Rat und Stadtbezirksräte
Beschlussvorlage - 19-10728
Grunddaten
- Betreff:
-
Naturnahes Naherholungskonzept Bienroder Kiesteich
- Status:
- öffentlich (Vorlage freigegeben)
- Vorlageart:
- Beschlussvorlage
- Federführend:
- 61 Fachbereich Stadtplanung und Umweltschutz
- Beteiligt:
- 0100 Steuerungsdienst; 0130 Referat Kommunikation; DEZERNAT III - Bau- und Umweltschutzdezernat; 0600 Baureferat; 10 Fachbereich Zentrale Dienste; 66 Fachbereich Tiefbau und Verkehr; 20 Fachbereich Finanzen
- Verantwortlich:
- Leuer
Beratungsfolge
| Status | Datum | Gremium | Beschluss | NA |
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Erledigt
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Stadtbezirksrat im Stadtbezirk 112 Wabe-Schunter-Beberbach
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Anhörung
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28.08.2019
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Erledigt
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Planungs- und Umweltausschuss
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Entscheidung
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04.09.2019
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Sachverhalt
Sachverhalt:
Die Beschlusskompetenz des Planungs- und Umweltausschusses ergibt sich aus § 76 Abs. 3 Satz 1 NKomVG in Verbindung mit § 6 Ziffer 4 Buchstabe h der Hauptsatzung der Stadt Braunschweig. Im Sinne dieser Zuständigkeitsnorm ist der Planungs- und Umweltausschuss zuständig für Beschlüsse über die Umgestaltung von Platzflächen, den Neubau von Grünflächen, Freizeitwegen, Kinderspiel- und Bolzplätzen.
Aus dem Stadtbezirksrat 112 – Wabe-Schunter-Beberbach ist in der Sitzung am 14.10.2014 als Anregung eingebracht worden, dass Konzepte für die Weiterentwicklung und Nutzung des Gebietes „Bienroder Kiesteich“ für die Naherholung notwendig sind. Auf Wunsch des Stadtbezirksrates fand im Juni 2015 unter Beteiligung der Verwaltung ein Ortstermin am Bienroder See statt. Unter Abwägung der zusammengetragenen Anregungen, Anforderungen, Bedürfnisse und der örtlichen Situation wurde von der Verwaltung ein erster Entwurf für ein „Naturnahes Naherholungskonzept“ für den Bienroder Kiesteich erarbeitet.
Auf Basis einer ersten informellen Vorstellung und Diskussion dieses Entwurfes in der Stadtbezirksratssitzung vom 23.01.2019 erfolgte nun, unter Berücksichtigung der Anregungen, eine Konkretisierung der Planungen für den Bienroder Kiesteich.
Planungsvoraussetzungen
Planungsrechtlich befindet sich der Bienroder Kiesteich im Außenbereich nach
§ 35 BauGB. Ein Bebauungsplan existiert nicht.
Planungskonzept
Der Landschaftsraum „Bienroder Kiesteich“ stellt im Stadtgebiet Braunschweig aufgrund seiner naturräumlichen Gegebenheiten ein Naherholungsgebiet mit besonderen Erlebnismöglichkeiten und einer hohen ökologischen Bedeutung dar. Eine über Jahre zu geringe Unterhaltungspflege hat das Gebiet in seiner Funktion und Attraktivität als Naherholungsgebiet abgewertet, ohne dass das aus den naturräumlichen Gegebenheiten begründete Potential verloren gegangen ist. Infolge der durch die Entwicklung von Neubaugebieten in den vergangenen Jahren gestiegenen und auch für die kommenden Jahre weiterhin zu erwartenden steigenden Einwohnerzahlen im Einzugsbereich des Sees zusammen mit der neu entstandenen Flüchtlingsunterkunft an der Straße „Im Großen Moore“ trifft eine zunehmende Nachfrage/Nutzerdruck auf das Naherholungsgebiet. Diese Entwicklung erfordert eine adäquate Ertüchtigung des Gebietes und begründet die Umsetzung geeigneter Maßnahmen, um den Landschaftsraum „Bienroder Kiesteich“ für ein breites Spektrum der Bevölkerung als attraktives Naherholungsgebiet nachhaltig zu qualifizieren.
Das vorliegende „Naturnahe Naherholungskonzept Bienroder Kiesteich“ sieht vor, das Nordufer ökologisch naturnah weiterzuentwickeln und hier auf gestaltende Eingriffe völlig zu verzichten. Am Süd- und Ostufer hingegen entstehen unter Berücksichtigung und Erhalt wertvoller Grünstrukturen durch behutsame Ausgestaltung zwei Naherholungsschwerpunkte mit attraktiven Aufenthalts- und Bewegungsangeboten.
Ein zu überarbeitendes durchgängiges Rundwegesystem mit Bänken an ausgewählten Stellen komplettiert das Naherholungskonzept.
Es ist geplant, u. a. aus wirtschaftlichen Gründen diese Maßnahmen in Kooperation mit der VHS Arbeit und Beruf GmbH durchzuführen.
Im Detail gliedert sich das Konzept in folgende Maßnahmen-Schwerpunkte:
Allgemeine Maßnahmen:
In einem ersten Schritt werden international verständliche Badeverbotsschilder um den gesamten See herum aufgestellt, da aufgrund der rechtlichen Situation das Baden im Bienroder Kiesteich verboten ist und infolge vorhandener Betonreste (vermutlich Bunker) und eventueller Reste technischer Abbauanlagen nicht erlaubt werden kann.
Außerdem ist das gesamte Wegenetz neu herzustellen. Dabei sind auch neue Deckschichten einzubauen, wobei im Bereich des Westufers mit einer wassergebundenen Decke (gebrochener Naturstein) gearbeitet wird und entlang des Ostufers mit Rücksichtnahme auf die hier sehr zahlreich im Wegekörper vorhandenen Baumwurzeln Holzhäcksel zum Einsatz kommen.
Die vier vorhandenen Treppenanlagen sind im Vorfeld durch die VHS Arbeit und Beruf GmbH gesäubert worden. Dabei hat sich herausgestellt, dass sich die Treppen in einem schlechten Zustand befinden: die Stufen sind teilweise erheblich verschoben und Sämlinge haben den Asphaltbelag an vielen Stellen beschädigt. Eine reine Sanierung ist nicht möglich.
Die Treppen werden abgebaut und durch neue Treppenanlagen ersetzt. Der Planungsprozess hat ergeben, dass ein barrierefreier Ausbau aufgrund der vorhandenen Höhenunterschiede und des sehr begrenzten Geländes nicht realisierbar ist. Um trotzdem die Mitnahme z. B. eines Fahrrades zu ermöglichen, wird in Abschnitten mit mehreren aufeinander folgenden Stufen (i. d. R. zwei bis drei Stück) seitlich eine Schräge eingebaut, um hier das Rad schieben zu können.
An ausgewählten Stellen wurden bereits in einem ersten Schritt durch die VHS Arbeit und Beruf GmbH Blickschneisen hergestellt, um den Bienroder Kiesteich auf allen Uferseiten wieder wahrnehmbar zu machen. Die vorhandenen defekten Bänke werden ausgetauscht und an geeigneten, reizvollen Stellen zusätzliche aufgestellt. Zudem entstehen zwei neue Picknickplätze als attraktives Ziel am Seeufer. Diese werden jeweils durch eine Lehrtafel mit einem naturkundlichen Thema ergänzt. Zudem wird am Westufer ein Naturthemen-Memory aufgestellt.
Hinsichtlich des Abfallkonzeptes ist vorgesehen, zusätzlich zu der bestehenden zentralen Müllstation am Südufer auch im Bereich des Ostufers eine zentrale Müllstation herzustellen. Darüber hinaus werden keine weiteren Abfallbehälter aufgestellt.
Eingangsbereich im Süden :
Der südliche Hauptzugangabereich wird neu strukturiert und durch eine ansprechende Gestaltung aufgewertet. Mittels Pflasterung und Bepflanzung mit Bäumen entsteht ein attraktiver Auftakt zum Bienroder Kiesteich.
Zudem wird das umlaufende Wegenetz durch die Herstellung eines neuen Abschnitts parallel zur Straße `Im Großen Moore´ geschlossen, sodass Spaziergänger hier nicht mehr auf die zum Teil stark befahrene Straße ausweichen müssen.
Bereich Südufer:
Am Südufer entsteht einer der zwei für den Bereich Bienroder Kiesteich geplanten Aufenthaltsschwerpunkte. Hier befinden sich bereits eine WC-Anlage und eine Müllsammelstation samt Grillkohlebehälter sowie der Standort des bereits im Vorfeld von der Verwaltung geplanten neuen Grillplatzes. In Ergänzung dieser Angebote sieht das „Naturnahe Naherholungskonzept“ vor, ein generationsübergreifendes Sport- und Bewegungsangebot (z. B. eine Calisthenics-Trimmanlage) herzustellen. Hier besteht an zentraler Stelle und in ansprechender Umgebung die Möglichkeit zu einem abwechslungsreichen Training in individuellen Schwierigkeitsgraden. Sitzbänke und Fahrradständer runden die Angebote ab. Der vorhandene Sandbereich wird gesäubert und überarbeitet. Eine weitere Attraktion ist in diesem Bereich die bereits im August 2017 durch den Stadtbezirksrat angeregte Anlage eines Barfußpfades. Dieser kommt auch den Schülern der Grundschule Waggum zugute, die nach Aussage der Schulleitung insbesondere das Südufer im Rahmen von Natur- und Umwelterkundungen gelegentlich aufsuchen.
Bereich Ostufer:
Am Ostufer entsteht der zweite Aufenthaltsschwerpunkt für den Bereich Bienroder Kiesteich. Dieses Ostufer ist sowohl über einen Pfad vom südlichen Eingang entlang des Seeufers als auch über den Feldweg entlang der Schule Waggum und des Kieswerkes zu erreichen.
Die Zuwegung unmittelbar vom Feldweg hinunter zum Ufer wird für Pflege- und Rettungsfahrzeuge befahrbar als Schotterrasen ausgebaut.
Der vorhandene Sandstrand wird ebenfalls gesäubert und überarbeitet. Zudem bieten zwei Bänke zu jeder Jahreszeit Ruhemöglichkeiten und ansprechende Ausblicke auf den See. Zusätzlich runden zwei Hängematten das Angebot ab.
Der Sandbereich hier am Ostufer wird durch eine vorhandene Strauchpflanzung gerahmt. Dahinter entsteht als weiterer Anziehungspunkt ein Beachvolleyball-Feld. Sitzsteine, die zweite zentrale Müllsammelstelle sowie Fahrradständer komplettieren diesen Bereich.
Der nördlich anschließende Hügel wird durch einen Holzhäckselpfad erschlossen. Auf dem Gipfel werden Sitzsteine aufgestellt und ein Hochstamm gepflanzt, sodass ein attraktiver Aussichtpunkt entsteht.
Parkplatzsituation:
Grundsätzlich ist der Bienroder Kiesteich für die Anwohner fußläufig, aber auch mit dem Fahrrad und dem öffentlichen Bus gut zu erreichen.
Um die zum Teil prekäre Parkplatz-Situation insbesondere an sonnigen Tagen zu entschärfen, soll in der Claudiusstraße südlich der Grundschule Waggum auf einer bestehenden städtischen Ackerfläche ein Parkplatz mit ca. 44 Stellplätzen aus Schotterrasen entstehen. Von hier aus ist das Naherholungsgebiet sehr gut fußläufig zu erreichen. Die im Rahmen der Umsetzung dieses Parkplatzes entstehenden Eingriffe in Natur und Landschaft werden durch angemessene Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen kompensiert.
Kostenübersicht und Realisierungszeitraum
Wie bereits erläutert, ist vorgesehen, die geschilderten Maßnahmen in Kooperation mit der VHS Arbeit und Beruf GmbH umzusetzen (mit Ausnahme der generationsübergreifenden Trimmanlage, die aufgrund technischer Spezifikationen von einer Garten- und Landschaftsbaufirma herzustellen ist).
Die Umsetzung des Naherholungskonzeptes ist bis 2022 wie folgt vorgesehen:
1. Bauabschnitt 2019/2020
- Beschilderung Badeverbot
- Wegebauarbeiten
- Gestaltung des Eingangsplatzes Südufer
- Baumneupflanzungen am Südufer
- Überarbeitung der Sandstrände am Süd- und am Ostufer
- Herstellung des Barfußpfades am Südufer 116.000 €
2. Bauabschnitt 2021
- Ausstattungselemente (Bänke, Poller, Fahrradständer, Müllstation)
- Ostufer: Beachvolleyplatz, Hängematten, Sitzsteine
- Schaffung einer Rettungs- und Pflegezufahrt zum Ostufer
- Anlage von zwei Picknickplätzen
- Herstellung des provisorischen Parkplatzes an der Claudiusstraße 199.500 €
3. Bauabschnitt 2022
- Abbruch und Neubau der vier Treppenanlagen
- Südufer: Generationsübergreifende Trimm-Anlage 154.500 €
Bausumme gesamt: 470.000 €
Die Haushaltsmittel werden entsprechend den zuvor beschriebenen Bauabschnitten für die Jahre 2020 bis 2022 wie folgt benötigt:
2020 116.000 €
2021 199.500 €
2022 154.500 €__________
470.000 € Gesamtkosten
Für die Maßnahme wird im Teilhaushalt FB 61 ein neues Projekt angelegt. Es ist vorgesehen, die Haushaltsraten in den Haushaltsentwurf 2020 / IP 2019-2023 aufzunehmen. Über den Haushalt wird voraussichtlich am 18. Februar 2020 im Rat entschieden.
Das „Naturnahe Naherholungskonzept Bienroder Kiesteich“ wird in der Sitzung erläutert.
Anlagen
| Nr. | Name | Original | Status | Größe | |
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1
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(wie Dokument)
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8,5 MB
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