Rat und Stadtbezirksräte

ALLRIS - Vorlage

Mitteilung - 20-12640

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Sachverhalt

Sachverhalt:


Zur Einrichtung einer Hebammenzentrale liegen zwei Anträge von der SPD (Antrag 261 der Haushaltsvorlage 2020, DS 19-12348 – Anlage 1.1 vom 11.12.2019) und der FDP (DS 19-12121 vom 28.10.2019) vor.

 

In einer Podiumsdiskussion zur Hebammenversorgung und -ausbildung und in mehreren Runden Tischen „Rund um die Geburt“ zusammen mit allen beteiligten Akteur*innen wurde die Thematik bereits ausführlich erörtert und als derzeit nicht ausreichende Versorgung der schwangeren Frauen und deren Familien skizziert.

 

Gesundheitsversorgung und Familienfreundlichkeit sind für die Lebensqualität in den Kommunen ganz entscheidende Standortfaktoren. Da Familienfreundlichkeit bereits die Betreuung und Versorgung während der Schwangerschaft prägt, braucht eine Stadt wie Braunschweig ein gutes und ausreichendes Angebot zur Geburtsvorbereitung. Eine wesentliche Voraussetzung dafür ist eine ausreichende Anzahl von Hebammen mit entsprechenden Kapazitäten.

 

Derzeit müssen Schwangere bereits direkt nach Feststellung der Schwangerschaft (5./6. Schwangerschaftswoche) mit der Suche nach einer Hebamme beginnen. Dennoch steigt die Zahl der Familien ohne Hebammenbetreuung in Braunschweig an. Etwa 30 % der schwangeren Frauen in der Stadt finden keine Hebamme für die Wochenbettbetreuung. In dieser sensiblen Phase kümmern sich Hebammen um ein breites Spektrum gesundheitlicher Fragestellungen der Frauen und besonders in den ersten zehn Tagen um den Gesundheits­zustand des Kindes und seine allgemeine Entwicklung. Hier werden Weichen gestellt, die oft entscheidend für ein gesundes Aufwachsen des Kindes sind.

 

Die Anzahl der tätigen Hebammen in Braunschweig hat in den vergangenen Jahren kontinuierlich abgenommen. Zudem arbeiten zunehmend weniger Hebammen in Vollzeit. Parallel ist die Anzahl der Geburten in der Stadt gestiegen, sodass es für werdende Mütter immer schwieriger geworden ist, eine Hebamme für die Vorbereitung auf die Geburt und in der Wochenbettbetreuung zu finden. Gleichzeitig ist die Belastung für Hebammen in den Kliniken als auch für die freiberuflichen Hebammen stetig gestiegen.

 


Überlegungen zur Umsetzung:

 

Eine Hebammenzentrale in der Trägerschaft von pro familia als gemeinsames Angebot zusammen mit dem Hebammenverband Niedersachsen e. V., dem Städtischen Klinikum Braunschweig und dem Krankenhaus Marienstift der Evangelischen Stiftung Neuerkerode wird eingerichtet, um die Versorgungssituation der werdenden Eltern zeitnah zu verbessern.

 

Vorbehaltlich der Beschlussfassung des Rates über den Haushalt 2020 am 18.02.2020 könnte mit dem haushaltswirksamen und bereits vom AfSG einstimmig beschlossenen Antrag der SPD (Nr. 261; Titel 1.41.4140.50) eine Hebammenzentrale nach Freigabe des Haushalts im Juli 2020 ihre Tätigkeit aufnehmen und wäre mit 30.000 Euro auskömmlich für 2020 finanziert. Ergänzend zum Antrag der FDP (DS 19-12121) würde die Verwaltung dann vorschlagen, die Hebammenzentrale auf drei Jahre zu projektieren und ihre Wirksamkeit zu eva­luieren. Nach bereits aufgenommenen Gesprächen mit pro familia und Kostenberechnungen wäre dann von etwa 50.000 Euro jährlich auszugehen.

 

Begründung:

 

Eine Hebammenzentrale kann zum einen insbesondere durch Werbung und Informationen im Internet die Bekanntheit und Zugänglichkeit von Hebammenleistungen verbessern. Die Erfahrung zeigt, dass viele schwangere Frauen die Angebote der überwiegend selbst­ständigen Hebammen nicht kennen. Zum anderen kann eine Koordinationsstelle Vermittlungs- und Koordinierungsleistungen übernehmen und die Hebammen von dieser Tätigkeit entlasten, sodass sie mehr Kapazitäten für die Betreuung der Frauen haben. So könnte analog zu dem Modell der auch in anderen Landkreisen und der Region Hannover installierten Hebammenkoordinationszentrale eine bestmögliche Effektivität in der Ver­sorgung für schwangere Frauen in Braunschweig und gleichzeitig beste Effizienz der zu geringen Anzahl vorhandener Hebammen erreicht werden.

 

Aufgaben der Hebammenzentrale:

 

  • Koordinierung der Hebammenkapazitäten
     
  • Information und Beratung von Frauen und Familien über Hebammenleistungen
     
  • Hebammenvermittlung für suchende Frauen
     
  • Akquise der örtlich freiberuflichen Hebammen für die digitale Werbung über das Internet
     
  • Informationen zu weiteren Angeboten rund um Schwangerschaft/Geburt/Wochenbett
     
  • Vernetzung mit anderen für die Familien wichtigen Kooperationspartner*innen (Kliniken, niedergelassene Gynäkolog*innen, Kinderärzt*innen, Physio­therapeut*innen, Beratungsstellen, Gesundheitsamt, Angebote der Frühen Hilfen sowie Behörden etc.)
     
  • Information und Vernetzung der Hebammen in Braunschweig
     
  • Beratung und Unterstützung beim (Wieder-) Einstieg von Hebammen in die Selbst­ständigkeit mit dem Ziel, das Versorgungsangebot in Braunschweig zu verbessern.
     
  • Jährliche Evaluation der Versorgungssituation Rund um die Geburt
     
  • Regelmäßige Information des AfSG

 

 

Struktur/Trägerschaftsmodell:

 

In den Sitzungen des Runden Tisches „Rund um die Geburt“ und in weiteren Gesprächen mit zentralen Akteur*innen haben sich wesentliche Punkte zur organisatorischen Umsetzung herauskristallisiert. So wäre es sinnvoll, die Hebammenzentrale beim pro familia Landes­verband Niedersachsen e. V. als Träger anzugliedern. Die Dienstaufsicht läge beim Träger, die Fachaufsicht könnte durch den Hebammenverband Niedersachsen e. V. erfolgen.

 

Für die Aufgaben der Hebammenzentrale würden eine 18-Std.-Stelle für eine ausgebildete Hebamme und 5 Std. als Vertretung (bei Urlaub und Krankheit) in Trägerschaft von pro familia zur Verfügung gestellt werden müssen.

 

Die Hebammen müssten Berufserfahrung vorweisen und sollten Zusatzqualifikationen in den Bereichen Kommunikation, Beratung, Organisation und Netzwerkarbeit nachweisen oder diese zeitnah erwerben können.
 

 

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