Rat und Stadtbezirksräte

ALLRIS - Vorlage

Beschlussvorlage - 20-13490

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Beratungsfolge

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Beschlussvorschlag

Beschluss:

Der in der Vorlage vorgeschlagenen Umsetzung und Finanzierung des Accelerators für Wachstum und Innovation (W.IN) als dauerhaftes Angebot der Braunschweig Zukunft GmbH wird zugestimmt.

 

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Sachverhalt

Sachverhalt:

Am 27.10.2017 beschloss der Wirtschaftsausschuss (Vorlagennummer: 17-05564) die Umsetzung und Finanzierung des sog. Innovationsinkubators Braunschweig für die Jahre 2018 bis 2020. Die Mittel wurden damals aus Ansätzen des Wirtschaftsdezernates bestritten. Dabei handelte es sich um Mittel aus dem Existenzgründerfonds, der Kofinanzierung von Projekten der Wirtschaftsförderung und der Fachkräfteentwicklung sowie der Kultur- und Kreativwirtschaft wurden hierfür gebündelt. Ausgangslage der Implementierung war die Schließung einer Lücke in der Wertschöpfungskette unterstützender Angebote für Start-ups im Gründerökosystem des Wirtschaftsstandortes Braunschweig, da der Wettbewerb um die Ansiedlung von innovativen Gründerteams landes- und bundesweit stark zugenommen hat. Rückmeldungen von Existenzgründer*innen sowie etablierten Unternehmen in der Region haben zudem ergeben, dass Braunschweig als Gründerstadt in der Öffentlichkeit nur unzureichend wahrgenommen werde. Dabei bietet die Region anhand der Hochschulen, Forschungseinrichtungen und des breiten Netzwerks unterstützender Institutionen gute Möglichkeiten für potentielle Hightech- und weitere innovative Gründungen.

 

 

Ebenfalls im Jahr 2017, stellte die BSZ einen Förderantrag zur Errichtung eines Start-up Zentrums für Mobilität und Innovation (MO.IN) bei der NBank, welches anschließend als eines von insgesamt acht Start-up Zentren in Niedersachsen in den Jahren 2018 – 2019 gefördert wurde, die Förderung wurde im vergangenen Jahr um drei weitere Jahre verlängert. Beide Projekte wurden operativ ab dem Jahr 2018 in den Räumen des Technologieparks umgesetzt. Der Innovationsinkubator wird zeitlich und inhaltlich in der Wachstumsphase der Start-ups umgesetzt und stellt daher ein ergänzendes Angebot zum MO.IN dar. Im Gegensatz zur (Vor-)Gründungsphase, bei der das MO.IN auf ein wissenschaftlich basiertes Coachingkonzept setzt, zielt das Innovationsinkubatorkonzept auf bessere Zugänge zur regionalen Wirtschaft durch die Zuweisung von Mentor*innen aus gestandenen Unternehmen zur Bewältigung der vielfältigen Herausforderungen in der Wachstumsphase der Start-ups.

 

Die vorgesehene Betreuungszeit sollte dafür 12 Monate betragen. Die Zuweisung erfolgt durch ein Matching zwischen Start-up-Bedarfen und Mentoringangeboten aus der Wirtschaft. Wachstumsfördernde Fachfragestellungen von Start-ups, die über ein Mentoring hinausgehen, sollten durch die Zurverfügungstellung eines Fachberatungsbudgets, beispielsweise für verbindliche Auskünfte in Rechtsfragen, beantwortet werden. Das laufende Vernetzen der Start-ups mit weiteren Institutionen und Einrichtungen rundet die Schnittstellenfunktion des Innovationsinkubators ab.

 

Zur besseren begrifflichen Abgrenzung wurde der Innovationsinkubator im Jahr 2018 zum „Accelerator für Wachstum und Innovation – W.IN“ umbenannt und begann die operative Tätigkeit zum 01.01.2019, da durch personelle Änderungen im Projektmanagement des W.IN der ursprüngliche Zeitplan nicht eingehalten werden konnte (siehe Mitteilung an den Wirtschaftsausschuss Vorlagennummer 18-09333).

 

 

Mentor*innennetzwerk

 

Ziel des Projektes war die Wissensvermittlung und Vernetzung von innovativen Jungunternehmen mit gestandenen Unternehmen aus der Wirtschaft. Um diesen Herausforderungen der Start-ups gerecht werden zu können, ist eine breite Unterstützung der Wirtschaft und ein verlässliches, heterogenes Mentor*innennetzwerk für den Erfolg des Projektes unerlässlich. Die Mentor*innen liefern neben einem branchenspezifischen unternehmerischen Know-how auch einen Sponsoringbeitrag zur allgemeinen Projektfinanzierung. Insgesamt 14 Unternehmen schlossen bisher Kooperationsvereinbarungen mit der BSZ:

 

-          AGIMUS GmbH

-          AITEC GmbH

-          AL-Elektronik Distribution GmbH

-          Arbeitgeberverband Region Braunschweig e.V.

-          borek.digital

-          fme AG

-          Frachtrasch International

-          Gramm, Lins & Partner Patent- und Rechtsanwälte PartGmbB

-          HDS Consulting GmbH

-          msg DAVID GmbH

-          M-Venture GmbH

-          Robert Bosch Elektronik GmbH

-          Sport-Thieme GmbH

-          Streiff & Helmold GmbH

 

Die Erfahrungswerte durch die Rückmeldungen der Start-ups zeigen, dass die frühzeitige Vernetzung wichtige Impulse und Möglichkeiten bietet, um die Wachstumsphase mit einem Markteintritt bzw. im Wachstum zu meistern. Die identifizierten Themen sind dabei äußerst heterogen und qualitativ vielschichtig. Seitens der Mentor*innen ist das Feedback durchweg positiv. Die Vernetzung von innovativen Jungunternehmen und traditionellen Unternehmen gelingt und beide Seiten profitieren durch neue Denkanstöße von einem „Win-Win-Effekt“.

 

Start-ups

 

Ziel des Projektkonzeptes ist die halbjährliche Identifikation und Aufnahme von insgesamt drei Start-ups, mit einer Betreuungsdauer von i.d.R. 12 Monaten. Im Jahr 2019 wurden insgesamt sechs Start-ups von einer Jury ausgewählt und in die Betreuung aufgenommen. Im März 2020 endete die erste 12-monatige Betreuungszeit der aufgenommenen Start-ups der ersten Betreuungsrunde. Drei neue Start-ups wurden aufgenommen und werden seitdem betreut. Geplant ist es, im vierten Quartal 2020 drei weitere Start-ups aufzunehmen.

 

 

Die Erfahrungen der bisherigen Bewerbungszeiträume zeigen, dass die sich bewerbenden Start-ups aus unterschiedlichen Branchen kommen. Folgende Start-ups wurden bislang im W.IN betreut:

 

Betreuungsrunde I

 

-          AIPARK GmbH (Softwarelösung für Parkplatzsuche)

-          Lilian Labs GmbH (Messung von Wasserqualität und Inhaltsstoffen)

-          Papa Fuego GmbH (Entwicklung und Vertrieb einer Fruchtspirituose)

 

Betreuungsrunde II

 

-          COPRO Technology GmbH (innovatives Fertigungsverfahren von gekrümmten Carbonteilen)

-          FORMHAND Automation GmbH (Flexibles Greiferkissen für die Industrie)

-          Novus GmbH (Elektromotorrad in Carbonbauweise)

 

Betreuungsrunde III

 

-          Fabmaker GmbH (3D-Druck und Lernkonzepte für digitale Bildung)

-          LB.systems GmbH (Vertrieb und Wiederherstellung von gebrauchten Batterien)

-          OKAPI:orbits GmbH (Software zur Vermeidung von Weltraumschrott mit Satelliten)

 

Die Breite der verschiedensten innovativen Ideen aus unterschiedlichen Branchen kennzeichnet das Innovationpotential der Region. Die Rückmeldungen der Start-ups sind durchaus positiv, was sich u.a. in der medialen Berichterstattung widerspiegelt. Es wurde deutlich, dass das Konzept des W.IN durch die frühzeitige Vernetzung mit erfahrenen Unternehmen einen nachhaltigen wachstumsfördernden Effekt hat, um die Jungunternehmen in Richtung Marktreife / Markteintritt zu begleiten. Das geplante Konzept hat sich somit inhaltlich bewährt. Zu den bisher neun betreuten bzw. sich in der Betreuung befindenden Start-ups besteht intensiver Kontakt, der auch nach der Betreuung aufrechterhalten wird. Trotz der Coronakrise hat erfreulicherweise keines der Start-ups seinen Betrieb eingestellt. Vielmehr entstehen neue Impulse und Geschäftsansätze zur Anpassung an die neue Situation. Acht von neun Start-ups haben weiterhin ihren Hauptsitz in Braunschweig, ein Start-up hat einen weiteren Geschäftssitz in Berlin eröffnet, um die Skalierung voranzutreiben.

 

 

Beratungsbudget

 

Die betreuten Start-ups bekommen Kosten für Fachberatungen, die über ein Mentoring hinausgehen (beispielsweise rechtliche Themen) im Falle von wachstumsfördernden Themen vom W.IN erstattet. Diese Möglichkeit rundet das Konzept durch eine (rechts)verbindliche Auskunft und/oder Fachentwicklung ab.

 

Die Erfahrung zeigt, dass durch eine frühzeitige Rückkopplung mit Mentor*innen sowie dem W.IN Projektmanagement ressourcenschonend und verantwortungsvoll mit diesem Budget umgegangen wurde. Bei Mentoringanfragen zeigt sich ein individuelles und unterschiedliches Bedarfsbild ab. Die Nutzung des Fachberatungsbudgets, das an die Absprache mit Mentor*innen und dem W.IN Projektmanagement gebunden ist, zeigt deutlich, dass das W.IN Konzept hier einen wichtigen Beitrag für die Unternehmensentwicklung liefert.

 

 

Nutzen für das Gründerökosystem des Wirtschaftsstandortes Braunschweig

 

Durch die Abdeckung der Start-up Unterstützung in der Wachstumsphase konnte bedarfsgerecht eine Unterstützungslücke geschlossen werden, die sich als bewährtes Instrument im Gründerökosystem manifestiert hat. Die Kombination aus Wissensvermittlung durch Mentor*innen, monetärer Unterstützung für Fachberatungsleistungen sowie einem verlässlichen Ansprechpartner seitens der Wirtschaftsförderung ist regional und überregional ein Alleinstellungsmerkmal und hat sich in der Implementierungsphase des Projekts bewährt. Dies wird besonders in Multiplikatoren- und Start-up Kreisen deutlich und führt dazu, dass eine gute qualitative Bewerbungslage potentieller Start-ups aus der Region besteht. Durch Berichterstattungen in der Presse verbesserte sich zudem die Sichtbarkeit der Angebote sowie die des Wirtschaftsstandortes Region Braunschweig als attraktiver Gründerort.

 

Ebenfalls hervorzuheben ist dabei die „1. Start-up Con Braunschweig“ im Dezember 2019, in der sich die W.IN Start-ups nebst anderen Start-ups der Öffentlichkeit und weiteren Multiplikatoren präsentierten und einmal mehr das Innovationspotential der Region aufzeigten.

 

 

 

Weiterentwicklung und aktuelle Herausforderungen

 

Durch personelle Veränderungen im Projektmanagement des Schwesterprojektes MO.IN wurde das Personal der Projekte MO.IN und W.IN zusammengelegt und fachlich differenzierter aufgestellt. Somit betreut ein Projektteam beide Projekte und schafft sinnvolle, fließende Übergänge. Dies führte inhaltlich zudem dazu, dass die Teamkompetenzen erweitert worden sind und Doppelstrukturen vermieden werden konnten. Somit wurde eine effizientere Umsetzung beider Projekte geschaffen.

 

Insbesondere in der Corona-Krise und den damit einhergehenden Beschränkungen und Bestimmungen wurde das Betreuungskonzept mit der Möglichkeit der Online-Betreuung und Vernetzung ausgebaut. Dieser Ansatz soll zukünftig weiterverfolgt werden, um auch die Betreuungsmöglichkeiten noch differenzierter zu gestalten.

 

 

Finanzierung

 

Die dauerhafte Umsetzung des W.IN soll weiterhin haushaltsneutral über das Budget der BSZ finanziert werden. Dafür stehen der BSZ insgesamt 140.000,- € jährlich zur Verfügung.

 

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