Rat und Stadtbezirksräte
Beschlussvorlage - 19-10366
Grunddaten
- Betreff:
-
Projekt "Stolpersteine 2019"
- Status:
- öffentlich (Vorlage freigegeben)
- Vorlageart:
- Beschlussvorlage
- Federführend:
- DEZERNAT IV - Kultur- und Wissenschaftsdezernat
- Beteiligt:
- 41 Fachbereich Kultur und Wissenschaft; 10 Fachbereich Zentrale Dienste
- Verantwortlich:
- Dr. Hesse
Beratungsfolge
| Status | Datum | Gremium | Beschluss | NA |
|---|---|---|---|---|
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●
Erledigt
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Stadtbezirksrat im Stadtbezirk 120 Östliches Ringgebiet
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Entscheidung
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27.03.2019
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Sachverhalt
Sachverhalt:
Gemäß § 93 Abs. 1 Ziffern 5 und 10 des Niedersächsischen Kommunalverfassungsgesetzes (NKomVG) in Verbindung mit § 16 Abs. 1 Ziffer 8 der Hauptsatzung der Stadt Braunschweig
vom 8. November 2011 in der derzeit geltenden Fassung entscheiden die Stadtbezirksräte
über die Aufstellung von Kunstwerken. Vorliegend handelt es sich bei der Verlegung sogenannter Stolpersteine des Künstlers Gunter Demnig um derartige Kunstwerke.
Entsprechend dem Konzept des Projektes Stolpersteine enthalten jeweils neu zu verlegende Steine den Namen der Opfer des Nationalsozialismus sowie kurze Angaben zum Geburtsjahr und zum jeweiligen Schicksal.
Der Verein „Stolpersteine für Braunschweig e. V.“ hat die folgenden Daten zu den Personen
ermittelt und der Verwaltung mitgeteilt:
Jasperallee 37 (ehemals Kaiser-Wilhelm-Straße 37)
Gustav Mangold
Geboren: 17.09.1853 in Bleckede an der Elbe
Ausbildung/Beruf:1878 zog Gustav nach Braunschweig und erhielt dort 1888 die deutsche Staatsbürgerschaft. Er war führender Maßschneider in der Tuchhandlung Gustav Mangold in der Friedrich-Wilhelm-Straße 36. Ab 1921 zusammen mit dem Hofschneider Karl Lippold, der das Geschäft nach dem Tod Mangolds am 06.05.1933 unter dessen Namen weiterführte.
Wohnort: Kaiser-Wilhelm-Straße 37 (heute Jasperallee 37)
Grund der Verfolgung:Jude
Verfolgung:„Arisierung“ des Geschäftes 1939.
Verlegungsort: Jasperallee 37
Grund der Verlegung:Recherche: Schüler*innen der JFK-Realschule
Johanna Mangold, geb. Löwenthal
Geboren:29.09.1858 in Bützow/Mecklenburg
Ausbildung/ Beruf: Hausfrau und Mutter. Sie war die Ehefrau von Gustav Mangold.
Wohnort: Kaiser-Wilhelm-Straße 37 (heute Jasperallee 37)
Grund der Verfolgung:Jüdin
Verfolgung:Johanna Mangold hat die bis 1936 sich immer weiter verschärfende Ausgrenzung und Anfeindung der Juden erlebt, u. a. musste sie miterleben, wie ihre eine Tochter ihre Stelle als Lehrerin verlor.
Verlegungsort: Jasperallee 37
Grund der Verlegung:Recherche: Schüler*innen der JFK-Realschule
Else Helene Mangold
Geboren:19.09.1881
Ausbildung/ Beruf: Sie lebte von einem Gemeinschaftskonto, welches für sie und ihre Schwester Carola bei der Deutschen Bank in Braunschweig eingerichtet war.
Wohnort: Kaiser-Wilhelm-Straße 37 (heute Jasperallee 37)
Grund der Verfolgung:Jüdin
Verfolgung:floh 1939 nach England. Sie starb 1968 in Aled, Denbighshire, Wales.
Verlegungsort: Jasperallee 37
Grund der Verlegung:Recherche: Schüler*innen der JFK-Realschule
Carola Gustav Marianne Mangold
Geboren: 05.03.1891 in Braunschweig
Ausbildung/ Beruf: Lehrerin
Wohnort: Kaiser-Wilhelm-Straße 37 (heute Jasperallee 37)
Grund der Verfolgung:Jüdin
Verfolgung:Durch das „Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“ im Jahre 1933 wurde sie als Jüdin und Sozialdemokratin aus dem Dienst entlassen. Ab 1937 wurde sie als Angestellte wieder beschäftigt, als alle jüdischen Schüler*innen die öffentlichen Schulen verlassen mussten. Bis zum 10.01.1939 leitete sie eine Sammelklasse für jüdische Schüler*innen zwischen 6 und 17 Jahren im Gebäude einer katholischen Schule Hinter der Masch. 1939 floh sie nach England und starb 1971 in Uckfield, Sussex, England.
Verlegungsort: Jasperallee 37
Grund der Verlegung:Recherche: Schüler*innen der JFK-Realschule
Jasperallee 38
Julius Unger
Geboren: 22.06.1886
Ausbildung/Beruf:Ging am 02.08.1914 zum Militär und war Soldat im 1. Weltkrieg. Kehrte am 25.11.1918 nach Braunschweig zurück. War Doktor der Philosophie und als Geschäftsführer, Wirtschaftsberater und Privatsekretär tätig.
Wohnort: Jasperallee 38
Grund der Verfolgung:Jude
Verfolgung:Wurde am 10.11.1938 verhaftet und ins Konzentrationslager Buchenwald deportiert. Er starb am 03.05.1939 nach der Rückkehr aus der Haft. Am 19.05.1939 wurde er auf dem evangelischen Hauptfriedhof beigesetzt.
Verlegungsort: Jasperallee 38
Grund der Verlegung:Recherche: Schüler*innen der JFK-Realschule
Marianne Unger, geb. Brendecke
Geboren:07.12.1887
Ausbildung/ Beruf: unbekannt
Wohnort: Jasperallee 38
Grund der Verfolgung:Verheiratet mit einem Juden
Verfolgung:überlebt; Marianne Unger war indirekt sehr belastet, u.a. dadurch, dass ihr Sohn als „Mischling“ eingestuft und in ein Lager eingewiesen wurde.
Verlegungsort: Jasperallee 38
Grund der Verlegung:Recherche: Schüler*innen der JFK-Realschule
Wolfgang Unger
Geboren:25.01.1927
Ausbildung/ Beruf: Musste die Raabeschule Braunschweig aus rassistischen Gründen verlassen. Da er keine Möglichkeit bekam, seine Schullaufbahn an anderen Schulen fortzusetzen, begann er eine Lehre bei der Firme „Brunsviga“ Nach dem Krieg arbeitete er als Elektriker und studierte später an der TU Braunschweig.
Wohnort: Jasperallee 38
Grund der Verfolgung:Sohn eines jüdischen Vaters
Verfolgung:In Folge der „Mischlingsaktion“ kam er am 15.11.1944 in das Lager Blankenburg. Am 15.01.1945 kam er in das Lager Derneburg und wurde bis zum 11.04.1945 als Zwangsarbeiter festgehalten. Aufgrund seiner Eltern wurde er als „Mischling“ eingestuft, da sein Vater „volljüdischer Abstammung“ war und seine Mutter als „Arierin“ eingestuft wurde.
Verlegungsort: Jasperallee 38
Grund der Verlegung:Recherche: Schüler*innen der JFK-Realschule
