Rat und Stadtbezirksräte
Mitteilung - 19-11645
Grunddaten
- Betreff:
-
Sachstand Erarbeitung Baumspendenprogramm
- Status:
- öffentlich (Vorlage freigegeben)
- Vorlageart:
- Mitteilung
- Federführend:
- 67 Fachbereich Stadtgrün und Sport
- Verantwortlich:
- Geiger
Beratungsfolge
| Status | Datum | Gremium | Beschluss | NA |
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●
Erledigt
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Grünflächenausschuss
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zur Kenntnis
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06.09.2019
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Sachverhalt
Sachverhalt:
Mit Beschluss des Rates vom 6. November 2018 wurde die Verwaltung gebeten ein Konzept zu entwickeln, wie Bürgerinnen und Bürger, Institutionen und Betriebe darin unterstützt werden können, durch eine Spende für Baumneupflanzungen in Braunschweig einen Beitrag zum Klimaschutz und zur Aufwertung des öffentlichen Raumes durch mehr zusätzliche Bäume zu leisten.
Wie bereits mit den Förderrichtlinien „Förderung und Schutz von Grünbeständen in Braunschweig“ und dem „Baumförder- und Beratungsprogramm“ praktiziert, soll die vorbereitende Erörterung des Baumspendenkonzeptes im GA am 06.09.2019 den Ausschussmitgliedern die Möglichkeit eröffnen, inhaltliche Änderungs- und/oder Ergänzungswünsche aus kommunalpolitischer Sicht vor der abschließenden Ausarbeitung einer Beschlussvorlage einbringen zu können.
Baumverluste in der Stadt Braunschweig und zunehmende Spendenbereitschaft
Viele Bürgerinnen und Bürger Braunschweigs identifizieren sich mit den Bäumen in „ihrem“ Quartier oder „ihrer“ Parkanlage und haben eine gewisse emotionale Bindung zu „ihren“ Bäumen aufgebaut.
Wenn diese Bäume aufgrund von außergewöhnlichen Wetterereignissen oder aus Verkehrssicherungsgründen entfernt werden müssen, besteht bei vielen Bürgerinnen und Bürger der Wunsch, sich an Ersatzpflanzungen beteiligen zu können.
Ein weiterer Wunsch vieler Bürgerinnen und Bürger, der regelmäßig an die Verwaltung herangetragen wird, ist die zur Spende eines Baumes, der anlässlich eines besonderen Ereignisses gepflanzt werden soll. Dabei kann es sich z.B. um eine Hochzeit, einen Geburtstag, ein Jubiläum oder auch um einen Trauerfall handeln. Durch solch eine Spende soll eine schöne Erinnerung für sich selbst oder auch für Angehörige geschaffen werden.
Durch die seitens der „Fridays for Future“-Bewegung verstärkt ausgelöste Klimadebatte wird die zentrale Bedeutung von Bäumen zum Erreichen der Klimaziele verstärkt in das Bewusstsein der Gesellschaft gerückt. Auch aus dieser Erkenntnis heraus gibt es einen vermehrten Wunsch aus der Bürgerschaft nach Beteiligung an Erhalt bzw. an Nachpflanzungen des städtischen Baumbestandes.
Um diesen nachvollziehbaren Wünschen nach Baumspenden nachzukommen, soll ein Spendensystem entwickelt werden, das möglichst unbürokratisch Anreize für Spenden liefert und weitestgehend bequem online durchgeführt werden kann.
Baumspendenprogramm Braunschweig – Mein Baum für meine Stadt
Das Baumspendenprogramm soll einerseits die Möglichkeit bieten, das generelle Spenden auch kleinerer Summen für Nachpflanzungen von Bäumen zu ermöglichen, als auch die Möglichkeit zum Spenden eines nachzupflanzenden Baumes an einem konkreten Standort beinhalten.
Diese Art der Einzelbaumspende erfolgt in der Regel an einem Standort, an dem ein Bestandsbaum ausgefallen ist. Kleinere Spenden sollen dazu dienen einen „Bürgerwald“ bzw. „Klimawald“ (naturnaher Laubmischwald) zu etablieren, der durch eine naturnahe Bewirtschaftung stadtklimatisch positive Effekte generiert und auch einen Teil zur Steigerung der Biodiversität in Braunschweig beiträgt.
Die Baumpflanzungen werden jedes Jahr im Frühjahr oder im Herbst ausgeführt.
Sachbezogene Baumspenden zum Aufbau eines Braunschweiger „Klimawaldes“
Um generell alle Bürgerinnen und Bürger jedes Alters und mit unterschiedlich hoher Spendenbereitschaft die Möglichkeit zu bieten, sich an der Entwicklung des Braunschweiger Baumbestand zu beteiligen, ist vorgesehen, auch das Spenden kleinerer Beträge zu ermöglichen. Die eingehenden Spenden werden sachbezogen zur Errichtung und Etablierung von Braunschweiger „Klimawäldern“ und somit zur direkten Verbesserung des Stadtklimas und der Steigerung der Biodiversität in Braunschweig eingesetzt.
Hintergrund ist, dass insbesondere Mischwaldbestände besonders wichtige geschlossene Ökosysteme bilden. Neben den Ozeanen sind Wälder die wichtigste natürliche Einflussgröße auf das globale Klima, indem sie wirksam CO2 aufnehmen und Sauerstoff produzieren. Durch den Aufbau eines oder mehrere Wälder im Braunschweiger Stadtgebiet kann zukunftsgerichtet ein äußerst wichtiger ökologischer Beitrag geleistet werden, der seinen Ursprung im bürgerschaftlichen Engagement hätte. Eine minimale oder maximale Höhe des Spendenbetrages würde dabei grundsätzlich nicht vorgeschrieben werden. Jede Spende ist willkommen und wird zweckgebunden für die Errichtung von „Klimawäldern“ im Rahmen des Baumspendenprogrammes „Mein Baum für Braunschweig“ eingesetzt. Zur Pflanzung würde sogenannte Forstware zum Einsatz kommen. Hierbei handelt es sich im Gegensatz zu Einzelbäumen z.B. im Straßenbereich um ballenlose Pflanzen mit einer Größe von rund 1 Meter. Die Kosten für den Einkauf solcher Pflanzen betragen lediglich wenige Euro je Pflanze, so dass relativ schnell ein flächiger Bestand hergestellt werden könnte. Die Pflanzung könnte ggf. zusammen mit Schulklassen über Schulprojekte und sogenannte „Aktionstage Wald““ durchgeführt werden. Um das Anwachsen zu gewährleisten wären in den Folgejahren insbesondere Wässerungsmaßnahmen durch die Stadt vorzusehen.
Mögliche Flächen zur Errichtung dieser Wälder würden in Absprache mit der Umweltverwaltung gesucht werden. Um ein waldtypisches Ökosystem mit entsprechendem Genpool und Waldinnenklima ausbilden zu können, müssen die auszuwählenden Flächen eine Mindestgröße von rund 5.000 Quadratmeter aufweisen. Denkbar wäre es, drei bis vier Flächen auszuwählen, die sich zwar in der Peripherie Braunschweigs befinden, aber gut von den Spendern zu erreichen wären. Die Flächen wären unter Beachtung der Vorgaben z.B. des Landschaftsrahmenplanes und des Biotopverbundkonzeptes auszuwählen.
Spende eines Einzelbaumes
Das Pflanzen eines Einzelbaumes ist in der Regel mit Kosten von rund 1.800 € verbunden. In diesen Kosten ist der Einkauf eines geeigneten Baumes mit entsprechenden Gütekriterien sowie die fachgerechte Pflanzung in Baumsubstrat sowie die Baumverankerung beinhaltet. Da diese Kosten bisher in voller Höhe von der Stadt getragen werden, sollen diese Kosten nicht in voller Höhe auf einen möglichen Spender umgelegt werden. Die Verwaltung schlägt daher vor, das Spenden eines Baumes ab einer Spendenhöhe von 400 € zu ermöglichen. Die Spendenhöhe für eine Einzelbaumpflanzung entspricht dem in einem Städtevergleich ermittelten Durchschnitt. Über diesen Betrag wäre der durchschnittliche Einkaufspreis inklusive Lieferung eines Baumes sowie die Erdarbeiten für die Pflanzung selbst abgedeckt. Alle weiteren benötigten Materialien wie Substrat, Bewässerungsschläuche, Verankerungsmaterialien sowie die anschließende Pflege werden von der Stadt übernommen.
Das Spenden eines solchen Einzelbaumes ist nur an einem regulären Standort möglich, an dem ein Bestandsbaum ausgefallen ist. Grundlage zur Auswahl dieses Standortes kann daher das vorhandene städtische Baumkataster bilden. Dieses ist bereits seit mehreren Jahren online und kann unter dem
Link:
http://geoportal.braunschweig.de/WebOfficeNet/synserver?project=Baumkataster_Net
eingesehen werden. Hier kann über eine Suche nach der Adresse oder einer speziellen Baumart der bzw. die Wunschbäume lokalisiert werden. Das Baumkataster liefert zu jedem Baum weitere Informationen wie den deutschen und botanischen Namen der Baumart, die Baumnummer, die Entwicklungsphase sowie Baumhöhe, Stammumfang, Kronendurchmesser und Vitalität.
Bei Projektumsetzung soll eine Auswahlmöglichkeit hinzugefügt werden, über die farblich angezeigt wird, an welchen leeren Baumstandorten die Möglichkeit der Spende eines neuen Baumes möglich ist. Die Baumart ist allerdings in der Regel aus freiraumplanerischen Gründen vorgegeben und daher nicht frei wählbar.

Beispielhafter Auszug aus dem Baumkataster der Stadt Braunschweig
Zusätzlich ist vorgesehen eine Liste in tabellarischer Form über die Baumfällungen des vergangenen Jahres zu veröffentlichen. Der Fachbereich Stadtgrün und Sport wird, wie in den letzten Jahren bereits praktiziert, dem Grünflächenausschuss jährlich eine Übersicht über die gefällten Bäume zur Verfügung stellen. Bestandteil dieser Liste ist der Grund des Baumfällens, Straße, Objekt und die Nummer aus dem Baumkataster und ob Nachpflanzungen an dem gleichen Standort vorgesehen sind. Diese Liste kann im Anschluss online veröffentlicht werden, so dass etwaige Spender eine zusätzliche Übersicht zu den beabsichtigten Nachpflanzungen und die Möglichkeit zur finanziellen Beteiligung haben.
Um den Spendern eine gebührende Wertschätzung und Dank seitens der Stadt entgegen zu bringen, soll es bei einer Einzelbaumspende jedem Spender freigestellt werden, ob er ein sogenanntes Spendenschild direkt an dem von ihm ausgewählten Baum wünscht. Dieses Schild wird durch die Stadt Braunschweig aufgestellt und kann den Spendernamen und den Spendengrund wiedergeben. Weiterhin soll es auf das „Baumspendenprogramm Braunschweig“ und die damit verbundene Möglichkeit für Braunschweigs Bäume zu spenden hinweisen. Um einen gewissen Mehrwert und Wissenstransfer zu generieren, soll das Schild auch den deutschen sowie den botanischen Namen des Baumes enthalten und so potentiell die Form eines stadtweiten Baumlehrpfades erfüllen. Das Schild soll sich optisch ansprechend der Umgebung anpassen und in Art und Größe so bemessen sein, dass es nicht dominant wirkt, aber eine gewisse, wenn auch begrenzte Anzahl von Zeichen zur Beschriftung beinhalten kann. Für das Anbringen dieses Schildes fallen keine weiteren Kosten für den Spender an.
Öffentlichkeitsarbeit
Um auf die Möglichkeiten der Spendenmöglichkeiten für das „Baumspendenprogramm Braunschweig – Mein Baum für Braunschweig“ aufmerksam zu machen, ist es vorgesehen, neben den werbewirksamen Informationen in den lokalen Medien und insbesondere auf den sozialen Netzwerken, Flyer zur Verfügung zu stellen und auf der Website der Stadt Braunschweig das Modell zu bewerben.
Bei den öffentlichkeitwirksamen Veranstaltungen wie den „Tag des Baumes“ oder den „Langen Tag der Stadtnatur“ werden die Spender persönlich eingeladen und über das Baumspendenkonzept berichtet. Die wirksamste Bewerbung wird voraussichtlich durch das Aufstellen der Widmungsschilder an den einzelnen Bäumen erfolgen, auf denen auf die Aktion hingewiesen wird.
Finanzielle/haushaltswirtschaftliche Auswirkungen
Der Fachbereich Stadtgrün und Sport wird dem Grünflächenausschuss rechtzeitig vor den Haushaltsberatungen über die jährlich eingegangene Spendensumme berichten. Die darüber hinausgehenden notwendigen Haushaltsmittel zu beabsichtigten Nachpflanzungen sowie die erforderliche Fertigstellungs- und Entwicklungspflege werden wie bisher komplett aus dem Budget des Fachbereichs ohne zusätzliche Belastung für den städtischen Haushalt finanziert. Durch die Spenden kann in einem gewissen Umfang der bisherige finanzielle Aufwand für Baumersatzpflanzungen pro Baum um ca. ein Viertel reduziert und somit eine haushaltsentlastende Wirkung erzielt werden.
Die Umsetzung des Konzeptes „Baumspendenprogramm Braunschweig – Mein Baum für Braunschweig“ könnte vorerst durch die technische Sachbearbeiterin innerhalb des Fachbereichs Stadtgrün und Sport gewährleistet werden, die derzeit befristet bis zum 31.12.2019 zur Durchführung des ökologischen Förderprogramms und des Baumförder- und Beratungsprogramms eingesetzt wird. Sollten die beiden Förderprogramme über das Jahr 2019 hinaus fortgesetzt werden, wäre hierfür weiterhin eine Sachbearbeiterstelle erforderlich, auf der grundsätzlich auch das Baumspendenprogramm, einen entsprechenden politischen Beschluss vorausgesetzt, ab 2020 abgewickelt werden könnte.
