Rat und Stadtbezirksräte

ALLRIS - Vorlage

Mitteilung - 19-10971-01

Reduzieren

Beratungsfolge

Reduzieren

Sachverhalt

Sachverhalt:

 

Der Rat hat in seiner Sitzung am 25.06.2019 folgenden Beschluss gefasst:

 

"Die Verwaltung wird gebeten zu prüfen, ob ein konkreter Umsetzungsvorschlag für eine

Baumgruppe (z.B. in Form eines Baumkarrees) auf der südlichen Seite des Schlossplatzes (zwischen dem Baukörper der Schloss-Arkaden und der Georg-Eckert-Straße) realisierbar ist und diesen den Gremien möglichst noch vor den Beratungen zum Haushalt 2020 vorzulegen.

 

Dieser Umsetzungsvorschlag soll dabei die folgenden Informationen enthalten:

1. Die genaue Lage einer solchen Baumgruppe.

2. Die Größe der zu entsiegelnden Fläche und die Anzahl der zu pflanzenden Bäume.

3. Eine Kostenschätzung für die Umsetzung dieser Maßnahme.

4. Ein Alternativstandort in möglichst unmittelbarer Nähe für eventuell wegfallende Fahr-radabstellanlagen.

 

Im Zuge für die Beauftragung der Erarbeitung eines Vorschlages für die Baumgruppe auf dem Schlossplatz wird die Verwaltung beauftragt, eine Ausstattung des Herzogin-Anna-Amalia-Platzes sowie des St.-Nicolaiplatzes mit zusätzlichen grünen Begegnungsinseln zu unter-suchen."

 

 

Stellungnahme:

Die Verwaltung hat folgende Bereiche im Schlossumfeld untersucht:

 

Bereich A, „Schlossplatz Süd“ (vgl. Anlage 2),

Bereich B „Herzogin-Anna-Amalia-Platz und St.-Nicolaiplatz“ (vgl. Anlage 3) und

Bereich C „Ritterbrunnen“ (vgl. Anlage 4).

 

Betrachtet man historische Pläne, fällt auf, dass nordöstlich des Residenzschlosses zusam­menhängende Grünflächen angelegt waren. Das Erscheinungsbild dieser Freiflächen hat sich im Laufe der Jahre verändert. Die anfangs barocke Gartenanlage wurde später durch die An-lage eines Landschaftsparks über­plant. Die Freifläche wurde durch eine alleenartige Baum-pflanzung am östlichen Rand abge­schlossen. Nach Kriegsende sind vor allem Teile dieser Allee erhalten geblieben. Zusätzlich sind lose Baumpflanzungen am Ritterbrunnen und südlich des Schlosses erfolgt (vgl. Anlage 1). Eine intensive Begrünung im Süden, Norden oder auch im Osten des Schlossbaukörpers wie vor dem Krieg ist heute aus unterschiedlichen Gründen nicht mehr möglich. Die Bereiche sind über- (Häuser) oder unter­baut (Tiefgarage) oder durch Ver-kehrstrassen belegt. Daher sind nur kleinere einzelne Baum­stellungen möglich.

 

Bereich A - Schlossplatz Süd

Rahmenbedingungen:

Im Anschluss an die Südfassade der Schlossbibliothek befindet sich unterhalb der Freifläche bis zum Einmündungsbereich Ackerhof eine Tiefgarage. Daher ist aufgrund von statischen Zwängen (darunterliegende stützenfreie Fahrgasse, Rettungsweg für die Feuerwehr und der stark frequentierten Fuß- und Radwegeverbindung) ein mindestens 8,00 m breiter Streifen un­mittelbar angrenzend an das Bibliotheksgebäude freizuhalten. Jährlich stattfindende Veran­staltungen auf dem Schlossplatz benötigen zudem auch zukünftig ent­sprechende befestigte Freiflächen, die es zu berücksichtigen gilt.

 

Außer­halb der Freihaltezonen gestaltet sich der Lastabtrag für eine potentielle Baumpflanzung aufgrund der darunterliegenden Tiefgaragennutzung aufwändig und teuer. Pflanzmaßnahmen können grundsätzlich wie bei den bereits bestehenden Baumstandorten nur in einem Hochbeet erfolgen. Dabei müssen die vorhandenen Lüftungsöffnungen und der Notausgang frei gehalten werden. Statisch am besten handhabbar sind Einzellasten, die die Tragstruktur des Tiefga­ragendachs berücksichtigen. Je dichter und zahlreicher die Bäume gepflanzt werden, umso aufwendiger und teurer gestalten sich die daraus resultierenden Folgemaßnahmen. Hier muss sogar mit einer vorübergehenden Sperrung der Tiefgarage gerechnet werden, um das Tief-garagendach statisch zu verstärken. Eine exakte Positionierung der Bäume und die konkreten baulichen Maßnahmen müssten in der Folge auch noch gutachterlich ermittelt werden.

 

Die „Studie zur Entwicklung und Gestaltung des Umfeldes Schloss und Schloss Arkaden Braun-schweig“ vom Büro Ackers Partner Städtebau schlägt an dieser Stelle als räumlichen Ab­schluss des Schlossplatzes ein Baumcarrée vor (vgl. Anlage Antrag 19-10971). Eine solche Baum­grup­pe würde eine Flächenlast darstellen, deren Lastabtrag über das darunter befindliche Tiefga­ragendach und dessen Unterkonstruktion nicht aufgenommen werden kann. Daher ist dieser Vorschlag nicht umsetzbar.

 

Die Verwaltung schlägt einzelne Baum­pflan­zungen außer­halb des Tief­garagendachs vor.

 

Entwurf A:

Da eine Begrünung des Bereichs stadträumlich und klimatisch sinnvoll ist, wurde die Pflanzung von Einzelbäumen unter Berücksichtigung der aufgezeigten Rahmenbedingungen und der vor­handenen Fahrradabstell­anlagen geprüft. Um räumlich eine Verbindung zum gegenüberliegen­den Magniviertel herzustellen, werden auch dort Baumpflanzungen angedacht. Die Verwaltung schlägt im Bereich A – Schlossplatz Süd drei Neu­pflanzungen außerhalb des Tiefgaragendachs vor: zwei Neupflanzungen verlängern die straßenbegleitende Begrünung entlang des Bohlwegs, ein Baum wird im Bereich der Fuge zwischen dem Schlossbaukörper und dem modernen ECE-Gebäudetrakt vorgeschlagen. Optional werden auch drei Bäume auf dem Tiefgaragendach dar-gestellt, diese sind aber mit sehr hohen Kosten verbunden (vgl. Anlage 2) und werden deshalb nicht zur Umsetzung empfohlen.

 

Die optionalen drei Bäume bedürfen bei entsprechender politischer Beschlusslage noch einer eingehenden statischen Prüfung, um den Lastabtrag über das Tiefgaragendach zu ge­währ-leisten. Infolge dessen könnte es zu Abweichungen hinsichtlich der vorgeschlagenen Stand­orte kommen. Erst nach entsprechenden Gutachten im Rahmen der Ausführungsplanung könnte der genaue Ort und die Anzahl der Baumpflanzungen festgelegt werden.

 

Kosten A:

Die Kosten für die Bäume außerhalb des Tiefgaragendachs belaufen sich auf ca. 4.500 €.

 

Baumpflanzungen auf dem Tiefgaragendach würden in jedem Fall ein ringförmiges Hochbeet und zusätzliche Abdichtungsmaßnahmen erfordern. Die Kosten für die Herstellung eines ring-förmigen Hochbeetes mit einem Außendurchmesser von 7,60 m und einem Innendurchmesser von 6,20 m würden sich auf 53.000 € belaufen zzgl. Baum­pflanzung und Bodendecker sowie Substratschicht in Höhe von knapp 6.600 €, also insgesamt rund 60.000 € pro Baum. Die Größe des Pflanzbeetes würde sich an den vorhandenen Pflanz­beeten orientieren. Eine Ver-kleinerung der Pflanzfläche zur Reduzierung der Kosten kommt aus fachlicher Sicht nicht in Frage. Die Gesamtkosten für die drei Pflanzbeete werden auf ca. 180.000 € brutto geschätzt. Dabei sind die Kosten für eine eventuelle Deckenverstärkung des Tiefgaragendachs noch nicht berücksich­tigt. Die Kosten für eine statische Verstärkung des Tief­garagendaches mit Kohlefaserlamellen würden sich auf zusätzlich rund 120.000 € belaufen.

 

Aufgrund der hohen Kosten und der statischen Randbedingungen der Tiefgarage von insge-samt 300.000 € werden daher die optionalen Baumstandorte auf der Tiefgarage von der Ver-waltung nicht zur Umsetzung empfohlen.

 

Bereich B - Herzogin-Anna-Amalia-Platz und St.-Nicolai-Platz

Rahmenbedingungen:

Für weitere Begrünungsmaßnahmen im Bereich des Herzogin-Anna-Amalia-Platzes sowie des St.-Nicolai-Platzes sind verschiedene Zufahrten, Feuerwehrdurchfahrten und -aufstellflächen entlang der angrenzenden Bebauung sowie vorhandene Leitungstrassen zu berücksichtigen.

 

Entwurf B:

Die Freiflächen sind erst mit dem Neubau Schlossarkaden hergestellt worden und daher noch sehr neuwertig. Der beigefügte Entwurf berücksichtigt daher die bestehenden Entwurfs­ele­mente und erweitert die vorhandenen begrünten Flächen mit minimalem Aufwand unter Be­­rücksichtigung der vorgegebenen Rahmenbedingungen. Es werden vier Neupflanzungen in diesem Bereich vorgeschlagen.

 

Es werden zusätzliche Flächen in einer Größenordnung von ca. 500 m² entsiegelt.

 

Kosten B:

Die Kosten für die Entsiegelung der vorgesehenen Flächen und der Herstellung von neuen mit Stauden bepflanzten Pflanzbeeten belaufen sich auf ca. 120 €/m² zzgl. Baumpflanzungen in Höhe von ca. 1.500 € je Baum.  Insgesamt werden die Bruttokosten für die beschriebenen Maßnahmen in diesem Bereich damit auf ca. 66.000 € geschätzt. Unberücksichtigt bleiben dabei detaillierte Kosten für ggf. erforderliche Fahrradabstellanlagen bzw. notwendige Anpassungen an den bestehenden Anlagen.

 

Bereich C - Ritterbrunnen

Rahmenbedingungen:

Derzeit befinden sich auf dem Platz am Ritterbrunnen im Umfeld des Brunnens lediglich drei Bäume. Auf der Freifläche gegen­über vor dem Schlosscarrée befindet sich ein lose angeordneter Alt­baumbestand. Die Randlage der Freifläche wird für die Anlieferung der gastronomischen Ein­richtungen genutzt. Ebenso werden Flächen zum Ein- und Aus­stieg von Patienten des Schloss­carrees benötigt. Freiflächen für Außenbestuhlung unmittelbar im Anschluss an die Gastronomie befinden sich teilweise unter den vorhandenen Bäumen.

 

Entwurf C:

Der Altbaumbestand wird mit zwei Neupflanzungen im Osten der Platzfläche Richtung Ritter-

brunnen ergänzt. Um die Bäume in diesem Bereich räumlich in einen Zusammenhang zu stellen

und den ar­chitektonischen Rahmen zu berücksichtigen, werden weitere lose Baumpflanzungen

auf der Platzflä­che Ritterbrunnen vorgenommen. Die Baumpflanzungen kontrastieren die streng symmetrischen Pflanzungen unmittelbar vor der Hauptfassade des Schlosses, die ebenfalls symmetrisch aufgebaut ist. Es werden Entsiegelungen auf einer Fläche von insgesamt knapp 50 m² sowie fünf Neupflanzungen von Einzelbäumen vorgesehen (vgl. Anlage 4).

 

Im Rahmen der Ausbauplanung müssen die vorgesehenen Standorte für die neu zu pflanzenden Bäume hinsichtlich der Laufbeziehungen für Fußgänger sowie der Fahrbeziehungen von Rad­fahrenden überprüft werden, d. h. die Standorte können sich daher noch geringfügig ändern.

 

 

Kosten C:

Die Kosten für die Entsiegelung der vorgesehenen Flächen und der Herstellung von neuen Pflanzbeeten belaufen sich auf ca. 120 €/qm zzgl. Baumpflanzungen in Höhe von ca. 1.500 € je Baum. Insgesamt werden die Kosten für die beschriebenen Maßnahmen auf ca. 13.500 € brutto geschätzt.

 

Fazit:

Mit den vorgeschlagenen Maßnahmen wird dem Wunsch nach einer größeren Anzahl schat­ten­­spendender Bäume und damit einer nachträglichen Begrünung des Schlossumfeldes nach­gekommen. Dabei wurden im Sinne einer ganzheitlichen Betrachtung dieser städte­bau­lichen Situation und hinsichtlich einer höheren Wirkung für den Klimaschutz die Prüfaufträge zur Begrünung des Schlossplatzes Süd und zum Herzogin-Anna-Amalia-Platz und St.-Nicolai-Platz auch auf den Bereich des Ritterbrunnens ausgeweitet. 

 

Für die entsiegelten Bereiche sind innerhalb der Baumscheiben - ebenfalls im Sinne einer Re­duzierung der Klimaauswirkungen - neben den Pflanzungen von Bäumen auch Pflan­zungen von nachhaltigen Wildstauden bzw. Stauden/Bodendeckern vorgesehen, die als Bienenweiden fungieren.

 

In die Entwurfsüberlegungen sind die gegebenen Rahmenbedingungen wie die vorhandene Tiefgarage südlich des Schlosses und die bestehenden Leitungen ebenso eingeflossen wie die bewusste Erhaltung neuwertiger Elemente wie die Fahrradständer auf dem südlichen Schlossplatz oder die vorhandenen Inseln im Bereich Herzogin-Anna-Amalia-Platz und St.-Nicolai-Platz, um die zu erwartenden Kosten in einem verträglichen Maß zu halten. Die Ver­waltung empfiehlt aus Kostengründen für den Bereich Schlossplatz Süd lediglich die Pflanzung von 3 Bäumen außerhalb der Tiefgarage.

 

Im Falle einer Umsetzung aller drei Teilabschnitte würden damit folgende Kosten anfallen:

Bereich A – Schlossplatz Süd           4.500 €

Bereich B -  Herzogin-Anna-Amalia-Platz/ St.-Nicolai-Platz   66.000 €

Bereich C – Ritterbrunnen         13.500 €

Ausstattung/Bänke pauschal        20.000 €

 

Insgesamt beläuft sich die grobe Gesamtkostenschätzung damit auf ca. 104.000 € brutto.

 

Reduzieren

Anlagen

Loading...

Erläuterungen und Hinweise