Rat und Stadtbezirksräte
Mitteilung - 19-11027
Grunddaten
- Betreff:
-
Sachstandsbericht Fachkräfteprojekte "Welcome Center der Region", "Stille Reserve" und "AWO-Praktikumsbörse"
- Status:
- öffentlich (Vorlage freigegeben)
- Vorlageart:
- Mitteilung
- Federführend:
- 0800 Stabsstelle Wirtschaftsdezernat
- Verantwortlich:
- Leppa
Beratungsfolge
| Status | Datum | Gremium | Beschluss | NA |
|---|---|---|---|---|
|
●
Erledigt
|
|
Wirtschaftsausschuss
|
zur Kenntnis
|
|
|
|
07.06.2019
|
Sachverhalt
Sachverhalt:
Die folgende Mitteilung wurde auf Basis der zugelieferten Sachstandsberichte der Projektträger erstellt.
Welcome Center der Region
Das Welcome Center der Region arbeitet seit dem 01.01.2016 an den beiden Standorten Braunschweig und Wolfsburg und versorgt mit aktuell zwei Beraterinnen (insg. 80 Stunden pro Woche) die Region Braunschweig. Initiatoren für das Projekt waren die IHK Lüneburg-Wolfsburg und die IHK Braunschweig, die als weitere Projektpartner die beiden Agenturen für Arbeit Braunschweig-Goslar und Helmstedt, das Amt für regionale Landesentwicklung, den DGB Region SüdOstNiedersachsen, die Handwerkskammer Braunschweig-Lüneburg-Stade, den Internationalen Freundeskreis Wolfsburg e.V. (IFK), die International Women´s Association Region Braunschweig e.V. (IWA) sowie die Wolfsburg AG gewonnen haben. Mit dem Projektmanagement wurde die Allianz für die Region GmbH beauftragt.
Nach der ersten Förderphase vom 01.01.2016 – 31.12.2017 (Finanzierung zu 50% über das Fachkräftebündnis SüdOstNiedersachsen und einer Kofinanzierung durch die Agentur für Arbeit Braunschweig-Goslar, die WMG Wolfsburg Wirtschaft und Marketing GmbH und die IHK Braunschweig, Allianz für die Region GmbH sowie Stadt Braunschweig u. a.) wurde eine Verstetigung des Angebotes von allen Beteiligten angestrebt und mit einer zweistufigen Lösung realisiert. Im Folgeprojekt wurde mit je einer Vollzeitstelle (40 Stunden) die im Erstprojekt etablierte Standardberatung der ausländischen Fachkräfte fortgeführt. Mit der anderen Vollzeitstelle (40 Stunden) wurde im Folgeprojekt die Unternehmensansprache vertieft, um noch mehr als bisher Unternehmen für die Beschäftigung ausländischer Mitarbeiter zu sensibilisieren. Zur Unterstützung der Welcome Center Manager/-innen wird die Allianz für die Region GmbH weiterhin die Koordinierung und die Administration (Projektleitung und Verwaltungsmitarbeiter/-in) des Welcome Centers übernehmen.
Das Welcome Center der Region unterstützte individuell in 2018 insgesamt 43 interessierte Arbeitgeber bei der Integration von ausländischen Fachkräften. 90 Unternehmen, die Personal mit Migrationshintergrund einstellen wollten oder schon eingestellt hatten, erhielten Informationen zum Thema Rekrutierung und Integration ausländischer Mitarbeiter über Beratungen in persönlichen Terminen, auf Messen, telefonisch oder auch per E-Mail. Den besonderen Herausforderungen der täglichen beruflichen Zusammenarbeit in interkulturellen Teams wurde mit der Konzeptentwicklung von interkulturellen Trainings und speziellen Workshops sowohl für die ausländischen als auch die deutschen Mitarbeiter begegnet.
Seit dem 01.01.2019 wird diese Dienstleistung – aufbauend auf den Erfahrungen während der Förderphase – den Unternehmen der Region gegen Entgelt angeboten. Erste Beauftragungen sind bereits erfolgt.
Die Beratung ausländischer Personen, die im Jahr 2018 insgesamt 220mal überwiegend von Fachkräften in Anspruch genommen wurde, kann dank der Unterstützung der Förderer des Projektes weiterhin kostenfrei angeboten werden. Der Schwerpunkt lag auch 2018 wieder auf Fragen zum Bewerbungsprozess in Deutschland, deutschen Spezifika in Bezug auf Wohnungsanmietung und Anmeldungen z. B. in Kitas und Schulen sowie der Stellensuche. Der Anteil von ratsuchenden Männern lag bei ca. 40%, der der Frauen bei 60%. Die ratsuchenden ausländischen Fachkräfte verteilen sich auf folgende Herkunftsländer wie folgt:

Die Stadt Braunschweig fördert das Projekt seit dem Start 2016 bis Ende 2020 mit insgesamt 100.000 €. Hiervon flossen in die erste Förderphase von 2016 bis 2017 insgesamt 30.000 € (vgl. DS 15-01274), in die daran anschließende bis Ende 2020 noch laufenden zweiten Förderphase 60.000 € (vgl. DS 17-05103) sowie 10.000 € im Jahr 2017 für das Pilotprojekt „Unterstützung von Unternehmen aus Braunschweig mit Bedarf an (ausländischen) Fachkräften“ (vgl. DS 16-03442).
Stille Reserve: Regionales Übergangsmanagement zur Erschließung verborgener Fachkräftepotenziale
Als „Stille Reserve“ bezeichnet man in der Arbeitsmarktforschung Personen, die unter bestimmten Bedingungen bereit wären, eine Arbeit aufzunehmen, sich aber bei der Arbeitsverwaltung nicht als arbeitslos melden oder nicht aktiv um einen Arbeitsplatz bewerben. Mit dem über das Fachkräftebündnis SüdOstNiedersachsen geförderten Strukturprojekt „Fachkräftepotenzial Stille Reserve“ soll dieses Potenzial für den Arbeitsmarkt beworben und aktiviert werden. Die Stadt Braunschweig hat das Projekt, welches nach einer Laufzeit von zwei Jahren zum 30.06.19 endet, mit einem Betrag von 15.000 € unterstützt (vgl. DS 17-04221).
Das Projekt wird gefördert aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds (ESF) sowie vom Niedersächsischen Ministerium für Wirtschaft, Arbeit, Verkehr und Digitalisierung. Ko-Finanzierer des Projekts sind neben der Stadt Braunschweig die Agentur für Arbeit Braunschweig-Goslar, der Landkreis Wolfenbüttel und das Jobcenter Landkreis Peine und die Stadt Wolfsburg. Projektträgerin ist die Allianz für die Region GmbH. Zu den Partnern, die das Projekt darüber hinaus begleiten und unterstützen, gehören u. a. die Agenturen für Arbeit Helmstedt und Hildesheim, die Jobcenter der beteiligten Gebietskörperschaften, die Koordinierungsstellen Frau und Wirtschaft bzw. Beruf in Braunschweig und Wolfsburg, die Gleichstellungsbeauftragten der Gebietskörperschaften, das Frauennetzwerk SüdOstNiedersachsen sowie die Ländliche Erwachsenenbildung Niedersachsen e. V.
Ziel des Projektes ist es, der Zielgruppe den Weg zurück ins Erwerbsleben zu erleichtern und zugleich Unternehmen auf diese potenziellen Mitarbeiter aufmerksam zu machen. In einem ersten Schritt wurden rund 4.800 Fragebögen für eine Datenerhebung in der Region verteilt. Basierend auf den regionalen Ergebnissen und weiteren Erkenntnissen über die Zielgruppe wurde gemeinsam mit den Akteuren der vier Lokalgruppen (in Braunschweig: Agentur für Arbeit Braunschweig-Goslar, Jobcenter Braunschweig, Stadt Braunschweig Gleichstellungsreferat, Koordinierungsstelle Frau und Beruf Braunschweig, Überbetrieblicher Verbund Braunschweig und Bündnis für Familie Braunschweig) eine Öffentlichkeitskampagne entwickelt, die der gezielten Suche der Zielgruppe diente. Diese Kampagne (Design, Plakate, Motive, Texte) können alle Projektbeteiligte auch nach dem Projektende weiter nutzen, so dass ein Wiedererkennungswert für zukünftige Aktionen entsteht. Über die Kampagne Motivation W wurden Adressaten der „Stillen Reserve“ – meist Frauen und Alleinerziehende, die nicht als arbeitssuchend gemeldet und somit nicht „sichtbar“ sind – erreicht und auf verschiedenen Veranstaltungen in der Region explizit informiert und beraten.
In einer zweiten Phase wurden verschiedene Formate getestet, um Wege für eine gezielte Ansprache dieser besonderen Zielgruppe aufzuzeigen und regionale Arbeitgeber auf diese Möglichkeit der Fachkräftegewinnung hinzuweisen. Der Mangel an Fachkräften betrifft bereits jetzt insbesondere kleine und mittlere Betriebe. Interessierte Arbeitgeber konnten zum Beispiel auf einer „Speed-Dating-Veranstaltung“ auf motivierte und kompetente Berufsrückkehrerinnen und -rückkehrer treffen. Zur Aktivierung der Zielgruppe entwickelte das Projektteam neben der Werbekampagne sechs spezielle Formate. 400 Frauen haben diese Angebote von Workshops, Speed-Datings mit potenziellen Arbeitgebern, Gesprächsrunden mit Personalleitungen, Orientierungsgesprächen, Coachings und Wiedereinstiegsbörsen wahrgenommen.
AWO-Praktikumsbörse
Das Projekt Praktikumsbörse des AWO Bezirksverbandes Braunschweig e. V. förderte im Zeitraum von April 2017 bis März 2019 die berufliche Integration von Zuwanderern in Braunschweig, Salzgitter und Wolfenbüttel. Am Standort Braunschweig wurden 185 Personen in 450 persönlichen Gesprächen beraten. Telefonisch und per Mail gab es darüber hinaus ca. 370 weitere Kontakte zu den Ratsuchenden. Von der Stadt Braunschweig wurden für das Projekt 42.000 € (vgl. DS 16-03441) an Fördermitteln bereitgestellt.
Die Anzahl an Mails und Telefonaten, die für die Kunden geführt wurden (zu Arbeitgebern, Behörden, Beratungsstellen u. ä.) wurde nicht erfasst, liegt aber im vierstelligen Bereich. Während an den Standorten Salzgitter und Wolfenbüttel eine deutliche Mehrzahl an
Männern die Beratungsstellen aufgesucht haben, ist am Standort Braunschweig die Verteilung auf die Geschlechter fast ausgeglichen (45% Frauen zu 55% Männern). Dies liegt vermutlich in erster Linie daran, dass hier eine weibliche Sozialberaterin tätig war – und auch daran, dass nicht nur (überwiegend männliche) Flüchtlinge, sondern z. B. auch Spätaussiedler und EU-Bürger die Unterstützung in Anspruch genommen haben.
Für die Ratsuchenden wurden in Braunschweig 36 Praktika und 47 grundsätzlich auf Dauer angelegte Arbeitsstellen vermittelt. Die meisten Praktika endeten ohne eine Einstellung, durch die neu erworbenen Kontakte und Fähigkeiten konnten mehrere Ratsuchende aber anderweitig eine Stelle finden. Zusätzlich zu den Vermittlungen in die Berufswelt erfolgten 78 Verweisberatungen zu Sprachschulen, Bildungsträgern oder anderen Multiplikatoren. Die meisten der Ratsuchenden waren zwischen 18 und 40 Jahre alt. Nur ein Klient war minderjährig. Wenige von ihnen kamen auch aus der Altersgruppe der über 55-Jährigen, für die eine Vermittlung in Arbeit oder Praktika sehr schwierig war. Hier konnten zum Teil Ehrenämter oder über das Jobcenter laufende Arbeitsgelegenheiten initiiert werden.
Die Ratsuchenden kamen aus insgesamt 66 Nationen. Die größte Gruppe kam aus Syrien, aber auch Neu-Braunschweiger aus EU-Staaten, aus den Ländern der ehemaligen UdSSR und den nördlichen afrikanischen Staaten waren vertreten. In Braunschweig wurden drei Betriebsbesichtigungen für Zuwanderer in den Branchen Logistik, Lageristik und Metallbau durchgeführt. Durch diese Besichtigungen haben sich vier Arbeitsstellen bzw. Praktika ergeben.
Für die drei o. g. Projekte werden Vertreter der jeweiligen geförderten Einrichtung an der Ausschusssitzung teilnehmen und diese in Form einer Kurzpräsentation vorstellen sowie für etwaige Fragen zur Verfügung stehen.
