünflächenausschuss
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zur Kenntnis
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12.03.2019
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Sachverhalt
Sachverhalt:
- Sachstand Baumpflanzungen im Zuge der Umsetzung des Modellprojektes „Braunschweig – integrierter Klimaschutz mit urbanem Grün. Makroklimatische Regulierung durch Pflanzen“
Als Kompensation des im Zuge der Haushaltskonsolidierung eingetretenen Substanzverlustes (1105 Bäume) in 22 Ortsteilen und vier Gewerbegebieten, hat der Rat in seiner Sitzung am 13.03.2018 beschlossen, insgesamt 776 Bäume nachzupflanzen (DS 17-05993).
Von den 776 fachlich empfehlenswerten Ersatzbaumpflanzungen können 650 Baumpflanzungen auf städtischen Flächen über die Umsetzung des Förderprojektes „Braunschweig – integrierter Klimaschutz mit urbanem Grün. Makroklimatische Regulierung durch Pflanzen“ mit einer 80%igen Förderung durch das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) in den Jahren 2018 bis 2021 finanziert werden.
Da andere Maßnahmen (Dach- und Fassadenbegrünung) des Modellprojektes verzögert anlaufen, wurden die Baumpflanzungen in den Vordergrund gestellt, um die anteiligen Fördergelder zu verausgaben. Ursprünglich war für das Jahr 2018 die Pflanzung von 163 Bäumen geplant, tatsächlich wurden in den vergangenen Wochen 295 Bäume gepflanzt.
Die Auswahl der Baumarten erfolgte weitesgehend auf Grundlage der Ergebnisse des Projektes „Stadtgrün 2021“ der Bayerischen Landesanstalt für Wein- und Gartenbau (LWG). Dieses 2009 gestartete Klimawandel-Projekt beschäftigt sich mit der Problematik, dass einige der gängigen Stadtbaumarten immer stärker unter den zunehmend wärmeren und trockeneren Sommern sowie unter neu eingewanderten Schädlingen und Erkrankungen leiden. Das führt dazu, dass sie in vielen Fällen frühzeitig in ihrer Vitalität eingeschränkt sind, zu einer Gefährdung werden oder gänzlich absterben. Zwischenergebnis dieses Projektes ist eine Auswahl von zukunftsträchtigen Baumarten aus dem (süd-) osteuropäischen, aber auch nordamerikanischen und asiatischen Raum. Diese Arten sind auf Grund ihrer Eigenschaften, im Gegensatz zu vielen bisher verwendeten Arten, besser an die prognostizierten Klimabedingungen unserer Städte angepasst.
Sieben verschiedene „Zukunftsbäume“ werden beispielsweise im Gewerbegebiet Sudetenstraße gepflanzt: Die Hopfen-Buche (Ostrya carpinifolia) ist nah mit der heimischen Hainbuche verwandt und zählt zu den besonders winterharten und gesunden Zukunftsbäumen. Die Purpur-Erle (Alnus x spaethii) gedeiht auch auf nährstoffarmen Böden und ist gut salzverträglich. Als Eyecatcher werden vereinzelt Amberbäume (Liquidambar styraciflua) gepflanzt.
In seinem Habitus erinnert der Amberbaum an einen Ahorn und die kräftig rote Herbstfärbung ist prägnant. In anderen Teilen Braunschweigs hat er sich, besonders im letzten trockenen und sehr heißen Sommer, als Straßenbaum schon gut bewährt.
Bei der Artenauswahl spielte des Weiteren die von der Art produzierte Blattmasse eine Rolle. Je höher die Blattmasse einer Art, desto größer ihr Beitrag zum Klimaschutz, da durch den Photosynthese-Prozess erhebliche Mengen CO2 aus der Atmosphäre gebunden werden können. Arten mit rauen, behaarten, klebrigen Blättern wie die ebenfalls verwendete Silberlinde (Tilia tomentosa `Brabant`) können zudem neben CO2 auch Feinstaub durch Absorption und Impaktion (Ablagerung kleiner schwebender Partikel auf Oberflächen) binden. Feinstäube in Form von Rußemissionen sind nicht nur eine toxische Belastung für Mensch und Umwelt, sondern haben auch eine vielfach höhere klimaschädigende Wirkung als Kohlendioxid.
Die Pflanzungen werden mit Beginn der zweiten Märzwoche angeschlossen sein. Die Abnahme der Pflanzungen ist für Ende Juni 2019 geplant.
- Sachstand Baumpflanzungen als Ersatz für Sturmschäden
Weitere 425 Baumpflanzungen werden aktuell als Ersatzpflanzung bzw. Kompensation für die aufgrund von Starksturmereignissen verlorengegangenen Bäume durchgeführt. Im Oktober 2017 führte der schwere Sturm „Xavier“ und das darauffolgende Sturmtief „Herwart“ sowie der Orkan „Friederike“ im Januar 2018 zu erheblichen Baumausfällen. Diesen Stürmen fielen im gesamten Stadtgebiet rund 1.300 Bäume zum Opfer. Jeder Standort der geschädigten und entnommenen Bäume wurde durch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Fachbereichs Stadtgrün und Sport überprüft und bewertet. Als fachlich möglich und sinnvoll gilt die Nachpflanzung von 881 vom Sturm irreversibel geschädigten Bäume.
Durch Ratsbeschluss vom 19.12.2017 standen dem Fachbereich Stadtgrün und Sport im Rahmen einer überplanmäßigen Aufwendung auf dem Projekt 5S.670036 Mittel in Höhe von 800.200 € für Ersatzpflanzungen (425 Bäume) zur Beseitigung der Sturmschäden zur Verfügung. Die geplanten Pflanzungen wurden im September 2018 in insgesamt sieben Stadtbezirken und im Grünflächenausschuss vorgestellt und jeweils einstimmig beschlossen.
Vorrangig werden Bäume im Straßenraum und in den Parkanlagen nachgepflanzt. Durch Baumpflanzungen im Straßenraum wird bestehenden gestalterischen Zielstellungen entsprochen. Die Bäume schließen die durch Stürme entstandenen Lücken und dienen als leitende-, raumbildende- und als Orientierungselemente.
Unter Berücksichtigung bestehender Pflege- und Entwicklungskonzepte werden 90 Bäume im Prinz-Albrecht-Park und 130 Bäume im West-Park ersetzt.
Bei der Arten- und Sortenauswahl wurden, wie auch bei den obenstehenden Klimabäumen die geänderten klimatischen Anforderungen beachtet sowie Bezüge zu vorhandenen Bäumen hergestellt.
Bis 2021 können weitere 465 Bäume im Stadtgebiet gepflanzt werden.
- Fachgerechte Baumpflanzungen
Der Anspruch des Fachbereichs Stadtgrün und Sport ist es, allen neu gepflanzten Bäumen möglichst ideale Wachstumsbedingungen zu bieten.
Bestmögliche Voraussetzungen werden durch ausreichenden Wurzelraum, gute Substrate und optimalen Düngereinsatz erreicht. Die Baumpflanzungen wurden gemäß der „Empfehlung für Baumpflanzungen“ der Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung Landschaftsbau (FLL) durchgeführt.
Alle 720 Baumpflanzungen werden mit einer Fertigstellungspflege sowie einer notwendigen Entwicklungspflege zum Erreichen des funktionsfähigen Zustands des Baumes durchgeführt. In dieser Phase sind regelmäßige Wässerungsgänge essentiell, um das Anwachsen und Überleben der Bäume gewährleisten zu können.
Weitere Bestandteile der Entwicklungspflege sind das Freihalten der Baumscheibe von Wildkräutern, das Kontrollieren und Richten der Baumverankerungen, Erziehungs- und Aufbauschnitte zum Erreichen des geforderten Lichtraumprofils sowie eine bedarfsgerechte Düngung.
Mit Abschluss der Pflanzung von 720 Bäumen Mitte März 2019 endet eine der umfangreichsten Pflanzaktionen der vergangenen Jahrzehnte innerhalb des Stadtgebietes.
