Rat und Stadtbezirksräte
Anfrage (öffentlich) - 20-14262
Grunddaten
- Betreff:
-
Zukunft Heizkraftwerk Mitte
- Status:
- öffentlich (Vorlage freigegeben)
- Vorlageart:
- Anfrage (öffentlich)
- Federführend:
- 0100 Steuerungsdienst
- Verantwortlich:
- Fraktion BIBS im Rat der Stadt
Beratungsfolge
| Status | Datum | Gremium | Beschluss | NA |
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Erledigt
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Finanz- und Personalausschuss
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zur Beantwortung
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17.09.2020
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Sachverhalt
Sachverhalt:
BS-Energy plant unter maßgeblicher Beteiligung der Stadt Braunschweig ein neues Heiz-Kraftwerk. Damit soll dem Klimaschutz Rechnung getragen werden.
Dazu fragen wir:
1. Ist das zukünftige Kraftwerk klimaneutral?
2. Sind die bisherigen Planungen nachhaltig?
Erläuterung:
BS-Energy pocht darauf, dass nach dem Umbau 60% der CO2-Emissionen eingespart werden. Das wäre erfreulich und im Sinne des Klimaschutzes, nur, die 60% kommen dadurch zustande, dass die Emissionen aus dem verbrannten Holz nicht mitgezählt werden und der CO2-Ausstoß pro kWh Strom durch die Umstellung von Steinkohle auf Erdgas etwa halbiert wird. Es verbleibt pro Jahr ein Ausstoß von 200 000 t CO2.
Im Hintergrund der jetzigen Umbauprozesse steht nicht nur der Kohleausstieg, sondern auch die notwendige und gesellschaftlich angestrebte Klimaneutralität. Diese soll laut EU 2050 im Einklang mit den Zielen des Übereinkommens von Paris erreicht werden. Entsprechende Verordnungen werden derzeit vorbereitet. Die EU wird die Zwischenziele für 2030 von z.Zt. -40% Emissionsreduktion gegenüber 1990 verschärfen auf einen Wert aus der Spanne -40% bis -65%. Viele Wissenschaftler, denen sich die FFF-Bewegung angeschlossen hat, sehen die Notwendigkeit, Klimaneutralität bis 2035 zu erreichen.
Kurzfristige Denkweisen darf sich die Menschheit nicht mehr erlauben. Von BS-Energy ist daher nicht nur eine Planung des Kohleausstiegs gefordert, sondern ein Zukunftskonzept, das nichts weniger als den „0“-Wert für Emissionen zum Ziel hat. Der zeitliche Rahmen ist eng, es geht immerhin ja um Großanlagen und nicht um ein Einfamilienhaus. Das Ziel „Klimaneutralität 2035“ sollte daher unbedingter Maßstab sein.
Die Erreichung dieses Ziels ist sicher eine technische Herausforderung. Bis zu 50% des Verbrennungsgases könnten aber schon jetzt mit nur relativ kleinen Umbauten durch „grünen“ Wasserstoff ersetzt werden, der durch Einsatz von regenerativem Strom hergestellt wird, heißt es bei BS-Energy. Wo soll dieser Wasserstoff produziert werden? Wie können die restlichen 50% Erdgas vermieden werden?
Die Eckpunkte solch eines Zukunftskonzeptes müssten noch in die Pläne des Kraftwerkumbaus eingefügt werden. Die jetzt vorgesehenen Maßnahmen sind nur ein Anfang.
Die Stadt Braunschweig hält 25% der Eigentumsanteile von BS-Energy. Verwaltung und Rat sollten sich die Forderung nach einem Zukunftskonzept für das Heizkraftwerk auf die Agenda schreiben.
