Rat und Stadtbezirksräte
Mitteilung - 19-10933
Grunddaten
- Betreff:
-
Hebammenversorgung
- Status:
- öffentlich (Vorlage freigegeben)
- Vorlageart:
- Mitteilung
- Federführend:
- 50 Fachbereich Soziales und Gesundheit
- Beteiligt:
- 0150 Gleichstellungsreferat
- Verantwortlich:
- Dr. Arbogast
Beratungsfolge
| Status | Datum | Gremium | Beschluss | NA |
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●
Erledigt
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Ausschuss für Soziales und Gesundheit
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zur Kenntnis
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29.05.2019
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Sachverhalt
Sachverhalt:
Am 9. Mai 2019 hat eine Podiumsdiskussion zur Hebammenversorgung in Braunschweig im Kulturpunkt West stattgefunden. Eingeladen hatten die Beratungsstelle pro familia Braunschweig, der Hebammenverband Niedersachsen e. V., die Diakonie im Braunschweiger Land, der Sozialdienst katholischer Frauen e. V. (SkF), die Beratungsstelle Achtung!Leben sowie die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Braunschweig. Teilnehmende der Podiumsdiskussion unter der Moderation der Gleichstellungsbeauftragten der Stadt Braunschweig waren: Frau Ministerin Dr. Carola Reimann, Niedersächsisches Ministerium für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung (MS), Unterzeichnerin für die Stadt Braunschweig, Frau Bujny, Vorsitzende des Niedersächsischen Hebammenverbandes, Herr Heller, Pflegedirektor Klinikum Braunschweig, Herr Dr. Kleinschmidt, KVN Bezirksstelle Braunschweig. Die Veranstaltung war sehr gut besucht. Es entwickelte sich eine lebhafte Diskussion auch mit Teilnehmer*innen aus dem Publikum. Dabei wurde deutlich, dass viele Hebammen gekommen waren.
Frau Dr. Reimann betonte, basierend auf dem Gesundheitsbericht "Hebammenversorgung in Niedersachsen", Datenlage in Niedersachsen, erstellt durch das Niedersächsische Landesgesundheitsamt (NLGA) mit Veröffentlichung im Januar 2019, dass die Datenlage und die Meldezahlen für in Niedersachsen und somit auch in Braunschweig tätigen Hebammen lückenhaft und unzuverlässig sind.
Kritisch diskutiert wurden:
- Mangel an Hebammen sowohl im niedergelassenen als auch im stationären Bereich
- schlechte Bezahlung der Hebammen, insbesondere im freiberuflichen Bereich
- ständige Rufbereitschaft mit ungünstigen Arbeitsbedingungen bei schlechter Bezahlung
- Arbeitsverdichtung
- gestiegene Dokumentationspflichten
- Hebammen vermehrt in Teilzeit arbeitend
- Arbeitsplatzbelastung im Krankenhaus nicht tragbar, Hebammen müssen zeitweise bis zu vier Frauen parallel bei der Geburt betreuen
- Situation verschärft durch Schließung der Peiner Frauenklinik
- Geburtenrate in den letzten Jahren gestiegen
- der Hebammenverband wünscht sich in Braunschweig die Einrichtung einer Hebammenzentrale
- besondere Bedarfe von schwangeren Frauen mit Migrationshintergrund
- Akademisierung der Hebammenausbildung in Niedersachsen noch im Planungsstadium (EU-Vorgabe der Akademisierung der Hebammenausbildung muss bis Januar 2020 umgesetzt sein. Das Land Niedersachsen möchte viermal 35 Plätze an Niedersächsischen Hochschulen etabliert wissen.)
- herkömmliche Hebammenausbildung an den etablierten Hebammenschulen in Niedersachsen läuft aus, so auch in Braunschweig
- in den nächsten fünf Jahren gehen 500 Hebammen in Niedersachsen in den Ruhestand, was die Versorgungssituation verschärft, dem gegenüber beenden ca. 70 Hebammen im Jahr ihre Ausbildung
Informationen der Landesregierung zur Hebammenversorgung in Niedersachsen:
Antwort des Niedersächsischen Ministeriums für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung namens der Landesregierung vom 05.04.2019 auf eine Anfrage der Abgeordneten Sylvia Bruns, Susanne Victoria Schütz und Björn Försterling (FDP):
"… Um den Mangel an Hebammen entgegenzuwirken wurde unter Federführung des Gesundheitsministeriums der Runde Tisch "Hebammenversorgung in Niedersachsen" eingerichtet, der seit Oktober 2018 tagt. …Anlass der Einrichtung des Runden Tisches sind insbesondere die Erhöhung der Zahl der Ausbildungsabsolventinnen, eine flächendeckende, gute, verlässliche medizinische Versorgung sowie die Umsetzung der EU-Richtlinie 2013/55/EU des Europäischen Parlamentes und des Rates vom 20. November 2013 auf Basis der Richtlinie 2005/36/EG über die Anerkennung von Berufsqualifikationen. Seit Ende März liegt dafür der von den Ländern, unter anderem auch Niedersachsen, geforderte Referentenentwurf für eine Reform der Hebammenausbildung seitens des Bundesministeriums für Gesundheit vor. Als alleinige Ausbildungsform soll mit diesem Gesetz ein duales Studium eingeführt und damit ein wissenschaftliches Studium mit berufspraktischen Ausbildungsanteilen verbunden werden. … Auf der Basis von Sondierungsgesprächen mit Hochschulen, an denen die notwendigen fachlichen Voraussetzungen sowie auch ein Interesse an der Einrichtung von Studienangeboten im Bereich Hebammenwesen bestehen, sind planerische Annahmen möglich geworden, wie die Entwicklung und der sukzessive Aufbau eines bedarfsgerechten und in die jeweilige Region hineinwirkende Studienangebotes an bis zu vier Standorten in Niedersachsen umgesetzt werden könnte. Dabei handelt es sich um strukturelle Überlegungen, die sich insbesondere an den Anforderungen zur wissenschaftlichen Weiterentwicklung von Forschung und Lehre für das Berufsbild Hebamme/Entbindungspflege orientieren. In Betracht kommen danach die Medizinische Hochschule Hannover, der Gesundheitscampus Göttingen, die Hochschule Osnabrück sowie die Universität Oldenburg und die Jade Hochschule. Derzeit geht die Landesregierung von rund 190 Studienplätzen aus, die in den kommenden Jahren benötigt werden. Das entspricht in etwa der Zahl der derzeit in Niedersachsen in Ausbildung befindlichen Hebammen und Entbindungshelfern, die gleichzeitig über eine Hochschulzugangsberechtigung verfügen. Unter Berücksichtigung der an der Hochschule Osnabrück bereits angebotenen Plätzen sollen somit weitere 145 Studienplätze sukzessive in den kommenden Jahren aufgebaut werden."
Die Unterzeichnerin hat bei der Podiumsdiskussion zugesagt, dass seitens der Stadt Braunschweig ein Runder Tisch zur Hebammenversorgung zum nächstmöglichen Zeitpunkt eingerichtet werden wird. Das Gesundheitsamt wurde beauftragt, entsprechende Vorbereitungen in Zusammenarbeit mit der Gleichstellungsbeauftragten der Stadt Braunschweig vorzunehmen. Frau Dr. Reimann hat Ihre Bereitschaft signalisiert, bei der ersten Sitzung des Runden Tisches teilzunehmen.
Als Teilnehmende des Runden Tisches sind bisher geplant: Hebammenverband Niedersachsen e. V., vertreten durch die Kreissprecherin für das Stadtgebiet Braunschweig, Vertreter*innen der Frauenklinik des Krankenhauses Marienstift sowie der Frauenklinik des Klinikums Braunschweig, Hebammenschule Braunschweig, Sprecher der Braunschweiger Kinderärzt*innen, Sprecher der Braunschweiger Frauenärzt*innen, pro familia Beratungsstelle Braunschweig als Vertreterin für die Schwangerenberatungsstellen in Braunschweig, Haus der Familie GmbH, Vertretung der Wohlfahrtsverbände, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Braunschweig, Fachbereich Kinder, Jugend und Familie der Stadt Braunschweig mit der Stelle Frühe Hilfen/Familienhebammen, Gesundheitsamt der Stadt Braunschweig einschließlich der Interkulturellen Servicestelle für Gesundheitsfragen mit den Gesundheitslots*innen. Gegebenenfalls ist mit Blick auf die Akademisierung der Hebammenausbildung auch eine Vertretung der Universität einzubinden.
Welche Aufgaben hat der Runde Tisch?
- Bedarfsanalyse zur Versorgung rund um die Geburt: Was benötigen schwangere Frauen, Familien, Neugeborene für eine gute Versorgung?
- Erfassung der tatsächlichen in Braunschweig tätigen Hebammen im freiberuflichen und stationären Bereich, einschließlich der Arbeit in Voll- und Teilzeit
- Erfassung der Geburtenzahlen mit Prognose in die Zukunft, einschließlich der Berücksichtigung der überregionalen Inanspruchnahme der Braunschweiger Frauenkliniken und der Schließung der Peiner Frauenklinik
- Analyse der Versorgungskapazitäten mit Frauenärzt*innen im niedergelassenen Bereich, Kapazitäten in Frauenkliniken (Versorgung mit Ärzt*innen, Hebammen, Kreißsaalkapazität)
- Versorgung mit Familienhebammen
- Analyse der Kapazität von Schwangeren-Beratungsstellen
- Analyse unter Berücksichtigung des „Nationalen Gesundheitsziels - Gesundheit rund um die Geburt“
- Erarbeitung von möglichen Maßnahmen zur Verbesserung der Versorgungssituation rund um die Geburt
Die Verwaltung der Stadt Braunschweig räumt der Versorgung der schwangeren Frauen, der Bedingungen vor, während und nach der Geburt sowie der Hebammensituation und
-ausbildung einen sehr hohen Stellenwert ein.
