Rat und Stadtbezirksräte

ALLRIS - Vorlage

Mitteilung - 19-11847

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Sachverhalt

Sachverhalt:

 

Das weitestgehend in den 60er Jahren entstandene Umfeld des Hauptbahnhofs entspricht heute mit seinen großflächigen Verkehrsräumen nicht mehr den Anforderungen an eine zukunftsorientierte Stadtentwicklung. Mit der Zielsetzung, diese wichtige Visitenkarte der Stadt Braunschweig durch eine Neuordnung zu einem zukunftsfähigen urbanen Quartier der kurzen Wege umzugestalten, wurde im April dieses Jahres ein zweiphasiger städtebaulicher Ideenwettbewerb ausgelobt.

 

Da neben städtischen Flächen insbesondere Areale der Deutschen Bahn sowie im Bereich der Kurt-Schumacher-Straße das Atrium Bummel Center der WERTGRUND Asset Management GmbH betroffen sind, wurde der Wettbewerb einvernehmlich und in enger Kooperation mit den genannten Grundstückseigentümern ausgelobt. Eingeladen wurden 10 regionale und überregionale Arbeitsgemeinschaften von Stadt- und Verkehrsplanern, um neben den baulichen und nutzungsrelevanten Potentialen Ideen für die Neuordnung der Verkehre, die Vernetzung mit dem Park "Viewegs Garten" und den angrenzenden Quartieren sowie attraktive und eindeutige Stadträume für den Weg der Ankommenden in die Stadt zu entwickeln.

 

Im Rahmen der am 6. September in der Stadthalle stattgefundenen Jurysitzung wurde der Wettbewerb "Hauptbahnhof Braunschweig - Städtebauliche Neuordnung des Umfeldes" nun entschieden. Die elfköpfige Jury setzte sich aus Vertretern der Auslobung (Stadt, DB Station & Service AG und Wertgrund) und Vertretern der Politik, sowie externen Fachpreisrichtern zusammen. Für die sechs zu beurteilenden Arbeiten bestimmte die Jury drei Preise und eine Anerkennung. Der erste Preis wurde an die Braunschweiger Arbeitsgemeinschaft WELPvonKLITZING mit BM Consult und GKL vergeben, der zweite Preis an das Düsseldorfer Büro Thomas Schüler, das in Kooperation mit BSV arbos einen Entwurf abgegeben hatte. Für den dritten Preis wurde die Arbeitsgemeinschaft Brederlau und Holik mit ARGUS ausgezeichnet.

 


 

1. Preis - Büro WELPvonKLITZING (Anlage 1)

 

Der Siegerentwurf des Büros WELPvonKLITZING in Zusammenarbeit mit BM Consult als Verkehrsplaner und GKL als Landschaftsplaner zeichnet sich durch eine gelungene Inte-gration des Bahnhofs in die Stadt aus. Die bisher fehlende Orientierung zur Stadt wird planerisch durch die Herausarbeitung eines maßstabsgerechten Bahnhofsvorplatzes, der auch die ovale Form des Daches aufgreift, mit sinnvollen baulichen Verdichtungen in Form von bis zu achtgeschossigen Wohn- und Geschäftshäusern im Bahnhofsumfeld hergestellt. Dies trägt wesentlich zur Integration des Bahnhofs in das neue Bahnhofsquartier und damit in die Gesamtstadt bei. Weiterhin werden im Nahbereich des denkmalgeschützten Hauptbahnhofs funktionale Einrichtungen wie ein Fahrrad- und Parkhaus sowie ein Busterminal angeordnet, um die verkehrlichen Verknüpfungen für die Reisenden zu verbessern. Besonders hervorzuheben ist der vorgegebene und weitest gehende Erhalt des Viewegs Garten sowie dessen besonders gelungene Vernetzung mit dem gegenüber liegenden Bahnhofsviertel. In diesem Entwurf setzt sich der Park, der in Teilbereichen überbaut, aber genauso in Teilbereichen erweitert wird, sowohl gegenüber der Kurt-Schumacher-Straße, als auch zwischen den Bahngleisen und dem BraWoPark fort.

 

Durch die Entkopplung von Straßenverkehr und Stadtbahn im Parkbereich wird die Führung der Stadtbahngleise bis auf die Wendeschleife erhalten. Dies wird als großer Vorteil für die Realisierbarkeit angesehen. Alle Verkehrsanlagen scheinen ausreichend dimensioniert. Das Fahrradparken liegt mit direkter Anbindung an den Bahnhof an der richtigen Stelle. Sowohl die Linienbusstation als auch die Anbindung Stadtbahn - DB ist gut gelöst und realisierbar. Der Entwurf respektiert das Bahnhofsgebäude in seiner Form und grundsätzlichen Bedeutung als Denkmal.

 

Eine dichte urbane Wohnnutzung wird in Form von Hofstrukturen ergänzt und weitestgehend in Richtung Grün orientiert. Dienstleistung und Gewerbe sind sinnvollerweise zum Ring orientiert. Der Entwurf scheint durch die einzelnen Blockbereiche sehr gut in Bauabschnitten umsetzbar. Dies ist neben der Beibehaltung der Stadtbahntrasse ganz offensichtlich ein großer Vorteil des Entwurfs in der Umsetzbarkeit.

 

 

2. Preis – Thomas Schüler Architekten (Anlage 2)

 

Der zweite Preisträger, Thomas Schüler Architekten in Zusammenarbeit mit BSV arbos als Verkehrsplaner, verfolgt für den Bahnhofsvorplatz ein grundlegend anderes Konzept. Der hier vorgeschlagene Platzraum wird vom Wilhelminischen Ring durchschnitten. Die Orientierung in die Innenstadt wird über diesen Platzraum jedoch ebenfalls sehr gut hergestellt.

 

Die Arbeit überzeugt mit einer klaren und logischen Leitidee der räumlichen Anbindung von Stadt und Bahnhof. Durch den gefassten Bahnhofsvorplatz und den kleineren Elmplatz gelingt eine gute Orientierung vom Bahnhof in die Kurt-Schumacher-Allee in Richtung Kern-stadt. Durch eine angemessene Dichte und Kleinteiligkeit in der vorgeschlagenen Bebauung am Viewegs Garten ist die Idee der europäischen Stadt räumlich gut abzulesen. Die Arrondierung der Stadtkörper an der Ringstraße durch vier Baufelder stärkt das Leitbild und fasst den Bahnhofsbereich in guter Proportion. Das städtebauliche Konzept ergänzt durch gut gesetzte Raumkanten die bestehende Baustruktur und bindet die Solitäre der Nachkriegsmoderne ein. Dadurch entstehen qualitativ hochwertige Freiräume, besonders durch die Ausdifferenzierung von Stadt (Plätze) und Landschaftsräumen (Garten).


 

Durch die Verdichtung der Stadträume wird ein hoher Eingriff in die bestehende Verkehrs-infrastruktur erforderlich, der eine Entwicklung in Bauabschnitten erschwert. Der Mobilitätshub im Süd-Westen wird besonders aufgrund der kompakten Organisation begrüßt. Als Nachteil hingegen erscheint hier die nicht realisierbare Regio-Stadtbahnanbindung.

 

Der Bahnhofsvorplatz bekommt durch die klare Fassung eine angemessene Dimension. Insgesamt ist die Arbeit ein sehr guter Beitrag zur Anbindung von Stadt und Bahnhof, dem es gelingt, die Eigenarten der Nachkriegsmoderne mit der dichten Struktur der europäischen Stadt zu komplettieren.

 

3. Preis – Büro Brederlau und Holik (Anlage 3)

 

Der dritte Preisträger, das Büro Brederlau und Holik in Zusammenarbeit mit ARGUS als Ver-kehrsplaner, bildet ebenfalls einen durch den Wilhelminischen Ring geteilten Platzraum aus. Auch hier ist eine gute Orientierung in die Innenstadt gegeben. Den Verfassern gelingt es, durch die Verbindung des Bahnhofsvorplatzes mit dem Stadtfoyer in Richtung Innnenstadt qualitätvolle, zusammenhängende Stadträume entlang der Verkehrsräume zu entwickeln. Dadurch entsteht ein einladendes Entreé in Richtung Innenstadt, das städtebaulich durch mehrere Hochpunkte markiert wird. Das gibt dem "Bahnquartier" in diesem Bereich eine räumliche Fassung.

 

Die verkehrlichen Funktionalitäten sind im Wesentlichen dargestellt, sind jedoch in verschiedenene Punkten kritisch zu bewerten. Die Gleisführung der Stadtbahn in der Kurt-Schumacher-Straße wurde entgegen der Auslobung nicht beibehalten.

 

Der Entwurf zeigt mehrere Platz- und Freiräume. Die städtebauliche freiräumliche Organisation der Mobilitätsdrehscheibe ist verbesserungswürdig und die Vernetzung zwischen urban geprägter Bebauung und den Grün- und Freiräumen stärker heraus­zuarbeiten. Hinsichtlich der funktionalen Qualitäten werden insbesondere Nutzungs­mischungen und mit öffentlichkeitswirksamen Nutzungen versehene Erdgeschosszonen der straßenbegleitenden Bebauung gewürdigt. Das Konzept berücksichtigt die Bedeutung des Hauptbahnhofs als Denkmal. Eine bauabschnittsweise Umsetzung des Gesamtkonzeptes scheint möglich.

 

Fazit:

 

Der Erhalt und die Vergrößerung der Grünanlage „Viewegs Garten“ um etwa 8.000 qm sowie deren Vernetzung und Einbindung in ein urban geprägtes Umfeld sind von großer städtebaulicher Bedeutung und sprechen aus Sicht der Verwaltung für den Siegerentwurf. Auch unter gestalterischen sowie stadt- und verkehrsplanerischen Aspekten sticht der Siegerentwurf des Büros WELPvonKLITZING in Zusammenarbeit mit BM Consult als Verkehrsplaner und GKL als Landschaftsplaner aus dem Teilnehmerfeld hervor.

 

Die Verwaltung empfiehlt daher, die Planungen auf Grundlage dieses Entwurfs weiter zu entwickeln.

 

 

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